Fußball-EM in der Ukraine: Hoeneß fordert von Nationalelf Solidarität mit Timoschenko

dapdDer Druck auf den ukrainischen Präsidenten Janukowitsch wächst: Wegen des Dramas um die inhaftierte Politikerin Timoschenko erwägt Kanzlerin Merkel nach SPIEGEL-Informationen einen Boykott der EM. Uli Hoeneß fordert die deutschen Nationalspieler im SPIEGEL auf, Stellung zu beziehen.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...830453,00.html
  1. #120

    Zitat von pro-ukraine: "Ist er nun Fußballmanager oder Politiker? Der soll sich mal schön raushalten aus Politischen Angelegenheiten in der Ukraine - Sport hat nichts mit Politik zu tun. Diese Großkotzige Art und der Umgang mit fremden Kulturen und Menschen wird den Deutschen noch einmal das Genick brechen!"

    Herr Hoeneß ist zuallerst mal Bürger und ich finde es gut, dass er seinen öffentlichen Einfluß, der ihm als Fußballmanager zugewachsen ist, einsetzt, um sich klar zur politischen Lage in der Ukraine zu äußern.

    Gegen Sprüche wie "Sport hat nichts mit Politik zu tun!" sind viele Deutsche seit der olympischen Spiele 1936 sehr allergisch. Sport ist überhaupt nicht vn dem politischen Umfeld zu trennen.

    Menschenrechte sind universell gültig. Sich für die Menschenrechte vn Frau Timotschenko einzusetzten, ist alles andere als großkotzig.
  2. #121

    „Uli, was hast du gemacht?“

    Joachim Gauck hat unauffällig angestoßen, und jetzt rollt der Ball unaufhaltsam auf Joachim Löw zu, der dieses Spiel nicht mitspielen will – er möchte lieber mit seinen Jungs in der Ukraine spielen. Angela Merkel, inoffizielle Kick-Kanzlerin, grummelt heimlich über den Bundespräsidenten, aber da dieser über die moralische Lufthoheit verfügt, kann sie dem blütenweißen Überflieger schlecht widersprechen, sie schaut verdattert zu ihm auf und empört sich verhalten mit. Als ob das noch nicht genug wäre, betritt nun auch noch ein Fußball-Buddha und Leberkäse-Magnat die Bühne, um sich lautstark für die weizenblonde Polit-Walküre aus dem Osten zu verwenden, die, nebenbei bemerkt, in einer bayrischen Tracht recht kleidsam aussehen würde. Hoeneß überfällt mit seiner Polterigkeit die Diplomatie zur Unzeit, er könnte so zum Auslöser einer fußballerischen Staatsäffäre werden, er steht für einen Populismus der Geradlinigkeit, den die Bundesregierung unter Zugzwang setzt, und nicht nur die: Der Deutsche Fußballbund sieht plötzlich alt aus in seiner fragwürdigen Tradition, vor der Politik den Kopf in den Sand zu stecken... „Uli, was hast du gemacht?“
  3. #122

    Zitat von ProUkraine Beitrag anzeigen
    Ist er nun Fußballmanager oder Politiker? Der soll sich mal schön raushalten aus Politischen Angelegenheiten in der Ukraine - Sport hat nichts mit Politik zu tun. Diese Großkotzige Art und der Umgang mit fremden Kulturen und Menschen wird den Deutschen noch einmal das Genick brechen!
    Wir haben hier immer noch die Meinungsfreiheit. Und da darf jeder seine Meinung kundtun. Das hat nichts mit Großkotzigkeit, sondern mit den grundrechten etwas zu tun. Wenn Sie stolz darauf sind, keine Rechte in der Ukraine zu haben, ist das Ihr Problem.
  4. #123

    aber hier ist die Gemengelage schwierig. Ist die Berichterstattung objektiv? Hat Frau Timoschenko ungesetzlich an den Gasdeals verdient oder nicht? Ist ihre Verurteilung in erster Linie politisch motiviert? Ist es schon eine Menschenrechtsverletzung jemanden mit einem Bandscheibenvorfall nicht im Ausland behandeln zu lassen? Ist Janukowitsch ein Diktator? Infiziert die Regierung Gefangene bewußt mit Krankheiten? Warum sind auf den Bildern aus der Ukraine dann aber auch (sehr wenige) friedlich demonstrierende Timoschenkosympatisanten zu sehen, die unbehelligt demonstrieren können? Ist für mich schwer zu durchschauen. Dennoch sollte man die Spieler informiren und sich äußern lassen. Sie sind intelligent und haben ihre Meinung. Das wird sie auch entlasten, denn wer will einfach aufspielen, wenn man glaubt, dass nebenan großes Unrecht geschieht. Ich denke, die Zeiten sind vorbei.
  5. #124

    Gut gebrüllt ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Druck auf den ukrainischen Präsidenten Janukowitsch wächst: Wegen des Dramas um die inhaftierte Politikerin Timoschenko erwägt Kanzlerin Merkel nach SPIEGEL-Informationen einen Boykott der EM. Uli Hoeneß fordert die deutschen Nationalspieler im SPIEGEL auf, Stellung zu beziehen.

