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Euro-Krise: Bis Deutschland die Nerven verliert

Schon der Euro zielte aus französischer Sicht darauf, die wirtschaftliche Vormachtstellung Deutschlands zu schwächen. Unter François Hollande nehmen die Franzosen mit neuem Elan ihr altes Projekt wieder auf.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...837524,00.html
  1. #190

    Michel zahlt und murrt im Schlaf

    Zitat von conny2 Beitrag anzeigen
    Frau Merkel ist ja (noch) eine erbitterte Gegnerin von Euro-Bonds. Aber, wenn mich mein Eindruck nicht trügt, wird sie ihrem staunenden Volk schon sehr bald ihre neueste Erkenntnis vortragen, welche lauten wird: Die nicht vorhersehbare Talfahrt des Euro habe bei ihr die Einsicht bewirkt, dass Euro-Bonds - gegen alles, was bisher richtig war - am Ende doch das kleinere Übel seien. Denn sie habe ja immer gesagt: "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa." Und da Europa nicht scheitern dürfe, gelte ab sofort: Lieber Euro-Bonds als Euro-tot! Und sie, als deutsche Bundeskanzlerin, werde sich mit ganzer Kraft und gemeinsam mit Francois Hollande dafür einsetzen, dass die Euro-Bonds so schnell wie möglich kämen. Alle anderen Euro-Länder seien aufgerufen, sich der besseren Einsicht nicht länger zu verschließen und sich gemeinsam mit Deutschland unter ihrer Führung für einen starken Euro kraftvoll einzusetzen.
    Yepp, darauf können Sie wetten, allerdings wird sie das Kind umtaufen, damit der dumme Steuerzahler beruhigt weiter schnarcht, ausserdem mit einem "flankierenden Regelwerk", also völlig löcherigen Worthülsen zur Verschleierung dekorieren. Ende gut, alles gut. Merkel hat sich über die nächste Runde bis zu den Wahlen gerettet, Opposition gibt's nicht, Europa hat uns wieder lieb, und Michel zahlt und murrt im Schlaf.
  2. #191

    Milchmädchenrechnungen

    Zitat von Spiegelkritikus Beitrag anzeigen
    Der typische Anti-Links-Reflex Fleischhauers, diesmal gegenüber Hollande und seinen Sozialisten, sollte nicht dazu verleiten, kleingeistige und resentimentgeladene Kritik zu üben. Wenn Hollande das Rentenalter heruntersetzt und tausende zusätzlicher Stellen im öffentlichen Dienst schafft, um der Arbeitslosigkeit zu begegnen, dann verdient das unseren Respekt - um so mehr, als seine sozialen Massnahmen durch höhere Besteuerung von Reichen gegenfinanziert sind. Das verschweigt Fleischhauer natürlich.
    Die von Hollande erwogene Reichensteuer soll gerade mal 300 Millionen Euro bringen - während allein die Senkung des Renteneintrittalters für rund 100.000 Franzosen eine Milliarde kostet.
    Aber Rechnen war noch nie eine Stärke der Linken!
  3. #192

    Zitat von Spiegelkritikus Beitrag anzeigen
    Wenn Hollande das Rentenalter heruntersetzt und tausende zusätzlicher Stellen im öffentlichen Dienst schafft, um der Arbeitslosigkeit zu begegnen, dann verdient das unseren Respekt - um so mehr, als seine sozialen Massnahmen durch höhere Besteuerung von Reichen gegenfinanziert sind.
    Wenn das funktioniert, dann ist das ja ganz wunderbar. Ich fürchte nur, es funktioniert eben nicht und die Rechnung darf dann via Eurobondage der deutsche Steuerzahler berappen.
  4. #193

    Glückwunsch, Herr Fleichhauer!

