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Finanzkrisen: Warum Rating-Agenturen verramscht werden müssen

Griechenland ist der Beweis: Rating-Agenturen verschärfen Krisen, statt sie zu verhindern. Weil die Anbieter ihrer Aufgabe nicht gerecht werden, ist es höchste Zeit für einen radikalen Schnitt. Die Firmen müssen entmachtet und zerschlagen werden.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...692607,00.html
  1. #130

    Warn- und Wächterfunktion ?

    Zunächst: Die Verantwortlichen in Griechenland haben fahrlässig od. vorsätzlich den Staatsbankrott provoziert, EU-Mittel schlecht investiert bzw. veruntreut und Bilanzen gefälscht. Die (Haupt-)Ursache liegt dort. Die europäische Politik hat weggesehen, aus welchen Gründen auch immer, sie trägt eine Mitschuld und damit auch Mitverantwortung für die Lösung. Die Ratingagenturen sind nicht die ursprüngliche Ursache der Krise.
    Zur Sache:
    Wie im Forum erwähnt, wurde bereits 2000 im Bundestag die griechische Überschuldung und Manipulation debattiert - also öffentlich. Was für ein Rating wäre wohl für einen solchen Schuldner angemessen ? Richtig: C oder D. Und was für ein Rating hatte GR seinerzeit ? ...Ich weiss wirklch nicht wie viele Foristen diese empirischen Fakten ausblenden und - ausgerechnet am Bsp. GR - von einer WÄCHTER-, WARN oder KONTROLLfunktion (Messung des Kreditrisikos) der Agenturen sprechen. Sicher, diese nehmen sie für sich in Anspruch und es spricht auch nichts dagegen, dass sie diese in ihrem begrenzten Rahmen wahrnehmen können, aber dass sie vom Gesetzgeber (Basel II u.a.) in völliger Verkennung ihrer Möglichkeiten und der für die gesamte (Bank-)Wirtschaft daraus entstehenen Folgen quasi als alleingültiger Masstab angesehen und mit dieser Macht ausgestattet wurden hat fatale prozyklische Konsequenzen.
    Zeitenwechsel: Jetzt, wo der Schuldner den Offenbarungseid leistet, ernsthafte Massnahmen einleitet um Glaubwürdigkeit zu gewinnen und gestützt wird...hätte er nicht gerade jetzt, was die Einschätzung seiner Kreditwürdigkeit angeht ein upgrade verdient ? Und was macht S&P und Co. ? Sie laufen de facto der tatsächlichen Entwicklung hinterher, ein Verhalten dessen Konsequenzen von den spekulativen Marktteilnehmern leicht antizipiert und genutzt werden kann ...Die Folge ist vor allem eine sinnlose Verteuerung notwendiger Restrukturierungsschritte (etwas zugespitzt kann man das durchaus auch Umverteilung zugunsten der Spekulanten nennen - wieviele griechische Verantwortliche spekulieren eigentlich verdeckt gegen ihren eigenen Staat ???). Die Kosten trägt der griechische Normalverbraucher und (u.a.) der deutsche Staat/Steuerzahler (das Staats-Bashing einiger Foristen mag woanders richtig sein - hier nicht !). Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht also eine völlg ineffiziente und sehr teure Art der Krisenbewältigung mangels zielführender nachhaltiger Regulierung.
    Fazit:
    Die gesetzlich sanktionierte aber durch die Fakten nicht zu rechtfertigende Überbetonung der drei (sowohl marktanteilsmässig als auch geographisch monopolistischen) Ratingagenturen bei der Risikomessung und Regulierung des gesamen Bankensektors ist zu beseitigen.
    Herrn Straubhaars Beitrag stellt die Komplexität und Kausalität der Probleme zwar vereinfacht (der Spiegel ist kein Wissenschaftsmagazin) aber völlig zutreffend dar !
  2. #131

    Staatsversagen

    fast alles und jedes wird von Vater Staat katalogisiert, genormt, bewertet. Normenvorgabe und Rahmensetzung IST staatliche Aufgabe. Nicht nur bei der Strassenverkehrsordnung.
    Warum gibt er den nicht gemeinwohl-, sondern rein gewinnorientierten Finanzmärkten komplett freie Hand? Gröbst fahrlässigQ!
  3. #132

    Brandstifter

    Im Fall Griechenland war S&P nicht nur der Überbringer einer schlechten Nachricht, sondern eindeutig Brandstifter.
  4. #133

    ...

