Euro-Krise: Bis Deutschland die Nerven verliert

Schon der Euro zielte aus französischer Sicht darauf, die wirtschaftliche Vormachtstellung Deutschlands zu schwächen. Unter François Hollande nehmen die Franzosen mit neuem Elan ihr altes Projekt wieder auf.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...837524,00.html
  1. #210

    Zitat von denisgaebler Beitrag anzeigen
    Geld in die Infrastruktur, Straße, Schiene, ÖPNV, Kitas, Schulen und Universitäten. Dann den Euro pleite gehen lassen und wir starten mit perfekter Infrastruktur.
    So wie es jetzt läuft, starten wir mit maroder Infrastruktur. Mich juckt nicht, wenn die Leute die Geld haben es verlieren.
    Sehe ich inzwischen auch so. Knallen wird es sowieso und wir schlagen unten auf - die Herausforderung ist danach schneller wieder auf die Beine zu kommen als andere.
  2. #211

    Im Grunde ein alter Hut!

    Wenn man diesese beiden Passagen liest, zum einen aus dem "Spiegel" 48/1968:

    (…)

    Trotzdem wuchs unter den Siechen der Ärger über die gesunde Mark und zugleich der Wunsch, die deutsche Währungs-Disziplin als Verstoß gegen die internationale Solidarität hinzustellen. Frankreichs Premierminister Couve de Murville behauptete noch in der letzten Woche im französischen Fernsehen, schuld an dem Franc-Desaster sei in erster Linie Deutschland, das sämtliche Reserven an sich ziehe.

    Der gaullistische “France-Soir” brachte die Stimmung der Nachbarländer auf den Generalnenner: “Bei den gegenwärtigen Spannungen geht es im Grunde um den Platz der Bundesrepublik in der westlichen Welt, ihren Reichtum, der plötzlich drückend und übermäßig geworden ist. Niemand spricht davon, aber die deutsche Frage ist der eigentliche Hintergrund des monetären Dramas, Die Bonner Regierung hat zu viele Devisen, weil die deutschen Exporteure zuviel ins Ausland verkaufen, weil ihre Industriellen zu tüchtig sind.”

    Somit seien “die deutschen Tugenden zur Ursache der Unordnung in der Welt” geworden. “France-Soir”: “Deutschland ist zu reich, seine Industrie ist zu mächtig, weil die Deutschen wenig verbrauchen, wenig ausgehen, selten in Ferien fahren, geduldig darauf warten, daß ihnen der Arbeitgeber eine kleine Lohnerhöhung gewährt. Und sie streiken niemals. Es wäre alles so einfach, wenn sie es so wie alle Welt machten.”



    (…)


    DER SPIEGEL*48/1968 - Deutsche Frage

    Und dann aus der "Welt am Sonntag" vom 30. Dezember 2001:



    (...)

    Der Verdacht, die Franzosen wollten gar kein handlungsfähiges europäisches Staatswesen, um ihre nationale Souveränität in keinem Fall preisgeben zu müssen, ist immer wieder von der französischen Seite selbst genährt worden. Das einzig konkrete europapolitische Ziel, so der Mitterrand-Vertraute Jacques Attali, sei die Abschaffung der D-Mark. Nach der Einführung des Euro sei die europäische Integration für Frankreich beendet. Noch deutlicher wurde der Historiker Emmanuel Todd, der als Präsidentenberater sowohl Mitterrand wie Chirac zu Diensten war: "Hinter der Euro-Euphorie steckt der Wille, Deutschland als Geldgroßmacht zum Verschwinden zu bringen, die deutsche Frage ein für alle Mal zu lösen."

    (...)


    ...dann sollte klar sein, worum es vor allem Frankreich, aber auch den anderen Staaten der Eurozone bei der EU im Allgemeinen und dem EURO im Besonderen tatsächlich ging und immer noch geht: Nämlich zum Einen, Deutschland die D-Mark wegzunehmen, zum anderen, Deutschlad soviel Geld wie möglich "aus der Nase" zu ziehen.

    Deshalb sagte Helmut Schmidt ja auch in seiner inzwischen schon historischen Parteitagsrede vom 4. Dezember 2011:

    (...) Auch die nachgeborenen deutschen Generationen müssen mit dieser historischen Last leben. (...)

