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Ethik: "Wer helfen will, kann das tun"
Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, über die wachsende Zustimmung der Mediziner zur Sterbehilfe und das Selbstbestimmungsrecht der Patienten
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,707320,00.html
- #1 22.07.2010 08:49 von
Sind Ärzte Menschen oder Götter?
Der Tod ist ein Teil der Natur und gehört zum irdischen Leben dazu. Aber die christliche Religion verspricht Überwindung des Todes und ewiges Leben. Im christlichen Jenseits hat der Tod keine Macht mehr und ist nicht mehr zu fürchten, er ist dort ausgebürgert, kommt nicht mehr vor. Wenn es nach Jörg-Dietrich Hoppe geht, hat auch der Arzt nichts mit dem Tod zu tun:
Bislang besteht in der Ärzteschaft die Auffassung: Man will nicht, dass das Töten auch nur ansatzweise zum Handwerkszeug von Ärztinnen und Ärzten gehört.In der Öffentlichkeit darf nicht der Eindruck entstehen, dass Ärzte darüber nachdenken, ob der Tod eine Alternative zum Heilen, Helfen oder Lindern sein könnte.Arztpraxen und Krankenhäuser sollen, wenn es nach Prof. Hoppe geht, dem christlichen Jenseits gleichen: Der Tod hat dort nichts zu suchen. Arztpraxen und Krankenhäuser sind so überirdische Orte, Vorhallen zum christlichen Jenseits, und Ärzte haben eine göttliche Aura, aus der der Tod verbannt ist, Ärzte sind (Halb)Götter in Weiß. Nun sollte der Mensch sich aber nicht anmaßen, hier unten auf Erden Gott zu spielen. Größenwahn rächt sich!Ich bin überzeugt, wenn sich diese Einstellung verbreitet, würde es das Vertrauensverhältnis zerstören, auf dem jede Patient-Arzt-Beziehung beruht. - #2 22.07.2010 08:54 von
Mögen, Wollen und Können ...
Zitat:
... Denn über das Selbstbestimmungsrecht, das unser Grundgesetz garantiert, möchten wir uns ja nicht gern hinwegsetzen.
Na immerhin sie möchten nicht und wenn, dann tun sie es nicht gerne. Was für ein Trost.
Bin ich hier der Zyniker oder ist das Herr Dr. Hoppe? - #3 22.07.2010 09:02 von
t
Stimme dem Mann völlig zu
Gerthans hat offensichtlich nicht begriffen worum es ihm geht.
Ärzte sollen nicht töten, das ist der Kern. Die Straffreiheit bei Suizidbeihilfe ist meines Erachtens nach die beste Grenze die wir haben können.
Ich möchte mir jedenfalls keinen Arzt vorstellen der seinem Patienten sagt "morgen tot wäre eigentlich für alle besser, darf ich?"
Und daran ändert auch irrelevante religiöse Polemik nichts. - #4 22.07.2010 09:17 von
Patienteninteresse
Hoppe hat Recht, wer helfen will, kann das heute schon. Tatsächlich ist doch die Grenze zwischen der Beihilfe zum Suizid und aktiver Sterbehilfe hauchdünn und wird im stillen Kämmerlein mit Sicherheit auch überschritten. So lange das Einzelfälle sind, noch dazu bei einer engen Arzt-Patienten Bindung kann das nur Ideologen erregen. Problematisch wird das Ganze erst im Rahmen unseres industrialisierten Medizinbetriebs. Vor allem wenn ökonomische Interessen auf Entscheidungen über Leben und Tod einwirken. Tatsächlich ist das schon heute in erschreckendem Ausmaß der Fall, wenn Patienten nur zu dem Zweck am Leben gehalten werden, weil sie dem Krankenhaus Geld bringen. Stichwort Wachkoma-Patienten. Statt ideologischer Diskussionen wäre es wichtig, sich institutionell darum zu sorgen, dass das Patienteninteresse bei Entscheidungen über Leben und Tod allein im Vordergrund zu stehen hat.
- #5 22.07.2010 09:19 von
Patienteninteresse
Hoppe hat Recht, wer helfen will, kann das heute schon. Tatsächlich ist doch die Grenze zwischen der Beihilfe zum Suizid und aktiver Sterbehilfe hauchdünn und wird im stillen Kämmerlein mit Sicherheit auch überschritten. So lange das Einzelfälle sind, noch dazu bei einer engen Arzt-Patienten Bindung kann das nur Ideologen erregen. Problematisch wird das Ganze erst im Rahmen unseres industrialisierten Medizinbetriebs. Vor allem wenn ökonomische Interessen auf Entscheidungen über Leben und Tod einwirken. Tatsächlich ist das schon heute in erschreckendem Ausmaß der Fall, wenn Patienten nur zu dem Zweck am Leben gehalten werden, weil sie dem Krankenhaus Geld bringen. Stichwort Wachkoma-Patienten. Statt ideologischer Diskussionen wäre es wichtig, sich institutionell darum zu sorgen, dass das Patienteninteresse bei Entscheidungen über Leben und Tod allein im Vordergrund zu stehen hat.
