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Erwerbsunfähigkeit: Psychische Leiden treiben immer mehr Arbeitnehmer in Frührente

Deutsche Arbeitnehmer gehen immer häufiger wegen seelischer Krankheiten in Frührente* - nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung sind Depressionen und Angststörungen der Hauptgrund für ein unfreiwilliges frühes Ausscheiden aus Beruf. Viele Menschen trifft das Leiden bereits vor dem 50. Lebensjahr.*

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...792117,00.html
  1. #140

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    Zitat von Umbriel Beitrag anzeigen
    Allerdings halte ich den momentanen "Burn Out Hype" für ein medientaugliches Elaborat der Pharmaindustrie und deren Umfeld.
    Ja und nein. Burn-out ist salonfähig und sogar ein bißchen schick geworden. Natürlich wird eine solche Diagnose dann auch häufiger gestellt. Dabei darf man aber nicht jede Diagnose mehr als eine zu viel mißdeuten, wenn es sich um früher tabuisierte Leiden handelt, die früher gar nicht oder irgendwie anders diagnostiziert wurden, wenn die Betroffenen ebenfalls behandlungsbedürftig waren oder eigentlich gewesen wären.

    Es gibt natürlich ein Interesse der "Krankheitserfinder" an solchen Krankheiten, und es gibt auch Trittbrettfahrer. Aber gleichzeitig habe ich auch keinen Grund, daran zu zweifeln, daß die Arbeitsbedingungen psychisch belastender geworden sind. Die zugehörigen überfordernden Arbeitssituationen gab es zwar schon immer, aber es gibt immer weniger Beschäftigte, die ernstzunehmende Alternativen zu ihrem aktuell bestehenden Arbeitsverhältnis sehen oder in Zeiten, in denen ein einziger Fehlgriff beim neuen Job einen mit ein bißchen Pech in Hartz IV enden läßt, das Risiko verantworten zu können glauben (etwa wenn sie Familie haben).

    Damit gibt es unter den Beschäftigten natürlich auch immer mehr, die mangels Alternativen lange Zeit die Zähne zusammenbeißen und durchzuhalten versuchen, obwohl sie mit ihrer Arbeit unzufrieden sind oder Pech mit den Vorgesetzten oder Kollegen haben, über- oder unterfordert sind. Daß das im Lauf der Zeit die Zahl der psychischen Erkrankungen ansteigen läßt, erscheint mir durchaus plausibel.

    Gleichzeitig ist es aus Arbeitgeberperspektive aber auch salonfähig geworden, auch noch den letzten möglichen Cent aus ihren Mitarbeitern herauszuwringen und ihnen dabei ein Maximum an Flexibilität und Mobilität abzuverlangen. Das macht's ganz bestimmt nicht besser, denn das zehrt an den Ressourcen, die man sich im privaten Bereich eigentlich noch als Ausgleich aufbauen könnte. Auch das ist ein starkes Indiz dafür, daß die Zahl der arbeitsbedingten psychischen Erkrankungen - ungeachtet aller Modeerscheinungen - zunimmt.
  2. #141

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    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Deutsche Arbeitnehmer gehen immer häufiger wegen seelischer Krankheiten in Frührente* - nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung sind Depressionen und Angststörungen der Hauptgrund für ein unfreiwilliges frühes Ausscheiden aus Beruf. Viele Menschen trifft das Leiden bereits vor dem 50. Lebensjahr.*

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...792117,00.html
    Nachdem z. Zt. nun 137 Beiträge zum Thema losgelassen wurden kann man feststellen, daß die diskutierte Problematik viel zu ernst ist, als das sie mit solch schrägen Gedanken wie Führerscheinentzug etc. überzogen werden sollten.

    Sicher gibt es auch wie im gesamten gesellschaftlichen Leben Hasardeure, die diesen Mainstream zu ihren Gunsten maximal ausnutzen - und, scheinbar funktioniert es auch. Allerdings sollten bei der Analyse dieser doch immer mehr um sich greifenden Krankheits- und Verhaltensstörungen die Ursachen an der Wurzel gepackt werden: die Gesellschaft ist krank und macht die Menschen krank. Die Gier nach Geld und Macht ist genauso krank wie eben auch Depressions- oder Burn-Outerscheinungen. Und solange diese Gesellschaft trotz noch so herausragender Ergebnisse in Wissenschaft, Kultur, Sport usw. usf. das Grundübel des Kapitalismus: Profit um jeden Preis (z. B. nachzulesen auch bei Marx) nicht abschafft, wird man sich noch Jahrzehnte oder Jahrhunderte über den Verfall des gesellschaftlichen Miteinanders die Köpfe zerbrechen.

