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Forscher-Aufstand gegen Großverlag: Wir zahlen nicht für unsere Gedanken

michaeleisen.orgVeröffentliche oder verschwinde! Der Publikationsdruck auf Wissenschaftler ist enorm; sie müssen in angesehenen Zeitschriften erscheinen, um Karriere zu machen. Fachverlage nutzen das aus und kassieren horrende Abo-Gebühren, finden Tausende Forscher. Sie rufen zum Boykott eines Großverlages auf.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...820819,00.html
  1. #10

    Zitat von Mani2 Beitrag anzeigen
    Eigentlich sollte man meinen, dass solche Probleme im Internet-Zeitalter nicht mehr vorkommen. Jeder kann doch heutzutage Alles veröffentlichen, hier sind die Wissenschaftler gefordert eine eigene Publikations-Platform zu schaffen, dann brauchen sie sich auch nicht mehr über, berechtigterweise, gewinnorientierte Verlage zu beklagen.
    Es nutzt einem Wissenschaftler nichts 10 Aufsaetze in open access-Journalen mit dem ISI impact factor von Null zu publizieren wenn die Leute an den Unis und Forschungsinstituten, die Stellen ausschreiben und Wissenschaftler anstellen, nur renommierte Fachzeitschriften aus dem Kartell als Beleg eigenstaendiger wissenschaftlicher Arbeit akzeptieren.
    Diejenigen, die jetzt am lautesten die teuren Abopreise fuer die Journale beklagen, haben es seit Jahr und Tag in der Hand diese Situation zu aendern. Schuld ist die Bibliometrie, die nicht aus den Koepfen dieser Leute herauszubekommen ist.

    Obgleich sich prominenter Widerstand bereits formiert:
    http://www.cnrs.fr/aquitaine-limousi..._Chimia_10.pdf
    http://docserver.ingentaconnect.com/...21391BFF41282C

    sind die Ergebnisse dieser Bemuehungen noch verschwindend gering.
  2. #11

    Kern der Sache

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Veröffentliche oder verschwinde! Der Publikationsdruck auf Wissenschaftler ist enorm; sie müssen in angesehenen Zeitschriften erscheinen, um Karriere zu machen. Fachverlage nutzen das aus und kassieren horrende Abo-Gebühren, finden Tausende Forscher. Sie rufen zum Boykott eines Großverlages auf.

    Forscher-Aufstand gegen Großverlag: Wir zahlen nicht für unsere Gedanken - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Gerade die Verlage reden doch immer vom Schutz des geistigen Eigentums. Umso dreister ist doch die Praxis im Wissenschaftsbetrieb, dass nur der dort seine Arbeit publizieren kann (content liefern), der auf alle Rechte verzichtet. Zu prüfen ist doch, ob dies nicht sittenwidrig ist. Zudem sind die Studien häufig mit Steuergeldern finanziert worden (öffentlicher Dienst, ...), hier wäre zu fordern (wie bei US Publikationen schon praktiziert), dass alle Arbeiten dann "free access" erhalten.
    Hier schläft der Gesetzgeber.
    Zum dritten könnte die öffentliche Hand ihren Angestellten Wissenschaftlern vorschreiben, nur noch in solchen Zeitschriften Arbeiten die mit öffentlichen Gelder gefördert wurden publizieren zu können, die den Universitätsbibliotheken freien Zugang gewähren (Weisse Liste). Was glauben sie, wie schnell sich die Zeitschriftenlandschaft darauf einstellen würde, wenn erst einmal eine kritische Masse von Wissenschaftlern und Universitäten zusammengekommen ist.

    Von reinen Online Publikationen oder Open Access Zeitschriften muss man derzeit allerdings abraten: die Qualität des Reviews ist oft so schlecht, dass auch windigste Paper den Weg in die Öffentlichkeit finden. Das kann nicht im Interesse der Qualität liegen, wenn wir mit Schrottaufsätzen zugemüllt werden. Auch das ist am Ende teuer, weil es Arbeitszeit auf Seiten der Wissenschaftler vernichtet. Eine exzellente Filterfunktion ist ja gerade die Ursache, warum sich Spitzenzeitschriften von Mittelklasse und Schrottjournals absetzen können.
  3. #12

    Wirklich??

