Zitat von
seine-et-marnais
Deutschland hat ein Problem. Alles was getan und diskutiert wird wird unweigerlich am Holocaust gemessen. Deutschland wird es so verwehrt ein normales Land zu werden, und normal zu reagieren. Man kann nicht von Deutschland verlangen 'seine Rolle' in Europa und in der Welt zu spielen, und beim geringsten Anlass den Deutschen ihre Geschichte vorzuwerfen und zu sagen dass sie deswegen dieses oder jenes eben nicht tun duerfen.
Was mir Angst macht, in Deutschland gibt es nur noch den politischen mainstream, es gibt kein links und rechts mehr, und sollte einer Kritik oder eine Diskussion wollen, dann wird er sofort ins politische Abseits gestellt, ist er ein Radikaler. Wir sind wieder in einer Zeit wie vor 1968. Wenn einer damals Kritik uebte, hiess es 'Geh doch nach Drueben'. Zur Abwehr der Kritik heute in Europa-, Euro oder Einwanderungsfragen wird dreimal pro Woche diskutiert ob die NPD verboten werden muss, wir an das Moerdertrio aus Zwickau zweimal die Woche erinnert mit dem Spruch, Rechtsradikale morden, Rechtsradikale sind Populisten, wer eine abweichende Meinung hat ist Rechtspopulist, also ein potentieller Moerder. So wird jede Kritik abgewuergt. Und um Angst vor den Linken zu machen, hat man ja gerade die Honecker ausgegraben.
Drei, vier Parteigroessen und die Bildzeitung bestimmen heute was diskutiert werden darf, was gesagt werden darf. Dabei gibt es gewisse Codes:'politisch korrekt ' ist: Suedlander sind faul, Spanier, Portugiesen und vor allem Griechen sind ausgesprochen faul. Politisch nicht korrekt ist es dagegen zu sagen; Suedlander sind faul, Tuerken sind faul. Wer bestimmt das eigentlich?
Ich lebe jetzt seit Jahrzehnten in Frankreich. Hier gibt es wesentlich mehr Antisemitismus als in Deutschland, warum weiss ich nicht, ist aber so. Da kaeme aber die juedische Gemeinde nie! auf die Idee Frankreich in Go oder No Go Areas aufzuteilen, obwohl wir einige wilde antisemitische Verbrechen gekannt haben. Nie kaeme die juedische Gemeinde auf die Idee der Regierung oeffentlich vorschreiben zu wollen welche Politik sie zu machen hat. Natuerlich gibt sie ihre Ansicht bekannt, und natuerlich ist die pro-israelisch, aber nicht jede Kritik an der Politik der israelischen Regierung wird als Antisemitismus hochgespielt.
Fazit: das Problem Deutschlands sind die Tabus, meiner Meinung nach staut sich da so manches auf. Mit einer richtigen Diskussion koennten Konfliktstoffe abgebaut werden. Indem man Konflikte zu Tabus erklaert loest man sie nicht, sondern wenn sie dann zutage treten ist das nur umso heftiger.
Frueher spielte da die Presse, vor allem der Spiegel eine wichtige Rolle, aber lang lang ist's her. Wenn die Demokraten die Probleme nicht mehr aufgreifen, dann tun dies halt die Radikalen.