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Fünf Jahre Vélorution: Paris radelt vorweg

AFPNoch vor wenigen Jahren fuhren nur wenige Pariser Fahrrad - doch der Leihrad-Service "Vélib" hat die Fortbewegungskultur in der Hauptstadt verändert. Radeln ist jetzt cool, gleichzeitig ist der Autoverkehr in der Metropole deutlich zurückgegangen. Eine Erfolgsgeschichte.

http://www.spiegel.de/reise/staedte/...840463,00.html
  1. #1

    Ist das neu?

    Vor ca. 20 Jahren, noch unter Mao, war China schon viel weiter. Da gab's praktisch nur Fahrräder. Die Armen fahren jetzt auch Autos, was für ein Rückschritt! Sollten die Franzosen nicht die tolle Idee (nämlich vélorution) den Chinesen nahe bringen?
  2. #2

    so idyllisch ist es nicht

    Die Spinndoktoren des Pariser Bürgermeisters Bertrand Delanoe haben sich mächtig sich ins Zeug gelegt fïr den 5. Jahrestag des Velib, aber ganz so makellos ist die Bilanz nicht:

    1. Jedes Velib kostet im Jahresunterhalb 4.000 EUR (sic). Seit es Velib gibt, interessieren sich die Finanzanalysten bei den Pressekonferenzen von Velibbreiber JC Decaux, einer nicht ganz kleinen Firma, vor allem für ein Thema: wie hoch ist der Verlust beim Velib? Natürlich sind est letztlich öffentliche Gelder - durch entgangene Einnahmen in der Aussenwerbung.

    2. Der wirkliche Erfolg der Pariser Politik "Alle aufs Zweirad" ist der kometenhafter Anstieg der motorisierten Zweiräder. Keiner der oft engen Pariser Trottoirs mehr, auf dem einem dauernd Hondas oder Vespas fahren. Keine Verbesserung des urbanen Zusammenlebens.

    3. Wenn Pariser lesen, dass es darum geht, ihnen "den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel schmackhaft zu machen", wissen sie nicht, ob sie weinen oder lachen sollen. Seit das Auto rausgedrängt wird, ist die Metro im Berufsverkehr brechendst voll.

    4. Das wirkliche Pariser Transportproblem ist: 2,2 Mio. Parisern stehen 9 Mio. Umlandbewohner gegenüber. Die Politik, das Auto zu eliminieren, geht vor allem zu Lasten der Letzteren. Investitionen in Paris-Umland-Verbindungen wären sie aberwitzig teuer, dass sie unterbleiben werden trotz des Konsens, dass sie bitter notwendig sind.
  3. #3

    Weltweiter Trend

    Toller Erfolg. Vor 20 Jahren war ich das letzte Mal in Paris und habe in 4 Tagen keinen Fahrradweg und nur ein einziges Fahrrad gesehen. Ein verrückter Engländer kam auf dem Weg von England nach China in Paris vorbei.
    Auch in vielen autoverrückten lateinamerikanischen Ländern findet ein Umdenken statt. Immer mehr Bürgermeister beginnen erfolgreich das Verkehrschaos mit öffentlichen Fahrradprogrammen zu bekämpfen.
    Von wenigen Ausnahmen abgesehen: Wer in Innenstädten im Stau steht oder vergebens einen Parkplatz sucht ist meist selbst schuld.
  4. #4

    Chapeau

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Noch vor wenigen Jahren fuhren nur wenige Pariser Fahrrad - doch der Leihrad-Service "Vélib" hat die Fortbewegungskultur in der Hauptstadt verändert. Radeln ist jetzt cool, gleichzeitig ist der Autoverkehr in der Metropole deutlich zurückgegangen. Eine Erfolgsgeschichte.
    Alle Achtung, hätte ich ehrlich gesagt den Franzosen nicht zugetraut, und schon gar nicht denen in Paris.

    Also chapeau!!


    Aber vielleicht ist das ja eine Ente, und ich würde auch gerne wissen wie dazu im Vergleich die Berliner abschneiden.
  5. #5

    Das

    Zitat von cautious_analyst Beitrag anzeigen

    1. Jedes Velib kostet im Jahresunterhalb 4.000 EUR (sic). Seit es Velib gibt, interessieren sich die Finanzanalysten bei den Pressekonferenzen von Velibbreiber JC Decaux, einer nicht ganz kleinen Firma, vor allem für ein Thema: wie hoch ist der Verlust beim Velib? Natürlich sind est letztlich öffentliche Gelder - durch entgangene Einnahmen in der Aussenwerbung.