    Zitat von viwaldi Beitrag anzeigen
    Eine exzellente Filterfunktion ist ja gerade die Ursache, warum sich Spitzenzeitschriften von Mittelklasse und Schrottjournals absetzen können.
    Wer sich ein wenig umsieht, wird bemerken, dass auch schon sogenannte "Spitzenzeitschriften" gewaltigen Blödsinn haben durchgehen lassen. Eigentlich wäre es für die Kontrolle am besten, wenn alles OpenAccess veröffentlicht würde und möglichst viele Wissenschaftler, auch Fachfremde (!!!) es lesen und vor allem auch kommentieren könnten. Viele Augen sehen mehr!
    Es gibt auch durchaus OpenAccess-Zeitschriften, die ein gutes Ansehen und auch einen ansehnlichen Impact-Faktor haben.
    Was die vermeintliche Artikelflut betriffft - die Möglichkeiten, im Internet Archive gut zu indizieren, sind technisch wesentlich besser als in einer Bibliothek. Dort findet man viele ältere Schriften schlicht überhaupt nicht mehr, und die sind dann verloren, ganz unabhängig von der Qualität.
  4. #13

    Zu spät

    Da sieht man, wie dieser Verlag die Autoren bisher in der Hand gehalten hat. Eine Kritik war bisher tödlich. Jetzt, nachdem das Internet hier sehr viel Erpressungsmöglichkeiten hat nehmen können, kommen die eingeschüchterten Sklaven aus der Defensive.

    Jetzt bin ich mal gespannt, wie sich der Verlag dagegen wehrt. Möglicherweise werden jetzt Verlagsangestellte durch Copyrightanwälte ersetzt? Geld durch die wahnwitzigen Einnahmen ist ja genug da!
    Mit ein bisschen Lobbyarbeit kann man bestimmt auch den Gesetzgeber beeinflussen.

    Ich denke die Argumentation kann so stattfinden, dass nur ein gedrucktes Medium so nachverfolgbar ist, dass nicht auch Terroristen(!) und Raubkopierer die Erkenntnisse missbrauchen können. Das wird in ein Gesetz gegossen, und von Anwälten nach Gutdünken ausgelegt. Das kennt man aus dem Computersektor (Apple) und scheint sich auszuzahlen. Its the economy, stupid!

    Was das mit Forschungsgedanken und der Freiheit der Wissenschaft zu tun hat?
  5. #14

    Selbst schuld?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Veröffentliche oder verschwinde! Der Publikationsdruck auf Wissenschaftler ist enorm; sie müssen in angesehenen Zeitschriften erscheinen, um Karriere zu machen. Fachverlage nutzen das aus und kassieren horrende Abo-Gebühren, finden Tausende Forscher. Sie rufen zum Boykott eines Großverlages auf.

    Forscher-Aufstand gegen Großverlag: Wir zahlen nicht für unsere Gedanken - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Natürlich sind die Wissenschaftler selbst schuld, dass sie sich diese mehrfache Ausbeutung durch Wissenschaftsverlage gefallen lassen. Seit vielen Jahren wird das diskutiert. Schön, dass sich der Widerstand, der sich schon lange regt, nun auch in den normalen Medien Gehör verschafft. Im Physik-Journal wird das seit Jahren immer wieder diskutiert.
    Es ist wirklich für Aussenstehende unverständlich, dass ich kostenlos einen wissenschaftlichen Beitrag schreibe, teilweise für die Veröffentlichung sogar bezahlen muss(!!!), dann als Referee ebenfalls kostenlos die Arbeiten meiner Kollegen begutachte, wiederum kostenlos oft auch das Layout und die Lektorenarbeit gleich noch mit übernehme und mich dann in der Fakultät mit Kollegen streiten uss, welche Zeitschriften für das knappe Bibliotheksbudget von einigen zigtausend Euro pro Jahr abonniert werden können.
    Aber solange bei Berufungsverfahren Impactfactor und Hirsch-Index eine wichtige Rolle spielen, werden es sich vor allem junge Wissenscahftler dreimal überlegen, wo sie veröffentlichen. Auch die hier schon diskutierte leistungsabhängige Bezahlung von Hochschulwissenschaftlern ist von angeblich "harten Faktoren" wie Veröffentlichungen in renomierten Zeitschriften abhängig.
    Es liegt an den Wissenschaftlern selbst, vor allem an den Entscheidungsträgern, hier umzudenken und umzusteuern. Der Prozess ist aber im Gange, ich bin da zuversichtlich.
    Aber mal nebenbei: Ein Peer-Review-Prozess wie er so oft als Argument gegen Open Access angeführt wird, ist erstens auch dort mittlerweile üblich und schützt zweitens auch nicht vor Fehlern. Was ich in den letzten Jahren in renommierten Fachzeitschriften trotz Review gelesen habe, ist einfach nur peinlich. Liegt aber auch daran, dass es sich manche Kollegen aus purer Eitelkeit erlauben, dutzende Artikel pro Jahr zu lesen und korrigieren zu wollen. Meine Zeit erlaubt mir eine intensive Beschäftigung mit einem Artikel höchstens einmal im Vierteljahr. Da braucht man nämlich auch seine Zeit für.
  6. #15

