Es ist unfassbar welchen Unsinn der Spiegel hier veröffentlicht. Langsam müsste jeder der sich nur ein wenig näher mit dem Krankheitsbild CFS beschäftigt hat wissen, dass CFS weder ein Burn-Out, noch eine andere Psychokrankheit ist, die immer wieder gerne herangezogen werden, wenn der Arzt nicht mehr weiter weiß.
CFS, auch genannt Myalgische Enzephalomyelitis oder Myalgische Enzephalopathie, wird im ICD-10, der internationalen Klassifikation der Krankheiten, die die Grundlage für die Sozialgesetzgebung ist, nicht im Bereich der psychischen Krankheiten angesiedelt, sondern unter dem Code G93.3 im Kapitel VI unter Krankheiten des Nervensystems. Es gibt inzwischen über 4000 wissenschaftliche Untersuchungen, die den biologischen Charakter dieser Krankheit belegen. Deshalb ist sie in Amerika, der führenden Medizinnation, auch als neuroimmunologische Krankheit anerkannt. In den USA wird im Gegensatz zu Europa intensiv geforscht, um den Menschen die an diesem verheerenden Leiden, das bis zur völligen Invalidität führen kann, erkrankt sind, zu helfen. Es gibt inzwischen genug Untersuchungen die belegen, dass den Menschen die unter CFS leiden nicht mit Psychotherapien und Aktivierungsprogrammen geholfen werden kann – im Gegenteil. Aktivierungsprogramme die CFS-Kranke mitmachen mussten, haben den meisten der Betroffenen nicht nur nicht geholfen, sondern haben das Leiden vieler Patienten sogar noch deutlich verschlimmert. Wenn man CFS-Kranke zum Aktivierungstraining zwingt, kann man das genauso gut mit Grippe-, HIV-, Hepatitis-, Parkinson- und MS-Kranken versuchen. Diesen Krankheiten kann man leider nicht davonlaufen, sie brauchen eine effektive medizinische Therapie. Es ist zwar richtig, dass man aktiv bleiben soll, soweit es möglich ist. Aber eine erzwungene Aktivierungstherapie oder gar eine Sporttherapie ist nicht nur nutzlos, sondern auch gefährlich, da sie die Krankheitssymptome von CFS-Kranken sogar noch verstärken können, eventuell über Monate oder gar Jahre hinweg.
In Deutschland haben wir eine gute Medizin. Aber nur für bestimmte Krankheiten. Und CFS gehört mit Sicherheit nicht zu diesen Leiden. Dass CFS nach jahrzehntelangen Erfahrungen und Forschungen bei uns immer noch in die Psychoecke abgeschoben wird, ist erschütternd und bringt viel Leid und Elend über die Patienten. Anstatt dass man den Betroffenen hilft und alles tut, um endlich die medizinischen Mechanismen, die hinter dieser erbarmungslosen Krankheit stehen aufzuklären, werden immer noch abstruse Psychotheorien aufgestellt, die weder Hand noch Fuß und schon gar nicht auch nur den geringsten wissenschaftlichen Wert haben.
Die deutsche Medizin ist in manchen Bereichen so flexibel wie ein versteinerter Baumstamm. Bei dem unermesslichen Leid das CFS anrichtet und den vielen Existenzen die es schon zerstört hat, kann man nur hoffen, dass Deutschland aufwacht und endlich begreift, dass CFS keine psychische Krankheit ist, die durch Psycho-, Aktivierungs- oder Sporttherapien behandelt oder gar geheilt werden kann. Deutschland muss CFS endlich als das anerkennen was es ist, nämlich als schwere neuroimmunologische Krankheit, die bis zur völligen Invalidität führen kann. Wenn Deutschland weiterhin seinem Ruf als Wissenschaftsnation und Sozialstaat gerecht werden will, muss es alles Menschenmögliche tun, um den CFS-Kranken und ihren Familien zu helfen. Es ist höchste Zeit!



