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Fotoband "Abseits" über heruntergekommene Dörfer: Idylle hilft auch nicht immer

Claudio Hils/ LEADER Aktionsgruppe Oberschwaben/ Klöpfer und MeyerBröckelnde Dachfirste, Grasbüschel zwischen Gehwegplatten und Bauschutt. Sieht so ein "strukturloser Raum" aus? Claudio Hils hat für seinen Bildband "Abseits" Dörfer und Felder in Oberschwaben fotografiert, die so gar keinem ländlichen Ideal entsprechen.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...838201,00.html
  1. #1

    Ah ja, halbscharfe, langweilige Aufnahmen von Wiesen und Häusern gelten jetzt schon als Fotokunst. Moment, ich such mal meine SD-Karten durch, da finden sich hunderte Schnappschüsse in ähnlicher Tristesse wieder. An welchen Verlag muss ich die jetzt senden?
  2. #2

    So nicht ganz richtig

    Ich wohne in Oberschwaben. Was Claudio Hils fotographiert hat, gibt es alles. Es gibt aber auch noch jede Menge Idylle und Landleben - Streuobstwiesen, grasende Kühe, schmucke Bauernhöfe. Ich könnte darüber mindestens genauso viele Bilder beisteuern, wie Claudio Hils. Die Gegend um Mengen, wo Hils fotographiert hat, ist auch nicht gerade die schönste Ecke von Oberschwaben.

    Übrigens: Wer Ahnung von der Landwirtschaft hat, wird Kühe nie auf einer Obstbaumwiese halten - auch wenn es schön ins Landlust-Klischee passt. Das tut weder den Bäumen noch den Kühe gut.
  3. #3

    Der Vergleich mit...

    ...Mecklenburg-Vorpommern ist wohl etwas hoch gegriffen. Als gebürtiger Oberschwabe, der immer noch gerne in seine Heimat zurückkommt, sehe ich es ähnlich wie mein "Vorredner": Das Bild, das hier von Oberschwaben gezeichnet wird, stimmt nur zum Teil. Während in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur eine Land- sondern sogar eine Bundesland-Flucht zu beobachten ist, geht in Oberschwaben der Trend eher zum Leben auf dem Dorf. Wie ist es sonst zu erklären, dass meine Heimatgemeinde in den letzten zwanzig Jahren auf mehr als das doppelte angewachsen ist? Jugendliche werden natürlich zunächst flügge, wollen etwas anderes sehen, kehren dann aber auch wieder zu ihren Wurzeln zurück. Entgegen des tristen Bilds, das hier von Oberschwaben gezeichnet wird, ist es für mich, der auch andere Teile Deutschlands gesehen und dort auch gelebt hat, eine der Gegenden mit einer unglaublich hohen Lebensqualität!!
  4. #4

    Bildunterschriften

    Also mal ehrlich - bei einigen Bildunterschriften kommen schon ein paar Zweifel auf, ob damit tatsächlich das entsprechende Bild gemeint war. Die verfallenden charmanten Ställe sehen aber eher aus wie ein ehemaliges Wirtshaus, zumindest waren auch in Oberschwaben üblicherweise nicht große Fenster in Ställen. Und der Verfall auf diesem Bild wird eindeutig durch einen Bagger verursacht. Die sich gleichenden kiesbestreuten Vorgärten sind wohl auch eher eine temporäre Aufnahme - mir sind nirgendwo Parkgärten vor einer Baustelle aufgefallen. Wenn ein Haus noch im Rohbau ist, wird man wohl noch keinen Gartenbauer beschäftigen. Die schlecht gepflegte Museumskulisse ist wohl eher ein Teil eines Sägewerks.

    Keine Frage - die Fotos sind korrekt und real, aber die Bildunterschriften passen einfach nicht dazu. Es gibt auch in Oberschwaben "sterbende Dörfer", die überaltert sind, bei denen die "Jungen" keine Beschäftigungsperspektive haben und so weiter. Aber dass eine im Bau befindliche Strassenkreuzung so verstanden wird, dass die "Jungen das Nest verlassen, sobald sie flügge werden", darf wohl dahingestellt werden. Es ist vielmehr so, dass die Berufspendler einfach mehr werden. Sobald die "Jungen flügge" sind, pendeln sie zur Arbeit in die nächste Stadt, um dann aber abends wieder zuhause bei der Familie zu sein. Viele können sich ein Leben in der Großstadt auch gar nicht vorstellen. Allein die Vorstellung, dass die eigenen Kinder nicht mehr wissen, wie eine Kuh aussieht, wie eine frisch gemähte Graswiese riecht, welche Geräusche es im Wald oder auf den Wiesen gibt, das ist für viele "Landbewohner" Grund genug, sich mit dem Landleben zu arrangieren. Dass auf dem Land eben nicht der Überfluss an Angeboten herrscht, wie er in manchen Städten normal ist, wird sogar zu recht als Bereicherung empfunden.
  5. #5