    Die "Schweinerei" ist dabei, dass die EU und der Euro der deutschen Bevölkerung als ein "idealistisches Projekt" verkauft wurden, von wegen "Freude schöner Götterfunken" usw., wenn es doch nur darum ging und geht, die Souveränität Deutschlands und der Deutschen einzuschränken, nicht aber im gleichen Maße die Souveränität Frankreichs und der Franzosen.

    Diese "Europa-Heuchelei" ist das, was so bitter aufstößt. Dann soll man doch gleich sagen, worum es beim Euro geht.
  3. #212

    Ich bin ja ganz

    Zitat von friedrich_eckard Beitrag anzeigen
    Mich würde da ja einmal ein Fundstellennachweis interessieren... aber lasset uns das einmal so stehenlassen und ein wenig rechnen: zu deutschen Hartz-IV-Sätzen gerechnet beträgt das Existenzminmum für einen Alleinstehenden ca. 800,-€ mtl. (Regelsatz, Warmmiete, Krankenversicherung und GEZ-Gebührenbefreiung). Ist es da eigentlich unangemessen, wenn Einkommensbestandteile, die das Fünffache des Existenzminimums übersteigen, steuerlich kräftig angeknabbert werden? Ich kann das nicht finden. Wenn allerdings die Hartz-IV-Leistungen auf ein leidlich verfassungskonformes Niveau angehoben werden sollte, bin ich selbstverständlich bereit, statt "mehr als 4.000,-€" einen entsprechend höheren Betrag als Grenzwert für angemessen zu halten.
    Ihrer Meinung , glaube aber, dass einige überrascht sein dürften, wen M. Hollande als "reich" bezeichnet. (Seine Äußerung wurde übrigens in der letzten papierenen FAS zitiert).

    So wie damals unser lieber Lafo ungläubiges Erstaunen erntete, als er die "Besserverdienenden" bei DM 5.000 brutto anfangen ließ. Da war dann doch mancher Studienrat schockiert, dass er gemeint war. Tja, das ist Pech.
  4. #213

    Bravo

    Dies ist der erste Artikel von Herrn Fleischhauer, dem ich mich vorbehaltlos anschließen kann.
  5. #214

    Die eigenen Interessen zu vertreten ist nicht "rechts-national"

    Zitat von Emil Peisker Beitrag anzeigen
    Blanke Hetze von Fleischhauer. Auf Populismus gestrickt und rechts-national gefärbt. So geht es nicht Herr Fleischhauer, den Spiegel zur Diffamierung und Hetze gegen Frankreich zu benutzen.
    Was hat es mit Hetze zu tun, wenn man lediglich das Offensichtliche konstatiert: dass die französische Regierung primär französische Interessen vertritt. Finde ich das schlimm? Nein. Ist ihre Aufgabe. Steht vermutlich genau wie bei uns im Amtseid des Regierungschefs.

    Sie mögen es rechtspopulistisch finden daraus zu folgern, dass wir nicht die einzigen in Europa sein sollten, die auf ihre Interessen verzichten, aber wie hat mal ein kluger Mann gesagt: "Staaten haben keine Freunde, Staaten haben gemeinsame Interessen". Wir haben teilweise gemeinsame Interessen mit Frankreich und teilweise eben unterschiedliche. Und diese sollten wir vertreten, wie alle anderen das auch tun, ohne dass man den anderen Staaten das als Egoismus auslegen würde.

    Jemand wie Hollande hat vermutlich am wenigsten Verständnis dafür das Einstehen für die eigenen Interessen als "rechts-national" zu verunglimpfen.
  6. #215

    Nachtrag zu meinem Beitrag #211

    Ich hatte in meinem Beitrag #211 den Link zum "WamS"-Artikel vergessen, das möchte ich hiermit nachholen:

    : Jetzt muss Europa endlich springen - Nachrichten WELT am SONNTAG - WELT ONLINE
  7. #216

    Sorry,

    Gutmenschen nicht grundlegend angetastet wird. Und das perfide an der Sache, die Klientel interessiert/interessierte beide nicht. Haider wollte nicht dem rechten gesox nichts zu tun haben, die waren ihm zu blöde, Beide profitieren/profitierten von ihrer Klientel, der eine von Wählerstimmen, die ihm ein angenehmes leben ermöglichten und Fleischhauer von der Kohle für seine Geschichten, die ihm ein sorgenfreies leben ermöglichen.
  8. #217

    Zitat von Zereus Beitrag anzeigen
    Wenn man alles als "weinerlichen Nationalismus" sieht, was nicht bedingungslos Europahörig ist, dann stimmt das natürlich.
    .

