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Fünf Jahre "Generation Praktikum": Happy Birthday, liebes Uni-Prekariat

Just hat sie ihren fünften Geburtstag, in Büchern und Filmen gibt es sie gewiss - aber auch im richtigen Leben? "Generation Praktikum" ist ein einprägsames Etikett. Viele schimpfen über Ausbeutung junger Akademiker, andere preisen die Vielfalt beim Berufsstart. War da was, ist da was? Eine Inventur.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...687078,00.html
  1. #30

    Immer das Gleiche

    Natürlich wiederholt es sich ständig, aber ich kenne genügend junge Akademiner (mich eingeschlossen), die ähnliches durchmachen, was die Situation"Generatin Prekariat"beschreibt.

    Habe als magistrierte Kunsthistorikerin meinen Abschluss unter Regelstudien gemacht, mit 1,8 abgeschlossen, bereits während des Studiums publiziert, über drei Jahre als kuratorische und redaktionelle Assistentin auch für ein renommiertes Haus gearbeitet und noch meinen Nebenjob im Einzelhandel gemacht. Jobaussichte nach dem Studium = 0!
    Was tun? Doktorarbeit...was ist bisher dabei rausgekommen, keine Bezahlung und kaum von Seiten meiner Doktormutter.

    Manchmal ist es frustrierend zu sehen, dass mittelprächtige Komilitonen Stellen als geprüfte wissenschaftliche Hilfskraft bekommen habe, nur weil sie die Profs gepampert haben. Volontär ohne Promotion? Vergiß es!!

    Jetzt, ein gutes halbes Jahr und gut achtzig Absagen später, habe ich beschlossen die Dissertation erst einmal auf Eis zu legen. Ich habe ein Praktikum in einer Werbeagentur begonnen und es macht richtig Spaß und die Resonanzen meiner Chefin, als auch der Kunden sind durchweg positiv.
    Da ich mich nie als"klassische" Kunsthistorikerin verstanden habe und bereits im Studium auf wirtschaftsnahe Themen gesetzt habe, zeigt mir dieses Praktikum, dass ich mich auch als "Philosophin" durchaus in der Welt der BWLer behaupten kann. Ich bekomme zwar nur 400€, aber die persönlichen und beruflichen Erfahrungen sind unbezahlbar.
    Mein Entschluss ins Marketing zu gehen steht eigentlich ziemlich fest.

    Ein Bekannter der seit 20Jahren im Bereich "Human Resource"arbeitet hat mir ebenfalls bestätigt, Arbeitserfahrung, gerade als Quereinsteiger ist das A und O. Klar ist es ärgerlich mit Anfang 25 noch von den Eltern abhängig zu sein und mit einem sehr guten Abschluss mit einem Aushilfsgehalt abgespeist zu werden, aber ich denke, man muss den Willen haben sich auch mal von ganz unten hoch zu arbeiten. Schaden kann es im Berufsleben nie, denn so lernt man auch die Schattenseiten kennen.

    Trotzdem traurig immer wieder zu sehen, dass sich das Phänomen "Prekariat" durch scheinbar alle Studiengänge zu ziehen scheint.

    Dennoch: Nicht aufgeben, ich sehe die Krise optimistisch, sie macht einen nur härter^^
    Es ist nicht immer leicht, v.a. nicht nach der zigsten Absage, aber auch auf geschwungenen Pfaden erreicht man sein Ziel!
    In diesem Sinne, viel Glück uns jungen Akademikern bei der Jobsuche und dem Berufsstart!!!
  2. #31

    Der folgende Text ist vermutlich nix für zartbeseitete Kunsthistorikerinnen die bisher in einer Traumwelt gelebt haben, also bitte seien Sie jetzt stark.

    Zitat von pandora84 Beitrag anzeigen
    Natürlich wiederholt es sich ständig, aber ich kenne genügend junge Akademiner (mich eingeschlossen), die ähnliches durchmachen, was die Situation"Generatin Prekariat"beschreibt.

    Habe als magistrierte Kunsthistorikerin meinen Abschluss unter Regelstudien gemacht, mit 1,8 abgeschlossen, bereits während des Studiums publiziert, über drei Jahre als kuratorische und redaktionelle Assistentin auch für ein renommiertes Haus gearbeitet und noch meinen Nebenjob im Einzelhandel gemacht. Jobaussichte nach dem Studium = 0!
    Und jetzt erzählen sie uns nicht das hätten sie nicht schon vor dem Studium gewusst. => Selbst schuld, die Erste.

