Eine Anhäufung von Gemeinplätzen, sehr hübsch, gerade von einem Anfänger im Amt. Ziemlich oberflächlich auch, mit den üblichen Pauschalurteilen über diese ganz furchtbar gräßliche Zeit, die niemand ernsthaft aufarbeiten will. Wir lieben uns alle und wir sind gut. Das war ganz schlimm damals, aber jetzt ist es vorbei. Was ein Glück. Jetzt wollen wir mal alles vergessen, was wir ohnehin nie gesagt oder gedacht haben. Was wir wissen könnten, aber definitiv nicht wissen wollen.
So ganz klar geworden ist mir nicht, weshalb dort der deutsche Bundespräsident spricht. Nur wegen seiner Frisur ? Symbol für den Erfolg des deutschen Hegemonialstrebens ? Erneuerung der ehrwürdigen Freundschaft und Solidarität ? Bezeugen der Vasallentreue ? Kollaboration der Verlierer ?
Zumindest ist jetzt klar geworden, warum man einen Pastor zum Präsidenten gemacht hat. Der hat Unmengen schöner Worte im Portepee. Und die läßt er links und rechts des Wegs herunterfallen. Und jeder fragt sich, woher die Scheißhaufen kommen.
Was Geschichtsverfälschungen angeht, fungiert der Herr jedenfalls in der Spitzenmannschaft. Natürlich hat sich der Westen an der DDR gerächt. Sehr brutal, indem er sämtliche Funktionen neu besetzt hat, ziemlich gnadenlos (ihn ausgenommen). Es gab nach dem Krieg wenig Nazis, weil die weg waren, ein paar wurden in der Verwaltung gebraucht, perfekte Wendehälse, ausschließlich im unteren Bereich. Mein Großvater kam nach Buchenwald, er war nur Dorfbürgermeister. Das hat gereicht. Die der DDR die Nazis vorwerfen sind wohl immer noch stinksauer auf die „Schwarzbücher“, mit denen so manche schöne westdeutsche Karriere beendet wurde.

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