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Familienministerin Schröder: Die Feindin aller Frauen

Alle wettern gegen Kristina Schröder - dabei muss man der Familienministerin dankbar sein: Sie gibt der CDU das konservative Profil, das viele Anhänger der Partei so lange vermisst haben. Und der Rest der Republik freut sich darüber, endlich wieder ein Feindbild zu haben.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...828803,00.html
  1. #220

    Zitat von theresarain Beitrag anzeigen
    Sie werden es kaum glauben, aber das war mir bekannt. Und ist der Beweis dafür, dass es nur darum geht, den verpatzten Krippenausbau ein wenig zu kaschieren. Von wegen Belohnung von Familienarbeit. Eher "wir werfen euch ein paar Körnchen hin und hoffen, dass ihr nicht aufmuckt (klagt)."
    Ja, das sehe ich auch so.

    Wobei unter "verpatzt" ja wohl zu verstehen ist, dass man glaubte, die Gelder waeren zu passender Zeit vorhanden, was aber nicht der Fall war.

    So laeuft es in der Politik, auch in anderen Bereichen.
  2. #221

    .

    Zitat von theresarain Beitrag anzeigen
    Erlauben Sie mir, dass ich kurz lache. In welcher Traumwelt leben Sie? In Schweden? Als junge Mehrfachmutter und "working mum" kann ich Ihnen versichern, dass diese "traumhaften Möglichkeiten" lediglich in Ihrer Phantasie bestehen. Genau, die Topmanagerin mit 25-Stunden Telearbeitsplatz. Das ist fast schon Comedy ...
    Das fand ich auch suess.
    Praesenz am Arbeitsplatz ist allerdings in den allermeisten Faellen unabdingbar. Fuer Topmanagerinnen sowieso.
    Aber die haben dann auch wieder keine "Kitaprobleme", da wuppt die Nanny den Alltag mit den lieben Kleinen.
  3. #222

    Zitat von theresarain Beitrag anzeigen
    Klar, da ist es ja. Das biologistische Argument. Damit war ja zu rechnen wie mit dem Amen in der Kirche. Wissen Sie was? Ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis. Nicht weitersagen ... aber ... voll gestillt werden müssen Kinder nur bis zum Alter von fünf bis sechs Monaten.
    Noch ein Geheimnis: Kinder muessen gar nicht gestillt werden.


    Zitat von theresarain Beitrag anzeigen

    Daneben und danach ist es durchaus nicht schädlich für das Kindeswohl, manche sagen tatsächlich sogar nützlich, wenn auch der Vater zur wichtigen Bezugsperson wird. Und auch vorher ist es durchaus denkbar, dass der Kindsvater ab und an abgepumpte Muttermilch aus dem Fläschchen füttert. Das hätten Sie jetzt nicht gedacht, oder?
    Finden Sie sich einfach damit ab, dass die - fast - ganze Verantwortung des Kinderaufziehens bei Ihnen liegt. Der Kampf, den Vater, wohl gegen seinen Willen und Lust und Laune, mehr einzubinden, ist sinnlos.
    Ihre Nerven danken es Ihnen. Sag ich mal aus eigener Erfahrung.
  4. #223

    ..

    Zitat von luny Beitrag anzeigen
    Hallo Retmar,

    das ist das Ergebnis .....
    Merkwürdig, wo sich doch Tariflöhne doch ausschließlich an der Qualifikation eines Mitarbeiteres orientieren. Aber gerade in technischen Berufen, wo es oft um harte,körperliche Arbeit geht, muss man sich auch fragen, ob es nicht besser wäre, gleiches Geld für gleiche Arbeit zu verlangen, und nicht gleiches Geld für weniger Arbeit, und nur anhand der Arbeitszeit.. Wie auch immer, kennen Sie einen weiblichen Automechaniker? Oder einen weiblichen Zerspannungstechniker? Ich kenne nicht mal einen weiblichen Fliessenleger, männliche davon ein halbes Dutzend. Warum nur?
  5. #224

