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IT-Fachkräfte: Mangelware Nerd

CorbisJa, wo stecken sie denn? Computer-Experten sind in Deutschland eine seltene Spezies. Auch Finanzkrise und Rezession haben an diesem Fachkräftemangel nichts geändert. So kommt es, dass selbst Quereinsteiger auf dem IT-Jobmarkt gute Chancen haben. Ein Überblick.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...831872,00.html
  1. #90

    Hickhack

    Ich denke man sollte zunächst mal festhalten wer als Fachkraft zählt.
    In meinen Augen ist eine Fachkraft, wer einen speziellen Beruf gelernt hat (und nicht studiert haben muss).
    Dementsprechend gibt es mehr als genug Fachkräfte in Deutschland.

    Ich habe meine Ausbildung zum Fachinformatiker - SI in 2009 abgeschlossen und wurde glücklicher Weise bis nächstes Jahr befristet übernommen. Daher kenne ich auch entsprechend viele andere Fachinformatiker und musste mich zwischendurch auch schon mehrfach bewerben(mehrere Befristungen meines Vertrages, bin zufrieden mit meiner Arbeitsstelle).
    Was konnte ich bisher feststellen?

    Nunja, zunächst einmal gibt es doch einige Stellen auf die man sich bewerben kann. Dummerweise scheinen gefühlte zweidrittel davon für die andere Hälfte der FIs zu sein^^
    Was bleibt einem als SI noch übrig?
    Stellen, bei denen mindestens 2Jahre Berufserfahrung(wenn man Glück hat) gefordert sind und ein Erfahrungsspektrum/Fähigkeitenspektrum/Skill-level so breit wie der Grand Canyon vorraugesetzt sind. Ok, kann schon sein, dass das wirklich benötigt wird, aber dann nur ca 25k pro Jahr bieten!?

    Als Informatiker hat man es in meinen Augen verdammt schwer einen passenden Beruf zu finden, hierzu vergleiche ich ganz gerne mit der Baubranche: Während ein Bauarbeiter, genauer gesagt ein Fliesenleger, sich als Fliesenleger(Oder Trockenbauer, elektriker oder was weiß ich) bewerben kann, muss sich ein Fachinformatiker im übertragenen Sinne nicht als "Fliesenleger" bewerben sondern als "kompletter Häuslebauer, der auch gleich den kompletten umzäunten Grünbereich mit Springbrunnen und Wasserrutsche bauen kann" bewerben muss und das ganze dann aber bitte zum Lohn des Hausmeisters und Überstunden werden natürlich oft nicht als Anforderung gesehen, sondern für so selbstverständlich erachtet, dass sie erst gar nicht erwähnt werden müssen.
    Achja, als Zeitarbeiter wird man auch noch gern genommen, natürlich zum Standardlohn eines Handwerkerzeitarbeiters*hust*

    Daher bin ich froh momentan und hoffentlich auch weiterhin im ÖD arbeiten zu dürfen - hier ist das Gehalt zwar auch nicht der Kracher, aber zumindest die Bedingungen in Ordnung.
  2. #91

    Wen wundert es

    Ich entspreche nahezu dem IT "Durchschnittsalter".
    Anfang/Mitte der 80jahre hat in meinem Bekanntekreis nahezu jeder an Rechnern geschraubt und programmiert. Wir hatten alle "nur" mittlere Bildungsabschlüsse, von den Arbeitsämtern gab es absolut keinerlei Angebote hinsichtlich IT/Software-Entwicklung, Grafik/Design o. ä.
    Man wurde als Nerd abgetan, Computer als Spielzeug/Mode/Randerscheinung und zu "seriösen" Berufen gedrängt.

    So wundert es nicht, dass nahezu alle hochqualifizierte Leute von damals inzwischen, wie auch ich, in anderen Berufszeigen unterkommen (mussten). Jetzt ist das Gejammer plötzlich groß.

    Die nachfolgenden Generation hat offensichtlich schon gar nicht mehr das Verständis für die Technik wie wir sie noch hatten. Einen PC selbst zusammenzubauen halten viele für unmöglich, ein Netzwerk bring alle zur Verzweiflung und irgendeine Programmiersprache beherrscht absolut niemand mehr in meinem Umfeld.

    Ich selbst habe das beste daraus gemacht, einen seriösen" Beruf erlernt und mache seit 2008 nebenbei Grafikdesign und Programmierung für iOS apps. Mein Gesamtgehalt übertrifft damit jeden SAP-Berater um etwa das doppelte.
  3. #92

    Irgendwas machen Sie falsch

    Zitat von basilikum0 Beitrag anzeigen
    Als jemand der nach dem Abschluss des Studiums lange eine Stelle gesucht hat, trotz jahrelanger praktischer Erfahrung in Softwareentwicklung, fühle ich mich von solchen Anzeigen vera***t.
    Als Studienabgänger habe ich mich vor einem halben Jahr auf 11 Jobs beworben, 10 davon haben positiv geantwortet, 7 davon wiederum wollten mich in der zweiten Runde des Vorstellungsprozesses wiedersehen und 3 haben mir sofort nach der ersten Runde einen Job angeboten.

