Falsch verstandener Umweltschutz: Kirche des ökologischen Glaubens

Wenn es um den Umweltschutz geht, macht den Deutschen niemand etwas vor. Kein anderes Volk trennt so hingebungsvoll seinen Müll und spart so fleißig am Wasser. Leider nützt nicht alles der Umwelt, was wir zu ihrer Rettung unternehmen - und manches schadet ihr sogar.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...820751,00.html
  1. #170

    Hurrah! alle machen mit bei der Öko-Religion

    Zitat von Berliner42 Beitrag anzeigen
    Darum geht's ja gerade. In dem Maße, wie die Menschen sich von den Kirchen abwenden, wächst eben nicht der Atheismus, sondern das Bedürfnis nach Übersinnlichem und Erklärungshilfen in einer schwer zu begreifenden Welt bleiben erhalten. Die Leute stricken sich dann eben ihre Do-it-yourself-Religionen.

    Wer sich seine ökobewegten Bekannten mal nüchtern betrachtet, erkennt darin Anhänger von solchen Ersatzreligionen, die oft sogar mit noch mehr Inbrunst gelebt werden.
    Erstmal: Ein klasse Artikel von Hr. Fleischhauer. Die Aussage, die Deutschen seien mehrheitlich Atheisten, ist nachweislich FALSCH. Die Deutschen sind mehrheitlich nicht mehr Anhänger einer etablierten Religion (wenn auch "Papierchristen" im Sinne der Bürokratie und des Steuerrechts!), aber ihr Bedürgnis nach Spirituellem, nach "gutem tun" und Gewissensberuhigung stillen sie woanders. Wie heisst Uroma's alte Weisheit noch gleich? Schmeiss den Glauben zum Fenster raus und der Aberglaube kommt zur Hintertür wieder rein. Da genügt ein Blick in jede x-beliebige Buchhandlung: riesige Esoterik-Abteilungen voll von anti-rationalem, anti-wissenschaftlichem Humbug. Ganze Fernsehsendungen nur mit Esoterikmist, von Astrologie über Heilkristalle bis hin zu Tarot und Schamanen. Und dieser Unsinn durchsetzt immer mehr auch den ganz normalen Alltag. Homöopathie und Akkupunktur, Reiki und Ayurverda gehören längst zum Mainstream; eine neue Art Volksfrömmigkeit bildet sich da heraus. Die Öko-Religion mit ihrem Mutter-Erde-Götzen ist da nur eine weitere Spielart im lustigen Kuriositätenkabinett der selbstgebastelten Privatreligionen. Die Menschen haben ein Bedrüfnis etwas Gutes zu tun, und im Land der sozialen Rundumversorgung gibt es kaum noch Betätigungsfelder die der Staat nicht an sich reissen und professionell bewirtschaften würde. Was kann es da verlockenderes geben als die Welt zu retten? Ist doch ne tolle Sache, und -hurrah! - alle können mitmachen. Blöd ist nur dass die mühsam erkämpfte Trennung von Religion und Politik damit zunichte gemacht wird. Umweltschutz sollte eine genauso rational-nüchterne Sache sein wie jedes andere politische Betätigungsfeld auch. Statt dessen wird es nun durchseucht von Emotionen und Ideologie, von Eifer und Fanatismus.
  2. #171

    Danke, danke, danke!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wenn es um den Umweltschutz geht, macht den Deutschen niemand etwas vor. Kein anderes Volk trennt so hingebungsvoll seinen Müll und spart so fleißig am Wasser. Leider nützt nicht alles der Umwelt, was wir zu ihrer Rettung unternehmen - und manches schadet ihr sogar.

    S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: Kirche des ökologischen Glaubens - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Wieder ein guter und wahrer Fleischhauer. Weiter so :-))
  3. #172

    Zitat von ruetlis_joe Beitrag anzeigen
    Diesem Fleischhauer-Artikel kann man uneingeschränkt zustimmen, wie man auch sonst zu 90 % dem, was er schreibt, beipflichten kann.

