Eine Wahl, die per Gesetz vorschreibt, das die herrschende Partei gewinnt, egal was die Leute wählen, ist keine Wahl. Erst die jüngst vorgenommene Verfassungsänderung öffnet Syrien einen kleinen Spalt für freiere Wahlen, die noch lange nicht ein tatsächliches Abbild der Gesellschaft zulassen.
Freie Wahlen sind in Syrien notwendig, weil keine andere Regierung hinreichend legitimiert wäre. Bislang bietet Assad dergleichen nicht an.
Eine Forderung nach Rücktritt wäre bei freien Wahlen allerdings obsolet, denn entweder würde die Assad tragende Partei bei der Wahl bestätigt oder nicht. Bedenken muss man allerdings ferner, dass in der
Präsidial-"Demokratie" Syriens das Parlament praktisch keine Befugnisse hat, also nur eine freie Wahl des Staatspräsidenten die Machtverhältnisse bestätigen oder verändern könnte. Wer sollte da als Gegenkandidat zu Assad eine Chance haben? Würde man 100 Leute zur Wahl stellen, würde Assad sicher rmit 30% die meisten Stimmen erhalten, aber nicht für eine Mehrheit sprechen. Würde man in mehreren Wahlgängen so weit reduzieren, bis am Ende nur noch 2 Kandidaten gegeneinander stünden, hätte Assad keine guten Chancen zu gewinnen.