    Und das schreibt jemand, der trotz des hohen Alters und Kenntnis vieler positiver und auch negativer Begleitumstände im menschlichen Zusammenleben bisher relativ ruhig und gelassen in die Zukunft blicken kann. Aber die Lebensumstände werden leider immer destruktiver.
  3. #142

    Weiß ich nicht

    Zitat von **Kiki** Beitrag anzeigen
    Aber gleichzeitig habe ich auch keinen Grund, daran zu zweifeln, daß die Arbeitsbedingungen psychisch belastender geworden sind. Die zugehörigen überfordernden Arbeitssituationen gab es zwar schon immer, aber es gibt immer weniger Beschäftigte, die ernstzunehmende Alternativen zu ihrem aktuell bestehenden Arbeitsverhältnis sehen ....
    Mir ist nicht klar, anhand welcher Datenbasis der Befund

    "Arbeitsbedingungen sind belastender geworden"

    valide und unabhängig erhoben wird.

    ***

    Mir ist weiterhin nicht klar, wie die Annahme gestützt wird, daß die Suche nach beruflichen Alternativen aktuell deutlich schwieriger sei als vor z.B. 10 oder 20 Jahren.

    ***

    Immerhin begannen beispielsweise vor 20 Jahren enorme Umwälzungen des Arbeitsmarktes in der ehemaligen DDR mit den bekannten Belastungen.

    Mir ist zunächst nicht ersichtlich, warum diese Belastungen, die gewiss für Millionen Bürger persönlich sehr einschneidende Folgen hatten, hinsichtlich verbreiteten Auftretens psychischer Probleme keine Erwähnung fanden, aber jetzt aktuell seit etwa 1 Jahr zunehmend intensiv über "Burn Out" berichtet wird, als handele es sich um ein völlig neues Phänomen infolge einer beispiellosen aktuellen Situation.
  4. #143

    .

    Zitat von Umbriel Beitrag anzeigen
    Mir ist nicht klar, anhand welcher Datenbasis der Befund

    "Arbeitsbedingungen sind belastender geworden"

    valide und unabhängig erhoben wird.

    ***

    Mir ist weiterhin nicht klar, wie die Annahme gestützt wird, daß die Suche nach beruflichen Alternativen aktuell deutlich schwieriger sei als vor z.B. 10 oder 20 Jahren.

    ***
    Den ersten Satz hatte ich so nirgends geschrieben. Ich schrieb vielmehr, sie sind psychisch belastender geworden, und als eine dieser psychischen Belastungen nannte ich die stark verschlechterten Wechselperspektiven, wenn jemand sich - aus welchen Gründen auch immer - an seinem Arbeitsplatz unwohl fühlt.

    Daß die Wechselperspektiven schlechter geworden sind, ergibt sich zum einen aus der dramatischen Zunahme der Zeitarbeit unter den angebotenen Stellen. Niemand würde aus einem festen Arbeitsverhältnis in ein Zeitarbeitsverhältnis wechseln, noch dazu angesichts der fast immer deutlich schlechteren Bezahlung.

    Da auch Festanstellungen in der Regel mit einem Zeitvertrag beginnen, ist das Risiko zweitens aber auch bei solchen Wechseln erheblich gestiegen. Zum Anteil der Zeitverträge siehe auch hier: http://www.destatis.de/jetspeed/port...psml__nnn=true. Wer eine Familie zu ernähren hat, überlegt sich das schon sehr sorgfältig.

    Drittens sind Bewerbungen ab einem bestimmten Alter ohnehin schon lange aussichtslos geworden.

    Viertens wissen das alles auch die Unternehmen, und es gehört in nicht wenigen sogar zur Unternehmensstrategie, den Mitarbeitern in regelmäßigen Abständen subtiler oder deutlicher zu vermitteln, daß man sich ihrer absolut sicher fühlt, weil sie anderswo ja ohnehin nicht unterkämen. Eindeutig wird das in vielen Betrieben von den Mitarbeitern so empfunden, in denen Zeitarbeiter dieselben Tätigkeiten wie Festangestellte ausüben.