    Fußball-EM in der Ukraine: Hoeneß fordert von Nationalelf*Solidarität mit Timoschenko - SPIEGEL ONLINE
    Gut gebrüllt, Herr Hoeness, aber wenn man eh weiß, dass sich nichts ändern wird, kann man das ja machen und Sympathypunkte einheimsen!

    Nach ukrainischer Rechtslage soll die Verurteilung von Timaschenko angeblich vertretbar sein. Ist das wirklich so?

    Aber wegen einer Woche Nahrungsverweigerung besteht noch lange keine Lebensgefahr für Frau Timaschenko. Nullfaster, welche wochenlang keine Nahrung zu sich nehmen, gibt es zigtausende!
  6. #125

    Teil 1

    Zitat von annibertazeh Beitrag anzeigen
    Der Frau Timoschenko wäre zu gönnen, dass sie bald wieder frei kommt und medizinisch ordentlich betreut wird. Ihr wäre auch zu gönnen, dass sie einen fairen Prozeß, in dem geklärt wird, ob sie Schuld trägt oder nicht.

    Insofern ist aber alles westliche Lamento ziemlich obskur, als es sich nur auf die Haft und Haftbedingungen der prominenten Frau konzentriert. Zig-Tausende anonyme Häftlinge teilen wohl ihr Los. Von Frau Merkel ist diesbezüglich kein Ton der Kritik zu hören und von Herrn Höneß auch nicht.
    Vielleicht zur Erläuterung:

    (Teil 1)

    Vorgänger von Janukowitsch und dessen Förderer war Leonid Kutschma. Er wurde u.a. der Beteiligung an der Ermordung des Jornalisten Gongadse, der Berichte über Kutschma und Personen seiner Umgebung veröffentlicht hatte, verdächtigt.

    Ermittlungen, zuletzt 2011, wurden jedoch wegen "nicht ausreichender Beweise" eingestellt, Tonbandaufnahmen,die den Auftrag Kutschmas zur Ermordung nahelegten,liess das Gericht als Beweismittel nicht zu, da sie illegal erstellt worden seien (also nicht weil sie unglaubwürdig waren).

    Kutschma unterstützte Janukowytsch bei den Präsidentschaftswahlen 2004, der zum Sieger der Wahl erklärt wurde. Das Wahlergebnis wurde jedoch wegen Wahlfälschungen vom Obersten Gericht der Ukraine für ungültig erklärt. Bei der Wiederholung der Stichwahl am 26. Dezember 2004 siegte Wiktor Juschtschenko.

    Seit September 2004 leidet Juschtschenko an einer Erkrankung, die seine Organe lebensgefährlich angegriffen und sein Gesicht entstellt hat. Erste Anzeichen der Krankheit wurden am 6. September 2004 festgestellt, als Juschtschenko ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Am Abend zuvor hatte er sich zu einem Abendessen mit Ihor Smeschko, dem Chef des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes, und dessen Stellvertreter Sazjuks auf Sazjuks Datscha getroffen. Direkt in der Nacht nach diesem Treffen traten die ersten Symptome der Vergiftung auf. D.h., diese Vergiftung fand noch während der Präsidentschaft des Janukowitsch-Förderers Kutschma nach einem Essen mit Geheimdienst-Leuten von Kutschma auf.

    Juschtschenko ernannte Julija Timoschenko zur Ministerpräsidentin, die er allerdings bereits im September 2005 wieder entlassen hat - problematische Kompetenzabgrenzungen zwischen beiden trugen dazu bei. Zwischendurch gab es sogar ein kurzfristiges Bündnis mit Janukowitsch, nach Neuwahlen gab es 2007 eine Neuauflage der Koalition mit Julija Timoschenko.

    Bei der Wahl 2010 wurde Janukowytsch Präsident der Ukraine - die Wahlen wurden nach Aussagen von Wahlbeobachtern diesmal tatsächlich ohne Wahlbetrug durch Janukowytsch gewonnen.

    (fortgesetzt in Teil 2)

    Fleurs
  7. #126

    ohne Titel

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Druck auf den ukrainischen Präsidenten Janukowitsch wächst: Wegen des Dramas um die inhaftierte Politikerin Timoschenko erwägt Kanzlerin Merkel nach SPIEGEL-Informationen einen Boykott der EM. Uli Hoeneß fordert die deutschen Nationalspieler im SPIEGEL auf, Stellung zu beziehen.

    Fußball-EM in der Ukraine: Hoeneß fordert von Nationalelf*Solidarität mit Timoschenko - SPIEGEL ONLINE
    Das Engagement von Ulli Hoeneß kann ich in diesem Fall unterstützen, frage mich aber, ob wie bei der ähnlich gelagerten Kritik von Hans-Joachim Watzke vor einigen Wochen, beide Vereine bereit sind Worten Taten folgen zu lasen.
    Wenn Schatjor Donetzk in die Championsleague Gruppe von Bayern München oder Dortmund gelost wird, würde man es wagen sich den Zorn der UEFA auszusetzen indem man einen Boykott (etwa des Auswärtsspieles) in Erwägung zieht?