    Zitat von theresarain Beitrag anzeigen
    Ganz einfach. Die arbeitenden Frauen zahlen Steuern und sind nicht kostenlos in der Familienversicherung Ihres Mannes mitversichert, sondern zahlen selbst Renten- und Pflegeversicherung. Jede Hausfrau kostet den Staat mehr als ein Krippenplatz.
    Da sind aber jetzt ein paar Geldtöpfe durcheinandergeraten.
    Kranken- und Pflegeversicherung haben nichts mit dem Staat zu tun, das sind ganz normale Unternehmen.
    Kostenlos in der Familienversicherung sind nur Hausfrauen und Hausmänner mitversichert, deren Ehepartner in der gesetzlichen Kasse versichert sind.
    Damit zahlen Singles in der gesetzlichen Krankenversicherung für Ehepartner und Kinder anderer Versicherer mit. Der Staat ist aber nicht betroffen.

    Bezüglich der Rentenkasse gilt im Prinzip vergleichbares. Die Rentenkasse wird auch nicht einfach "vom Staat" bezahlt. Was aber richtig ist: Hausfrau und Hausmann, die die Rente des Ehepartners erben, werden durch die Gesamtheit der Versichterten mitgetragen.

    Was natürlich richtig ist: Hausfrau und Hausmann zahlen keine Steuern. Das sind keine Kosten für den Staat, sondern entgangene Einnahmen, aber die fehlen natürlich.

    Jetzt können Sie aber mal selber nachrechnen, wieviel Hausfrau oder Hausmann verdienen muß, damit von den Steuern tatsächlich ein Kita-Platz bezahlt werden kann.
    Annahme: Kita kostet 800.- Euro / Monat, macht knapp 10.000 Euro im Jahr, dafür müssen Sie 41.000 zu versteuerndes Einkommen haben, damit die 10.000 Euro durch Einkommenssteuer und Soli gedeckt sind. (alles ca Zahlen nach der Steuertabelle von 2010).

    Und nein, dass soll jetzt sicher kein Plädoyer gegen Kitas sein, nur glaub ich nicht, dass eine Hausfrau für den Staat ein Minusgeschäft ist, eher im Gegenteil.
  6. #225

    Zitat von atech Beitrag anzeigen
    angepeilt wurde bis zum Jahr 2013 bundesweit einen Krippenplatz für 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren zu schaffen.
    Derzeit gibt es in einigen Städten nur für ca. 15 % der Kinder unter drei Jahren einen Krippenplatz...
    Haben Sie noch im Kopf, wie viele Krippenpklätze geschaffen werden müssten, um die 35% zu erreichen? Ich glaube, es ging um mehrere Hunderttausend. Das bedeutet Milliarden an Aufwand und gleichzeitig mindestens mehrere Zigtausend neuer Erzieherstellen, die es qualifiziert zu besetzen gilt. Das alles wächst - da hatten die damaligen Kritiker von vdL nicht unrecht - nicht auf Bäumen. Die Schuldenkrise tut ihr übriges.

    der Bedarf bei den Eltern ist da. Das Angebot von staatlicher Seite nicht.
    Richtig. Aber es ist nicht notwendigerweise eine Frage der Einstellung, diesen Missstand zu beheben (s. o.). Vielleicht war es sogar in der kurzen Zeit von vornherein unmöglich. Deshalb ist es wenig sachdienlich, daraus ein "Versagen" oder gar ein bewusstes Blockieren zu erdichten. Jeder Minister freut sich doch, wenn er in seinem Ressort Mittel bekommt und die stimmenwirksam einsetzen kann - und das KiTa-Plätze Stimmen bringen, dürfte wohl außer Frage stehen.