    Und unterbezahlt bin ich für einen Einsteiger auch nicht.
  4. #93

    Ein richtiger IT-Profi kostet mindestens 150.000,- €/Jahr zzgl. Spesen, das wollen nur die wenigsten zahlen und wundern sich dann warum 50% der Projekte in den Sand gesetzt werden. Ein Profi hat 100% Erfolgsquote. Und ein Mangel an Profis liegt nicht vor. Aber das hatten wir schon.
  5. #94

    Kann ich nicht bestätigen

    Der Begriff IT-Fachkäfte ist viel zu schwammig - SAP-Menschen werden tatsächlich ganz ordentlich gesucht. Ob das für alle IT-Berufe gilt wage ich mal sehr zu bezweifeln. Ich stimme übrigens meinen Vorpostern zu - oft versuchen Arbeitgeber dieser Branche hochqualifizierte IT-Fachkräfte für lächerliche Gehälter zu bekommen.
  6. #95

    Was wollen Sie ?

    Zitat von Der Meyer Klaus Beitrag anzeigen
    Hm. Hier sind die Gehälter und Randbedingungen super und dennoch gibt es einen IT-Fachkräftemangel. Einfach weil alle bisherigen Interessenten total die Nulpen sind.

    Entweder sind es sozial nicht tragbare Vollnerds...

    Bleiben wir doch einmal bei denen.
    Ich nehme nun einmal Nerd als das, was es sein sollte. Dann braucht dieser keine soziale Kompetenz.
    Wozu auch ?
    Früher war er eben in seinem Kämmerlein und kam mit einer Lösung heraus. Ich will gar nicht sozial "kompetent" sein. Die Wahrheit zu sagen hilft oft mehr, diese "schön" zu verpacken dürfen andere gerne machen. Es ist aber auch nicht die Kernkompetenz.
    Wenn es wirklich heiß her geht, dann sollte man dem Nerd einfach den Rücken freihalten ohne das er alle 10 Minuten von jemand anderem ume inen Status gebeten wird, der nächste eine Doku will und ein weiterer ihn in ein Meeting zur Erfahrungsweitergabe lädt.
    Wenn dann der Nerd einmal bittet, ih kurz in Ruhe zu lassen - es trotzallem 20 Eskalationswege gibt um ihm doch weiteren Ärger zu machen - dann hört es eben auf mit "sozialer" Kompetenz und ein ehrliches Wort ist gefragt.

    Und genau das, erlebe ich tagtäglich, wird diesen Menschen dann als neg. soz. Kompetenz ausgelegt.
    Es sind keine Redenschwinger, keine Mausschubser, keine Krawattenjokeys, sie können sich meist nicht gut Verkaufen und bei Karaoke-Wettbewerb oder anderen "social" Events wird man sie selten sehen. Sie verbringen ihre Zeit eben lieber mit Systemen - sonst hätten sie auch diesen Status nicht erreicht.
    Und genau DAS sollte man nutzen - ohne sie zur Eierlegendenwollmilchsau umerzehen zu wollen, deren Eier klein, die Wolle kratzig, die Milch wässrig und das Fleisch fade ist.

    Komischerweise ist ein Mangel - eben immer dort wo man tatsächlich sehr (hoch)qualifizierte Menschen braucht (eben teilweise schon Nerds), die Fachkraft hingegen angebl. nicht ausreichend in Ihrer Kompetenz.
  7. #96

    Zitat von DocMoriarty Beitrag anzeigen
    Ein richtiger IT-Profi kostet mindestens 150.000,- €/Jahr zzgl. Spesen, das wollen nur die wenigsten zahlen und wundern sich dann warum 50% der Projekte in den Sand gesetzt werden. Ein Profi hat 100% Erfolgsquote. Und ein Mangel an Profis liegt nicht vor. Aber das hatten wir schon.
    Für 150 T€ muss man allerdings schon etwas mehr leisten, als nur gut zu programmieren. Projektmanagement, Präsentation, Kommunikation... auch und insbesondere gegenüber Nicht-ITlern.
    Was glaube ich etwas anderes ist als das, was die meisten hier unter IT-Fachkraft verstehen.
  8. #97