    Als Ingenieur bin ich gewohnt, Gesamtbilanzen zu berücksichtigen, wenn es um Energieeinsparung geht. Da ich kein bekennendes Mitglied der CO2-menschgemachten Klimaerwärmungskirche bin, sehe ich die CO2-Emmissionen bei der Energiegewinnung zwar in einem anderen Licht. Wenn es aber darum geht, den Verbrauch von Primärenergieträgern wie Öl, Erdgas oder Kohle zu drosseln, muß man sich endlich von diesem ideologischen Ballast der selbsternannten Klimaapostel trennen, die nicht gewillt sind, simple physikalische Gesetzmäßigkeiten und den gesamten wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu berücksichtigen.
    Dass die Erde immer wärmer wird, ist eine wissenschaftliche Erkenntnis. Dass CO2 für den Treibhauseffekt verantwortlich ist ebenso. Auch, dass der Mensch der größte Freisetzer von CO2 ist. Da muss man nicht religiös sein, um einen plausiblen Zusammenhang zu sehen. Eher, um ihn NICHT zu sehen.
    Beim Wasser sehe ich das auch nicht so eng. Die Sparschaltung an der Waschmaschine nutze ich höchstens, wenn im Sommer mal Wassermangel gemeldet wird.
  4. #173

    Zitat von ruetlis_joe Beitrag anzeigen
    Diesem Fleischhauer-Artikel kann man uneingeschränkt zustimmen, wie man auch sonst zu 90 % dem, was er schreibt, beipflichten kann.
    Naja wohl eher 1%...

    Beim Thema Wassersparen kann man nur sagen dass die Wasserversorgung ja auch Euro pro Liter kostet. Das heißt für den Privatmann heißt Wasser sparen, Geld sparen.
  5. #174

    Ersparnis Null

    Zitat von absentcrisisx Beitrag anzeigen
    Naja wohl eher 1%...

    Beim Thema Wassersparen kann man nur sagen dass die Wasserversorgung ja auch Euro pro Liter kostet. Das heißt für den Privatmann heißt Wasser sparen, Geld sparen.
    Nur auf den ersten Blick, volkswirtschaftlich nicht, da das Netz kostet. Das "Ersparte" wird Ihnen sofort wieder auf den Preis geschlagen. Ist so wie bei vielen Dingen, auch Privatfernsehen kostet Geld, das zahlen Sie halt über die Leberwurst im Supermarkt. Hier ging es aber um Ökologie und nein, es bringt nichts, Wasser ist ein sich regenerierendes Kreislaufssystem, Warmwasser ist eine andere Sache.
    Nein, theoretisch sinkt mit größerer Menge der Preis, economies of scale nennt sich das.
  6. #175

    Zitat von Berliner42 Beitrag anzeigen
    Wie soll das gehen? Bei Wasslerleitungen und Kanalisation geht wohl kaum was "anzupassen". Vielleicht bei der Dimensionierung der Klärwerke, aber bringt's das?
    Auch Wasserleitungen halten nicht ewig und müssen nach einigen Jahrzehnten erneuert werden. Bei Neubaugebieten kann man sogar gleich bei der Erstausstattung auf bessere Dimensionierung achten.
  7. #176