    Was ich aber nicht verstehe, ist, warum ich Ihnen das alles noch einmal einzeln aufzählen muß. Das alles ist längst hinreichend bekannt.
  5. #144

    Menschenverstand reicht

    Mir ist nicht klar, anhand welcher Datenbasis der Befund

    "Arbeitsbedingungen sind belastender geworden"

    valide und unabhängig erhoben wird.
    Dazu braucht man keine Untersuchungen mehr. Der gesunde Menschenverstand und ein klarer Blick reichen vollkommen aus, um festzustellen, dass Unternehmer und Banker im Einklang mit Aktienbesitzern eine menschenfeindliche Arbeitswelt geschaffen haben, die weltweit ihresgleichen sucht, nimmt man mal einige Entwicklungslaender aus.

    Vielleicht WOLLEN Sie diese Entwicklung auch nicht sehen, da Sie eventuell von ihr profit--ieren???
  6. #145

    wahrnehmen, wo der andere gerade steht

    Zitat von Questions Beitrag anzeigen
    Von den Mitarbeitern wird wohl erwartet, daß sie sich diesen Raum in ihrer Freitzeit schaffen. Eine Studie - interessanterweise mit handfesten Bauarbeitern auf einer österreichischen Großbaustelle - zeigt, welche Effekte auf Unfallhäufigkeit und Krankenstand mit scheinbar geringem Aufwand möglich sind. Die Studienergebnisse sind hier zusammen gefaßt:

    http://www.liebe-zur-erde.eu/eurythm...eitsplatz.html

    Interessant sind dabei auch die Erfahrungen der Bauarbeiter, die mit körperschonenden Arbeitsweisen (!!) einerseits, mit Herz-Kreislauftraining andererseits (hier: Eurythmie) betreut wurden. Daß z.B. unter diesen Eingriffen das soziale Klima sich wesentlich verbessert hat, man beim Arbeiten mehr einander zuarbeitet und z.B. auch besser wahrnimmt, wo der andere gerade steht und was der tut. Für die Bauleute war das der wesentliche Faktor dafür, daß z.B. die Unfälle von 5% pro Jahr auf 0 zurück gegangen sind. Auch die Regenerationsfähigkeit wurde deutlich besser bei denen mit mehr Eurythmieepochen (Herz-Kreislauftraining).

    Meiner Ansicht nach sind die sozialen Effekte durchaus auf andere Berufe übertragbar.
    Arbeitsbedingungen und Arbeitsklima können für eine Depression sicherlich mitursächlich sein. Aber auf Eurythmie für Bauarbeiter muss man erstmal kommen,Klasse.
    Die anschliessenden privaten Gesprächsrunden im Kollegenkreis würden mich auch sehr interessieren.
  7. #146

    Das ist Ihre Sicht

    Zitat von **Kiki** Beitrag anzeigen
    Drittens sind Bewerbungen ab einem bestimmten Alter ohnehin schon lange aussichtslos geworden.

    Viertens wissen das alles auch die Unternehmen, und es gehört in nicht wenigen sogar zur Unternehmensstrategie, den Mitarbeitern in regelmäßigen Abständen subtiler oder deutlicher zu vermitteln, daß man sich ihrer absolut sicher fühlt, weil sie anderswo ja ohnehin nicht unterkämen.

    ...

    Was ich aber nicht verstehe, ist, warum ich Ihnen das alles noch einmal einzeln aufzählen muß. Das alles ist längst hinreichend bekannt.
    Ich möchte eigentlich keine Diskussion darüber führen, ob es missliche Situationen gibt, die gibt es nämlich immer und nicht daß Sie mich falsch vertehen: Ich bin damit auch nicht einverstanden.

    Allerdings meine ich geht es um den Vergleich der psychisch belastenden Situation im Querschnitt der Arbeitnehmer über längere Vergleichszeiträume.

    Da sehe ich keinesfalls, daß man mit der Beschreibung bestimmter Misstände genug getan hätte, um eine generelle Zustpitzung signifikanter Gründe für "Burn Out" Situationen nachgewiesen hätte, weder qualitätiv noch quantitativ.

    Es gibt keine Jahr und kein Jahrzehnt in der jüngeren Vergangenheit in dem es nicht möglich gewesen wäre, genau auseinanderzuetzen, daß die Arbeitssituationen sich verschlechtert hätten.