    Zitat von pandora84 Beitrag anzeigen
    Was tun? Doktorarbeit...was ist bisher dabei rausgekommen, keine Bezahlung und kaum von Seiten meiner Doktormutter.

    Manchmal ist es frustrierend zu sehen, dass mittelprächtige Komilitonen Stellen als geprüfte wissenschaftliche Hilfskraft bekommen habe, nur weil sie die Profs gepampert haben. Volontär ohne Promotion? Vergiß es!!
    Jetzt erzählen sie uns nicht das hätten sie nicht schon vor dem Studium, spätestens am Ende des Studiums gewusst. => Selbst schuld, die Zweite.

    Jetzt, ein gutes halbes Jahr und gut achtzig Absagen später, habe ich beschlossen die Dissertation erst einmal auf Eis zu legen.
    Besser spät als nie.
    Ich habe ein Praktikum in einer Werbeagentur begonnen und
    Heilige Sch*! Was? Ich kann mir schon denken wie es weitergeht....
    es macht richtig Spaß und die Resonanzen meiner Chefin, als auch der Kunden sind durchweg positiv.
    Ja klar, billige Sklaven sind immer genre willkommen, denen schmiert man noch ein wenige Honig ums Maul dann bleiben sie gleich länger.
    Da ich mich nie als"klassische" Kunsthistorikerin verstanden habe und bereits im Studium auf wirtschaftsnahe Themen gesetzt habe,
    Warum haben sie nicht gleich BWL studiert, dann wären sie nicht in der misslichen Lage. Ist halt nicht so schick, gelle?
    zeigt mir dieses Praktikum, dass ich mich auch als "Philosophin" durchaus in der Welt der BWLer behaupten kann.
    Ich bekomme zwar nur 400€, aber die persönlichen und beruflichen Erfahrungen sind unbezahlbar.
    Ich kugel mich vor lachen auf dem Boden ob ihrer mehr als offensichtlichen Naivität. Ich empfehle dringend mal einen Realitycheck.
  3. #32

    x

    Zitat von jim_nihilist Beitrag anzeigen
    Wie gtenter selbst erläutert lies er sich zum Ingenieur ausbilden und stand dann auf der Straße weil die Wiedervereinigung stattfand. Ich bin mir recht sicher, dass er auch mit viel Recherche diese Tatsache 5 Jahre bevor sie stattfand nicht herausfinden hätte können, um etwas sinnvolles anderes zu studieren.
    Das macht letztlich nichts. In solchen Berufen gibt es halt Zyklen. Im schlimmsten Fall ist man dann ein paar Jahre in der Situation, in der der Soziologe und Kulturwissenschaftler sein ganzes Leben verbringt (worum es hier ja geht).

    Der Unterschied steckt also darin, daß einige Fächer direkt als "bessere Berufsausbildung" verwendbar sind. Andere nicht. Und das hat nichts mehr mit irgendeinem Schweinezyklus zu tun, sondern wirklich einfach mit "Nicht-Verwertbarkeit".

    Um zu erkennen, daß in 5, 10 oder 20 Jahren auch nicht mehr Politikwissenschaftler in Kombination mit Vergleichender Musikwissenschaft gebraucht werden, braucht man kein Einstein zu sein.
  4. #33

    wow

    Zitat von Ernst Wurscht Beitrag anzeigen
    Warum haben sie nicht gleich BWL studiert, dann wären sie nicht in der misslichen Lage. Ist halt nicht so schick, gelle?

    Ich kugel mich vor lachen auf dem Boden ob ihrer mehr als offensichtlichen Naivität. Ich empfehle dringend mal einen Realitycheck.
    Wow, da schreibt wirklich die geistige Elite.
    Die perfekte Lösung. Lasst uns alle BWL studieren! Wir brauchen mehr Betriebswirte in allen Lebenslagen. Bänker, Unternehmensberater, Controller und wie sie alle heissen machen diese Welt zu einem besseren Ort. Ihnen verdanken wir die blühenden Landschaften und die stetige Verbesserung all unserer Lebensbereiche. Die zukünftigen Generationen werden es uns danken.
    Ich ziehe meinen Hut vor soviel weitsichtiger Realitätsbezogenheit.
  5. #34

    verwertbarkeit

    Zitat von mmueller60 Beitrag anzeigen
    Das macht letztlich nichts. In solchen Berufen gibt es halt Zyklen. Im schlimmsten Fall ist man dann ein paar Jahre in der Situation, in der der Soziologe und Kulturwissenschaftler sein ganzes Leben verbringt (worum es hier ja geht).