    Jetzt soll zumindest ein Teil der Eltern ruhig gestellt werden, indem man den Eltern das Daheimbleiben mit einer Herdprämie schmackhaft machen will.
    Bei 150 Euro würde ich eher von "erträglich" als von "schmackhaft" sprechen. Und was ist - zumindest für den Status Quo - dagegen einzuwenden? Das Betreuungsgeld kostet einen Bruchteil des noch zu schaffenden Kontingents an KiTa-Plätzen. Seine Verhinderung würde also ohnehin nicht annähernd ausreichen, um die Misere zu beenden. Dafür müssten viel dickere Bretter gebohrt werden, über deren aktuelle Verfügbarkeit man trefflich streiten kann. Umgekehrt wird die längere Dauer bis zur Erreichung der 35% dadurch wenigstens ein wenig überbrückt.

    Ich sage beileibe nicht, dass das Betreuungsgeld der Stein der Weisen sei - Schröder scheint mir übrigens auch überhaupt kein Fan davon zu sein. Aber es ausschließlich als ideologisch motivierte "Herdprämie" zu verunglimpfen, ist einfach zu einseitig.

    zum x-ten Male: keiner zwingt eine Mutter, ihr Kind in eine Krippe zu geben. Wenn sie mit der Rolle der Supermutti-allein-mit-Kind(ern)-zu-Haus glücklich ist, dann darf sie das. Weiterhin.
    Denn das Ziel von 35% bedeutet, dass es dann immer noch 65% Hausfrauenmütter gäbe!...
    Ich meinte auch etwas vollkommen Anderes: Die Anfeindungen gegen Schröder insbesondere wegen des Betreuungsgeldes haben keinerlei sachliche Grundlage. Sie ist gar nicht diejenige, die das Betreuungsgeld forciert. Das ist unser aller liebster Herz-Jesu-Sozialist Seehofer. Es wird nur deshalb als besonderer Kritikpunkt gegen Kristina Schröder verwendet, weil man ihr mit allen Mitteln ans Leder will. Und der Grund dafür ist - nach meinem Dafürhalten - ihre kritische Haltung zu hergebrachten feministischen Axiomen.
  7. #226

    Zitat von theresarain Beitrag anzeigen
    Oh, ich würde sehr gerne. Haben Sie einen heißen Tipp für mich, wie ich meinen Mann zu 6 Monaten Elternzeit und anschließender Teilzeittätigkeit bekomme? Er will nämlich partout nicht (das Kind wollte er aber durchaus). Ich denke, er wäre mal dran, nachdem er die letzten Male keine Elternzeit genommen hat. DAS ist die Realität in deutschen Beziehungen. Guter Mann, Sie leben augenscheinlich in einer Phantasiewelt ...
    Das ist, bedauerlicherweise, erst mal Realitaet in IHRER Beziehung.

    Ich kenne eine Familie (kenne ich gut), da bringt er sich wirklich viel ein. Aber er darf eigentlich nur den Handlanger machen, da die Mutter als einzige die Kompetenz hat zu beurteilen, wie die Kinder nun zu behandeln sind. Z.B wie dem Kind nun die Zaehne geputzt werden muessen, das kann man auf gar keinen Fall anders machen.
    Wenn ich sowas mitmachen muesste wuerde ich irgendwann mal sagen, weisst Du was, mach Du doch. Manche Aufgaben kann man offenbar nicht beliebig aufteilen.

    Ist ein Einzelfall und taugt nicht zur Ableitung allgemeingueltiger Handlungsanweisungen. Genausowenig wie Ihre Situation.
    Menschen aendern sich und ihre Ansichten im Laufe der Zeit, mit der Folge das Partnerschaften sich entsprechend mitaendern muessen oder dann scheitern.
    Falls Sie schon vor dem ersten Kind diesselben Vorstellungen hatten wie heute und Ihr Mann ebenfalls, dann haben Sie wohl den falschen ausgesucht.

    Wenn Sie vor dem (mindestens 3ten?) Kind wussten, dass Sie diesmal die Elternzeit teilen wollen und danach von Ihrem Mann mehr Anwesenheit zu Hause, dann waer das besser vor der Geburt bzw. Zeugung geklaert worden.

    Wenn Sie diesen Wunsch erst kuerzlich entwickelt haben, dann gibt es jetzt eine ganz neue Situation, in denen entweder Sie oder Ihr Mann sich von seinen Wunschvorstellungen verabschieden kann (Ihr Mann sich von seinen alten, Sie von Ihren neuen).