    Es gibt hier auch massenhaft EU-Kritik und Ablehnung der Rettungsschirme, die ohne die ständige Beschwörung einer Opferrolle gegenüber dem Ausland von dem jeweils gerade die Rede ist auskommt. Manches davon ist anti-kapitalistisch oder verschwörungstheoretisch, aber vieles ist auch sehr fundiert und entspricht meiner Meinung.

    Ein sehr hilfreicher Ansatz ist zum Beispiel die Frage, wo diese angebliche deutsche "Erpressbarkeit" eigentlich herkommt, und wie sich diese Angst um die deutschen Ersparnisse mit dem Prinzip der Eigenverantwortung vereinbaren lässt. Man könnte auch darauf hinweisen, dass ein Default für eine Bevölkerungsmehrheit in Südeuropa vermutlich eher hilfreich wäre als das was jetzt läuft, und dass alle "Rettungsmaßnahmen" bisher vor allem zur Stigmatisierung dieser Länder geführt haben. Dann könnte man das mit Island vergleichen und darauf hinweisen, dass das Prinzip der Verschuldung seiner Nachkommen in allen westlichen Ländern krachend gescheitert ist, und man statt diesem Eiertanz um "unser schönes Geld" endlich darüber nachdenken sollte, wie man sich das praktisch eingestehen kann.

    Stattdessen kann man natürlich auch behaupten dass uns ja niemand mag (Umfragen behaupten das Gegenteil, aber was soll's) und uns alle unterdrücken wollen. Das ist natürlich keine sonderlich deutsche Angewohnheit, sondern die gemeinsame rhetorische Strategie von Nationalisten überall. Die sind immer das Opfer das sich endlich wehren will.
  9. #218

    Ich ...

    Zitat von scientist-on-hartz4 Beitrag anzeigen
    Mitterand hat der Wiedervereinigung nur zugestimmt, wenn Kohl zugunsten des Spielgelds Euro die D-Mark abschafft. Es ist auch wahr, dass unsere europäischen Nachbarn, insbesondere Frankreich und England Deutschland am lebsten im Zustand von 1648 sähen: zersplittert in kleine wehrlose Fürstentümer ohne durchsetzungsfähige Zentralgewalt. Ein kleines und wehrloses, aber fleißiges Volk, an dessen Früchte Arbeit und Ländereien man sich straflos bedienen konnte. Diesem Treiben haben angefangen vom großen Kurfürsten bis hin schlußendlich Bismarck einen Riegel vorgeschoben. Der Haß auf die Deutschen ist nicht den Panzern Hitlers oder gar dem Holocaust geschuldet, sondern der Frechheit, dass diese deutschen Fürstentümer es wagten, sich zu einem gemeinsamen Nationalstaat zu vereinen und den auch noch zu einem wirtschaftlich starken Hightech-Land zu machen, den die Engländer selbst mit ihrem menschenverachtenden Manchesterkapitalismus nicht vom Markt verdrängen konnten. Im Gegenteil. Der Rest ist bekannt und wird in politisch korrekter Weise verfälscht. Zurück zu Kohl, hätten Thatcher und Mitterand der Wiedervereinigung nicht zugestimmt, wäre die demokratisierte DDR dank niedriger Löhne und hohem Bildungsniveau ein 2. deutsches Wirtschaftswunderland geworden, Autos der Marke Wartburg und Practica-Kameras und Notebooks von Robotron würden den Markt dominieren. So oder so wie jetzt (mit dem schwachen Euro statt harter DM) die Plumpuddings und Froschschenkel haben sich selbst in den Ar... gefi..t. Das Vorhaben, die Wirtschaftsmacht in der Mitte Europas zu schwächen, hat nicht geklappt. Stattdessen ist vor allem das Empire nur noch dritte Welt. Und nun versucht man es mit Finanzbetrügereien und dem Mißbrauch der EZB, selbst wenn die eigene Ökonomie zusammenkracht. Statt dem, wie die Nationalmasochisten der SPD und Grünen v.a. nachzugeben, sollte man besser wieder den Schulterschluß mit Mütterchen Rußland üben. Von dieser Freundschaft, wenn sie denn ehrlich gemeint war, haben beide Völker immer profitiert. So ist auch der Vertrag mit Putin über die Ostseepipeline, das einzige, was Schröder als Kanzler richtig gemacht hat.
    .... als westdeutsches Gewächs unterschreibe jeden Buchstaben Ihres Beitrags.