    Dies ist der beste Artikel, den ich seit mindestens 10 Jahren im SPIEGEL gelesen habe. Weiter so, für solche Arbeit bin ich gern bereit, Geld zu bezahlen!
  5. #194

    Ja die Deutschen,

    lassen sich ein weiteres Mal bereitwillig vor den Karren spannen und ziehen diesen auch wenn es Ihre Kräfte längst überfordert und sie mit wehenden Fahnen in den Untergang schreiten.

    Es war noch nie anders, als das Deutschland für die angeblich große sache Europa nur ausgesaugt wurde. Mit Kriegen waren die nicht klein zu kriegen, also mussten andere Waffen her. Und gutgläublig wie Sie sind dachten die Verantwortlichen es sei alles zum Besten von Europa.

    Es war und wird alles zum Besten des Club-Med sein, vorneweg Frankreich. Frankreich hatte nie die Absicht Deutschland auf Augenhöhe kommen zu lassen, das Sie überflügelt wurden war eine Schmach.
    Nun werden unsere EU-Partner in in allzu ferner Zukunft Deutschland wohl vor die Wahl stellen entweder ganz Europa mit Transferleistungen zu versorgen oder wieder zum Feindbild Nr. 1 zu werden und auszusteigen.
    Bisher hat ja immer der Hinweis auf die dt. Vergangenheit dazu geführt das dt. Verantwortliche bereitswillig und wiederstandlos die Kassen geöffnet haben.
    Es wieder so sein. Der Club-Med wird mit 60 in Rente gehen und der dt. Michel wird es finanzieren und mit derzeit 67 in ein paar Jahren mit 75 in Rente gehen.
    Hoch lebe Europa so haben wir uns das immer vorgestellt ;-)
  6. #195

    Soweit ist es schon wieder?

    Zitat von wortmannin Beitrag anzeigen
    ... Wenn Deutschland, wie von Ex-Verteidigungsminister Scholz damals gefordert (wofür er im In- und Ausland arg gescholten wurde), eine eigene atomare Abschreckung hätte, würden sich Frankreich und Konsorten es zweimal überlegen, uns wie eine Zitrone auszupressen. ...
    Hat die konservative Verbohrtheit jetzt tatsächlich schon dazu geführt, dass wir wieder über kriegerische Mittel nachdenken, statt unsere Ressourcen in friedliche Kooperation zu investieren?

    Es wird wohl allerhöchste Zeit, dass dieser Spuk beendet wird, sonst fangen wir doch tatsächlich wieder mit wilhelminischer Großmannssucht an.
  7. #196

    Zutreffend

    Ausgezeichneter Artikel, der hoffentlich so manchen aus ihrer Blauäuigkeit heraushilft. Oder einfach öfter mal ein paar Länder des Olive-Belts besuchen. Das hilft auch...:-)
  8. #197

    Richtige Schlussfolgerung!

    Zitat von glen13 Beitrag anzeigen
    Wir sollten endlich zurück schlagen. Rente mit 50 oder wenigstens Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich. Besser noch: Höchstlohn für alle. Da wollen wir mal sehen, wie unsere europäischen Freunde staunen werden, wenn wir die Kohle endlich mal selbst verprassen.
    Jawohl!
    Da die gemeinsame Währung ohnehin nicht mehr zu retten ist, sollten wir uns wenigstens noch was gönnen.
    Also schnell noch ein paar Wohltaten auf Pump verteilen, bevor wir alle gemeinsam untergehen.
  9. #198

    Unerträgliche Stimmungsmache

    Zitat von ecce homo Beitrag anzeigen
    Das ist ja schon nicht mehr schwarz, dass hat schon was von einer braunen Verschwörungstheorie.
    Die Konservativen wissen nicht mehr was sie eigentlich sind.
    Blanke Hetze von Fleischhauer. Auf Populismus gestrickt und rechts-national gefärbt. So geht es nicht Herr Fleischhauer, den Spiegel zur Diffamierung und Hetze gegen Frankreich zu benutzen.

