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Führungsschwächen: Deutsche Manager fallen bei Finanzinvestoren durch

Finanzinvestoren investieren Milliarden in deutsche Unternehmen - sind aber mit der Qualität des Top-Managements meist unzufrieden. Eine Umfrage zeigt, was Fonds und Private-Equity-Gesellschaften bei deutschen Führungskräften vermissen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,496278,00.html
  1. #1

    Wenn Finanzinvestoren Manager loben!

    Finanzinvestoren sind wie Eigentümer, die dann ihren angestellten Geschäftsführer loben, wenn er ihnen widerstandslos den Griff in die Firmenkasse gestattet. Dass dabei langfristig das Unternehmen geschrottet wird, interessiert sie da herzlich wenig, denn wenn es soweit ist, haben sie ihre Investition längst in Sicherheit gebracht und widmen sich dem nächste Opfer.

    timeo danaos et dona ferentes,

    oder frei übersetzt: "Ich fürchte die Finanzinvestoren, auch wenn sie Manager loben."
  2. #2

    Einen Titel

    Ich würde es nicht so drastisch wie mein Vorredner formulieren, aber im Kern zustimmen. Die implizite, schlecht versteckte Kritik an der Kaminkarriere und natürlich besonders der letzte Punkt sind eher peinlich geraten. Während es selbstverständlich ist, daß Manager für gute Renditen verantwortlich sind, ist eine reine Profitausrichtung ohne langfristige Strategie in ungefähr genauso sinnvoll wie ein nur von Arbeitnehmern bewertetes Management, das mindestens 95% Arbeitsplatzsicherheit als Primärziel hat. Manager sind auch Stakeholder, grade die langfristig im Betrieb ausgebildeten Manager. Daß sich die deutschen Manager ihrer Position als Stakeholder immer noch verhältnismäßig bewußt sind, kann natürlich nicht nur gefallen.
  3. #3

    Das ist eine Warnung

    Wenn ein Investor einen Deutschen Manager lobt, dann sollte das eine Warnung für das Volk sein.

    Nur die Manager die ihre Mitarbeiter skrupellos ausbeuten und massiv Stellenanbauen - auch wenn es nicht notwenig ist - erhalten dieses Lob!

    Danke :-(

    Panit.
  4. #4

    Gegen die Gier ...

    ...helfen nur starke Gewerkschaften, die sich tatsächlich für die Belange der Arbeitnehmer einsetzen. Leider eine Seltenheit.
  5. #5

    Gottseidank! Wenn die Heuschrecken deutsche Manager nicht mögen, dann lassen sie auch hoffentlich die Finger von unseren Unternehmen.
    Dieser Ausverkauf von langjährig gewachsenen Unternehmen auf Kosten derselben und deren Mitarbeiter gehört endlich verboten. Diese -ohnehin schon schwerreichen- geldgierigen "Investoren" vernichten alles, was dem "kleinen Mann" etwas bedeuten kann.
  6. #6

    das was den Deutschen Industrie-Mittelstand so deutlich gegenüber der Industrie anderer Ländern unterscheidet sind genau die Branchenkenntnisse und Know-how der Unternehmensführer.
    Ein Deutscher Boss kennt sein Geschäft in Detail.
    Dies ist in den Verkauf- und Exportzahlen zu sehen. Was gibt es für einen besseren Erfolgsbeweis? Wo soll so ein spezialisiertes Know-how billiger her kommen? Lächerlich!

    Was die Institutionellen Investoren wollen ist eine Management Kultur nach Angelsächsischen Tradition wo der Boss in der Regel von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Man sieht in UK das dies nicht funktioniert. Dort ist die Verarbeitende Industrie so gut wie weg von Fenster. In US ist nicht viel besser.

    Wenn Deutschland weiterhin eine Wirtschaft haben will die auf Industrieproduktion basiert, sollte man von diesem Bullshit Bingo sich fern halten.

    Und ich weiß auch nicht wie man sonst 80 Millionen Leuten ernähren soll. Nur mit Banken, Versicherungen und Reiseunternehmen werden wir dass nicht in diese globalisierte Welt lange aushalten.
  7. #7

    Wegwerffirma!

