DPAKassierer, Callcenter-Angestellte oder Fließbandarbeiter sind besonders gefährdet. Eine aktuelle Studie zeigt, dass solche Berufsgruppen stark unter Stress leiden und damit ein höheres Herzinfarkt-Risiko tragen. Die Gründe: Sie arbeiten viel und haben kaum Gestaltungsmöglichkeiten.
http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...855599,00.html
Und auch hier wird - wie in dem heute erschienenen Artikel zum Thema Brustkrebsrisiko für nachts arbeitende Frauen (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/nachtarbeiterinnen-erkranken-haeufiger-an-brustkrebs-a-855580.html) - die wesentliche Information einfach verschwiegen:
Wir wissen also, dass 200.000 Personen an der Studie teilnahmen. Von diesen hatten 15 Prozent "nach eigenen Angaben ein hohes Arbeitspensum, kaum Kontrolle über ihre Arbeit und lernten nichts dazuatten nach eigenen Angaben ein hohes Arbeitspensum, kaum Kontrolle über ihre Arbeit und lernten nichts dazu" - also 30.000 Personen. Statt nun mitzuteilen, wie viele von diesen 30.000 tatsächlich an Herz-Kreislauf-Krankheiten erkrankten, wird nur gesagt, ihr Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, sei um 23 Prozent höher als bei den anderen 170.000.
Um das Problem vorzuführen:
Wenn 5 von den 170.000 einen Herzinfarkt erleiden, aber 6,15 von den gestressten 30.000, dann ergibt das ein um 23 Prozent höheres Risiko.*
Wenn 500 von den 170.000 einen Herzinfarkt erleiden, und 615 von den 30.000 - tja, dann ergibt das ebenfalls ein um 23 Prozent höheres Risiko*
* Der Einfachheit halber habe ich die unterschiedliche Größe der Gruppen ignoriert.
Man sieht also: Im ersten Fall erscheint die Steigerung als zwar vorhanden, aber eher wenig bedeutend (nur 1,5 Herzinfarkte mehr). Im zweiten Fall sieht das ganz anders aus: 115 Herzinfarkte mehr in der gestressten Gruppe.
Solange also nicht angegeben wird, wie das Grundrisiko in den beiden Gruppen aussieht, ist die Aussage "... um 23 Prozent höher" vollkommen wertlos - was schade ist, denn Arbeitsstress ist tatsächlich ein wesentlicher Risikofaktor, nur dass die Autorin dieses eben gerade nicht belegt. ich empfehle zur Fortbildung die Lektüre von Gerd Gigerenzers ausgezeichnetem Buch "Das Einmaleins der Skepsis". Dort wird die angesprochene Problematik ausführlich und sehr gut lesbar erläutert.
Schwere Arbeit gefährdet die Gesundheit?
Welch bahnbrechende Erkenntnis!
Das hätten 90% der arbeitenden Bevölkerung auch so sagen können, ganz ohne Studie.
Erstaunlich, oder.
Weiters sollte erwähnt werden, dass auch die miese Bezahlung in diesen Berufen eine Rolle spielt. Als angestellter Werbetexter z.B. hat man zwar auch widerlich viel Stress, kann dafür aber zur Entspannung ins Fitnessstudio oder mal ein Wochenende spontan an die See fahren. Das ist bei einem Kassierer-, Friseurs- etc.-Gehalt meistens nicht drin. Was mich wiederum dazu bringt, mich über die teils unverschämt niedrigen Gehälter für solche Berufe aufzuregen. M.E. sollte für JEDEN Menschen, der ganztags arbeitet, auch die Möglichkeit zur bewussten und wirksamen Entspannung drin sein — und nicht etwa noch in der spärlichen Freizeit enervierendes, demütigendes Gerenne zum Amt, um aufzustocken. Dafür kann es dann auch gerne eine Obergrenze für Gehälter im "gehobenen" Management, für Politiker etc. geben. Deutschland gibt so viel Geld für Sch... aus, da sollte uns das die Gesundheit unserer Bevölkerung ja wohl wert sein. Falls jetzt wieder jemand Überhebliches daherkommt mit dem Spruch: "Wer mehr Geld will, soll gefälligst BWL studieren" etc. kommt: Ich erinnere Sie daran, wenn Sie in ein schickes Loft ziehen wollen, das jemand gebaut hat, aufs Klo gehen, das jemand installiert hat, den teuren Anzug anziehen, den jemand genäht hat und sich Essen bringen lassen von jemandem, der wie auch die anderen "jemande" in diesem Beispiel eher nicht BWL studiert hat und trotzdem (besonders, erst Recht) "systemrelevant" ist. JEDE Arbeit, die anderen nützt, sollte in diesem Land Anerkennung und Respekt erfahren, und das geht zum Teil nunmal mit Geld. "Hauptsache Arbeit" ist nichts als verlogenes, weltfremdes Gewäsch, von Leuten, die nie in der Situation waren, sich täglich für einen Appel und ein Ei krummlegen und die Gesundheit versauen lassen zu müssen, ohne Chance auf eine "Belohnung" dafür.
Und sie wussten auch schon vorher dass das Risiko 23% erhöht ist? Warum haben sie ihre Einsichten nie in der Fachliteratur veröffentlicht? Wenn sie und ihr Mitbesserwisser Robert B. weitere solche quantifizierte Erkenntnisse zu wichtigen Problemen haben, dann teilen sie diese doch bitte mit!