    Ich wuensche Ihnen, dass Sie da eine gute Loesung finden, die alle Beteiligten gluecklich macht.

    Aber ich sehe da nur bedingt ein Aufgabe der Politik. In erster Linie muessen sich Ehepartner gemeinsam einigen, was sie denn wollen und wie sie das gestalten wollen.

    Kenne auch ein Beispiel, was fuer Sie vielleicht ein Hoffnungsschimmer ist: Freunde wollten die Elternzeit teilen, er hat vorsichtig in der Firma nachgefragt und wohl eine ziemlich schroff ablehnende Antwort bekommen (so nach dem Motto, wenn Sie so was tun, dann koennen Sie das hier aber vergessen). Kurz danach gab es dann Aerger in der Firma inklusive angedrohter Gehaltskuerzung, woraufhin sich der Bekannte gesagt hat, na egal, wenn's eh Aerger gibt... und hat die Elternzeit genommen. Und siehe da, alles bestens, Null Aerger und auch die Zurueckstufung ist vom Tisch.

    Ein Rat an Sie (ausser den wenig hilfreichen weiter oben) ist fuer Aussenstehende eigentlich unmoeglich, dafuer muesste man die konkrete Situation kennen.
    - ist Alltag zu Hause mit Kindern fuer Ihren Mann ueberhaupt vorstellbar, oder verzweifelt der da?
    - laesst die berufliche Situation Ihres Mannes Auszeit und Teilzeit ueberhaupt zu? Das geht zwar vermutlich haeufiger, als man erst mal annimmt, aber auch nicht immer.
    - und wie sieht das dann mit dem gemeinsamen Einkommen mit vermutlich 2 Teilzeitstellen aus? Geht das ueberhaupt?
  8. #227

    Zitat von bekkawei Beitrag anzeigen
    Diese Probleme hat man nicht, wenn man ueber genuegend Geld verfuegt, sich die beste Betreuung fuer das Kind zu kaufen.
    Ich glaube nicht, dass Frau Schroeder ihr Kind in eine oeffentliche Kita bringt.
    Das macht kaum eine Frau, die sich eine Tagesmutter oder andere private Betreuung leisten kann.
    Richtig. Genauso ist es. Das beste Beispiel ist unser ehemaliger Bundespräsident Johannes Rau. In NRW als Ministerpräsident ein leidenschaftlicher Verfechter der Gesamtschule (Anm.: wie Kita - Gleichmacherei auf niedrigstem Niveau) schickte - man höre und staune - seine eigenen Kinder auf ein privates Gymnasium. Schon einmal etwas von der Elita-Kita und dem Elite-Kindergarten, den der Bundestag für seine Mitglieder eingerichtet hat?
  9. #228

    sach ich doch

    Zitat von theresarain Beitrag anzeigen
    Aber sicher doch. Die Kitas hierzulande haben ja bekanntlich auch alle von 6 bis 22 Uhr geöffnet und das natürlich 7 Tage die Woche. Lächerlich! Zu Ihren anderen Diffamierungen gegenüber arbeitenden Eltern (wobei ich annehme, Sie meinen v.a. die Mütter) will ich ungern etwas sagen, Ihre Aussagen dazu sind so polemisch und voller Vorurteile, dass es sich kaum lohnt, darüber graue Haare zu bekommen. Nur soviel: Kaum glaublich, aber ja, man kann auch MIT Kindern in den Urlaub fahren. In den meisten Fällen gefällt das den Kleinen sogar sehr gut.
    Warum wohl? Na klar, endlich tritt man als Familie auf und nicht als Abschiebebahnhof. Am besten den Urlaub auf 365 Tage im Jahr ausdehnen - am heimischen Herd und auf Balkonien.
  10. #229

    Die Repräsentanten aller Deutschen
    (eine Antwort auf „Die Feindin aller Frauen“ von Silke Burmester in SPON)

    Danke, liebe Herdprämienfans und Quotenverfechter!

