Zitat von
greywolf
Ich war selbst 8 Jahre beim Verfassungsschutz, die meiste Zeit in der Beobachtung rechtsextremistischer Bestrebungen. Wir haben damals - 90er Jahre - alle Hinweise auf Rechtsterrorismus sehr ernst genommen und alles versucht, derartige Gruppen aufzuklären. Teilweise mit einem gigantischen Aufwand (wochenlange Observationen, Telefonüberwachung - teilweise sogar 'live' gehört, was enorm Personal beansprucht). Oftmals entpuppten sich solche Gruppen aber als Maulhelden, die davon schwadronierten, dass man doch mal sollte, könnte, müsste - aber konkret kam dann nie was rum. Soweit wir dann genug Material zusammen hatten, um die Polizei einzuschalten, haben wir das immer gemacht. Und waren dann meist entsetzt, dass die Rechten, wenn es denn mal zur Anklage kam, vor Gericht mit geringen Strafen davon kamen.
Die Löschfristen in NADIS sind tatsächlich 5 Jahre bei normalen Extremisten. Das ist zum Teil auch verständlich, da gerade in diesen Szenen eine enorme Fluktuation herrscht. Oftmals tauchten Leute nur 1-2 Mal aktenkundig auf, dann nie wieder und ihre NADIS-Eintäge dann nach fünf Jahren gelöscht. Beim harten Kern, zu dem laufende Erkenntnisse anfielen, wurden natürlich keine Speicherungen gelöscht. Bei harten "Jungs", die anscheinend aus der Szene ausgestiegen waren - auch das gab es immer wieder - mussten wir nach 10 Jahren löschen. Das alles natürlich auf Geheiß des Datenschützers.
Das Ganze wurde dann abstrus, als wir nicht nur die Daten in NADIS löschen mussten, sondern auch noch die Aktenstücke tatsächlich vernichten, bzw. schwärzen mussten, wenn die NADIS-Speicherungen wegfielen. Ein wahnsinniger Aufwand.
Die gleichen Leute, die jetzt nach dem Verfassungsschutz schreien oder ihn für unfähig erachten, sind die gleichen, die uns diesen monströsen Datenschutz aufgeladen haben.