Facebook-Pranger: Hat Ariane Friedrich Recht?

AFPHochspringerin Ariane Friedrich hat es gereicht: Ein Mann hatte ihr bei Facebook eine obszöne Nachricht geschickt, sie veröffentlichte Namen und Wohnort des mutmaßlichen Täters. Durfte sie das? Drei Fragen, drei Antworten.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...829217,00.html
  1. #220

    Zitat von OlGa Beitrag anzeigen
    Moment mal. Hat sie jemanden schuldig gesprochen? Sie hat doch nur den Brief samt Absender veröffentlicht. Wenn er das in Ornung findet, was er da gemacht hat, dann sollte er damit doch kein Problem haben, oder?
    Noch mal. Sie hat nicht den Absender veröffentlicht, sondern einen Namen und eine Ortschaft. Und damit billigend in Kauf genommen, dass einer oder mehrere UNSCHULDIGE erheblichen Schaden davon tragen könnten. Geht das in ihren Kopf nicht rein?
  2. #221

    Zitat von Petra Raab Beitrag anzeigen
    Für mich ist es keine Selbstjustiz, wenn das Opfer will, dass der
    Name seines Peinigers öffentlich gemacht wird.
    Absolut nicht.
    Das ist das absolute Recht des Opfers und jeder der dem Opfer
    dieses Recht verwährt, der stellt den Täter über das Opfer.
    Ich glaube Sie haben ein großes Verständnisproblem, was unser Rechtssystem anbelangt. Der "Täter", wie Sie ihn nennen, ist derzeit weder Täter, noch Beschuldigter, allerhöchstens Verdächtiger aber wahrscheinlich derzeit einfach noch Zeuge. Zum Täter würde er erst NACH einem Gerichtsverfahren. So lange gilt er in unserem Rechtssystem als unschuldig. Sie, genau wie Frau Schwarzer scheinen mit diesem Prinzip nicht klarzukommen.

    Frau F hat folglich nicht den Namen eines Täters veröffentlicht, sondern eines Mitbürgers für den bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt. Somit hat sie seine Persönlichkeitsrechte verletzt und kann somit zivilrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden.
  3. #222

    Zitat von telimo Beitrag anzeigen
    Sie haben wahrscheinlich auch im Fall Emden zu den ersten gehört, die kräftig auf den zuerst beschuldigten, dann aber doch unschuldigen Jugendlichen draufgehaun haben.
    Getötetes Mädchen in Emden: Verdächtiger verstrickt sich in Widersprüche

    Im Übrigen scheinen sie hier etwas zu verwechseln.
    Sie machen hier Frau Friedrich für eventuelle Straftaten
    die dann andere aufgrund ihrer Veröffentlichung von anderen
    begangen werden verantwortlich.
    Merken sie eigentlich gar nicht wie pervers das ist.
    Da darf ein Opfer den Namen seines Peinigers nicht in aller
    Öffentlichkeit aussprechen, weil dann von Seiten anderer
    Perverser wieder Straftaten drohen.
    Haben sie sich schonmal überlegt, dass man diese dann
    genauso behandeln kann und den Namen von diesen
    dann auch öffentlich macht.
    Was glauben sie wie schnell Ruhe ist, auch bei solchen Menschen.
  4. #223

    Zitat von Trondesson Beitrag anzeigen
    Brauchen Sie auch nicht, da auch hiermit nur der Computer ermittelt werden kann, von dem das Bild abgeschickt wurde, nicht der Absender oder gar der Besitzer des "Anhangs".
    Na das ließe sich ja dann per Gegenüberstellung feststellen. :)

    Man kann sich nur an den Kopf fassen, was hier für ein Theater um so eine Kleinigkeit gemacht wird.
  5. #224

    Zitat von emschneider Beitrag anzeigen
    Und hier im Forum...
    überwiegen die Leute die sich, evtl. unbewusst, mit diesen Kriminellen solidarisieren.
    Nicht ungewöhnlich. Hier geben sich regelmäßig Freunde von Terroristen, Despoten und sonstigen ungangenehmen Gesellen ein Stelldichein. Unter allen unseren errungen Werten werden die Rechte der Täter am höchsten gehalten. Vermeintliche "Rechtsstaatlichkeit" ad absurdum geführt.
  6. #225

    Zitat von H. Krämer Beitrag anzeigen
    Ein Staat, der seinen grundlegenden Aufgaben z.B. Schutz der Bürger nicht nachkommt, muss damit rechnen, dass einzelne Leute wieder die Dinge in die Hand nehmen, wo der Staat sich praktisch abgemeldet hat aus seiner Verantwortung.

    Das ist wie hier dann eine grenzwertige Sache; es kann jedoch keinem Bürger zugemutet werden, Grenzüberschreitungen "böser" Mitbürger hinnehmen zu müssen. Selbst Schaden erleiden zu müssen ohne Erwartung, dass der Staat den Schädiger stoppt.

    Ein Problem hier ist, auf niemanden konkret kann hier mit dem Finger gezeigt und gesagt werden: Das ist der untätige Staat.
    Die staatliche Präsenz bzw. Nicht-Präsenz kommt in vielen Gestalten daher und keine davon lässt sich konkret fassen; jede einzelne findet Gründe, womit sich ihre Untätigkeit begründen lassen würde. Wenn jemand schuld wäre, müsste das schon bitteschön jemand anderes sein.

