Zitat von
blowup
Irgendwie konnte man als einfacher Urlauber schon eine Ahnung von dieser Entwicklung haben. Genau wie in Griechenland. Man konnte es anfassen und fühlen, aber diese furchtbar intelligenten Wirtschaftsschwätzer haben ja immer eine beruhigende Erklärung für alles.
Ich war mehr als ein dutzend Mal auf Kreta und ich werde nie den Schock vergessen, als ich das erste Mal nach Euro-Einführung dort war. Als hätte es Geld geregnet. Überall neue Autos, es wurde gebaut, selbst in den kleinsten Dörfern gab es eine Bimmelbahn für Touristen und hinter jedem zweiten Haus standen Bananenbote, Jetboote oder was man sich sonst hatte aufschwatzen lassen. Und wenn man dann mit dem Mietwagen in die Einsamkeit an der Südküste floh, kannte man hinter jeder dritten Biegung ein Schild bestaunen „Hier wird mit Geldern der EU gebaut“. Mitten in der „Pampa“.
Das war dann der letzte Urlaub in Griechenland. Nächste Urlaubsziel: Madeira. Mein Bruder war noch kurz vor Euro-Einführung dort und ermahnte mich, einen größeren und sicheren Mietwagen zu nehmen. Er schilderte die Straßenverhältnisse auf Madeira als höchst abenteuerlich, vor allem in den Bergen, direkt am Abgrund lang.
Ich war ziemlich verblüfft, dass nichts davon stimmte. Überall gab es neue Straßen, die Insel erschien mir wie ein Schweizer Käse mit all den neuen Tunnels und ich fragte mich damals schon: wer bezahlt das alles? Natürlich wieder überall Schilder „hier wird mit Geldern der EU gebaut“, und an jeder Ecke in Funchal wurden große Appartementkomplexe hochgezogen.
Mich wundert nichts mehr.