    Zitat von wernerHW Beitrag anzeigen
    Im Gegensatz zu Griechenland koennen sich die USA (noch) die Schulden leisten. Die groesste und am besten funktionierende Wirtschaft der Welt hat keine Probleme ihre Schulden zu bezahlen. Ausserdem betruegen sie nicht.
    Es ist nicht die Hoehe der Schulden, sondern deren Verhaeltnis zur Wirtschaftskraft. Und zum erwarteten Wirtschaftswachstum.
    *Gelächter*... Ihr Weltbild in Ehren - aber machen Sie mal die Augen auf. Das heutige Finanzsystem besteht nahezu vollständig aus Betrug! Ihre gepriesene Großwirtschaft "lebt" nachweislich davon, da Finanzdienstleistungen dort (wie in GB) der größte "Wirtschaftszweig" sind. Wachstum 2009: D -5%, GB -4,8%, USA -2,4% ... das von Griechenland -2%! Wie wollen Sie nun das Rating erklären - außer mit gezielter Manipulation? Bei der geht es nicht um Griechenland, sondern darum, den Euro nieder zu spekulieren... was wir demnächst noch höchst unangenehm zu spüren bekommen werden.

    Wenn irgendwelche dahergelaufenen Rating-Mafioso Zinsen für die Refinanzierung von Staatsanleihen auf 15% beamen können - stinkt was gewaltig. Das ist - in einem einheitlichen Währungsraum zumal - ökonomischer Irrsinn in Reinkultur und ausnahmslos JEDER Staat auf der Welt wäre unter solchen Bedingungen pleite - allen voran die größten Schuldnernationen (auch wir...).

    Leider generiert die Derivatblase (ebenfalls in USA/GB geschaffen) genügend Geld, um die astronomischen Summen für solche Spekulationen aufzubringen. Tieferen Sinn macht das keinen - im Gegenteil: die realwirtschaftlichen Folgen kann man zurtreffend als verheerend beschreiben.

    Das kann man als EU-Bürger gut finden - dies wird aber nicht verhindern, dass man darunter zu leiden haben wird.
  5. #134

    Überreaktion hilft nicht!

    Auch wenn es an den Rating-Agenturen sehr viel zu kritisieren gibt, ihre Relevanz für das kapitalistische Finanzsystem ist und bleibt immens. Man sollte nicht vorschnell nach Zerschlgung schreien, solange man die daraus entstehenden Folgen nicht absehen kann. Würden die im Artikel geforderten Maßnahmen ergriffen - die unsicherheit der Märkte würde stark ansteigen, neue Kriesen, bisher unbekannten Ausmaßes, wären die Folge.

    Der einzig sinnvolle Vorschlag dieses Artikels ist die Haftbarkeit der Akteure. Allein diese Maßnahme scheint mir sinnvoll, um bewusste Falschbewertungen durch die Agenturen zu verhindern. Die internationale Durchsetzbarkeit eines solchen Vorhabens bleibt aber mehr als unwahrscheinlich.

    Daher liebe Spiegel-Autoren: Bitte Überreagiert nicht so dolle!
  6. #135

    Wirre Argumentation

    @b30
    Zitat:"Manche haben es immer noch nicht verstanden:
    Kapitalmärkte sind international!
    Das entscheidende ist nicht, wo die Ratingagentur ihren Hauptsitz hat.
    Der Grund dafür, dass der Kapitalmarkt von amerikanischen und britischen Instituten beherrscht wurde, ist, dass die Gesellschaft dort, viele mehr Erfahrung mit den Wirren eines weitgehend deregulierten Kapitalmarkts hat.
    Ratingagnturen haben ihren Ursprung z.B. in der Analyse von Anleihen bei der Fiananzierung des Baus der amerikanischen Eisenbahn.
    Mit einer europäischen Ratingagentur ist sicherlich nicht gewährleistet, dass diese deswegen besser analysiert.
    Da Grundproblem bleibt Märkte sind inetrnational, Regeln und Rahmenbedingungen nicht.
    Die Utopie einer staatlichen Ratingagentur ist damit auch verdeutlicht.
    1. Welcher Staat ist dafür verantwortlich?
    2. Staat heißt immer hinter den Marktanforderungen zurückbleiben, d.h. die Analysten haben nicht die Qualität, um gute Ratings abzugeben

    Bessere Analysen oder gar das Vorhersehen von Finanzblasen sind mit einer staatlichen und europäischen Ratingagentur sicherlich nicht erreichbar.[/QUOTE]

    Lieber b30,
    beim besten Willen was wollen Sie uns damit sagen, das Kapitalmaerkte international sind? Waeren Ihrer Meinung nach nationale Kapitalmaerkte sicherer? Und was heisst;"Staat heißt immer hinter den Marktanforderungen zurückbleiben"? Wuerde man dem folgen muesste die FED ja besser sein als die ECB, aber das stimmt so wohl nicht, da Alan Greenspan einer der Hauptverursacher der Finanzkrise war. Und was Sie im letzten Satz sagen mag Ihrer Ueberzeugung entsprechen, aber wird durch garnichts belegt. Ein Bsp., seit der die Hauptuntersuchung von jedem Guachter gemacht werden kann, kann ich mir aussuchen wer mein KFZ prueft. Das hat aber zur Konsequenz, dass ich jetzt jede Schrottkarre durch die Hauptuntersuchung kriege, ich muss nur hinreichend flexible Gutachter kennen. Die gibt es aber in grosser Anzahl. Oder mal anders gesagt ich doch nirgendwohin, wo ich weiss das KFZ faellt durch. Ihre Argumentation ist wirr und das Amerikaner mehr von Oekonomie verstehen als Amerikaner darf auch bezweifelt werden.
  7. #136

    Wer hätte das gedacht...