    bei schöngeistiger Literatur ist es genauso

    Zitat von schweineigel Beitrag anzeigen
    ... Was das mit Forschungsgedanken und der Freiheit der Wissenschaft zu tun hat?
    Bei geringen Auflagen ist es nicht verwunderlich, daß die Fachzeitschriften recht teuer sind, dreißig bis fünfzig Euronen sind durchaus normal, trotz massenhafter Werbung. Man grenzt sich also rein finanziell gegen die Armen ab, wie auch mit Software - Programmen, teuren Normen und anderen Unterlagen.

    Tatsächlich interessieren die Aufsätze nur einen Bruchteil der Berufsangehörigen und Wissenschaftler, und seit dreißig Jahren ist zu beobachten, daß es sich mehr und mehr um Selbstbeweihräucherungen Einzelner handelt, keineswegs um Themen, deren Erkenntnisse irgendwie praktisch eingesetzt werden können, also bestenfalls von theoretischem Interesse, zumindest in den technischen Disziplinen, wo man der Konkurrenz keinen Vorteil verschaffen will. In günstigen Fällen wird auf ein 500 € teures Buch oder ein Programm für 5.000 € verwiesen. Die müssen aber nichts taugen.

    Und schon sind wir beim Klöngel zwischen Verlagen und einzelnen Instituten, vor allem den Machtstrukturen innerhalb der Wissenschaft. Nicht nur die Lehrstühle und Institute werden absolut diktatorisch geleitet, sondern auch Abteilungen und Fakultäten, wobei im Kreise der Ordinarien immerhin gewisse Hackordnungen bestehen, ähnlich wie in Kardinalsgremien der Heiligen Kirche. Am Ende steht jedoch immer eine einheitliche Ausrichtung, Abweichler werden gnadenlos ausgegrenzt, nicht konforme oder kritische Ansätze haben nicht einmal den Schimmer einer Chance, veröffentlicht zu werden. Daß sich hier große Firmen, die die Forschungsvorhaben und ganze Abteilungen finanzieren, eine an ihren Interessen ausgerichtete Öffentlichkeitsarbeit wünschen, müßte eigentlich auch klar sein, zumal der Professor in MINT – Fächern genau hier das Mehrfache seiner Einkünfte erzielen kann.

    Das humanistische Ideal der freien Lehre ist nur noch für schöne Reden reserviert. Es geht darum elegant zu verschweigen respective Reklame zu machen oder die eigenen Interessen zu fördern. Also Larifari. Es geht um Macht. Die Kriege der Wissenschaft (und Wirtschaft) sind mörderisch, und keiner bekommt etwas davon mit. Die Medien schon mal gar nicht.
  7. #16