    Der Unterschied steckt also darin, daß einige Fächer direkt als "bessere Berufsausbildung" verwendbar sind. Andere nicht. Und das hat nichts mehr mit irgendeinem Schweinezyklus zu tun, sondern wirklich einfach mit "Nicht-Verwertbarkeit".

    Um zu erkennen, daß in 5, 10 oder 20 Jahren auch nicht mehr Politikwissenschaftler in Kombination mit Vergleichender Musikwissenschaft gebraucht werden, braucht man kein Einstein zu sein.
    Ich finde es wirklich bezeichnend, mit welcher Arroganz hier wissenschaftliche Bereiche wie Kultur, Soziologie, Musik oder Politik pauschal abgewertet werden, nur weil man derzeit persönlich keinen monetären Gewinn darin erkennen kann. Bei manchen klingt das nach persönlicher Kompensation oder wie die späte Rache, etwas "uncooles" studiert zu haben.

    Nicht alles rechnet sich in irgendeinem Quartalsbericht und mich würde schon interessieren, welche Werte sie mal ihren Kindern vermitteln wollen, ausser "sei verwertbar".
    Es gibt Menschen die wählen ihren Beruf im Sinne der "Berufung" und nicht der "Verwertbarkeit". Dafür nimmt man dann auch schonmal unsichere Lebensverhältnisse in Kauf. Manchen ist eben die eigentliche Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit wichtiger als der Status Quo, den man sich durch seine Arbeit aufbaut.

    Dass der Faktor Arbeit derzeit generell systematisch entwertet wird, solang er nicht den Interessen des Kapitals dient, steht auf einem anderen Blatt.
  6. #35

    Teil 2

    Teil 2
    Zitat von pandora84 Beitrag anzeigen
    Mein Entschluss ins Marketing zu gehen steht eigentlich ziemlich fest.
    Und wieder ein Griff ins Klo. Selbstschuld die Dritte.
    Ich verrate ihnen mal was: 99% der weiblichen BWL-Studentinnen setzen ihren Schwerpunkt auf Marketing, Stellen gibts nicht so dolle viele, ok es sind mehr als den Kunsthistorikerinnen aber es wird wieder sehr eng werden.

    Ein Bekannter der seit 20Jahren im Bereich "Human Resource"arbeitet hat mir ebenfalls bestätigt, Arbeitserfahrung, gerade als Quereinsteiger ist das A und O.
    Eines hat er ihnen nicht gesagt: Das gilt auch für Leute vom Fach und damit sind diese immer im Vorteil. Da der BWL/Marketingbereich keinen Personalmangel hat (s.o.) wird es wieder sehr haarig für sie werden aber sie arbeiten ja auch für ein Taschengeld, da geht dann vielleicht doch was.

    Klar ist es ärgerlich mit Anfang 25 noch von den Eltern abhängig zu sein und mit einem sehr guten Abschluss mit einem Aushilfsgehalt abgespeist zu werden, aber ich denke, man muss den Willen haben sich auch mal von ganz unten hoch zu arbeiten.
    Nein, man muss sich nur frühzeitig von Leuten die mitten im Leben stehen den Kopf waschen zu lassen um sich die Flaussen austreiben zu lassen. Das nennt man Realitycheck. Dass ihre Eltern ihnen den Unsinn mit den Kunsthistorikstudium und jetzt auch noch den Werbeagenturmist nich ausgeredet haben ist ja schon fast kriminell.

    Schaden kann es im Berufsleben nie, denn so lernt man auch die Schattenseiten kennen.
    Das nennt sich Realität, wenn man nat. nur in einer Seifenblasenwelt lebt,....

    Es ist nicht immer leicht, v.a. nicht nach der zigsten Absage, aber auch auf geschwungenen Pfaden erreicht man sein Ziel!
    Stammt wohl aus einem Selbstmarketingbuch, was?

