Klar ist vor allem, dass Sie keine blasse Ahnung haben und unwissenschaftlichen Argumenten glauben! Es wird von Kornupisten (Wachstums-Optimisten) immerzu übersehen, dass die Erdöl-Zivilisation erst wenige Jahrzehnte alt ist und industrielles Wachstum auf exponentiellem Wachstum basiert. Deshalb würde sich Peak Oil selbst wenn wir heute tatsächlich unerwartet über das doppelte oder vierfache an Volumen an konventionellem Erdöl verfügten, nur um 5 bis maximal 10 Jahre in die Zukunft verschieben. Exponentialfunktionen besitzen sehr unangenehme Eigenschaften, die ein mathematisch ungeschultes menschliches Bewusstsein nicht wirklich nachvollziehen kann: die moderne industrielle Zivilisation sitzt heute am raketenartig aufstrebenden Ende einer Hockey-Stick förmigen Wachstumskurve.
Die heute jährlich konsumierte Menge an Erdöl (30 Giga-Barrel) ist so gewaltig, dass selbst große Erdölfunde dagegen klein aussehen. Zudem lässt sich das im Fels befindliche konventionelle Erdöl nicht beliebig schnell fördern, sondern erst nach einer bis zu 10 Jahre dauernden Planungs- und Bohrphase. Die am leichtesten förderbaren Vorkommen werden bereits seit vielen Jahrzehnten gefördert und die meisten davon gehen rasch zur Neige (die gemittelte Depletionsrate liegt bei über 10 %). Alleine um diese Depletion alter Felder auszugleichen, wird von 2012 an alle 4 Jahre eine Förderkapazität von der Größe Saudi-Arabiens neu physisch online gehen müssen, was schon aufgrund der üblichen Planungs- und Bohrphase nicht möglich sein wird.
Tiefseeöl wie das von Tupi gehören zu den unkonventionellen Ölen, die einen sehr hohen technischen Aufwand erfordern und mit großen Risiken verschiedener Art verbunden sind. Ihr EROI (Energy Return on Investment) ist wie das des unkonventionellen Erdöls viel schlechter als beim konventionellen Erdöl.
Es führt deshalb kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass wir Abschied nehmen müssen vom gewohnten verschwenderischen Umgang mit Erdöl, Energie und Ressourcen. Neue Formen der Elektrizitätsgewinnung wie vielleicht in Zukunft die Kernfusion, werden das Problem fehlender günstiger Treibstoffe, kultivierbarer Ackerböden oder mineralischer Dünger nicht lösen können. Die Erde ist nämlich auf Dauer nicht für eine lineare und exponentielle Industriekultur geeignet. Entweder lebt man im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit ihr oder ohne sie. Dem exponentiellen Wachstum und Verbrauch muss ein Ende bereitet werden. Was wir wirklich brauchen ist daher eine neue Zivilisationskultur, die intelligenter und einsichtiger wirtschaftet.

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