    Oder spielen dann sportliche oder eher geschäfliche Aspekte eine übergeordnete Rolle?

    Ein Verzicht auf die Punkte und Einnahmen würde ein echtes Zeichen setzen, sicherlich ein größeres als ein Interview in einem deutschen Medium.
  8. #127

    Zitat von alpha-beet Beitrag anzeigen
    Menschenrechte sind universell gültig. Sich für die Menschenrechte vn Frau Timotschenko einzusetzten, ist alles andere als großkotzig.
    Das ist in der Tat der entscheidende Punkt. Menschenrechte sind nicht Politik, sondern Ethik. Deshalb muss der Leistungssport sich grundsätzlich entscheiden: Geschäft oder Ethik oder beides. Aus Politik sollen sich Sportler heraushalten, das ist ohne Zweifel richtig, aber das darf nicht zur Ausrede für das Geschäft werden. Hier geht es um Ethik, deshalb muss der Sport Stellung beziehen. Man soll in die Ukraine fahren, denn man soll nicht das Volk bestrafen, sondern die Regierung an ihre Verantwortung erinnern. Es gibt Möglichkeiten, die mediale Wirkung des Sports zu nutzen und mit Appellen an die Ethik zu verbinden, durch Aufkleber, symbolische und demonstrative Aktivitäten und dergleichen. Selbstverständlich muss auch das Risiko für die Sportler berücksichtigt werden.
  9. #128

    Freiheit

    Zitat von eingedanke Beitrag anzeigen
    ich bin beeindruckt. Kompliment Herr Hoeneß !
    Freiheit für alle ukraienischen politischen Gefangenen, es kann nur ein Boykott aller friedliebenden Sportler geben, aber dann bitte auch wenn Vereinsmannschaften spielen und auch wenn man in anderen diktatorischen Ländern spielt, oder mit dem Auto ein Rennen fährt.
    So ist das nur wieder Populismus von einzelnen Personen.
    HR
  10. #129

    Teil 2

    Zitat von annibertazeh Beitrag anzeigen
    Der Frau Timoschenko wäre zu gönnen, dass sie bald wieder frei kommt und medizinisch ordentlich betreut wird. Ihr wäre auch zu gönnen, dass sie einen fairen Prozeß, in dem geklärt wird, ob sie Schuld trägt oder nicht.

    etc. etc Fortgesetzt von Teil 1 .
    (Teil 2 . . . fortgesetzt) . . .

    Was die Vorwürfe von Foristen und von Seiten der Janukowytsch-Regierung (die politisch weitgehend identisch sein dürften) betrifft:

    Timoschenko war bereits vor Ihrer Aufgabe als Ministerpräsidentin im großen Maße unternehmerisch tätig: Erste geschäftliche Erfahrungen sammelte sie mit einem Videoverleih. 1988 gründete Tymoschenko zusammen mit ihrem Mann eine Kooperative, seit 1989 leitete sie das Jugendzentrum Terminal. 1991 wurde mit Hilfe eigenen und elterlichen Kapitals die Firma Ukrajinskyj bensin gegründet, deren Schwerpunkt auf Erdölprodukten lag. Tymoschenko war zunächst Geschäftsführerin, dann Direktorin des Unternehmens. 1992 war die Aktiengesellschaft Monopolist auf dem Gebiet landwirtschaftlich genutzter Erdölprodukte.

    Von 1995 bis 1997 war sie Chefin des Energiekonzerns EESU (Vereinte Energiesysteme der Ukraine). Mit ihrem Mann betrieb sie das Unternehmen mit guten Beziehungen zu Russland. Das Vermögen von Tymoschenko wurde 2007 auf mehrere Hundert Millionen Dollar geschätzt.


    Die rücksichtslose Verfolgung durch Janukowytsch erklärt sich aus zwei Hauptpunkten:

    Unter Ministerpräsident (nicht Präsident, Präsident war zu diesem Zeitpunkt Leonid Kutschma) Wiktor Juschtschenko (Dezember 1999 bis Mai 2001) war sie dessen Stellvertreterin mit Verantwortung für den Energiebereich. Ihre Aufgabe sollte es sein, den korrupten Energiesektor des Landes zu reformieren. Darüber fiel sie bei Präsident Kutschma (dem Förderer Janukowytsch´s, der ein drittes mal nicht Präsident werden konnte und diesen als seine Marionette vorschieben wollte) in Ungnade und wurde im Januar 2001 entlassen. In der Folge wurde sie durch die ukrainischen Behörden verfolgt. 2001 waren sie und ihr Mann einige Wochen lang unter dem Vorwurf der Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung in Untersuchungshaft. In Russland läuft gegen sie außerdem ein Verfahren wegen Bestechung von Militärs, deshalb war sie bis Anfang Dezember 2004 auf der Suchliste von Interpol.

    Die angeblichen kriminellen Machenschaften von Julia Timoschenke beziehen sich auch auf ihre Versuche, die mit Janukowytsch eng verknüpfte RosUkrEnergo zu liquidieren, die den Gashandel mit Russland kontrollierte.

    Fleurs