- #6 22.07.2010 09:24 von
Dagegen...
Ich will nciht, das Aerzte toeten. Wer Leute umbringen will (sich eingeschlossen), soll sich einen Killer mieten.
Dann waere das zumindest personell getrennt und solange ich nur mit dem Doc rede, muss ich nicht befuerchten, dass die Prognose davon abhaengt, ob das Krankenhaus grad Geld braucht oder ueberbelegt ist. - #7 22.07.2010 09:32 von
...
Nein, sie haben da was falsch verstanden.
Es zeugt von Reflexionsunwilligkeit, wenn man die Kritiker aktiver Sterbehilfe immer in die Nähe christlicher Fundamentalisten rücken will.
Sie haben die entscheidenden Stellen selbst zitiert aber nicht verstanden:
Der Kernpunkt hier, ist nicht der, daß Suizid oder die Hilfe generell abgelehnt wird, sondern das es nicht zum Beruf des Arztes passt.SPIEGEL: Muss ein Arzt nicht sogar darüber nachdenken, wenn er das grundgesetzlich verbriefte Selbstbestimmungsrecht seines Patienten ernst nimmt?
Hoppe: Ich bin überzeugt, wenn sich diese Einstellung verbreitet, würde es das Vertrauensverhältnis zerstören, auf dem jede Patient-Arzt-Beziehung beruht.
...
Hoppe: Bislang besteht in der Ärzteschaft die Auffassung: Man will nicht, dass das Töten auch nur ansatzweise zum Handwerkszeug von Ärztinnen und Ärzten gehört. Ob das so bleibt, wird man sehen.
...
Hoppe:
...
Wenn man das jetzt in ein Gesetz gießt, fürchte ich, dass es das Arztbild beschädigt. Die Leute können dann nicht mehr sicher sein, mit welcher Haltung ihr Arzt ihnen gegenübertritt.
Der Arzt soll Leben erhalten, nicht beenden. Das ist zunächst mal seine Aufgabe, und nichts anderes.
Wenn der Arzt Heiler und Töter in einer Person wird, dann hat man es wirklich mit einem Gott in weiß zu tun.
Mein Vertrauen (und sicher auch das vieler anderer in den Ärztestand würde sicherlich (noch weiter) sinken, wenn diese das Recht (oder gar die Pflicht) hätten zu töten.
Was kann man als Gegenargument bringen?
Wer sterben will, soll das bitte selbst erledigen. Wenn er dazu aufgrund z.B. einer Krankheit nicht in der Lage ist, soll er sich jemand anderes dafür suchen. Warum sollte es unbedingt der Arzt sein, der das tut?
Anders sieht es natürlich bei der passiven Sterbehilfe aus, aber da haben wir ja jetzt ein Grundsatzurteil, was ohnehin nur bestätigt, was für die Juristen schon länger die logische Konsequenz aus unseren Gesetzen ist. - #8 22.07.2010 09:35 von
Töten gehört zum ärztlichen Handwerk
Prof. Hoppe sagt:
Seit die Frauenbewegung und 68er Bürgerrechtsbewegung die faktische Freigabe der Abtreibung erkämpft haben, also seit den 70er Jahren, gehört Töten zum ärztlichen Handwerkszeug. Die ärztliche Aura, aus der der Tod bis dahin - jedenfalls offiziell - verbannt war, hat dadurch an Göttlichkeit eingebüßt, und wenn die Bürgerrechtsbewegung jetzt das Recht auf einen selbstbestimmten Tod erkämpft, wird sie noch mehr an Gottähnlichkeit einbüßen, was dem Narzissmus vieler Ärzte sicher eine Kränkung zufügt, aber Mündigkeit und Selbstbestimmung der Bürger auch im Angesichts des Todes vergrößert.Bislang besteht in der Ärzteschaft die Auffassung: Man will nicht, dass das Töten auch nur ansatzweise zum Handwerkszeug von Ärztinnen und Ärzten gehört. - #9 22.07.2010 09:36 von
Zyniker
Wieso?
Nur weil sie selber das Recht haben ihr Leben zu beenden entsteht dadurch nicht automatisch eine Pflicht für den Arzt, dies für sie zu tun.
Es gibt gute Gründe dafür (z.T. im Interview genannt) warum gerade die Ärzte nicht diejenigen sein sollten, die beim Suizid helfen.
Und ich würde auch noch hinzufügen wollen: Solange sie körperlich dazu in der Lage sind es selbst zu tun, sollte auch niemandem anderen erlaubt sein, dies für sie zu tun.
Wenn sie es nicht selbst über sich bringen, dann wollen sie auch nicht genug.
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