Euro-Krise: Europa braucht den Lehman-Moment

DPAGriechenland mal wieder vor der unkontrollierten Pleite, Rekordzinsen für spanische Anleihen, Deutschland vom Downgrading bedroht: Der Wahnsinn der Euro-Krise hat uns wieder. Kein Wunder - denn von den Problemen der Krise ist noch keines gelöst.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...846088,00.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Griechenland mal wieder vor der unkontrollierten Pleite, Rekordzinsen fü
    Also ich kommentiere hier ja eher selten aber sowas:

    Die Krise der Währungsunion wurde durch billiges Geld ausgelöst, das den Südländern zufloss
    oder

    Staatsschulden- und Bankenkrise sind Symptome der Euro-Krise
    lässt mich dazu hinreisen hier mal einen Kommentar abzugeben.

    Was für ein Blödsinn! Wer sich auch nur für ein paar Stunden damit beschäftigt hat, wird verstehen, dass die Argumentation durch den Herr Professor völlig umgekehrt wurde. Durch die Bankenkrise und -rettung wurde eben gerade eine Staatsschuldenkrise ausgelöst. Im Rahmen der Rettung wurde billiges Geld geschaffen in Form von Rettungsschirmen, das nun alle Haushalte belastet. Man hat das Geld ja eben dort aufgenommen, wo man es letztendlich wieder hingeschoben hat, wenn auch über Umwege. Die Banken lachen sich doch ins Fäustchen.

    Die Lösung einiger Symptome würde schon dadurch möglich, wenn Banken viel stärker kontrolliert würden und keine Bank als systemrelevant gerettet würde. Ja, das führt natürlich auch zu einem Crash in der Realwirtschaft, aber das weitere Aufblähen führt nur zu einem späteren Zeitpunkt zu einem noch viel heftigeren Crash.

    Ein wirklicher Ausweg auf Dauer ist nur über eine Änderung der sogenannten "Geldschöpfung" möglich, so dass es zu keinem Zineszins-Crash-Rennen mehr kommen kann. Diese riesigen Summen die zur Zeit diskutiert werden und deren Beträge ja immer größer werden sind der Versuch dem exponentiellen Wachstum noch ein wenig weiter den Weg zu bereiten. Am Ende dieses Weges steht ein total tolles Szenario: Großangelegte Geldentwertung, die sehr große Teile der Bevölkerung noch weiter in Armut stürzen dürfte. Da aber der Besitzstand der "Hochfinanz" bis dahin im Vergleich zur normalen Bevölkerung extrem viel größer sein wird, bleiben die Verhältnisse auch nach der Entwertung mehr oder weniger gleich ... am Ende verlieren aber auch die "Besitzenden". Entweder durch heftige Proteste, wodurch sie vieles wieder verlieren werden oder einfach durch eine so miese Wirtschaftslage, dass das Leben bis auf wenige Ausnahmen den oberen auch nicht mehr so viel Spaß macht. Prost Mahlzeit. Ein Hoch auf nachhaltiges Wirtschaften.

    Gute Nacht Deutschland, bei solchen Professoren.
  2. #2

    Treffend erkannt

    Zitat:
    Der Kern der Euro-Krise bleibt bestehen: Die Produktivitäts- und Wachstumsunterschiede zwischen den Nord- und den Südländern sind zu groß und werden sich kaum zügig abbauen lassen. Deswegen ist der Euroraum in der gegenwärtigen Form nicht zukunftsfähig. Weder Rettungsschirme, Bankenunionen oder Manifeste werden daran etwas ändern. Und je länger die Politik sich dieser Tatsache verschließt, umso teurer wird das irgendwann anstehende Endspiel.
    Zitatende

    Man würde sich wünschen, jeder Parlamentarier, jeder Journalist und vor allem jeder Verfassungsrichter würde diesen Beitrag lesen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

    Allein, es wird - so fürchte ich - anders kommen. Wir gehen in Europa alle gemeinsam und nahezu zeitgleich unter. Rette sich jeder persönlich, so gut er kann.

    Wem dies aufgrund seines Berufes möglich ist, sollte ernsthaft ein Auswandern in Erwägung ziehen (besser nicht nach Südeuropa, UK und die USA). Der Rest kann nur Vorräte anlegen (kein Witz), Papier in Edelmetall umschichten und sich auf bürgerkriegsähnliche Zustände mit (hoffentlich nur) partiellen Zusammenbrüchen der öffentlichen Ordnung vorbereiten.