    Solche Re-Privatisierung von Aktivitäten zur notwendigen Abwehr strafbewehrter Taten ist das Ergebnis staatlichen Fehlverhaltens; ein Armutszeugnis dafür, für wie problemlösungsuntauglich die staatlicherseits zu erwartende Maßnahmen gehalten werden.
    Stimmt, aber das Stadium der Selbstjustiz der Bürger ist nur ein Zwischenstadium. Wird es nicht sofort bekämpft, werden sich früher oder später Gruppen herauskristallisieren, die durch materielle Vorteile in der Lage sind, sich etwas mehr "Sicherheit" und "Recht" als der Durchschnitt leisten zu können. Sieht man jetzt schon am gestiegenen Bedarf an privaten Sicherheitsdiensten.
    Diese Re-Privatisierung führt nur dazu, daß Sicherheit und Recht käufliche Güter werden. Und dann wird der Durchschnittsbürger ziemlich dumm aus der Wäsche schauen.
  7. #226

    Zitat von herlock_sholmes Beitrag anzeigen
    Noch mal. Sie hat nicht den Absender veröffentlicht, sondern einen Namen und eine Ortschaft. Und damit billigend in Kauf genommen, dass einer oder mehrere UNSCHULDIGE erheblichen Schaden davon tragen könnten. Geht das in ihren Kopf nicht rein?
    OK, und wenn sie nur den Ortsnamen genannt hätte, dann hätte sie noch mehr Unschuldige "verurteilt" - eine ganze Stadt. Das ist doch grotesk.

    Eine angemessene Antwort auf einen dummen Brief. Niemand wurde gelyncht. Ich sehe auch keinen Sexualstraftäter. Sowas geschieht womöglich tausendfach täglich in Deutschland.
  8. #227

    Zitat von herlock_sholmes Beitrag anzeigen
    Noch mal. Sie hat nicht den Absender veröffentlicht, sondern einen Namen und eine Ortschaft. Und damit billigend in Kauf genommen, dass einer oder mehrere UNSCHULDIGE erheblichen Schaden davon tragen könnten. Geht das in ihren Kopf nicht rein?
    Nein, das geht in die Köpfe einiger Leute hier leider nicht rein. Seit gestern versucht man den Leuten verzweifelt zu erklären, was zu Unrecht Verdächtigte für Probleme im sozialen Umfeld bekommen können. Was folgt sind Vorschläge wie Penisvergleiche (der Unschuldige gleicht einfach seinen Penis mit dem auf dem Foto ab, wenn keine "Übereinstimmung" gegeben ist, ist doch alles klar) oder es gibt absolut Unbelehrbare wie z.B. die Frau Raab, die einfach in jedem Post wiederholt, das sie es total richtig findet, das der Mann jetzt am Pranger steht. Denn er ist ja selbst schuld. Ich würde der Dame ja sogar zustimmen, nur leider gibt es "den Mann" nicht. Es ist hier der viel zitierte Kampf gegen Windmühlenflügel, absolut hoffnungslos.
  9. #228

    Wichtige Debatte

    Zitat von joerg.bleuel Beitrag anzeigen
    Da muss ich Ihnen zu Teil Recht geben.

    Auf der anderen Seite ist es doch recht amüsand den Ausführungen von gelangweilten Rechtsgelehrten und denen die meinen es zu sein zu folgen.

    Ich denke mal, das wenn wirklich etwas mit rechtlicher Folge für Frau Friederich passieren wird, werden wir es erfahren. Ansonsten glaube ich, war es nur ein Lückenfüller in der Bild, der die deutschen Gemüter ein wenig erregt hat.

    Ich für meinen Teil werde es dabei belassen und mich nun aus der Diskussion zurückziehen.
    Ich halte diese Debatte für sehr wichtig. Unser Recht ist zum überwiegenden Teil geschrieben worden, als es das Internet noch gar nicht gab. Es scheint das weitverbreitete Missverständnis zu geben, man habe mit der Parallelwelt des Internets einen quasi rechtsfreien Raum geschaffen. Die Beiträge offenbaren doch, dass die Gesellschaft in ihrem Rechts- und Moralverständnis tief gespalten ist. Die Möglichkeiten (Pranger) der highspeed Informationsgesellschaft müssen gesellschaftlich kontrovers diskutiert werden, weil hier Normen gesetzt werden müssen, die es noch nicht klar definiert gibt. Wer hier die Nase oben hat und meint sich nicht daran beteiligen zu müssen, der braucht auch nicht zur Wahl zu gehen.
  10. #229

    Sinnlos mit Ihnen zu diskutieren

    Zitat von Petra Raab Beitrag anzeigen
    Wenn das ein falscher Name war mit einem falschen Wohnort, dann
    kann derjenige, ich glaube es sind ja nur zwei in dem Wohnort doch
    locker zur Polizei gehen und sich einmal nackig machen, müssen andere
    ja auch und dann ist der Käse gegessen.
    Warum hat er das noch nicht gemacht und warum hat man dann
    diesen "unschuldigen" Mann und seinen Namen noch nicht in aller
    Öffentlichkeit rehabilitiert?
    Ihnen ist die mögliche Tragweite einer Falschanschuldigung nicht im Geringsten bewusst.
    Wenn ich mir anschaue, wieviele Leute keine Ahnung von Internet und deutschem Recht haben und Selbstjustiz für ne tolle Sache halten, dann wird's mir Angst und Bange.