    Und komme mir kleiner mit dem (nicht) "lupenreinen Demokraten" Putin! Auch für solche Leute ist eines Tages die Zeit vorbei, aber Russland wird weiter eine Macht, wenn auch nicht mehr Großmacht, sein.
    Merkel war im übrigen sonst nie zimperlich, ihr Sprüchlein von Menschenrechten aufzusagen und dann die Rohstoff- und Industriedeals zu unterschreiben. Nur Putin/Russland wurde in schöner Regelmäßigkeit in schöner transatlantischer Einigkeit von der "überzeugten Transatlantikerin" auf die Armsünderbank gesetzt - solange, bis Russland nun voll auf die zentralasiatische Karte gesetzt hat.

    Anstatt sich rechtzeitig mehr um Osteuropa (nicht nur Russland) zu bemühen, lässt sich Merkel lieber von unseren süd- und westeuropäischen "Freunden" ausnehmen.
  10. #219

    Soll man das dann ernst nehmen?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Schon der Euro zielte aus französischer Sicht darauf, die wirtschaftliche Vormachtstellung Deutschlands zu schwächen. Unter François Hollande nehmen die Franzosen mit neuem Elan ihr altes Projekt wieder auf.
    Die französische Regierung hat gerade beschlossen, das Rentenalter ihrer Bürger auf 60 Jahre zu senken. Kein Franzose soll mehr länger arbeiten müssen, nur weil es die Finanzlage des Landes erzwingt - in keinem Fall aber so lange wie sein armer Verwandter in Deutschland, der sich auf Geheiß seiner Regierung bis zum 67. Lebensjahr mühen und plagen muss.
    Euro-Krise: - SPIEGEL ONLINE
    1. Das Rentenalter wird nur auf 60 gesenkt fuer Personen die 41 Jahre Beitraege gezahlt haben. Als soziale Erleichterungen werden Frauen 1 1/2 Jahre angerechnet wenn sie Kinder haben, und Arbeitslosen 1/2 Jahr. Betroffen sind ungefaehr 100.000 Personen pro Jahr, also eine Minderheit.
    2. Ansonsten gilt zB fuer den Jahrgang 1952 in Frankreich: 60 Jahre und 9 Monate, fuer 1952 in Deutschland 65 Jahre und 7 Monate.
    3. Sie koennen gerne in beiden Laendern auch vorher in Rente gehen, aber mit saftigen Abzuegen wenn sie die Beitragsjahre nicht erreicht haben, bzw nicht das vorgeschriebene Alter.

    Wieso sage ich, soll man das ernst nehmen? Weil zum xten Male wieder in die gleiche Kerbe gehauen wird, fauler Franzose geht mit 60 in Rente, fleissiger Deutscher mit 67 und muss das Lotterleben auch noch finanzieren.

    Letztlich sollte man fragen, wieviel % der Deutschen arbeiten tatsaechlich bis 67 in einigen Jahren, und fuer wieviel % ist das erhoehte Rentenalter einfach nur ein Mittel die Renten zu kuerzen, da die Mehrheit vorher mehr oder weniger freiwillig ihren Arbeitsplatz raeumt, und nach einem Jahr gezwungen ist sich mit einer gekuerzten Rente zufrieden zu geben.

    Wenn ein Kommentar mit solchen falsch dargestellten Argumenten beginnt, dann kann er nicht viel wert sein. Soll man das dann ernst nehmen?