    Dieser Bericht ist doch etwas überzeichnet. Diese Oberflächlichkeit hätte ich von Spiegel online nicht erwartet, vielleicht gibt der Artikel aber auch nur den nicht besseren Inhalt des Buches wieder.
    Ein Beispiel: Bild 6 zeigt keineswegs einen verfallenen Dachfirst (wie im Text oder in der Bildunterschrift erwähnt). Gut zu erkennen ist der Abrissbagger links im Bild.
  6. #6

    Die zwei Seiten der Wahrheit, oder: Beschreibung und Beurteilung

    Hils Fotos zeigen die Wahrheit, so wie sie in wohl allen ländlichen Regionen zu finden ist. Genauso kann man aber auch dort Postkartenidylle fotografieren (siehe www.hofstaedten.de). Die Frage bleibt, ob es beim Bedauern einer Entwicklung bleibt, oder ob es ein Appell zum Handeln sein kann.
  7. #7

    Auch noch schlecht fotografiert

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bröckelnde Dachfirste, Grasbüschel zwischen Gehwegplatten und Bauschutt. Sieht so ein "strukturloser Raum" aus? Claudio Hils hat für seinen Bildband "Abseits" Dörfer und Felder in Oberschwaben fotografiert, die so gar keinem ländlichen Ideal entsprechen.

    Fotoband "Abseits" von Claudio Hils zeigt heruntergekommene Dörfer - SPIEGEL ONLINE
    Das dass mit der ländlichen Idylle ein Schwindel ist haben die Maler des 19. Jarhunderts schon gewusst. Aber sie haben malen können und ihren Irrtum bezahten die die Stadtbürger durch den Kauf der Bilder als Unterpfand ihrer Sehnsüchte teuer. Das was davon noch übrig ist, kostet auch heute je nach Namen midestens 4stellig.
    Ich weiss nicht wovon der Fotograf lebt, aber er wird er seine Exponate nicht verkaufen können. Wer will sich auch so etwas an die Wand hängen.
    Ausserdem möchte ich darauf hinweisen, das viele der im Artikel gescholtenen die immer noch gepflegte Kulturlandschaft in Oberschwabens instandhalten. Wenn man das in Kosten umrechnen würde, wären die beschriebenen "Missstände" leicht zu verkraften.
    Aber es muss wahrscheinlich immer Leute geben, die nur dahin gucken, wo die Hunde hingepisst haben.

    petit_fleur
  8. #8

    optional

    Also ich sehe flache, langweilige Landschaft und Dorfszenen mit gepflegten Gärten, Infrastrukturmaßnahmen wie eine Umgehungsstraße im Bau o.ä. und Investitionen in Neubauten.
    Ob man hier wohl den falschen Artikel zur falschen Fotoserie abgedruckt hat?
  9. #9

    Unser Dorf soll hässlich werden

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bröckelnde Dachfirste, Grasbüschel zwischen Gehwegplatten und Bauschutt. Sieht so ein "strukturloser Raum" aus? Claudio Hils hat für seinen Bildband "Abseits" Dörfer und Felder in Oberschwaben fotografiert, die so gar keinem ländlichen Ideal entsprechen.

    Fotoband "Abseits" von Claudio Hils zeigt heruntergekommene Dörfer - SPIEGEL ONLINE
    Die Fotos dokumentieren ja eigentlich weniger das Problem der Landflucht als die geradezu groteske Hässlichkeit der meisten deutschen Dörfer.
    In Frankreich oder England gibt es menschenleere Dörfer, die dennoch einen ästhetischen Reiz haben und einen gewissen Charme ausstrahlen, während der ländliche Raum hierzulande (ganz im Gegenteil zu dem, was uns "Landlust"&Co suggerieren) in der Regel baulich und ästhetisch ein Grauen ist. Alte Bausubstanz wird abgerissen, verhunzt(alles was der Billig-Baumarkt), im besten Fall zu Tode saniert. Auch "florierende" Dörfer sind hier im Gegensatz zum Ausland ein Grauen.
    Wobei man zur Ehrenrettung Oberschwabens sagen muss. Hier ist es noch nicht einmal ganz so schlimm, wie andernorts.








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