    Das hätte ich zu Beginn der Debatte um Betreuungsgeld, Quote und Frau Schröder nicht für möglich gehalten, dass ich mich am Ende bei denjenigen, die ich anfangs hart kritisiert habe, bedanken muss! Ich muss gestehen - am Anfang der Debatte hatte ich bereits eine vorgefasste Meinung. All die Fakten, die ich dann im Laufe der letzten Tage zum Thema gefunden habe, schienen diese zunächst zu bestätigen. Auch das nie ein kritischer Kommentar auf meine diversen Debattenbeiträge kam, schien mir eine Bestätigung für meine Sichtweise zu sein. Dank Euch und eurem unermüdlichen Kampf für Eure Überzeugungen, habe ich jedoch erkannt, wo mein Fehler lag und wie ein Kompromiss zwischen beiden Seiten aussehen müsste! Bevor ich gestehe, wie sehr ich mich geirrt habe, hier zunächst meine Vorurteile zu Beginn der Debatte:

    1.Das Betreuungsgeld ist nicht zielführend, man sollte das Geld lieber in bessere Kinderbetreuung investieren!
    2.Das Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer, liegt (nicht nur, aber hauptsächlich) daran, dass ihnen meist der heimische Teil der Kinderbetreuung zufällt, der in Westdeutschland so aufwendig ist, dass er nicht gut mit einer Karriere in der Wirtschaft vereinbar ist. Quote hilft dagegen bestenfalls in Einzelfällen, man sollte lieber über bessere Kinderbetreuung reden.
    3.Quoten sind generell diskriminierend und ungerecht und daher ungeeignet, Missstände zu beseitigen.

    Im Laufe der Debatte habe ich mich wiederholt über die Verfechter der Quote geärgert. Immer wieder wurde das Märchen von 23% weniger Geld für gleiche Arbeit aufgetischt oder als korrekte aber irreführende Aussage wie: 23% weniger Lohn für Frauen. Wir fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit! in den Raum gestellt.

    Mein erster Eindruck war, dass hier die so berechtigte und wichtige Forderung nach besserer Kinderbetreuung auf dem Altar des Götzen Quote geopfert werden sollte! Aber gerade die offensichtlichen Falschaussagen haben mich nachdenklich gestimmt. Warum haben die MärchenerzählerInnen nicht sofort gemerkt, dass das so nicht stimmen kann? Zu dieser Frage gesellte sich eine zweite, die schon seit Beginn der Debatte im Hintergrund lauerte: Warum kann eine deutliche Mehrheit der Deutschen leicht erkennen, dass Betreuungsgeld ebenso wie Quote in der Wirtschaft nicht sinnvoll sind und Kinderbetreuung der wirkliche Engpass, über den es zu reden gilt? Warum können (zu) viele Politiker beider Lager das nicht und driften auf unwichtige Nebenkriegsschauplätze ab? Meine erste Vermutung war zugegebenermaßen: Geld. Kinderbetreuung kostet. Aber ist Sparsamkeit wirklich eine so herausragende Eigenschaft unserer Politiker, das das als Erklärung ausreicht?

    Dann half mir ein Kommentar eines Lesers, in dem bedauert wurde, dass Frau Schröder wohl nicht versuchen muss, einen der begehrten KITA Plätze zu ergattern. Natürlich, das war es. In dieser Debatte redeten auf beiden Seiten Menschen, die vermutlich nur eine vage Vorstellung von den Anforderungen eines Führungsjobs in der Wirtschaft haben und vermutlich auch keine Kinder großgezogen haben, zumindest nicht in den letzten 15 Jahren, ohne externe Hilfe und als der Elternteil, der sich alltäglich um die Kinder kümmert. Klar, wenn ich nicht 2 Kinder hätte, wäre ich auch nicht so schnell auf das Thema Kinderbetreuung gekommen. Vor der Geburt meines ersten Kindes hatte ich keine Vorstellung, was da auf mich zukommt, vor Beginn des Gymnasiums hatte ich zwar viel schlechtes über G8 gelesen, aber was es tatsächlich bedeutet einem 10 jährigen eine 60 Stunden Woche zuzumuten, ist mir auch erst klar geworden, als ich es erlebt habe. Bereits damals verspürte ich den starken Drang, als Kultusminister nur noch Menschen mit Kindern oder Enkeln im öffentlichen Schulsystem zuzulassen!

