Erfurter Affäre: Dopingjäger bekämpfen sich gegenseitig

REUTERSNada und Wada widersprechen sich in der Erfurter Dopingaffäre - und schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die UV-Bestrahlung von Blut eine verbotene Dopingmethode ist. Der DOSB fürchtet um Athleten, die an den Sommerspiele in London teilnehmen sollen.

http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,837083,00.html
  1. #1

    Wirkungsloses Verfahren

    Die Debatte ist in sofern grotesk, als dass es sich - im Gegensatz zu EPO etc. - um ein wirkungsloses Verfahren handelt. Wenn es den Sportlern hilft, dann aufgrund eines Placebo-Effektes und/oder "Regression toward the mean" Effektes.
    Wenn es im normalen Gesundheitswesen zum Einsatz käme, würden die Kassen keine Erstattung übernehmen, da der Nutzen nicht nachgewiesen wurde.
    Dem ist entgegenzuhalten:
    - Die SportlerInnen haben das Verfahren natürlich mit dem Ziel einer Leistungssteigerung bzw. wohl einer Leistungwiederherstellung während oder nach Infekten eingesetzt.
    Vermutlich ist das Gezerre dieser Situation geschuldet: Wirkungsloses Verfahren vs. Absicht der Sportler. Warum wird die Situation von den Agenturen nicht einfach so benannt? Und auch vom Sportjournalismus so beschrieben? - Das wäre in der Debatte hilfreich.
  2. #2

    einfach irre

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Nada und Wada widersprechen sich in der Erfurter Dopingaffäre - und schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die UV-Bestrahlung von Blut eine verbotene Dopingmethode ist. Der DOSB fürchtet um Athleten, die an den Sommerspiele in London teilnehmen sollen.
    Was für ein unsäglicher Schwachfug: Zwei Verbände streiten sich aus Gründen des persönlichen Geltungsbedürfnisses ihrer Vorstände und um eine an der öffentlichen Wahrnehmung festgemachten Daseinsberechtigung nachzuweisen, aber die einzige Leidtragenden sollen die Athleten sein, die beim besten Willen nicht wissen könnten, ob diese nicht einmal leistungssteigernde Methode verboten war oder nicht. Ich empfehle dringend, zumindest einen Grundsatz aus dem Strafrecht zu beherzigen, nämlich keine Strafe ohne entsprechende Grundlage zu verhängen - und die fehlt schlicht und einfach, wenn Athleten von zwei für sie zuständigen Verbänden unterschiedliche Auskünfte erhalten und nun im Nachhinein darum gestritten wird, ob das Doping gewesen sein soll oder nicht.

    Ich wäre dafür, beide Verbände aufzulösen, da sie offenbar nicht in der Lage sind, ihrem einzigen Daseinszweck zufriedenstellend nachzukommen. Anschließend sollte ein aus ehemaligen Sportlern neugegründeter Verband für die Zukunft eine verbindliche Entscheidung treffen. Für die Vergangenheit kann es aber nur einen kompletten Freispruch der betroffenen Athleten geben, wenn diejenigen, die darüber entscheiden werden, noch einen Funken Anstand im Leib haben. Einfach widerlich, wie NADA und WADA versuchen, ihre eigenen Versäumnisse auf die Athleten abzuwälzen. Wenn nun auch noch die WADA dazu auffordert, einfach einen Athleten willkürlich herauszugreifen, ihn vor dem Sportgericht zu verurteilen (man bemerke: Es ist nicht von einem fairen Prozess mit offenem Ausgang sondern von einer Verurteilung die Rede!), um so einen nachträglichen Präzedenzfall zu schaffen, anhand dessen man die anderen Athleten dann auch aburteilen könnte, dann zeigt das vor allem eines: Fairness findet im Sport nur unter Sportlern statt. Die Verbandshengste haben davon offenbar noch nie etwas gehört - und von einem rechtsstaatlichen Verfahren, dass zunächst einmal Rechtssicherheit voraussetzt, ebenfalls nicht!
  3. #3

    Kein Wille zur Aufklärung

    Vielen Dank für den interessanten Bericht. Er passt in das Muster des vermeintlichen Anit-Doping Kampfes in Deutschland. Nach meiner Meinung sollen dabei nur harmlose Einzelfälle "gefunden" werden. Sobald tatsächlich hochkarätige Sportler betroffen sind, arbeitet der ganze Apparat des Profi-Leistungssport (Verbände, Ärzte, Trainer, Funktionäre) an der Erhaltung des Status Quo. Ich mach mir wenig vor: Ein Großteil der dort tätigen Personen hatte wahrscheinlich in der Jugend selber Berührungen mit dem Thema Doping und es geht um viel Geld und berufliche Existenzen.
    Es gibt ja tatsächlich viele Dopingkontrollen bei Leistungssportlern. Aber wie schlagkräftig sind diese Verfahren im Vergleich zu den aktuellen Pharmatrends?
    Zum Fall Erfurt: Was sagt über Sportler aus, dass sie sich Blut abnehmen lassen, dann nach Bestrahlung zurückspritzen!! Ist das normal? Egal ob legal oder nicht. Wer will seine Kinder zum Leistungssport schicken, falls so etwas legal oder normal wäre?
  4. #4