    Ich will das Problem nicht ignorieren, aber ich würde einfahc gerne erfahren, ob es sich eher um eine gezielt ins Leben gerufene Kampagne der entsprechenden Behandler-Lobby handelt oder um wissenschaftlich saubere Ergebnisse langjähriger vergleichender Beobachtungen.
  8. #147

    Eine Diskussion auf BLÖD-Niveau

    Zitat von franziskus Beitrag anzeigen
    Es findet sich immer eine plausible Erklärung. Es sind Vermutungen, die können zutreffen, aber auch nicht. Wie so oft haben solche Entwicklungen eine ganz banale Ursache. Als die Regeln für Berufsunfähigkeit geändert wurden, haben sich auch die verursachenden Krankheiten geändert. Die psychischen Erkrankungen stiegen steil nach oben. Warum? Nach den neuen Regeln wurde die Berufsunfähigkeit versagt, wenn man noch irgendeine Arbeit machen konnte. Ein kaputter Rücken führte nicht mehr zur Berufsunfähigkeit, weil man noch als Nachtpförtner arbeiten konnte. Bei einer psychischen Erkrankung sind sie für keine Arbeit mehr geeignet.
    Die Diskussion hier im Thread unterstellt größtenteils das die Kranken krank sein wollen. Ich bringe das jetzt mal auf BLÖD-Niveau, Robert Enke wollte krank sein damit er sich vor einen Zug werfen kann. Ralf Rangnick wollte "ausbrennen" damit er "Urlaub machen kann". Finden sie nicht auch daß das ganz schön bescheuert klingt?

    Zitat von franziskus Beitrag anzeigen
    Ich habe aber im Jahr darauf gelesen, dass die psychischen Erkrankungen sprunghaft angestiegen sind. Der Arzt schreibt sie nicht mehr berufsunfähig, weil der Rücken kaputt ist, sondern weil sie psychisch krank sind. Eine Ursache für diese Krankheit ist natürlich auch der kaputte Rücken. Psychisch krank und ein kaputter Rücken. Wer will diese Menschen zur Arbeit zwingen?
    Nein, psychische Krankheiten sind deshalb angestiegen, weil sich viele Menschen ihrer eigenen Nutzlosigkeit bewußt werden. Es interessiert nämlich keine Sau, ob man "tot im Rindstein liegt" oder ob man erfolgreicher Fuballtrainer ist, es interessiert nur, welche Leistung man bringt oder eben nicht. Diese Erkenntniss macht uns Angst.

    Zitat von franziskus Beitrag anzeigen
    Die „Häufigkeit“ von Krankheiten liegt oft nicht an der Krankheit, sondern dem damit verbundenen Nutzen für die Beteiligten.
    Haben sie das aus einer Glaskugel oder dem Kaffeesatz gelesen? Eine Grippe, ein Skiunfall, eine Psychose,etc. liegt also am "damit verbundenen Nutzen für den Beteiligten"?

    Allenfalls kann man sagen, das die Natur div. "Sicherungskonzepte" eingebaut hat, die dafür sorgen, das es zu einer Regeneration kommen kann, wenn wir auf diese "hören würden". Diese "sagen" bei ständiger Mißachtung "Mach mal Pause, sonst sorge ich dafür das Pause ist".

    Genauso sicher kann man aber auch sagen das wir immer mehr in einer Gesellschaft leben, wo wir beim "Aufleuchten der Öllampe" die Lampe auswechseln und nicht das Öl kontrollieren, weil dafür keine Zeit zu sein scheint.

    Ciao
    DerDemokrator
  9. #148

    Der nebulöse "gewisse Anteil"...

    Zitat von nebenjobber Beitrag anzeigen
    dass jeder in der Statistik geführte Depressive, Angstgetriebene, am Rande des Burnout Stehende ...auch tatsächlich davon betroffen ist? Ich will mir nicht anmaßen zu wissen, wieviele nur zum Schein auf psychischen Krankheiten rumreiten. Dass aber ein gewisser Anteil nur auf einer aktuellen Welle mitreitet ist mehr als wahrscheinlich.

    Das belegen auch einige Studien sei es zum Thema Burnout oder anderer Krankheiten. Kaum in den Medien publik steigen die offiziellen Fallzahlen, ja ne is klar.
    Selbstverständlich wird es irgendeinen "gewissen Anteil" geben.

    Doch was ist denn ein "gewisser Anteil"?

    1 von 1 Mio zum Beispiel wäre ein "gewisser Anteil".

    Aber ein "gewisser Anteil" ist noch lange kein relevanter Anteil, q. e. d.








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