    [QUOTE=czarpeter;5467158]@b30
    Zitat:"Manche haben es immer noch nicht verstanden:
    Kapitalmärkte sind international!
    Das entscheidende ist nicht, wo die Ratingagentur ihren Hauptsitz hat.

    Aha.

    Kennen Sie Kapitalmärkte, die 'national' sind? Ich bin über siebzig - ich kenne keinen nationalen Kapitalmarkt. Seit es eine 'Seidenstraße', eine 'Salzstraße', eine "Gewürzstraße" rund um den Globus gibt, gibt es - logo - einen internationalen Kapitalmarkt. Mein Urgroßvater hat auf einer Hucke selbst gebastelte Kuckucksuhren über die Alpen bis Mailand geschleppt. Das würden Sie vermutlich nicht für einen 'Kapitalmarkt' halten.

    Wissen Sie was, lieber Freund: Mag sein, Sie haben Ihren Masters in BWL gemacht. Wenn Sie jetzt noch vier Semester VWL draufsatteln, dann wissen Sie, wowon Sie reden.

    Einen Normalo interessiert es einen Dreck, was welche Rating-Agentur sagt. Die Ratingagenturen sind fast so zuverlässig wie die 'Wirtschaftsweisen'. Man kann sie in der Pfeife rauchen.
  8. #137

    Witzlos

    Zitat von EcoHitman Beitrag anzeigen
    Auch wenn es an den Rating-Agenturen sehr viel zu kritisieren gibt, ihre Relevanz für das kapitalistische Finanzsystem ist und bleibt immens. Man sollte nicht vorschnell nach Zerschlgung schreien, solange man die daraus entstehenden Folgen nicht absehen kann. Würden die im Artikel geforderten Maßnahmen ergriffen - die unsicherheit der Märkte würde stark ansteigen, neue Kriesen, bisher unbekannten Ausmaßes, wären die Folge.

    Der einzig sinnvolle Vorschlag dieses Artikels ist die Haftbarkeit der Akteure. Allein diese Maßnahme scheint mir sinnvoll, um bewusste Falschbewertungen durch die Agenturen zu verhindern. Die internationale Durchsetzbarkeit eines solchen Vorhabens bleibt aber mehr als unwahrscheinlich.

    Daher liebe Spiegel-Autoren: Bitte Überreagiert nicht so dolle!
    Vorschnell? Inzwischen haben wir einen Dauserzustand von "Crash", und zwar keine kleinen, sondern eine Folge von gigantischen Crash - die die Wirtschaften der Welt regelrecht zerschlagen - schlimmer kann es wohl kaum noch kommen!

    Und da ist Zerschlagung der Ratingagenturen das geringste Übel .. Ihr Nutzen existiert nur für die Zocker von Auftraggebern.

    Die Welt besteht bald nur noch aus "Märkten und Geld" - wofür gehen wir eigentlich noch arbeiten, wofür leben Menschen eigentlich noch ? Anscheindend glauben die Zocker in den Banken das wohl nur noch ihr Geld und ihre dubiosen Mafiamärkte die Welt darstellen!

    Es sind Kranke die nur noch der Droge Geld hinterherlaufen, und das wohl weil ihr "Belohnungsystem" im Gehirn ihnen dafür echtes körpereigenen Morphium spendiert .. Junkies aus eigenen Gnaden ...

    ----
    Und welcher Schadensersatz? Sollen wir in CDS oder in Steuergelder unser Geld bekommen? Sind 5 Mrd ausreichend um den Absturz der Weltwirtschaft zu bezahlen?

    Kleine Fehler, da kann man mit Schadensersatz etwas "korrigieren", bei Crash die Mio von Arbeitnehmern ihren Beruf kosten, Staaten ihre Staatseinnahmen ist das eher lachhhaft eine "Haftung für Banker/Ratingagenturen" anzubieten..

    Die AAA+ für Lehmann haben die USA bis jetzt mehr als 26 Bio USD gekostet .. da sollen die Ratingagenturen mal fleissig anfangen zu sparen um das abzubezahlen!
  9. #138

    unermesslicher Schaden

    Herr Professor Straubhaar ist wohl noch gnädig. Diese Agenturen sind mit Schuld an einer Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise, deren Ausgang noch niemand absehen kann. Keine Aussagen über mathematische Modelle? Ganz einfach, die haben keine. Jedenfalls keine, die funktionieren.
    Aber der angerichtete Schaden ist unermesslich. Und leider ist noch kein Ende absehbar.








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