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Französische Gourmet-Schnäppchen: Genuss im Bus

Fre¿de¿ric VasseurIn der großen Gourmet-Nation Frankreich verkommen die Sitten. Fastfood-Ketten sind auf dem Vormarsch, die astronomischen Preise der Spitzenrestaurants können sich Normalbürger nicht leisten. Eine Schnäppchen-Aktion soll jetzt Genießer mit kleinem Budget anlocken.

http://www.spiegel.de/reise/europa/0...856533,00.html
  1. #10

    Image

    Zitat von sanchopansa Beitrag anzeigen
    Beifall! Nicht erwähnt haben Sie, dass in der guten Gastronomie Arbeitszeiten von bis zu 60 Wochenstunden üblich sind. Die Leistung, die da gebracht wird, wird nicht anerkannt - finanziell schon gar nicht. Aber zum Glück gibts immer wieder Menschen, die den nötigen Idealismus haben,[...]
    Es ist wirklich ein Elend, dass immer zuerst über die Preise für Lebensmittel gemeckert wird.[...]
    ich denke, das problem ist das image von "kochen".
    Das fängt i.m.h.o. schon bei den begriffen an: Die allermeisten Leute sagen "kochen", meinen aber "zubereiten".

    "Kochen" ist ein kreativer akt, da wird ein kunstwerk erschaffen. "Zubereiten" kann man nach rezept. Es ist wie musik komponieren versus Karaoke singen oder wir ein gemälde malen versuch eine zimmerwand streichen.

    Echte Köche sind Künstler ... und deshalb auch so verzweifelte idealisten, ähnlich der vielen schauspieler oder maler, die zu 99% auch am existenzminimum krauchen, aber "l'art pour l'art" produzieren.

    - Wobei deren kunst es wenigstens zur wissenschaftlichkeit gebracht hat: Es gibt kunstakademien, musikhochschulen, filmuniversitäten ... wo nicht nur gelehrt sondern auch geforscht wird. Für's Kochen ist mir eine derartige Institution zumindest hierzulande nicht geläufig. Und die einschlägige fachliteratur (This, Brillat, Schott et.al.) kann man an zwei Händen abzählen.

    Dass die Deutschen sowieso ein gestörtes verhältnis zu lebensmittelpreisen haben, ist allgemein bekannt. Aber wer sich zeit- und materialaufwand vorstellt, und das z.b. mit einem vollbesetzten theater oder opernhaus vergleicht, wird sich mit etwas gesundem menschenverstand nicht wundern, dass ein dinner locker der mehrfache einer theaterkarte kosten muss.

    Wobei selbst in sog. Spitzen- oder gar Sternerestaurants nur noch selten ein wirkliches Opus Magnum aufgeführt wird, ein Dinner mit 7 oder 8 klassischen Gängen, mehreren Relevées, 6-10 verschiedenen Getränken etc.pp. – und wohl auch kaum mehr einer der gäste überhaupt in der lage ist, eine solche genuß-choreographie zu beherrschen.

    die kunst, (koch-)kunst genießen zu können ist der kleinbürgerlichen kleinkariertheit, dem frugalen Calvinismus und der turboschnellen Moderne zum opfer gefallen.

    Viele der probleme sind auch hausgemacht, zweifellos. Statt sich um die gründung einer koch-universität zu kümmern macht man lieber eine lukrative TV-kochshow. Statt die kunst des dinierens an schulen zu vermitteln findet man es lustig, mit einem bus-restaurant schnäppchenpreise unter's volk zu werfen. Der lebensmittelindustrie hat man widerstandslos das feld der werbung überlassen statt über seinen dachverband selbst die deutungshoheit für "gutes Essen" zu übernehmen.

    "Kochen" hat ein ganz massives imageproblem, weil es nunmal etwas ganz anderes ist, als sich die meisten leute vorstellen.


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