    Und nun zu meinem Geständnis. Ich habe selber von Anfang an den gleichen Fehler wie all diese von mir kritisierten Politiker gemacht. Ich war generell gegen die Quote, weil sie in der Wirtschaft nach meiner Überzeugung ungeeignet ist. Politik kenne ich nicht aus erster Hand, daher habe ich übersehen, wie sinnvoll die Quote in diesem Bereich sein kann. In einer repräsentativen Demokratie sollen die Politiker das Volk repräsentieren, dazu sollte der Bundestag auch in seiner Zusammensetzung die Bevölkerung möglichst gut abbilden. Weil das nicht der Fall ist, klaffen in diesem Fall die Meinung des Volkes und die der Politiker so weit auseinander und entfernen sich auch generell die Repräsentanten immer weiter von ihrem Souverän, dem Volk!

    Auch der praktische Erfolg der Quote in der Politik ist beeindruckend. Bis Mitte der 90er war auch für einen an diesem Thema relativ Desinteressierten die Diskriminierung von Frauen klar erkennbar. Mittlerweile sagt die zuständige Ministerin, das das Ziel der Frauenbewegung im wesentlichen erreicht ist. In der aktuellen Debatte wird sie dafür zwar einerseits scharf kritisiert, andererseits deutet aber doch gerade die Tatsache, dass das unwahre Märchen von den „23% weniger Lohn für gleiche Arbeit“ so häufig bemüht wird daraufhin, dass es eben keine ähnlich schockierende reale Benachteiligung von Frauen mehr gibt. Unter der Prämisse, dass die 1979 zuerst eingeführte Quote zu dieser sehr positiven Entwicklung beigetragen hat, muss ich also zugeben: Quoten in der Politik sind für die Überwindung von Diskriminierung entgegen meiner Vorurteile anscheinend ein geeignetes Mittel!

    Auch heute noch gibt es sehr wohl reale Diskriminierung, die es verdient, mit dem gleichen Eifer bekämpft zu werden, wie die von Frauen in den 80ern. Am schlimmsten empfinde ich die Diskriminierung von Migrantenkindern und Kindern von arbeitenden Alleinerziehenden, die – zumindest subjektiv – heutzutage noch weniger Chancen haben unser Bildungssystem erfolgreich zu durchlaufen, als vor 40 Jahren. Das hängt eng zusammen mit den in Deutschland ganz ungewöhnlich hohen Anforderungen an Zeit und Fähigkeiten von Erziehenden aufgrund der mangelhaften staatlichen Angebote.

    Auch die Einkommenslücke, die zwischen Beamten und anderen Arbeitnehmern klafft (laut Statistischem Bundesamt hatten Haushalte mit einem Beamten als Hauptverdiener 2003 ein um 29% höheres Nettohaushaltseinkommen, als solche mit einem Angestellten und 61% mehr, als solche mit einem Arbeiter als Hauptverdiener) ist mindestens ebenso ein Ärgernis, wie die zwischen Männern und Frauen. So bin ich zu meinem Kompromissvorschlag gekommen, der sowohl die Fans der Herdprämie, als auch die Quotenanhänger zufriedenstellen sollte :

    1.Eine Quote ist in der heutigen Politik zu kurz gegriffen, es werden mindestens 2 gebraucht! Damit die Politiker das Volk besser repräsentieren können, sollte es eine Quote für Erziehende geben. Noch wichtiger jedoch wäre eine Quote, die dafür sorgt, dass Beamte nicht mehr Plätze in Parlamenten einnehmen können, als es ihrem Gesamtanteil an allen Wählern entspricht! Also das Bonbon für die Quotenverfechter: Es kommt eine neue Quote, vermutlich sogar zwei, falls ihr die Frauenquote nicht komplett durch die Erziehendenquote ersetzen wollt. Danach wird das Thema Kinderbetreuung sicher auch in der Politik das Thema „Quote in der Wirtschaft“ ersetzen und als Folge die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen kleiner werden.

