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Eurokrise: Österreich fällt als Deutschlands Partner aus

Eigentlich müsste Österreich in der Euro-Krise Deutschlands engster Verbündeter sein, schließlich haben beide Länder ein Interesse daran, dass der Sparkurs nicht aufgeweicht wird. Doch statt an einem Strang zu ziehen, sind die Wiener Politiker in Sachen Währungsunion ebenso zerstritten wie die Berliner.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...850424,00.html
  1. #1

    Auf den Punkt

    "Diese kurzsichtigen, nationalen Egoismen und der monetäre Provinzialismus sind ein Weg in den Abgrund." Treffender kann man es nicht formulieren.
  2. #2

    Es sind doch alle unsicher

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Doch statt an einem Strang zu ziehen, sind die Wiener Politiker in Sachen Währungsunion ebenso zerstritten wie die Berliner.
    Das wundert mich nicht. Die Niederländer, die ebenfalls mit Deutschland in einem Boot sitzen, sind innerhalb ihres eigenen Landes uneins; und die niederländischen Gegner der jetzigen Politik (an den beiden Rändern des Parteispektrums) verfolgen ganz verschiedene Konzepte. Auch die Finnen klingen verschieden, je nachdem wer dort gerade spricht. Warum soll das in Österreich anders sein?

    Die einzigen, die sich einig sind, sind die, die das Geld von Deutschland und den anderen Geberländern *haben* wollen.

    Das Problem ist, dass zwar Viele die jetzige Politik für riskant und teuer halten (was sie ist), aber das jeder die Verantwortung scheut, die Notbremse zu ziehen. Ich kann mir vorstellen, Viele hoffen, das bald *jemand anders* die Notbremse zieht. Dann können sie für alle Probleme, die resultieren, mit dem Finger auf andere zeigen, die Vorteile aber dennoch einheimsen.

    Die Beendigung des Euro-Experiments wird nicht ohne Unvorhergesehenes möglich sein, und wer da nicht ein wenig zögerlich ist, wäre tollkühn. Trotzdem ist eine Beendigung nötig und richtig.
  3. #3

    Welche

    belasten denn nun unsere Beziehung? Die Zwischenüberschrift verspricht Aufklärung dazu, im folgenden Text kommt aber keine Antwort.

    Das Androsch-Zitat zielt auf ein Abgrenzungsbedürfnis kleiner Länder gegenüber kulturell eng verwandten großen Ländern, das man in ganz ähnlicher Form auch bei anderen ungleichen Länderpärchen findet, etwa Großbritannien/Irland, Schweden/Finnland, Spanien/Portugal oder USA/Kanada.
  4. #4

    Don Quijote

    Zitat von ChrisQa Beitrag anzeigen
    "Diese kurzsichtigen, nationalen Egoismen und der monetäre Provinzialismus sind ein Weg in den Abgrund." Treffender kann man es nicht formulieren.
    Für mich ist der Abgrund, wenn Politiker und Journalisten sich wie Don Quijote aufführen: Die Realität aus den Augen, kämpfend gegen Gegner, die keine sind. Und die eigentlichen Probleme bleiben auf der Strecke.
  5. #5

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Eigentlich müsste Österreich in der Euro-Krise Deutschlands engster Verbündeter sein, schließlich haben beide Länder ein Interesse daran, dass der Sparkurs nicht aufgeweicht wird. Doch statt an einem Strang zu ziehen, sind die Wiener Politiker in Sachen Währungsunion ebenso zerstritten wie die Berliner.

    Österreich in der Eurokrise: Was SPÖ und ÖVP wollen - SPIEGEL ONLINE
    Merkel und ihre Regierung machen ja auch nicht den Eindruck sich intensiv um die Unterstützung der kleineren Partner zu kümmern. Im Gegensatz zu Kohl der es immer verstanden hat VOR EU Gipfeln eine Abstimmung mit den "Kleinen" zu erreichen scheint Merkel nur mit wenigen zu sprechen - Spanien, Italien, Frankreich.

    Das ist kurzsichtige Politik - ein "Gipfeltreffen" Deutschlands mit Österreich, Niederlande, Finnland und Estland und vielleicht Polen könnte ein Wink Richtung Paris sein. Hollande stimmt sich ja offensichtlich auch mit Monti und Rajoy ab. Merkel hat einfach kein Gefühl dafür daß Politik eben nicht nur aus Ratio besteht sondern Ab- oder Zuneigung mindestens genauso wichtig sind. Man muß um die kleinen Länder werben.

    Wenn es so weiterläuft stehen wir am Ende wirklich allein da; ob das dann große Politik war darf angezweifelt werden.
  6. #6

    Österreich und der große Bruder im Norden...