    In diesem Sinne, viel Glück uns jungen Akademikern bei der Jobsuche und dem Berufsstart!!!
    Da hilft nur noch beten.
  7. #36

    kick

    Kickt sie das eigentlich irgendwie, auf der Biographie einer jungen Kunsthistorikerin rumzuhacken?

    Zitat von Ernst Wurscht Beitrag anzeigen
    Das nennt sich Realität, wenn man nat. nur in einer Seifenblasenwelt lebt,....
    Für die gute Dame, wäre es dann sicher äusserst hilreich, wenn sie ihr mal einen Einblick in ihre Realität des Big Business gewähren würden. Damit sie mal lernen kann, wie mans denn richtig macht.
    Ich hab da schon so eine Ahnung...
  8. #37

    Ein Realitycheck ...

    Zitat von Ernst Wurscht Beitrag anzeigen
    Der folgende Text ist vermutlich nix für zartbeseitete Kunsthistorikerinnen die bisher in einer Traumwelt gelebt haben, also bitte seien Sie jetzt stark.
    [...]
    Ich kugel mich vor lachen auf dem Boden ob ihrer mehr als offensichtlichen Naivität. Ich empfehle dringend mal einen Realitycheck.
    Vielen Dank für das Kompliment! Ich bin also eine kriminelle Mutter. So eine Aussage lässt tief blicken. Denn tatsächlich hatte ich meine jüngere Tochter darin unterstützt, dass sie Kunst/Kunstgeschichte studiert, was ursprünglich eigentlich ihr Traumziel war. Es war nur unglücklichen Umständen verschuldet, dass sie trotz Talent nicht angefangen hat: Sie konnte die Mappe wegen Krankheit nicht rechtzeitig vorbereiten. Statt dessen studiert sie Psychologie, NF Kunstgeschichte.

    Ich selbst habe Wirtschaftswissenschaften studiert und dies nur, weil es damals in meinem Land im Hohen Norden bei Mädchen en vogue war, solche Fächer zu studieren – das fanden wir Mädchen damals sexy ;-), so ähnlich wie hier in D Jura vor einigen Jahren. Von der ersten Vorlesung an wusste ich, dass das eine falsche Entscheidung war, aber wegen meiner Eltern traute ich mich nicht, das Fach zu wechseln. Ich habe mein Studium - besonders BWL – abgrundtief gehasst, anders kann man das nicht formulieren, kämpfte mich tapfer durch und überlebte durch entsprechende Fachentscheidungen sowie das NF Psychologie.

    Aus Erfahrung weiß ich, was es für einen Menschen bedeutet, mit einem Beruf zu leben, der einem nicht liegt. Erwartungsgemäß habe ich nie Karriere gemacht, sondern war froh, relativ früh zu heiraten und meinen Mann nach Asien zu begleiten, wo ich als accompanying expatriate wife keine Arbeitsgenehmigung bekommen hätte. So konnte ich mich z.B. sozialen Belangen bzw. einem Sprachstudium widmen.

    Meine ältere Tochter hat anfangs Jura studiert, hielt das Studium noch nicht einmal zwei Semester aus. Heute sagte sie, dass das kurze Jura-Studium sie krank gemacht hatte. Ihr schneller Entschluss, das Fach zu wechseln fand unsere beste Unterstützung. Heute studiert sie Literaturwissenschaft mit Durchschnittsnote 1, hat ihren Master of Arts praktisch in der Tasche, in einem Jahr auch den zweiten, nämlich den Master of Education. Aber vielleicht wollen Zeitgenossen wie Sie das Fach deutsche Sprache und Literatur auch aus den Lehrplänen der Schulen streichen. :->>

    Was gibt Ihnen eigentlich das Recht, in der süffisant-überheblichen und belehrenden Art Menschen dafür zu maßregeln, dass sie einen nach ihren Talenten und Neigungen entsprechenden Beruf wählen wollen? Sie drücken sich wirklich aus wie der Obervater bzw. Oberlehrer von Spon .
    Eine Gesellschaft, in der Kunst, Kultur und Geisteswissenschaften nicht mehr gepflegt werden, ist eine blutleere, geistig verarmte, in der ich jedenfalls nicht leben möchte. Die junge Generation tut mir leid, weil ihnen zum Teil das Gefühl vermittelt wird, nicht mehr wert zu sein als Produktionseinheit bzw. Humankapital.