    2.Natürlich sollen auch die Herdprämienfans sich nicht als Verlierer fühlen. Genausowenig wie die Frauen, die einfach nur unter guten Bedingungen und ohne Existenzangst ihr Kind zu Hause betreuen möchten. Ganz zu schweigen von den vielen Politikern, die aufgrund der neuen Quoten plötzlich ohne Job dastehen. Also geben wir ihnen ihr Betreuungsgeld. Natürlich etwas aufgebohrt, damit es auch wirklich etwas bewirkt! Sicher deutlich mehr als 150 Euro, zeitlich unbegrenzt und für jeden Einzelnen (gerade auch Kinder), nicht nur für nicht KITA Nutzer. Nennen werden wir es dann „unbedingtes Grundeinkommen“. Zu dessen Finanzierung werden nicht nur alle bisherigen Leistungen für Bedürftige zusammengelegt, Subventionen gestrichen und das Steuersystem vereinfacht, es werden leider auch viele Staatsbedienstete, die sich bisher mit Bedürftigkeit, Bafög, Harz 4, Kindergeld etc. beschäftigten, freigesetzt werden. Aber das ist ja kein Problem: Wenn sie jung und kinderlos sind, finden sie leicht einen Job in der Privatwirtschaft – falls sie Politiker werden wollten, müssen sie dank der neuen Quoten ohnehin dorthin wechseln. Die Älteren könnten das Grundeinkommen genießen und sich auf ihre künftigen, weit überdurchschnittlichen, Altersbezüge freuen. Einige der Jüngeren mit Kindern könnten dank der neuen Quoten gewiss einige der kinderlosen FeministInnen in der Politik ersetzen, am besten die MärchenerzählerInnen, die werden nämlich dringend als BetreuerInnen in den KITAS benötigt! Die übrigen wären durch das Grundeinkommen immerhin abgesichert. Aber sobald diese Maßnahmen greifen, kriegen sie ja hoffentlich trotz Kind wieder einen guten Job!

    3.Als Beamter hat man mehr Jobsicherheit, bessere Altersversorgung UND auch noch ein viel höheres Nettoeinkommen als ein Angestellter! Zum Glück lässt sich das viel einfacher beheben, als die Lücke bei den Einkommen der Frauen. Man braucht nur den entsprechenden Prozentsatz der Lücke exakt zu bestimmen (die 29% oben sind das Nettohaushaltseinkommen, der tatsächliche Wert könnte also leicht abweichen) und spontan alle Einkommen von Beamten entsprechend kürzen. Ausgenommen von denen im Bildungsbereich natürlich. Geht von heut auf morgen, die Griechen haben da Erfahrung! Die Ersparnis hilft bei der Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens.

    Nun werden einige Leute fragen, ob die vielen Politiker, die ihre Karriere als Beamter begonnen haben und auch nicht von der Quote für Erziehende profitieren können, diesem Maßnahmenpaket zustimmen werden.

    Erfreulicherweise, können wir die Antwort beruhigt den Politikern überlassen. Wenn sie diese einfachen Vorschläge – oder andere Maßnahmen, die die Politik und die Politiker der etablierten Parteien wieder näher an die Wähler heranrücken lassen – nicht umsetzen, machen sie sich insgesamt überflüssig. Dann müssten nur ein paar mehr Deutsche mit Erfahrung in der Kindererziehung den Piraten beitreten und eine absolute Mehrheit diese wählen, so hätten wir diese Forderungen auf anderem Weg umgesetzt! Nur eben ohne die Herdprämienfans und Quotenverfechter, sogar ganz ohne Quote. Also, liebe Herdprämienfans und Quotenverfechter, ihr habt die Wahl. Die Zeit läuft!

    24.04.2012 Hermann Köster








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