    Zitat von downgrade0815 Beitrag anzeigen
    Bleiben wir doch einmal bei denen.
    Ich nehme nun einmal Nerd als das, was es sein sollte. Dann braucht dieser keine soziale Kompetenz.
    Wozu auch ?
    Teamarbeit ist nun einmal sehr wichtig. Auch die Kommunikation mit Kunden. Sich mit Kollegen zu verstehen und sich auch in die Abteilung persönlich einzubringen ebenso. Keiner will gesichtslose Sklaven haben die herumlaufen.
    Dabei geht es nicht darum am Wasserspender 90% der Arbeitszeit mit Small-Talk zu verbringen oder Großmeister im Bullshitten zu sein wie man es bei jeder Managerschulung lernt. Wichtiger ist es eben sympatisch zu sein und auch mal grüßen zu können (was vielen leider schwer fällt heutzutage) und für ein angenehmes Büroklima zu sorgen.
    Auch seine Lösungen präsentieren zu müssen ohne die ganze Zeit zu nuscheln wäre hilfreich. Niemand erwartet einen PP-Profi der fehlerfrei spricht.

    Und genau das, erlebe ich tagtäglich, wird diesen Menschen dann als neg. soz. Kompetenz ausgelegt.
    Es sind keine Redenschwinger, keine Mausschubser, keine Krawattenjokeys, sie können sich meist nicht gut Verkaufen und bei Karaoke-Wettbewerb oder anderen "social" Events wird man sie selten sehen. Sie verbringen ihre Zeit eben lieber mit Systemen - sonst hätten sie auch diesen Status nicht erreicht.
    Und genau DAS sollte man nutzen - ohne sie zur Eierlegendenwollmilchsau umerzehen zu wollen, deren Eier klein, die Wolle kratzig, die Milch wässrig und das Fleisch fade ist.
    Wenn aber derjenige in seinem stillen Kämmerchen hockt und zwar Lösungen erschafft, aber keinen Kontakt zur Belegschaft hat, darf er sich auch nicht wundern wenn jemand anders die Lorbeeren einsackt und es dem Einsiedler nicht gedankt wird.
  9. #98

    Die Sachlage ist ganz einfach:

    Ich bekam folgende Job Angebote nach Abschluss meiner Berufsausbildung (Bester im Jahrgang in meinem Bundesland):
    Koeln: (PC Service, Vor Ort, mit eigenem PKW): €8,56/hr
    Hamburg: Systemadministrator (Ueber Arbeitnehmerueberlassung): €10,76/hr
    Frankfurt: Systemadminsitrator, Datacenter (Ueber Personal-Dienstleister): €11,46/hr
    Muenchen: Junior Fachinformatiker im Installationsdienst (bundesweiter Einsatz, eigener PKW, Wohnort MUC): €11,16/hr
    Hamburg: IT Systembetreuer (CallCenter): €7,85/hr

    Dublin: Server Support Analyst (CallCenter): €24,50/hr

    Heute verdiene sogar deutlich mehr als Senior Product Engineer. Ich wuerde gerne nach Deutschland. Aber wenn ich da Angebote bekomme fuer Positionen mit Projekt- und Personalverantwortung fuer 28.000 oder 35.000 im Jahr?
    Bei 10 Jahren Berufserfahrung (inkl. Fuehrungserfahrung), Proejkterfahrung, einer Sammlung von Zertifikaten und Trainerberechtigungen und einem Bachelor ist das weniger als angemessen.

    Und Deutschland beschwert sich ueber den Fachkraeftemangel in der IT? Die Unternehmen bekommen genau die Qualitaet fuer die sie bezahlen.
  10. #99

    Zitat von downgrade0815 Beitrag anzeigen
    Mobilität die fehlt ? Sicher nicht - es sei denn, Sie spielen auf den kompletten Wechsel an - der dazu führt, das jenes "Altunternehmen" wieder mosert - das es keine Fachkräfte findet ;-)
    Ja, auf den habe ich angespielt. Und ob dann ihr Ex-Unternehmen rumjammert... interessiert Sie das wirklich? ;-)

    Ansonsten haben Sie sicher nicht unrecht, aber die mit der IT ist es, wie mit allen anderen Bereichen auch. Sie stehen in internationaler Konkurrenz und um den Einkommensunterschied z.B. zu einem indischen Programmierer zu rechtfertigen, müssen sie eben auch mehr bieten.
    Es reicht halt nicht, sich mit C++, Java oder Oracle-Systemen oder sonstigen Spezialgebieten gut auszukennen.
    Gefragt und dementsprechend gut bezahlt sind Fachkräfte, die ihr technisches Wissen auch umsetzen und erklären können.

    Wenn ich als Kunde z.B. jemanden vor mir habe, der mich mit Tecchie-Sprech zuballert, gehe ich wieder. Woher soll ich denn bei so jemandem wissen, ob der meine Anforderungen überhaupt verstanden hat?
    Ich will schließlich jemanden, der mein Problem versteht und es löst und niemanden, der sich primär mal mit technischen Spielereien austobt.








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