    @ollowain13

    Zitat: "..die einzige Leidtragenden sollen die Athleten sein.."
    Das verstehe ich nur zum Teil: Hab ich da was verpasst oder haben die betroffenen Sportler freiwillig diese moderne Form des Aderlass praktiziert? Warum taten sie das? Mit welcher Erwartung?
    Die anschließende Diskussion um Rechtssicherheit, Chancengleichheit und Rechtsstaatlichkeit wäre ja dann nur noch formal eine Diskussion darüber, ob sie korrekt erwischt wurden oder nicht.
    Bei aller Kritik an Verbänden sind Sportler auch erwachsene Menschen mit eigener Entscheidungskompetenz.
  5. #5

    Die Presse sollte doch jetzt kein Fass aufmachen.

    Die Presse sollte doch jetzt kein Fass aufmachen....

    Fakt ist, es gibt ein Sachverhalt, der nicht "typisch" ist. Deshalb wurde ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Aufgrund dessen, kann man dann entscheiden, ob und wie man weiter vorgehen wird. Soweit der eigentlich relevante Teil.

    Aber warum muss jetzt die Presse noch so eine Zirkus um die entsprechenden Verbände mache. Ok, die Außendarstellung war jetzt nicht glücklich. Richtig. Aber wie im Kindergarten jetzt von einem Verband zum anderen zu rennen und denen vorhalten "der andere hat aber gesagt..."... Das ist doch nur noch peinlich. Einfach das Ergebnis abwarten....
  6. #6

    skandal

    ...also meiner Meinung nach wir d der Versuch unternommen 2 wichtige Sportler zu schützen. Es ist immer die Rede von 30 sportlern auf der veröffentlichen Liste findet man nur 28 sportler ...! befürchtet man hier größeres ( Top radsportler ??) wie laut der berliner Charite die UV Behandlung von Blut sich positiv auf die Durchblutung von Zellen auswirkt, kann man davon ausgehn das dies praktiziert wird um folge schäden von EPO Missbrauch zu verhindern.
    Die Erfurter Causa stinkt zum Himmel , Doping mit Steuergeldern und das systemmatisch in Olympialeistungszentrum . Es wird immer in ehemalige DDR zurück geschaut aber hier und jetzt sind wir nicht besser., schade um den Sport.
  7. #7

    Wenden wir uns Wichtigerem zu...

    ...denn warum sollten wir uns für Leute interessieren, die sich ihr eigenes Blut abzapfen, bearbeiten und wieder einfüllen lassen, um einen Tick höher, schneller oder weiter zu kommen?
  8. #8

    Sie haben anscheindend von Dopingbekämpfung keine Ahnung!

    Zitat von stat_ist Beitrag anzeigen
    Die Debatte ist in sofern grotesk, als dass es sich - im Gegensatz zu EPO etc. - um ein wirkungsloses Verfahren handelt. Wenn es den Sportlern hilft, dann aufgrund eines Placebo-Effektes und/oder "Regression toward the mean" Effektes.
    Wenn es im normalen Gesundheitswesen zum Einsatz käme, würden die Kassen keine Erstattung übernehmen, da der Nutzen nicht nachgewiesen wurde......
    Nochmals für Sie, es ist eben nicht relevant ob ein Verfahren jetzt eine Wirkung hat oder nicht. Relevant ist das Verbot! Dazu muss man einfach die Hintergründe verstehen.

    Fakt ist, dass Sie doch tatsächlich keine Ahnung haben, wie das Blut tatsächlich "verändert" wurde. Und das Problem ist, will man z.B. bestimmte Sachen nachweisen, muss man z.B. auch legale Verfahren verbieten. Deshalb rate ich Ihnen, argumentieren Sie nicht am Thema vorbei. Fakt ist, nicht die "Dopingjäger" müssen eine Wirksamkeit o.ä. nachweisen. Fakt ist, es gibt eine Verbotsliste. Und daran müssen sich die Sportler halten. Ob ein Verfahren jetzt wirksam ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle!

    Weiterhin sollte Ihnen klar werden, dass die entsprechenden Athleten diese "angeblich" unwirksame Methode einfach sich im Vorfeld hätten genehmigen lassen können. Was teilweise möglich ist.

    Wie gesagt, die Athleten kennen doch die Problematik mit dem Blutdoping. Und angeblich haben sie ein ganz harmloses Verfahren angewandt und kamen nicht auf die Idee dies im Vorfeld rechtlich abzuklären? Wie naiv ist denn bitte dies!
  9. #9

    Erstaunlich,

    die aufgeregten Beiträge hier. Da gibt es doch tatsächlich Leute, die auch nach dem Vorgang "Pechstein" noch der Meinung sind, dass "Dopingbekämpfer" ehrliche Leute sind.
    Dopingbekämpfer sind nicht besser als Verdiener am Doping!