    Die Angst vor der deutschen Hegemonie über Europa war schon immer eine Obsession französischer Außenpolitik - und der Euro das Mittel zur Prävention derselben.

    So gesehen erfüllt sich mit der Vergemeinschaftung der europäischen Schulden nun ein Projekt, das aus französischer Sicht schon immer eher gegen Deutschland gerichtet war als auf die Einigung des Kontinents. Nicolas Sarkozy glaubte dem alten Ziel am besten zu dienen, indem er den Schulterschluss mit der deutschen Kanzlerin suchte. Hollande kehrt zu dem bewährten Prinzip zurück, die Deutschen zu schwächen, indem er ihre wirtschaftliche Stärke unterminiert.

    Die nächste Stufe in der Krise wird die der offenen Erpressung sein.

    Nur außenpolitische Einfaltspinsel können annehmen, dass man in Madrid, Rom oder Paris auch wirklich Europa meint, wenn man dort von Europa redet.

    Wie man sieht, hält sich diese Form der Schwarmgeisterei hierzulande allerdings hartnäckig - sogar bis in die Spitze der SPD

    Diese Sätze sind unerträglich. Eines seriösen Journalisten nicht würdig.

    Und, Herr Fleichhauer, Ihre heftige Aversion gegen die Franzosen, die erstaunlicherweise parteiübergreifend ist, gegen die Spanier und Italiener, war dann also schon immer da, schon vor dem Euro, toll.

    Was Sie da schreiben, ist Rechtspopulismus nach Haider und LePen Art.
    Und da steigen Ihnen die Kollegen nicht aufs Haupt?
  10. #199

    Was für eine Vermischung von Fakten, die auch noch verbogen wurden !

    Bin schon erstaunt mit welcher Hartnäckigkeit, und sei es indem man Fakten verbiegt, auf immer wieder die gleichen, veralteten und widerlegten Geschichten neu aufbaut wird.

    1/ die frz. Rentenpolitik, und die Entscheidung zu seiner Änderung, hat absolut nichts mit der Eurokrise und mit Deutschland zu tun.
    Nein, jede frz. Entscheidung zurück auf Deutschland zu führen, ist eine Nabelbauchsichtweise, die nur dem dienen soll, sich nicht selbst im Spiegel zu betrachten.
    Frankreich hat gewiss einige wirtschaftliche und finanzielle Probleme, die aber weit entfernt von der Rentenproblematik sind.
    Die Eurokrise, und die Glaubwürdigkeit der frz. Wirtschaft hat hier nichts zu suchen.

    2/ Die Fakten sind nicht die, die der Autor angibt : das Rentenalter wird NICHT auf 60 runtergesetzt. Dies zu behaupten ist einfach falsch.
    Was sich ändert, ist, das bestimmte Gruppen (nur ein gewisser Teil !), ab 60 in Rente gehen können WENN sie mindestens 41 Jahre gearbeitet haben. Ich lasse also mal den Autor ausrechnen, was das bedeutet :
    60-41 = 19.
    Nur Menschen die mit 19, oder 18 zu arbeiten angefangen haben, sind also betroffen. Kein einziger mit einem sei es noch so geringen Diplom nach dem Abitur.
    Es sind vornehmlich schwächere soziale Kategorien, die grösstenteils schwere Arbeit verrichten.
    Und ein besonderer Aspekt ist der Grund dieser Entscheidung - nein, es ist nicht der Grund, um Deutsche für die Franzosen arbeiten zu lassen, oder die Eurokrise zu vertiefen.
    Sondern einfach das die betroffenen sozialen Gruppen gleichzeitig die Gruppe ist, deren Lebenserwartung faktisch um mehrere Jahre kürzer ist, als für andere Gruppen.
    Ja, gut ausgebildete Angestellte, Selbstständige, Gebildete oder sonstige Menschen haben eine längere Lebenserwartung als Menschen, die ohne Bildung ab dem 18. oder 19. Lebensjahr schwere, oft handwerkliche Arbeit verrichten.
    Ja, keine Moral kann verantworten, das diese Gruppe weniger von der Rente hat, weil alle das gleiche Rentenalter haben, aber nicht die gleiche Lebenserwartung. Sie bekomen schon kleinere Bezüge, und sollen diese auch noch um Jahre kürzer beziehen ?
    Nein, es ist eine Frage des Respekts und der Gleichheit aller, das Recht einer verdienten Rente nicht nur theoretisch, sondern praktisch zu haben.
    Dies ist der Wille der neuen frz. Regierung.
    Es ist ein Ausgleich, und natürlich wird es andere geben, die auf andere Weise diesen Ausgleich wettmachen werden müssen, um die wirtschaftliche Stärke Frankreichs nicht zu beeinschränken.