    etwas Bauphysik

    Zitat von Liberalitärer Beitrag anzeigen
    Über die Dringlichleit kann man streiten. Sinnvoll ist es aber, wenn man mal ein bisschen naturwissenschaftliche Gesetze anwendet. Ja, in einem perfekt isolierten Gebäude erstickt man eben, wie man in "Das Boot" eindrucksvoll verfolgen kann. Ja, es bildet sich dort Kondenswasser, ja der Schimmel blüht. Es geht nicht darum Naturschutz und Ökologie verächtlich zu machen, es geht darum mal selber das Gehirn zu benutzen und nicht das von Ökotest. Aber viele Menschen lönnen selbst Stromstärke von Spannung nicht unterscheiden und wissen nicht was ppm bedeutet.
    Oha, da begeben Sie sich aber auf dünnes Eis.
    Mit "perfekt isoliert" meinen Sie wahrscheinlich die Wärmedämmung eines Gebäudes. Diese hat i.d.R. relativ wenig mit dem Luftaustausch und der Feuchteregulation des Gebäudes zu tun.
    Schimmel wird i.d.R. verursacht durch unzureichenden Abtransport der anfallenden Feuchtigkeit in Verbindung mit kalten Stellen der Außenwände. Die kalten Stellen können Sie durch eine ausreichende, gleichmäßige und wärmebrückfreie Wärmedämmung der Außenhaut minimieren, eine ausreichende Entfeuchtung lässt sich nur über Luftaustausch erreichen, entweder durch Lüften oder besser durch eine kontrollierte Be- und Entlüftung, möglichst natürlich mit Wärmerekuperation. Die Entfeuchtung findet niemals in nennenswertem Maße über die Außenwände (durch Diffusion) statt, wie oft behauptet wird. "Atmende Wände" sind ein Ammenmärchen, dazu ist der Wasserdampfdiffusionwiderstand aller gängigen Wandaufbauten viel zu groß, es sei denn Sie leben in einem Baumwollzelt. Das ist bei hochgedämmten Wänden nicht anders als bei ungedämmten Wänden.
    Wenn nach einer energetischen Sanierung eines Gebäudes Probleme mit Feuchtigkeit bzw. Schimmel auftreten, hat das meist folgende Ursachen:
    - Nach einem Austausch der Fenster stellen diese plötzlich nicht mehr die kältesten Stellen der Außenhaut dar, an denen die Feuchtigkeit kondensiert, sondern z.B. Außenecken oder Bauteilanschlüsse, an denen Kondenswasser problematischer ist als an den Fensterscheiben.
    - Wenn das Gebäude nach der Sanierung luftdichter ist, was aus energetischen Gründen und Komfortgründen prinzipiell wünschenswert ist, findet weniger unkontrollierter Luftaustausch statt und das ausreichende Lüften wird wichtiger.

    Wenn solche Probleme bei einem Neubau auftreten sind Planungs- oder Ausführungsfehler die Ursache, aber niemals eine "zu gute" Wärmedämmung, wie oft behauptet wird.
  8. #177

    Deterministische Scheuklappen

    Zitat von jörg seifert Beitrag anzeigen
    Erstmal: Ein klasse Artikel von Hr. Fleischhauer. Die Aussage, die Deutschen seien mehrheitlich Atheisten, ist nachweislich FALSCH. Die Deutschen sind mehrheitlich nicht mehr Anhänger einer etablierten Religion (wenn auch "Papierchristen" im Sinne der Bürokratie und des Steuerrechts!), aber ihr Bedürgnis nach Spirituellem, nach "gutem tun" und Gewissensberuhigung stillen sie woanders. Wie heisst Uroma's alte Weisheit noch gleich? Schmeiss den Glauben zum Fenster raus und der Aberglaube kommt zur Hintertür wieder rein. Da genügt ein Blick in jede x-beliebige Buchhandlung: riesige Esoterik-Abteilungen voll von anti-rationalem, anti-wissenschaftlichem Humbug. Ganze Fernsehsendungen nur mit Esoterikmist, von Astrologie über Heilkristalle bis hin zu Tarot und Schamanen. Und dieser Unsinn durchsetzt immer mehr auch den ganz normalen Alltag. Homöopathie und Akkupunktur, Reiki und Ayurverda gehören längst zum Mainstream; eine neue Art Volksfrömmigkeit bildet sich da heraus. Die Öko-Religion mit ihrem Mutter-Erde-Götzen ist da nur eine weitere Spielart im lustigen Kuriositätenkabinett der selbstgebastelten Privatreligionen. Die Menschen haben ein Bedrüfnis etwas Gutes zu tun, und im Land der sozialen Rundumversorgung gibt es kaum noch Betätigungsfelder die der Staat nicht an sich reissen und professionell bewirtschaften würde. Was kann es da verlockenderes geben als die Welt zu retten? Ist doch ne tolle Sache, und -hurrah! - alle können mitmachen. Blöd ist nur dass die mühsam erkämpfte Trennung von Religion und Politik damit zunichte gemacht wird. Umweltschutz sollte eine genauso rational-nüchterne Sache sein wie jedes andere politische Betätigungsfeld auch. Statt dessen wird es nun durchseucht von Emotionen und Ideologie, von Eifer und Fanatismus.
    Ein sehr interessanter Beitrag... aber man muss das ein bisschen sammeln, nur für den Überblick: Esoterik, Esoterik-Mist, Humbug, Heilkristalle, Tarot, Schamanen, Ayurveda, Mutter-Erde-Götze – wie schrecklich das alles, wie entsetzlich. Da beschwört jemand den Säkularismus, da verortet jemand Emotionen als Seuche und ist doch nur ein Tropf, ein Knecht des engstirnigen Rationalismus, der ihm gebietet, über alles auf seine knochenbrecherische Art zu herrschen: über den Menschen und über seine Gefühle. Ich kann der Bachblüten-Therapie bestimmt nichts abgewinnen, doch ich wehre mich gegen Schlaumeier, die allein in der Realität einen Sinn sehen – allerdings ohne den blassesten Schimmer zu haben, um welche Sinnhaftigkeit es sich wohl handeln könnte. Mit solchen deterministischen Scheuklappen kann man sich der Transzendenz nicht annähern, man verharrt in seiner eigenen geistigen Beschränktheit, die man als ultimatives Weltbild propagiert wie ein Staubsaugervertreter seinen neuesten Heulbesen. Wer sich dazu bekennt, nicht viel zu wissen, aber viel zu ahnen – der ist weise.
  9. #178