    Zitat von ChrisQa Beitrag anzeigen
    "Diese kurzsichtigen, nationalen Egoismen und der monetäre Provinzialismus sind ein Weg in den Abgrund." Treffender kann man es nicht formulieren.
    Ja; Androsch hat es auf den Punkt gebracht. Der Artikel ist sehr gut.
    Zuerst einmal; Österreich hat immer sehr gut gewirtschaftet. Die Österreicher können sich daher auch derzeit fast gratis refinanzieren...
    Aber seine Banken sind groß; übersteigen weit das BIP Österreichs und sind tief in Ost- und Südosteuropa verstrickt. Seid einem Sager von Krugman und der Herabstufung durch eine Ratingagentur weis man in Wien wie schnell man selbst ins Visier des Marktes geraten kann. Die Österreicher wissen daß ein default Hellas' schwere Auswirkungen auf Ost- und Südosteuropa haben wird; und damit auf die Außenstände der Ö-Banken. Da erklärt sich selbstredend die Ö-Politik. Der Ö-Zentralbankchef hat noch einen Tag vor Draghi Hilfen der EZB gegen den sich ausweitenden Spread Bonos/Buoni zu Bunds verkündet. Es ist auch offensichtlich daß Nowotny zu den engsten Verbündeten und Vertrauten Draghis gehört...
    Nowotny hat gegenüber Weidmann eine komplett andere Meinung. Als kleines Land sieht Ö auch eher die Gefahren die aus den Machtspielchen der großen €Länder entstehen. Und nun die politischen Elemente. Die kleineren Länder der deutschen Umgebung sehen die Haltung Berlins zunehmend mit Skepsis und mit Sorge. Inwieweit hat sich Berlin bemüht seine Haltung mit Wien oder bsw. mit Den Haag abzustimmen? Eigentlich sehr wenig. In Berlin hat man sich bisher 'erwartet' daß diese Länder auf einer Linie sind.
    In Österreich kommen alle Historischen Verwerfungen hinzu. In Wien fürchten Viele daß nur ein 'Großes Europa' im Ö-Interesse ist. Der Nord€ mit einem noch höheren Gewicht Deutschlands würde, so fürchtet man in Wien, die Republik Österreich zur Ostmark machen. Die EU-Sanktionen damals waren ein schwerer Fehler Schröders und Deutschlands. Sie haben das Vertrauen in Ö nachhaltig zerstört, zumal im In- und Ausland dies fast nur als Machtdemonstration der großen Länder gegen die kleinen wahrgenommen wurde. In Wien verbittet man sich zurecht daß sich das Ausland in die Innenpolitik einmischt. Die FPÖ ist damals in der Regierung auch ganz ohne Zutun des Auslands gescheitert; nämlich an sich selbst und der eigenen Inkompetenz.

    Letztendlich hat Berlin nur eines erreicht...
    Daß Wien lieber ein weiteres Rettungspaket für Hellas schluckt als eines Tages im hypothetischen Nordeuro als Ostmark ('38-'45) aufzuwachen. In Berlin wurden diese Ängste unterschätzt; in milderer Form gelten die auch für die Niederlande und das ist auch der Grund warum Polen auf Zeit spielt...

    Schian Gruaß...
  7. #7

    Berlin...

    Zitat von Jakob Knoblauch Beitrag anzeigen
    belasten denn nun unsere Beziehung? Die Zwischenüberschrift verspricht Aufklärung dazu, im folgenden Text kommt aber keine Antwort.

    Das Androsch-Zitat zielt auf ein Abgrenzungsbedürfnis kleiner Länder gegenüber kulturell eng verwandten großen Ländern, das man in ganz ähnlicher Form auch bei anderen ungleichen Länderpärchen findet, etwa Großbritannien/Irland, Schweden/Finnland, Spanien/Portugal oder USA/Kanada.
    ...hat damals und heute jede Sensibilität gefehlt wie man mit einem gleichkulturellen, aber kleinerem Land, diplomatisch umgeht. Das funktioniert auch heut noch nicht. Der Chef der Eurogruppe, der Luxemburger Premier Jean-Claude Juncker, hat das in seiner Kritik an Ö AM und Vizekanzler Spindelegger perfekt formuliert.
    "Ich würde mich als österreichischer Politiker sehr zurückhaltend äußern. Es ist im allgemeinen Bewusstsein, wie hochgradig ungerecht im Schnellverfahren beschlossene Drohungsmechanismen wirken können. Als jener Premierminister, der Österreich als erster nach den Sanktionen besucht hat, kann ich mich genau an das Trauma erinnern. Man muss nicht unbedingt in derartiger martialischer Rhetorik vorgehen, wenn man sich mit einem zugegeben schwächelnden Land wie Griechenland beschäftigt."
    Juncker kritisiert Spindeleggers Vorschlag - Finanzmarktkrise - derStandard.at
    Dieses Trauma ist noch immer da und beeinflusst mehr als 1 Jahrzehnt später weiterhin die Ö-Politik; und nicht nur die. Im Unterschied zu D kann man in Ö wohl zwischen zwei Anti€ Parteien wählen, der FPÖ und der neuen von Frank Stronach ins Leben gerufenen Partei. Sie beide scheinen aber in Ö eher eine Minderheitenposition zu vertreten. Es war und ist Berlins Fehler seine Politik nicht mit Österreich, NL und Finnland abzustimmen. Das macht es für die Politiker dieser Länder ziemlich schwer; zumal ja auch die Interessen dieser Länder mit denen Berlins kollidieren...

    Schian Gruaß...
  8. #8

    Fehlerkorrektur

    Zitat: "Im September will seine Partei gemeinsam mit der Opposition eine Verfassungsklage gegen den ESM und Fiskalpakt einbringen."

    Die FPÖ _ist_ die weitaus größte Oppositionspartei, während andererseits die eigentlich auch in Opposition zur SPÖ/ÖVP-Koalition stehenden österr. Grünen dem ESM zugestimmt haben.

    Zitat: "... ist der 74-Jährige [Hannes Androsch] heute trotz einer Steueraffäre in seiner Politikerzeit ein viel geachteter Elder Statesman in Österreich."

    Für wen außerhalb der SPÖ ist ein rechtskräftig verurteilter Steuerhinterzieher ein "viel geachteter Elder Statesman"?
  9. #9

    Alpine Regel No. 1

    "Wir sind ein Team in Europa - wenn einer am Seil fällt, reißt er auch die anderen mit. "
    Da vergisst der Herr Kanzler, das in so einem Fall aber das Seil durchtrennt wird: Selbstrettung geht vor!








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