    Zitat von earlofecstasy Beitrag anzeigen
    Diese -ohnehin schon schwerreichen- geldgierigen "Investoren" vernichten alles, was dem "kleinen Mann" etwas bedeuten kann.
    Nicht nur des "kleinen Mannes", sondern auch denjenigen, welche die Unternehmen gegründet und nach dem Krieg wieder aufgebaut hatten, die Finanzinvestoren so gerne filetieren. Ebenso dürfte es jedem echten Unternehmer den Magen umdrehen, was die da treiben, ist er es doch gewohnt seinen Betrieb Wert erhaltend und nicht als "Firma für den Einmalgebrauch" (nach Gebrauch bitte wegwerfen) zu führen.
  8. #8

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Finanzinvestoren investieren Milliarden in deutsche Unternehmen - sind aber mit der Qualität des Top-Managements meist unzufrieden. Eine Umfrage zeigt, was Fonds und Private-Equity-Gesellschaften bei deutschen Führungskräften vermissen.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,496278,00.html
    Mittlerweile ist in Deutschland ein Generation nachgewachsen, die wirklich nur nach Ihren Zeugnissen bewertet wird. Wer den Schnelldurchgang bis zum Dr. rer. pol. machen muss und in drei bis vier Sprachen Marketingblasen nachbabeln kann, hat ehrlich gesagt, keine Zeit, Erfahrung zu gewinnen. Aber gerade aus diesem Pool, werdn dann die Fuehrungskraefte ausgewaehlt, fuer den weiteren Aufstieg. Manager, die als Industriekaufmann angefangen haben, sind selten geworden. Es ist Einheitsbrei. Kaum einem faellt auf, dass Unternehmen die tiefer diverzifiziert sind, am Markt erfolgreicher, als zerlegte oder jene, die sich aufs Kerngeschaeft konzentriert haben. Auch dass ein Erfolg des Scheine und Jugendwahns in Deutschland. Fuer Erfahrung, gibt es nur den unternehmerischen Erfolg. Doch wie viele HR Manager, lassen Kanditaten mit Erfahrung, schon bei der Vorauswahl scheitern. Man kann Finanzinvestoren einiges vorwerfen, aber amerikanische Manager sind oefter als deutsche eben ueber den Erfolg zum Manager geworden, nicht ueber die Bildungsschiene. In Amerika wird gefragt, was war ihr groesster Erfolg, in Deutschland, kommt man in elektronischen Stellenanzeigen gar nicht weiter, wenn man nicht die Universitaet und den Abschluss eintragen kann! Alles was seine festgefuegte Ordnung hat, verringert die Flexibilitaet...
  9. #9

    Wo eigentlich bleibt der Protest?

    Im ersten Moment wäre man ja geneigt, schadenfroh auf die mangelnden Führungsqualitäten deutscher Manager zu zeigen: Seht her - diese Typen tun doch nur so, als ob sie fähig wären. Dann aber drängt sich ein Satz in Ihrem Artikel ins Auge, der an OBSZÖNITÄT NICHT ZU ÜBERBIETEN IST:

    "Um ihre erhoffte Nettokapitalrendite von durchschnittlich 30 Prozent jährlich zu erwirtschaften, achten sie zunehmend auf die Qualifikation des Topmanagements und drängen bei Fehlern auf einen Austausch."

    Nettokapitalrendite von durchschnittlich 30 Prozent jährlich! Da werden die Arbeitnehmer bei uns mit Billigung unserer Politiker mit dem Hinweis auf die Globalisierung und billige chinesische (oder indische oder polnische oder was auch immer) Arbeitskräfte gedeckelt, und die Herren Finanzinvestoren genehmigen sich 30 Prozent: Pfui Teufel!

    Eigentlich sollte ein Sturm der Entrüstung durch das Land brausen und diese Sklavenhaltermentalität anprangern, die gewisse Herren im feinen Tuch an den Tag legen. Eine eigene Klasse verantwortungsloser Egomanen, denen es völlig egal ist, wie lang "eine Oma stricken muss, um ihre paar Brötchen zu verdienen". Damit sind weniger die Herren Manager gemeint - sie tun ja nur das, was man sie tun lässt. Weit schlimmer sind die selbsternannten (warum wohl sinkt die Wahlbeteiligung ständig?) Wichtigtuer in allen Parteien, die - meist ohne je wirklich gearbeitet zu haben - lediglich an ihre private Pfründe denken; das Wohl der Allgemeinheit spielt da keine Rolle mehr.

    Im Januar 2006 wollte das EU-Parlament ausländischen Schiffen die Löschung der billigen Waren durch eigene Arbeitskräfte zu erlauben. Waren, die ja nur deshalb so billig sind, weil in ihre Herstellung kaum Kosten für soziale und ökologische Belange einfließen. Innerhalb kürzester Zeit organisierten sich damals 40.000 europäische Hafenarbeiter: Einen ganzen Tag lang standen alle europäischen Häfen still. Zusätzlich marschierten 10.000 Hafenarbeiter und Schauerleute muskelbepackt nach Straßburg: Das geplante Gesetz wurde schnell wieder einkassiert. Schade, dass diese Art des Protests so wenig Nachahmung findet.

    Clara Lerchenfeld








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