    Ich weiss, für viele eine unglaublich pessimistische Vorhersage. Erstmals habe ich sie vor dreieinhalb Jahren im Freundes- und Verwandtenkreis geäußert und leider wird ihr Eintritt von Tag zu Tag wahrscheinlicher. Es wäre mir lieber, ich behielte Unrecht.
  3. #3

    optional

    wenn die produktivitätsunterschiede so groß sind, warum soll keine interne abwertung funktionieren?
    sagen wir mal, der staat kürzt allen angestellten die gehälter um 40-50 %. oder er entlässt 40-50% seiner angestellten.
    dass das hart ist, wissen alle ex-Ostblock / ex-DDR bürger.
    aber, was soll man machen? wenn ein arbeiter/angestellter eben nur ca. 1000 Euro/Monat erwirtschaftet, kann er kaum 1500 bekommen.
    Das die Mieten, und kredite gleichermaßen abgeschrieben werden müssen, versteht sich von selbst!
  4. #4

    Ich höre mich selbst reden:

    Zitat von siegfriedluckner Beitrag anzeigen
    Zitat:
    Der Kern der Euro-Krise bleibt bestehen: Die Produktivitäts- und Wachstumsunterschiede zwischen den Nord- und den Südländern sind zu groß und werden sich kaum zügig abbauen lassen. Deswegen ist der Euroraum in der gegenwärtigen Form nicht zukunftsfähig. Weder Rettungsschirme, Bankenunionen oder Manifeste werden daran etwas ändern. Und je länger die Politik sich dieser Tatsache verschließt, umso teurer wird das irgendwann anstehende Endspiel.
    Zitatende

    Man würde sich wünschen, jeder Parlamentarier, jeder Journalist und vor allem jeder Verfassungsrichter würde diesen Beitrag lesen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

    Allein, es wird - so fürchte ich - anders kommen. Wir gehen in Europa alle gemeinsam und nahezu zeitgleich unter. Rette sich jeder persönlich, so gut er kann.

    Wem dies aufgrund seines Berufes möglich ist, sollte ernsthaft ein Auswandern in Erwägung ziehen (besser nicht nach Südeuropa, UK und die USA). Der Rest kann nur Vorräte anlegen (kein Witz), Papier in Edelmetall umschichten und sich auf bürgerkriegsähnliche Zustände mit (hoffentlich nur) partiellen Zusammenbrüchen der öffentlichen Ordnung vorbereiten.

    Ich weiss, für viele eine unglaublich pessimistische Vorhersage. Erstmals habe ich sie vor dreieinhalb Jahren im Freundes- und Verwandtenkreis geäußert und leider wird ihr Eintritt von Tag zu Tag wahrscheinlicher. Es wäre mir lieber, ich behielte Unrecht.
    Das sage ich nun auch schon seit der "Finanzkrise" und werde dafür nicht gerade für voll genommen. Der Kommentar der Professoren ist zudem mit das Beste, was ich bei Spon zum Thema Euro lesen durfte. Besonders der Teil mit den verschenkten Exporten wurde mir im Bekanntenkreis bislang nie geglaubt. Wenn schon verschenken, dann bitte an die, die das über Arbeit oder Steuern erwirtschaftet haben: im Inland. Sonst wird auf Spon viel die Solidaritätsleier gespielt. Wo die Solidarität liegt, wenn Hartz 4-Bezieher in D kurz gehalten werden, damit griech. Millionäre keine Steuern bezahlen müssen, konnte mir allerdings noch niemand erklären.
  5. #5

    Da hat es jemand begriffen

    Zitat von muttisbester Beitrag anzeigen
    wenn die produktivitätsunterschiede so groß sind, warum soll keine interne abwertung funktionieren?
    sagen wir mal, der staat kürzt allen angestellten die gehälter um 40-50 %. oder er entlässt 40-50% seiner angestellten.
    dass das hart ist, wissen alle ex-Ostblock / ex-DDR bürger.
    aber, was soll man machen? wenn ein arbeiter/angestellter eben nur ca. 1000 Euro/Monat erwirtschaftet, kann er kaum 1500 bekommen.
    Das die Mieten, und kredite gleichermaßen abgeschrieben werden müssen, versteht sich von selbst!
    Schliesslich verdient jemand in der Einöde des US-Bundesstaates Wyoming oder Utah auch nur den Bruchteil eines US-Durchschnittsgehalts - und niemand jenseits des Atlantiks käme auf die Idee diese Bundesstaaten (geschweige denn das bankrotte Kalifornien) aus der Dollar-Zone rauszuschmeissen!
  6. #6

    Wie kann die Solvenzkrise der Südländer gelöst werden?

    Zitat von mnbvc Beitrag anzeigen
    Der Kommentar der Professoren ist zudem mit das Beste, was ich bei
    Spon zum Thema Euro lesen durfte.
    Besonders der Teil mit den verschenkten Exporten wurde mir im
    Bekanntenkreis bislang nie geglaubt.
    Wenn schon verschenken, dann bitte an die, die das über Arbeit
    oder Steuern erwirtschaftet haben: im Inland.
    Soll die EZB Geld drucken bis der Arzt kommt?