    Die neue Öko-Religion

    Mal wieder ein vorzüglicher Beitrag des Herrn Fleischhauer.

    Es gibt tatsächlich einen Unterschied zwischen Ökologie, dem wissenschaftlich fundierten Umweltschutz, und dem Ökologismus, wie er in Deutschland betrieben wird. Das eine ist rationaler Umweltschutz und das andere eine quasi-religiöse Lehre.

    Die Bekämpfung der Atomkraft und Gentechnik z.B. sind zum heiligen Dogma geworden. Diese und andere Themen, wie das rücksichtslose Durchpauken der Energiewende, nur ansatzweise in Frage zu stellen ist zum Frevel geworden und man kann sicher sein, sich den heiligen Zorn der grünen ökogläubigen Gutmenschen auf sich zu ziehen, wenn ein Ungläubiger es doch wagt.

    Es gab mal eine Zeit, da dachte ich, unsere Breitengrade (der Westen, Europa) wären der fortschrittlichste Teil der Welt, u.a. weil die Religion hier an Bedeutung verloren hat. Spätestens der mit beinahe religiösen Eifer geführte heilige Krieg gegen die Atomkraft und Gentechnik haben mir die Augen geöffnet.

    Es wahr vielleicht ein Fehler die alten Religionen so einfach über Bord zu werfen. Damit haben wir ein Vakuum hinterlassen, welches nun die neuen Propheten ausfüllen. Die alten Weltreligionen sind zwar auch nicht rational, aber dafür bleiben dabei die Strompreise niedrig, das Stromnetz sicher und die Wirtschaft wird nicht bedroht.
  10. #179

    Zitat von Liberalitärer Beitrag anzeigen
    Ja, in einem perfekt isolierten Gebäude erstickt man eben, wie man in "Das Boot" eindrucksvoll verfolgen kann. Ja, es bildet sich dort Kondenswasser, ja der Schimmel blüht.
    Deswegen werden in Deutschland auch nur sehr wenige Häuser unter Wasser gebaut. Und die, die oberirdisch gebaut werden, werden in der Regel belüftet, entweder über die Fenster oder über eine Lüftung, die idealerweise noch Wärme rückgewinnt.

    Schimmel ist hauptsächlich ein Problem des falschen Lüftens und nicht der Dämmung. Sonst würde es ja in ungedämmten Häusern keinen Schimmel geben.