    .
    glaube ich Ihnen nicht. Bei einem Preis von 400 Euro für das Neufahrrad, hiesse das 3.600 Euro Unterhalt. Das kann nicht stimmen. Die Einnahmen aus der Werbung dagegengerechnet? Die Einnahmen der Abonnenten gegengerechnet? Die Mietpreise, gegengerechnet?
    Die vermiedenen Kosten des MIv gegengerechnet? Die vermiedenen Kosten des ÖPNV gegengerechnet? Was ist mit vermiedenen Schäden?
    gegengerechnet? Mit eingesparter Verkehrsfläche? gegengerechnet?
    Ich wäre Ihnen für eine Quelle dankbar.
    100 Millionen jedes Jahr für den Unterhalt von Fahrrädern macht nur jemand, der damit richtig Geld verdient. Da wird sich einer reich rechnen an den Unterhaltskosten.
  6. #6

    Ein toller Erfolg.

    Hier in meinem Wohnort Washington gibt es seit 2010 ein sehr aehnliches System. Es hat weniger als 10% des Umfangs des Netzes von Paris (ca. 150 Stationen, ca. 1200 Raeder, bis zu ca. 5.000 Fahrten pro Tag).

    Die Kosten pro Rad in Washington waren 2011 ca. $2.000, Einnahmen pro Rad ca. 120% der Kosten. Das Ganze lohnt sich also fuer die Stadt. Ich vermute, dass es sich auch fuer das Pariser System lohnt, denn die Auslastung der Raeder scheint dort wesentlich hoeher zu sein.
  7. #7

    ...

    Ich verstehe leider folgenden Satz nicht:

    Die erste halbe Stunde auf dem Sattel der soliden, aber schweren Räder ist kostenfrei, danach wird der Tarif mit jeder Stunde zunehmend teurer. Der Grund des ansteigenden Preisgefüges: Das Vélib' soll als alternatives Fortbewegungsmittel zu Auto, Bus und Metro genutzt werden.
    Warum wird durch steigende Kosten der Fahrradnutzung die selbige attraktiver?
  8. #8

    Viel spricht für's Fahrrad, wenig dagegen

    Es gibt geschichtlich unvermeidbare Trends!

    1) Alle wollen gesünder leben und schlanker aussehen; das lässt sich mit dem ewigen Sitzen in einem Auto kaum in Einklang bringen, auch wenn die Industrie die Autos verzweifelt zunehmend als "sportlich" verkauft.

    Der körperlich arbeitende Bauer oder Industriearbeiter wollte keinen körperlichen "Ausgleich"; dem Angestellten der Neuzeit hingegen fehlt es an Bewegung.

    2) Nie war das Radfahren in der Stadt gesünder. Früher gab es Industrieabgase und die Autos stanken; heute ist es erträglicher.

    3) Autos fressen sich selbst auf. Man konnte als Angehöriger einer Minderheit Auto fahren, aber seitdem der Autobesitz eine Massenveranstaltung geworden ist, kommt man nicht mehr im Auto voran und es gibt keine Parkplätze. Damit stellte sich die "autogerechte Stadt" als physikalische Unmöglichkeit dar.

    4) Der technische Fortschritt: heute sind Räder zuverlässig, bekommen nicht andauernd Platten, Sportkleider sind bequem und erschwinglich, und für die bequemen gibt's e-bikes.

    Also: irgendwann in naher Zukunft werden in den Städten die Autos eine Ausnahme sein; der private PKW wird nicht viel mehr als ein Werkzeug für Landbewohner und Handlungsreisende sein.
  9. #9

    Die

    Zitat von peterregen Beitrag anzeigen
    Ich verstehe leider folgenden Satz nicht:



    Warum wird durch steigende Kosten der Fahrradnutzung die selbige attraktiver?
    Fahrräder stehen mehr Fahrern zur Verfügung. In einer halben Stunde sind gut 15 km zurückgelegt, das wird für 80% der Fahrten reichen.
    Würden die Kosten nicht steigen, könnte der eine oder andere das Rad eben behalten bis zur Rückfahrt am Abend. Das ist aber nicht Sinn und Zweck der Übung.
    Nur mal so freihändig , ungeschützt.


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