Er hielt die Gitarre verkehrt herum und stellte die Rockwelt auf den Kopf: 40 Jahre nach dem Tod von Jimi Hendrix erscheint eine opulente CD-Box mit nie gehörten Songs und Alternativ-Versionen. SPIEGEL-ONLINE-Leser können den unveröffentlichten Song "Hear My Freedom" exklusiv herunterladen.
http://www.spiegel.de/kultur/musik/0...729221,00.html
Mit der Schallplatte sprichst Du einen wichtigen Aspekt an.
Musikgenuss ist nicht nur hören, er hat auch was körperliches, er bedingt ein „Drumherum“ als Teil des ganzen.
Dazu gehört auch, daß man sich zur Musik hinbewegen muß. Man muß zum Konzert hingehen, Eintrittskarten kaufen und weitere diverse Vorbereitungen treffen.
Durchaus damit vergleichbar ist der Kauf von Tonträgern oder Hifi-Geräten (das Interesse an deren Technik), deren Inbetriebnahme und weiteren diversen Vorarbeiten.
Dabei ist das physische Vorhandensein der Geräte und Tonträger, deren „Greifbarkeit“ auch ein wichtiger Aspekt, wobei man bei den Tonträgern (LP, CD) durchaus das Gefühl haben kann, man hätte einen Teil des Künstlers greifbar in der Hand bei sich zuhause.
Mit diesen ganzen Vorbereitungen die auch mit „Arbeit“ verbunden sind, ist auch eine Erwartungshaltung und Vorfreude verbunden. Man nimmt sich Zeit dafür. Die Belohnung des ganzen ist am Ende eine erfüllter heimischer Musikgenuß.
Das alles zusammen macht für mich Lebensqualität und Kultur aus und wird der Musik aber auch der analogen Welt (wir funktionieren nun mal analog) am gerechtesten.
Dagegen hat Musik aus MP3 Playern und ähnlichem naturgemäß nichts materielles oder greifbares mehr an sich, sie besteht nur noch aus Bits und Bytes. Es ist Musik am Fließband aus irgendwelchen MP3-Playern oder Internet sprudelnd und auf Knopfdruck unmittelbar abrufbar. Eine seelenlose Unkultur, kalt, technisch, steril, und bedient „schnell-schnell“ , „ex-und-hop“ oder „Masse statt Klasse“ Zeitgeister.
Vom bereichernden „Drumherum“, von Körperlichkeit keine Spur mehr, am Ende sitzen wir von morgens bis abends nur noch vor einem Monitor, klicken Maustasten und „regeln“ damit unseren ganzen Alltag, vom bedienen der Waschmaschine, Einkaufen bis hin zum konsumieren von Musik.
Wäre es nicht ein Frevel gegenüber der Kunst, wenn mit der gleichen Maustaste mit der man bei Ebay was bestellt oder aber auch eine Pornoseite abruft, auch eine Symphonie oder gutes Jazzstück startet ? Das wäre so, als wenn ein Geiger seine Stradivari als Briefbeschwerer benutzte.
Kurzum, Musik-„Verzehr“ quasi aus der Steckdose wäre vergleichbar mit Weintrinken aus der Wasserleitung, oder Nahrungsverzehr aus der Tube.
Übrigens schwirren im Internet gestückelte Videos vom Hendrix Konzert in der "Royal Albert Hall" herum. In sehr schlechter Qualiatät. Dass es bis heute kein offizielles Muiskviedeo dieses denkwürdigen Konzertes gibt, hängt vernehmlich irgendwie mit Urheberrechts-Querelen zusammen.
Allein der "C-Sharp" Blues ist überirdisch und zeigt eindrucksvoll wie dieses Trio mehr Musik rüberbrachte als so manche 10-Mann Band nicht zustande bringt.
Interessant auch, das die große Überzahl des Publikums dort, ganz ruhig in ihren Stühlen saß, wie bei einem Klassikkonzert. Das zeigt auch, das sich derartige Musik nicht als Hintergrundbedudelung eignet, sondern volle Hingabe beim Hören verlangt.
Als zweiten Tip nenne ich das auch im Internet zu findende "Band of Gypsys" Konzert, das von eime Privatmann mit S/W Videokamera aufgezeichnet wurde.
Hier ist z.B. das Stück "Machine Gun" in voller Länge zu sehen. Hier "menschelt" die Gitarre ganz besonders. Überirdisch, sensationell, bisher unerreicht, unübertroffen.