Der Sieg des Sozialisten François Hollande bedeutet für Europa den Kurswechsel. Merkel will an ihrer marktradikalen Ideologie festhalten, obwohl deren Scheitern offensichtlich ist. Aber der Regierungswechsel in Paris beendet das Spardiktat.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...831756,00.html
Lieber Herr Augstein, aus diesem Beitrag ist klar ersichtlich, dass Sie in einem Dilemma stecken: Sie betrachten die deutsche Sozialdemokratie als ihre politische Heimat, obwohl sie das längst nicht mehr ist - weder für Sie, noch für viele andere Nostalgiker. Sie können sich weiterhin etwas vormachen, oder aber sich adäquat positionieren.
Sie kritisieren zurecht das Diktat der Bankiers, sagen wir ruhig der Fianzmafia, die zur Profitmaximierung nicht davor zurückschreckt, ganze Völker auszuplündern. Als Gegenwehr empfehlen Sie sozialdemokratische Politik. Dummerweise ist es aber so, dass ausgerechnet Ihre Hoffnungsträger durch Agende 2010, Hartz4, Deregulierung der Finanzmärkte und Arbeitsverhältnisse sowie massive Steuersenkungen für Reiche wesentlich zur Finanzkrise beigetragen haben. Was wollen Sie von den neoliberal gewendeten deutschen Karikaturen einstiger Genossen denn erwarten? Allenfalls, dass sie Merkels Kurs noch übertrumpfen, alles andere ist unrealistsiche Fata Morgana. Bei SPD steht nur noch "Sozial" auf der Verpackung, der Inhalt sieht ganz anders aus - das dürfte auch Ihnen, wenn Sie ehrlich sind, nicht verborgen geblieben sein. Auch die Hoffnung, dass sich der Saulus wie durch ein Wunder plötzlich zum Paulus wandelt, ist völlig unrealistisch. Die Steigbügelhalter der Finanzmafia haben sich und das Volk verkauft: SPD, Grüne, CDU/CSU und natürlich die FDP.
Merkel will in Europa Strukturreformen nach deutschem Vorbild, also der Agenda 2010, und sie will die Verschuldung durch Austerität herunterfahren. Eine SPD-geführte Regierung würde ebenfalls die Agenda, auf die sie so stolz sind, propagieren und die bedingungslose Transferunion via Eurobonds einführen. Genau das ist das Ziel der US-dominierten Internationalen Grossfinanz: Die Schaffung eines grossen, europäischen, marktkonformen, lukrativen und sicheren Anlageraums! Dafür sind Eurobonds, sprich Verschuldung unter Haftung Deutschlands unerlässlich, das verspricht satte, sichere Gewinne, solange Deutschland nicht ruiniert ist und zahlen kann.
Weiterer Effekt von Gemeinschaftsanleihen ist, dass der Aussenwert des Euro deutlich sinkt und dadurch der US-Dollar als Leitwährung Nr. 1 zumindest durch den Euro nicht gefährdet ist.
Mit der bedingungslosen Transferunion werden also nur vordergründig die Vostellungen und Träume der Europaenthusiasten realisiert, im Grunde geht es um Wirtschafts- und Finanzinteressen.
Es bleibt abzuwarten, ob Hollande, der sich immerhin als Sozialist bezeichnet, sich gegen diese Interessen stellt. Das düfte freilich massive Widerstände bei den Profiteuren des Kapitals auslösen, die deutschen etablierten Parteien und diverse Medien eingeschlossen.
Eins steht jedenfalls fest: Diese sozio-ökonomisch völlig heterogene Euro-Zone ist langfristig zum Scheitern verurteilt!
Zustimmung. Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Marktradikalen und die Antidemokraten nicht mehr anders zu helfen wissen. Die Verzweiflung bricht sich Bahn und endet im puren Hass. Auch deswegen ist es wichtig, den Bankensektor auf Normalmaß zurückzustutzen. Diese Leute gehen buchstäblich über Leichen, wenn man sie denn lässt.
Ich kann den Mist echt nicht mehr hören! Wer bitte schön sind diese ominösen Märkte?
Das, wovon wir wirklich abhängig sind, sind die Ressourcen dieses Planeten. Und die gehen zur Zeit rapide zur Neige. Das Gequatsche von Wachstum im Sinne von Steigerung des Wohlstandes und Konsums ist doch nicht zum Aushalten. Die Oberfläche der Erde ist dummerweise eine endliche Größe. Da ist nix mit ewigem Wachstum!
Man sehnst sich ja förmlich die nächste menschengemachte Katastrophe herbei, damit auch der Letzte kapiert, wo die wirklichen Probleme liegen.
"Es geht um die Frage, wer entscheidet: die Politik oder die Märkte."
Also dann ... lieber die Märkte.
Selbst wenn wir den ganzen Schlendrian in Griechenland, Frankreich und Co aus deutschen Steuersäckeln und/oder durch die Notenpresse der EZB finanzieren sollten – und den Euro damit zur italienischen Lira machen – das Problem der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit, etwa in Frankreich, bliebe unverändert bestehen: Ohne flexible Arbeitsmärkte und komparative Kostenvorteile wird die Produktion im Inland nicht wachsen, sondern weiter schwinden.
Wachstum wird nicht gefördert durch eine neue Runde schuldenfinanzierter Konjunkturprogramme oder durch Gelddrucken. Wachstum ist ein langfristig zu messender Prozess, der auf dem Weg steigender Arbeitsproduktivität zustande kommt. Dazu braucht man u.a. Preisstabilität und technologischen Fortschritt. Zunächst: Mehr arbeiten, weniger streiken.
In der Politik läuft ja vieles mit Unwahrheiten, Tricksereien und Lügen. Auf allen Seiten, das ist ja bekannt.
Überzeugungen können aber gefährlicher sein als Lügen.
Dieser Artikel strotzt nur so von tiefeinsitzenden Überzeugungen, die jedweder Argumentation wiederstehen. Und das macht sie so gefährlich.
Ich bin für Meinungspluralität. In einem großen Magazin wie dem Spiegel sollten verschiedene Ansichtspunkte vertreten werden, damit sich Leser ein eigenes Bild machen. Nichtsdestrotz sollten Artikel auch und gerade einer Kolumne, die zu polarisieren versucht, eine gewisse Qualitätsanforderung erfüllen.
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