Natürlich wiederholt es sich ständig, aber ich kenne genügend junge Akademiner (mich eingeschlossen), die ähnliches durchmachen, was die Situation"Generatin Prekariat"beschreibt.
Habe als magistrierte Kunsthistorikerin meinen Abschluss unter Regelstudien gemacht, mit 1,8 abgeschlossen, bereits während des Studiums publiziert, über drei Jahre als kuratorische und redaktionelle Assistentin auch für ein renommiertes Haus gearbeitet und noch meinen Nebenjob im Einzelhandel gemacht. Jobaussichte nach dem Studium = 0!
Was tun? Doktorarbeit...was ist bisher dabei rausgekommen, keine Bezahlung und kaum von Seiten meiner Doktormutter.
Manchmal ist es frustrierend zu sehen, dass mittelprächtige Komilitonen Stellen als geprüfte wissenschaftliche Hilfskraft bekommen habe, nur weil sie die Profs gepampert haben. Volontär ohne Promotion? Vergiß es!!
Jetzt, ein gutes halbes Jahr und gut achtzig Absagen später, habe ich beschlossen die Dissertation erst einmal auf Eis zu legen. Ich habe ein Praktikum in einer Werbeagentur begonnen und es macht richtig Spaß und die Resonanzen meiner Chefin, als auch der Kunden sind durchweg positiv.
Da ich mich nie als"klassische" Kunsthistorikerin verstanden habe und bereits im Studium auf wirtschaftsnahe Themen gesetzt habe, zeigt mir dieses Praktikum, dass ich mich auch als "Philosophin" durchaus in der Welt der BWLer behaupten kann. Ich bekomme zwar nur 400€, aber die persönlichen und beruflichen Erfahrungen sind unbezahlbar.
Mein Entschluss ins Marketing zu gehen steht eigentlich ziemlich fest.
Ein Bekannter der seit 20Jahren im Bereich "Human Resource"arbeitet hat mir ebenfalls bestätigt, Arbeitserfahrung, gerade als Quereinsteiger ist das A und O. Klar ist es ärgerlich mit Anfang 25 noch von den Eltern abhängig zu sein und mit einem sehr guten Abschluss mit einem Aushilfsgehalt abgespeist zu werden, aber ich denke, man muss den Willen haben sich auch mal von ganz unten hoch zu arbeiten. Schaden kann es im Berufsleben nie, denn so lernt man auch die Schattenseiten kennen.
Trotzdem traurig immer wieder zu sehen, dass sich das Phänomen "Prekariat" durch scheinbar alle Studiengänge zu ziehen scheint.
Dennoch: Nicht aufgeben, ich sehe die Krise optimistisch, sie macht einen nur härter^^
Es ist nicht immer leicht, v.a. nicht nach der zigsten Absage, aber auch auf geschwungenen Pfaden erreicht man sein Ziel!
In diesem Sinne, viel Glück uns jungen Akademikern bei der Jobsuche und dem Berufsstart!!!



