Alternder Ich-Erzähler verguckt sich in junges Ding, fühlt sich von ihrer Sexgier aber schnell überfordert - das klingt nach Altherrenliteratur. Geschrieben aber hat den Roman eine Frau, knapp 22 Jahre alt: die Französin Antonia Kerr. Ein rasantes Rollenspiel.
http://www.spiegel.de/kultur/literat...761139,00.html
Ich wäre ja schon zufrieden, wenn Übersetzer sich mit der Kultur, den Produkten des täglichen Lebens, technischen Begriffen der Sprache des Landes, in dem der Roman entstanden ist, halbwegs auskennen würden. Besonders fällt mir das bei Übersetzungen aus dem Amerikanischen auf. Da wird mal im Deutschen aus einem "Ford Taurus" ein Ford Taunus" gemacht, oder Wortspiele aus der TV-Werbung, die in den täglichen Sprachgebrauch eingezogen sind, sinnentstellt, weil offensichtlich vom Übersetzer nicht verstanden, übesetzt. Da wird in einem Roman ein Witz über Wendy gemacht und der Übersetzer wusste offensichtlich nicht, dass Wendy's eine Burger-Kette ist. Denn seine Übersetzung ergab in dem Kontext überhaupt keinen Sinn.
Da ich kein Französisch spreche, werde ich mich in diesem Fall mit der übersetzten Version vergnügen.
Denken Sie nicht, ich widerspräche Ihnen. Jedoch ist der Übersetzer, wie Sie dem Forum entnehmen können, nicht einfach nur der Nachsprecher. In der Germanistik wird dieser als Schaffer von etwas Eigenständigem auf der Basis des "Originals" gesehen (Gadamer hat meines Wissens dies etabliert - war ein sympathischer Mann), da er eben die Wortspiele, Stimmungen etc. erfassen und in unseren Kulturraum integrieren muß, ohne das Original zu entstellen. Deswegen ist es zwar löblich, aber auch vertrackt, Texte im fremdsprachigen Original zu lesen, da man dann das Können des Übersetzers ersetzen muß. Bei schlechten Übersetzern ist das Original besser, bei guten greife ich lieber zu der Übersetzung.
Allgemein: Aus dem Artikel "...dass die Autorin eine Frau ist und Französin und erst 22 Jahre alt."
Da wurde geschludert. Die "und"-Kette ist ja noch stilistisch einsichtig, aber daß die Autorin kein Mann ist, war mir klar. Liebe SpOn-Redaktion, bei solchen Darstellungen bitte den Standard-Begriff nennen und dann um die Eigenschaft "eine Frau" erweitern. Ansonsten ist dies Unfug wie: "Die Direktorin ist eine Frau".
Finde ich auch toll, sich Kritiken innerhalb von Foren zu stellen. Auf anderen Websites durchaus üblich und erfrischend "lesernah".
Zum Übertzerthema:
Was die Übersetzertätigkeit betrifft: Hat nun einer der wieder einmal krümelkackenden Forenposter überhaupt das Original UND die Übersetzung gelesen, um vergleichen zu können? Wieder einmal theoretische und themenzerstörende Grundsatzdiskussionen, die keinen Spass machen.
PS: Ich kenne durchaus Übersetzer, die aus einem durchschnittlichen englischen Original eine hervorragende deutsche Übersetzung gezaubert haben, aus jüngster Zeit fällt mir z.B. Harry Rowohlt ein. Aber diese typisch landsmännische Diskussion scheint einmal mehr für das Thema todbringend zu sein.
Zum Buch:
Ich habe es nicht gelesen und werde es wahrscheinlich auch nicht. Da bin ich geprägt durch die anno dazumal in Spiegel-Bestsellerlisten auftauchende junge französische Autorin namens Alina Reyes mit ähnlichem Sujet.
Ich verstehe bis heute nicht, wie ich auf diese Dame hereinfallen konnte: Wenn der Autor ein Mann gewesen wäre, hätte man Reyes' Bücher allenfalls in einschlägigen Themenläden kaufen können...
Sie sollten eine junge Frau, vorzugsweise Französin (da gibt es genug Rezensionen und wissenschaftliche Arbeiten) sein oder zumindest sich als solche darstellen. Der Roman (max. 150 Seiten) sollte eine gesunde Mischung aus dreckigem und dominant geprägtem Sex und gelegentlich gezielt eingestreuten persönlichen Befindlichkeiten sein, aufgebauscht durch tolle Formulierungen. Dann klappt es bestimmt... ;-)