    Menschen, die dazu gezwungen werden, gegen ihre Neigungen zu arbeiten, können durch den Druck sogar psychisch krank bzw. suchtkrank werden, davon bin ich überzeugt. Es ist kein Zufall oder idealistische Kosmetik, dass die freie Berufswahl sogar im Grundgesetz verankert ist. Durch das unsägliche System Hartz-IV wird sogar dieses elementare Menschenrecht in diesem Land inzwischen mit den Füßen getreten.
  9. #38

    .

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Just hat sie ihren fünften Geburtstag, in Büchern und Filmen gibt es sie gewiss - aber auch im richtigen Leben? "Generation Praktikum" ist ein einprägsames Etikett. Viele schimpfen über Ausbeutung junger Akademiker, andere preisen die Vielfalt beim Berufsstart. War da was, ist da was? Eine Inventur.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/job...687078,00.html
    Uni-Prekariat - Vorschlag für "Unwort des Jahres".
  10. #39

    ...

    Zitat von zynik Beitrag anzeigen
    Ich finde es wirklich bezeichnend, mit welcher Arroganz hier wissenschaftliche Bereiche wie Kultur, Soziologie, Musik oder Politik pauschal abgewertet werden, nur weil man derzeit persönlich keinen monetären Gewinn darin erkennen kann. Bei manchen klingt das nach persönlicher Kompensation oder wie die späte Rache, etwas "uncooles" studiert zu haben.

    Nicht alles rechnet sich in irgendeinem Quartalsbericht und mich würde schon interessieren, welche Werte sie mal ihren Kindern vermitteln wollen, ausser "sei verwertbar".
    Es gibt Menschen die wählen ihren Beruf im Sinne der "Berufung" und nicht der "Verwertbarkeit". Dafür nimmt man dann auch schonmal unsichere Lebensverhältnisse in Kauf. Manchen ist eben die eigentliche Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit wichtiger als der Status Quo, den man sich durch seine Arbeit aufbaut.
    Ich glaube, niemand außer Herrn Wurscht möchte hier wirklich in einer Welt leben, in der es all diese Fächer nicht mehr gibt. Und es ist eine absolut respektable und sehr sympathische Entscheidung wenn jemand sagt, dass ihm Geld egal ist und er studiert was ihn interessiert. Aber bei all der Jammerliteratur von Leuten, die festgestellt haben, dass dieser Bereich der Flut von Absolventen eben kaum feste Berufsperspektiven bieten kann, wirkt dieses "Geld ist mir egal" etwas unglaubwürdig. Das Bild der Universität als Hort der philosophischen Allgemeinbildung, dass von den Bildungsprotestlern immer wieder gern beschworen wurde, stammt auch aus einer Zeit vor der Massenuni, an der ein Großteil der Studenten studiert, weil man das für das angestrebte Berufsfeld nunmal muss.

    Vor diesem Hintergrund wäre es vielleicht besser, in einigen Fachbereichen die Massenuni wieder abzuschaffen. Nur weil ein großer Teil der Absolventen dort naturgemäß eine akademische Karriere einschlägt, heißt das nicht, dass man für jeden dieser Profs mehr Studenten an die Unis lassen sollte. Eine Zahl von Studenten, die grob der des akademischen Personals entspricht, bzw. eine Politik der akademischen Leuchttürme, könnte da sinnvoller sein. Das würde auch helfen, den in diesem Bereich eher schädlichen Konkurrenzdruck vor das Studium zu verlegen. Dieser Druck entsteht schließlich nicht durch die begrenzten Masterplätze, sondern durch die begrenzten Stellen. Im derzeitigen Aufbau finden dann nur 25-40% des Studiums in einem gesundgeschrumpften Studiengang statt, wenn überhaupt.
    Eine alternative wäre auch die amerikanische Variante einer breiten humanistischen Grundbildung mit anschließender Gradschool. Die kann man sich heute als Student mit dem B/M System wie gesagt auch selbst basteln, gerade wenn man sich europaweit umsieht.

    Schließlich sollte man sich nicht vom Ruf eines Faches in die Irre führen lassen. Wie gesagt, Politikwissenschaftler haben derzeit deutlich bessere Arbeitsmarktchancen als Juristen. Und die mir bekannten Musikstudenten wurden schon lange vorher auf Berufsmusiker gedrillt, da ist das Studium nur ein zusätzliches Accessoire für das was man ohnehin schon tut.








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