    Man sollte sich die Auswahl nicht abnehmen lassen

    Zitat von brazzy Beitrag anzeigen
    Es hat aber gerade deswegen niemand die Zeit, alles zu lesen.
    Natürlich kann niemand alles lesen. Aber wäre nicht eine ausgereifte Internetsuche besser als die "Schubladenvorwahl" durch Verlage? Wenn man sich die Scheuklappen eines anderen anlegt, der zudem nicht nur von wissenschaftlicher Redlichkeit getrieben wird, bekommt man bestimmt keine bessere Auswahl als wenn man der eigenen Vernunft folgt. Die Publikation in gewissen Zeitschriften ist mitunter nicht unbedingt von der Qualität des Artikels abhängig, sondern davon, ob der Herausgeber oder Gutachter den Autor mag oder kennt oder ob der Autor bereit ist, noch ein paar Zitate aus derselben Zeitschrift einzubauen, damit deren Impactfaktor steigt.
    Transparenz ist das beste Mittel gegen Korruption. Das Internet ist ein hervorragendes Mittel, um Transparenz zu erreichen.
  8. #17

    Re:

    Zitat von Gebetsmühle Beitrag anzeigen
    ich hab nie verstanden, wie sich forscher überhaupt in solche kartelle begeben können, die von deren arbeit leben.
    Sie vergessen etwas: wissenschaftliche Verlage hatten früher eine Daseinsberechtigung, als sie noch die Aufbereitung und die Dissemination der wissenschaftlichen Beiträge übernommen haben, was eine Aufgabe war die keine Universität zu leisten im Stande war. Gerade die Dissemination hat sich heute natürlich ins Gegenteil gewandelt: Wo ein Verlag früher die einzige Möglichkeit bot, Wissen in der Welt zu verbreiten, so verhindert er die Verbreitung heute.

    Das hat sich heutzutage natürlich ins Gegenteil gewandelt. Zumal hinter den großen Wissenschaftsverlagen des frühen 20. Jahrhunderts im Gegensatz zu heute keine Investmentgesellschaften mit dem Ziel der Gewinnmaximierung standen, sondern Personen mit einem persönlichen Interesse an der Wissenschaft. Nicht umsonst genoss ein Ferdinand Springer, um mal ein Beispiel zu nennen, ein hohes Ansehen in der Wissenschaft.
  9. #18

    Nur wer keine Zeit hat ...

    Zitat von strixaluco Beitrag anzeigen
    ... dass die Verlage die vom Steuerzahler finanzierten Forschungsergebnisse und die Publikationsarbeit zum größten Teil geschenkt bekommen, zu ihrem Eigentum erklären und danach noch einmal fürs Anschauen abkassieren. Wer nicht an einer Uni arbeitet, die die Zeitschrift auch abonniert hat oder den Autor kennt muss für manche einzelnen Artikel 30 Euro Gebühr bezahlen!
    muß solche Summen zahlen; für andere gibt es immer noch die Fernleihe, da ist man mit einem deutlich geringeren Obolus dabei.
  10. #19

    Kaum Arbeit für die Verlage

    Zitat von erst_denken Beitrag anzeigen
    Es ist wirklich für Aussenstehende unverständlich, dass ich kostenlos einen wissenschaftlichen Beitrag schreibe, teilweise für die Veröffentlichung sogar bezahlen muss(!!!), dann als Referee ebenfalls kostenlos die Arbeiten meiner Kollegen begutachte, wiederum kostenlos oft auch das Layout und die Lektorenarbeit gleich noch mit übernehme und mich dann in der Fakultät mit Kollegen streiten muss, welche Zeitschriften für das knappe Bibliotheksbudget von einigen zigtausend Euro pro Jahr abonniert werden können.
    Seitdem die Textvorlagen als Dateien (zusätzlich zum Manuskript) geliefert werden müssen, hat sich auch die Arbeit des Setzers gewaltig reduziert; er hat eigentlich hauptsächlich noch mit der Druckaufbereitung von nicht-elektronisch gelieferten Graphiken und Fotos (kommt vor allem bei Altertumswissenschaftlern vor) zu tun. Praktisch beschränkt sich der Kostenanteil der Wissenschaftverlage auf das Zusammenstellen der einzelnen Artikel zu einem Band (wenn das nicht auch ein Gratis-Herausgeber erledigt), das Drucken, das Binden und den Versand. Alles andere ist ausgelagert und wird nicht einmal bezahlt.


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