    3/ Es wird ein anderer Fakt immer noch beiseite geschoben : ein späteres Renteneintrittsalter hat bisher noch keine signifikante längere Arbeitszeit geschaffen !
    Weder in Deutschland noch in Frankreich. Fakt ist, das Unternehmen, gerade bei hoher Arbeitslosigkeit, wie in den meisten Staaten, auch noch in Deutschland vor nicht allzu langer Zeit, ältere Arbeitskräfte erst gar nicht einsetzen. Für die meisten heisst späteres Renteneintrittsalter also gar nicht mehr arbeiten (also für die Wirtschaften wirtschaften), sondern kleinere Bezüge aus dem Arbeitslosengeld statt aus der Rentenkasse zu beziehen.
    Wirtschaftlich Sinn macht es, wenn die Menschen dann auch wirklich länger arbeiten. Dies ist nicht der Fall.
    Gerade in Deutschland haben Studien gezeigt, das in den Branchen mitr schwerer Arbeit die Zahl der Arbeitsunfähigkeit gestiegen sind, und bis über die Hälfte der Arbeiter das Rentenalter überhaupt gar nicht erreichen, sondern vorher schon über die Krankenkassen aus dem Arbeitsalter raus sind.
    Also welchen wirtschaftlichen Sinn ergibt also ein Renteneintrittsalter, das an der Wirklichkeit des menschlichen Daseins und des menschlichen Vermögens vorbeigeht ?
    In diesem Sinne ist die neuerliche frz. Korrektur des Rentenaustrittsalters UNTER BESTIMMTEN VORAUSSETZUNGEN, für den Wirtschaftsstandort Frankreich belanglos, für die Eurokrise total unerheblich, und natürlich aus deutscher Sicht ein Recht plumpes und dummes Symbol einer frz. oder linken Verhetzung.

    A propos, hat der Autor auch schon die Studie erreicht, das in Deutschland, zum ersten Mal seit Jahrzehnten, zwischen 2001 und 2011 in den untersten sozialen Gruppen die Lebenserwartung gesunken ist, und nicht nur am Rande, sondern um 1,5 oder 2 Jahre ?
    Dies ist genau betrachtet die Umkehrung des ersten und wichtigsten Arguments der Verlängerung des Renteneintrittsalters... und diese Umkehrung passiert zu erst in Deutschland, nicht in Frankreich. Vielleicht sollte man dies in Deutschland auch beherzigen... Dies ist keine Frage der Wirtschaft, dies ist eine Frage der Moral und der Philosophie, wie man menschliches Leben beurteilt.
    Und eindeutig sollte keine Gruppe im Bezug zum Leben über eine andere gestellt werden, weil sie es sich bezahlen kann, weil sie keine Schwerarbeit zu leisten hat, andere Menschen aber sehr wohl.

    Und ein solcher Artikel von Jan Fleischhauer, der alles vermischt und verbiegt, nur um dumme Vorurteile unters Volk mischen zu können, ist eine Verhöhnung der europäischen Idee.


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