    Viele Unternehmen können angesichts der Unsicherheiten einfach
    keine Investitionsmöglichkeiten finden, die sich rechnen.

    Wer keinen Kredit will, der nimmt keinen. Die Nachfrage
    nach neuen Krediten der Wirtschaft ist deshalb im freien Fall.

    Die Kreditvergabebedingungen und das Zinsniveau mögen
    auf der Angebotsseite sehr gut sein, an der schlechten
    wirtschaftlichen Entwicklung ändert das aber gar nichts.
    Die Kreditvergabe an die Realwirtschaft ist und wird auch
    weiterhin sehr schwach bleiben.

    Die Fantasie von Berufspolitikern:
    Die EZB solle Geld in den Markt geben, um die Kreditvergabe
    an die Firmen zu steigern, ist eine dumme Illusion.

    Stattdessen folgt dem Deleveraging in der Realwelt
    die Rezession und die Depression auf dem Fuße. ...*LOL*
  7. #7

    Klaaaro, denn

    Zitat von woistmeinaccount Beitrag anzeigen
    Schliesslich verdient jemand in der Einöde des US-Bundesstaates Wyoming oder Utah auch nur den Bruchteil eines US-Durchschnittsgehalts - und niemand jenseits des Atlantiks käme auf die Idee diese Bundesstaaten (geschweige denn das bankrotte Kalifornien) aus der Dollar-Zone rauszuschmeissen!
    in den USA müssen die anderen Bundesstaaten auch nicht für die Schulden Kaliforniens aufkommen.
    Eu und USA kann man nicht auf die gleiche Stufe stellen,
    sie sind völlig anders konstruiert.

    So forget it.
  8. #8

    was europa wirklich braucht

    ist vor allem mehr Eigenverantwortung und echten Wettbewerb der Regionen und Staaten, keine Bail_Outs von schlecht wirtschaftenden Staaten und Banken und Firmen,
    weniger zentralistisch-unfähiger Bürokratie, die von den Menschen weit entfernt ist und daher von diesen nicht akzeptiert und umgangen wird und die als Kontrollinstanz ständig versagt usw. Alsowieder mehr Individualismus statt Zentralismus. Das gilt nicht nur für Maße von Äpfeln und Bananen, obwohl die ein anschauliches Beispiel für den unsinnigen Gleichmacherwahn der Eurokraten sind.

    Griechen, Spanier und Italiener denken und handeln anders im Staatsbezug als Franzosen,(historisch bedingt, frz. Nationalstaat und Zentralismus ) , der Staat und seine Regeln wird viel weniger akzeptiert in den Südländern.

    Daher kann man denen nicht alle dasselbe Europaschnittmuster mit all seiner Bürokratie und Regeln überstülpen. Das wird auch in 50 oder 100 Jahren
    nicht funktionieren, dass die Griechen und Italiener so diszipliniert Steuern zahlen wie wir. Ergo brauchen die ihr eigenes Wirtschaftsmodell nachdem sie arbeiten .. und für das sie selbst Verantwortung ohne Daueralimentation durch Nordstaaten tragen. In Europa muss das Rad also etwas zurückgedreht werden, dier enstande, lebensunfähige, gelähmte und lähmende Moloch wieder zurechtgestutzt werden auf die frühere EWG-Idee (keine Zollschranken, erleichterter Warenaustausch). Mindestens 80% der Brüsseler Zentralbürokratie und des Subventionswahnsinns müssen wieder weg.
    Die Idee ist nicht wirklich neu.

    Ausführlich kann man es in meinem Thread nachlesen, zum Teil in diesem
    Post vom Juni und weiteren, teils auch älteren. Es ist interessant, dass diese Gedanken so ganz langsam jetzt in die liberale bis linke Presse diffundieren.

    Kernschmelze beim Rettungsschirm/ Implosion des € - 15.06.11 - Seite 9 - Forum - ARIVA.DE
  9. #9

    Das Problem ist die aktuelle Überliquidität

    Zu Kar Schillers Zeiten hieß es, die Pferde zum Saufen bringen, damit wurden die Unternehmen und Konsumenten gemeint, die mehr produzieren bzw. konsumieren sollten unter günstigen (Zins-) Bedingungen. Zur Zeit haben wir in der Eurozone viele Unternehmen, die kein Geld zur Produktion in die Hand nehmen, weil sie nicht sehen, wer ihre Waren (zusätzlich?) kaufen soll oder der Konsument hält sein Geld zurück, weil er die Krise fürchtet und deshalb sein Geld behalten möchte.