Zunächst: Die Verantwortlichen in Griechenland haben fahrlässig od. vorsätzlich den Staatsbankrott provoziert, EU-Mittel schlecht investiert bzw. veruntreut und Bilanzen gefälscht. Die (Haupt-)Ursache liegt dort. Die europäische Politik hat weggesehen, aus welchen Gründen auch immer, sie trägt eine Mitschuld und damit auch Mitverantwortung für die Lösung. Die Ratingagenturen sind nicht die ursprüngliche Ursache der Krise.
Zur Sache:
Wie im Forum erwähnt, wurde bereits 2000 im Bundestag die griechische Überschuldung und Manipulation debattiert - also öffentlich. Was für ein Rating wäre wohl für einen solchen Schuldner angemessen ? Richtig: C oder D. Und was für ein Rating hatte GR seinerzeit ? ...Ich weiss wirklch nicht wie viele Foristen diese empirischen Fakten ausblenden und - ausgerechnet am Bsp. GR - von einer WÄCHTER-, WARN oder KONTROLLfunktion (Messung des Kreditrisikos) der Agenturen sprechen. Sicher, diese nehmen sie für sich in Anspruch und es spricht auch nichts dagegen, dass sie diese in ihrem begrenzten Rahmen wahrnehmen können, aber dass sie vom Gesetzgeber (Basel II u.a.) in völliger Verkennung ihrer Möglichkeiten und der für die gesamte (Bank-)Wirtschaft daraus entstehenen Folgen quasi als alleingültiger Masstab angesehen und mit dieser Macht ausgestattet wurden hat fatale prozyklische Konsequenzen.
Zeitenwechsel: Jetzt, wo der Schuldner den Offenbarungseid leistet, ernsthafte Massnahmen einleitet um Glaubwürdigkeit zu gewinnen und gestützt wird...hätte er nicht gerade jetzt, was die Einschätzung seiner Kreditwürdigkeit angeht ein upgrade verdient ? Und was macht S&P und Co. ? Sie laufen de facto der tatsächlichen Entwicklung hinterher, ein Verhalten dessen Konsequenzen von den spekulativen Marktteilnehmern leicht antizipiert und genutzt werden kann ...Die Folge ist vor allem eine sinnlose Verteuerung notwendiger Restrukturierungsschritte (etwas zugespitzt kann man das durchaus auch Umverteilung zugunsten der Spekulanten nennen - wieviele griechische Verantwortliche spekulieren eigentlich verdeckt gegen ihren eigenen Staat ???). Die Kosten trägt der griechische Normalverbraucher und (u.a.) der deutsche Staat/Steuerzahler (das Staats-Bashing einiger Foristen mag woanders richtig sein - hier nicht !). Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht also eine völlg ineffiziente und sehr teure Art der Krisenbewältigung mangels zielführender nachhaltiger Regulierung.
Fazit:
Die gesetzlich sanktionierte aber durch die Fakten nicht zu rechtfertigende Überbetonung der drei (sowohl marktanteilsmässig als auch geographisch monopolistischen) Ratingagenturen bei der Risikomessung und Regulierung des gesamen Bankensektors ist zu beseitigen.
Herrn Straubhaars Beitrag stellt die Komplexität und Kausalität der Probleme zwar vereinfacht (der Spiegel ist kein Wissenschaftsmagazin) aber völlig zutreffend dar !



