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Erbguttest: Forscher entziffern Embryo-Genom aus Blut und Speichel der Eltern
dapdDiese Erkenntnis könnte die Medizin verändern - und die Gesellschaft: Erstmals haben Forschern das Genom eines Embryos aus dem Blut der Mutter und dem Speichel des Vaters entschlüsselt, ohne Eingriffe in den Mutterleib. Tests auf Erbkrankheiten werden radikal vereinfacht. Doch das Verfahren wirft ethische Fragen auf.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...837330,00.html
- #70 07.06.2012 08:47 von
Wandel der Zeit
Ethik und Moral einer Gesellschaft sind nicht dauerhaft in Stein gemeißelt. Sie entwickeln und verändern sich im Laufe der Zeit und von Gesellschaft zu Gesellschaft.
Eine Veränderung in die von Ihnen angeführte Richtung halte ich aus heutiger Sicht für bedenklich, aber auch für nicht wahrscheinlich.
Trotzdem werden Ethik und Moral in 20 Jahren anders aussehen, als heute. - #71 07.06.2012 08:49 von
Und ich hätte es gut gefunden, wenn diverse "Mängel" bei "mir" (also dem ersten Kind meiner Eltern) behoben worden wären:
- Defektes Reparaturenzym (erhöhtes Krebsrisiko: die Mehrheit meiner Verwandten hatten Krebserkrankungen - mich eingeschlossen)
- Erblicher Haarausfall (als Mann echt nervig)
- Ab 60 mit Rheuma zu rechnen (haben viele bekommen)
- Starke Akne in der Pubertät (da war ich soweit ich weiß die Ausnahme)
- Schlechtes Namensgedächnis (sehr nervig und nachteilig im Berufsleben)
- Kann Gedichte und längere Texte nicht wortwörtlich auswendig lernen und behalten (ich hätte nie Schauspieler werden können!)
Also, ich bin sehr froh, dass es diese medizinischen Entwicklungen gibt! - #72 07.06.2012 08:50 von
- #73 07.06.2012 08:52 von
- #74 07.06.2012 08:55 von
Völlig richtig; aus diesen biologischen Fakten ergeben sich verschiedene Konsequenzen:
Es nützt nichts, die DNA der Eltern zu untersuchen, um so auf die Gene des Kindes zu schließen. Nur falls ein Elternteil schon einen erkennbaren genetischen Schaden hat, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schädigung des Kindes entsprechend hoch. Mutationen oder Chromosomenschäden können erst in der DNA des Embryos nachgewiesen werden. Die Neuigkeit ist, dass diese DNA schon im Blut der Mutter erkennbar ist, jedenfalls in einem bestimmten Stadium der Schwangerschaft.
Es können immer nur Erbmerkmale variiert werden, die bei den Eltern schon vorhanden sind. Wenn beide Eltern blaue Augen haben, nützt es nichts, auf braune Augen beim Kind zu spekulieren. Selbstverständlich sind die Mendelschen Regeln dabei zu beachten. Einem "Wunschkind" sind also enge Grenzen gesetzt. - #75 07.06.2012 08:55 von
Wo bleibt hier die Weitsicht?
Großer Fortschritt, nur .... ?
Mal angenommen, durch diesen "wahnsinnigen Fortschritt" sieht man gewisse Fehler in einem Erbgut zu einem ungeborenen Kind.
Die verunsicherten Eltern entscheiden sich daraufhin zu diesem ungeborenen Kind gegen das Leben.
Nur gleichzeitig zu einem anderen Fall mit genau den selben Fehlern in diesem Erbgut zu einem anderen ungeborenen Kind entscheiden sich diese Eltern für ein Leben ihres Kindes.
18 Jahre später ist aus diesem Kind ein wunderbares Geschöpf geworden, worauf diese Eltern zu ihrer damaligen schweren Entscheidung zu einem großen Fortschritten in "Fehlern zu Erbgut" gerade sich für ein LEBEN "dennoch" so entschieden haben.
Ein Leben hat doch immer 2 Seiten, wie ein Atem. Zuerst muss man Einatmen, und dann kommt das Ausatmen.
Womöglich gehört zu einem wahrem allgemeinen Leben immer ALLE SEITEN, gerade diese 2 Seiten, und sobald ich eine Seite davon raus nehme/filter, fehlt diese wichtige zweite andere Seite, die auf Dauer zu einem wahren Leben vieles nur noch zu einer Illusion erscheinen lässt, und wir eine Wirklichkeit in einem Leben auf lange Sicht so dann komplett verlieren werden. - #76 07.06.2012 08:57 von
Ich habe "Glück" gehabt - bei meiner Krebserkrankung waren grade in den fünf Jahren vorher neue Medikamente entwickelt worden, so daß meine Überlebenschance von 5% auf 90% gestiegen ist (was ich dann nachträglich als Studienteilnehmer erfahren habe). Trotzdem hätte ich sehr gerne auf die Chemo und die Nebenwirkungen sowie die Langzeitfolgen (z.B. Chronic fatique syndrome) verzichtet.
Und natürlich gibt sich die Gesellschaft etwas mehr Mühe als früher, behinderten Menschen ein würdevolles Leben zu führen (wenn nicht grade wieder ein Haushaltsloch gestopft werden muss, da einige Milliarden für den netten Bangster von nebenan gebraucht werden). Aber würden diese Menschen denn ohne ihre Behinderung kein erfülltes Leben führen? - #77 07.06.2012 08:59 von
- #78 07.06.2012 09:08 von
grosse Chance für neue Ethik
Tatsächlich ist bei fast jedem wissenschaftlich-medizinischen Fortschritt hinsichtlich von Zukunftsprognosen DIE Gefahr, dass Versicherungen, Arbeitgeber, Sozialkassen darauf basierend "genetische Diskriminierung" praktizieren. Nun wäre es aber ja wohl absurd, deswegen den medizinischen Erkenntnis-Fortschritt zu verbieten!
Die moderne Gesellschaft muss einfach vernünftig und glasklar darauf reagieren! Die veränderten Möglichkeiten und Risiken diskutieren und Missbrauch der Ergebnisse verbieten. Das Antidiskriminierungsgesetz muss halt erweitert werden.
Freie Entscheidungen und - ja, klar - auch "Persönliche Diskriminierung" aufgrund solcher "genetischer Informationen" wird es geben. Na und? Irgendwie muss man sich entscheiden, im privaten Rahmen ist das ja wohl ok und jedem selbst überlassen. Wenn ich Leute unsympathisch finde und "ablehne", weil sie die falsche Turnschuhmarke tragen, ist das doch auch meine Sache und nicht der Beginn des Untergangs des Abendlandes :-) Nur weil Diskriminierung aufgrund des Geschlechts verboten ist, kommt Mario Barth wegen seiner "Freundin-Witze" ja auch nicht ins Gefängnis :-) Das muss und kann eine Gesellschaft schon aushalten.
Wenn es zuverlässige, unschädliche Tests für Entwicklungsrisiken gäbe oder geben wird, auch im Erwachsenenalter z.B. bzgl Alzheimer oÄ, wer würde NICHT für sich die Chance nutzen wollen, dagegen zu steuern?
Und bzgl. eines sehr frühzeitigen Tests auf die klassischen Krankheiten noch zu einem Schwangerschaftsstadium, wo vielleicht noch nicht das kleine Herzchen auf dem Ultraschall schlagend zu sehen ist, oder gar schon Bewegung im Bauch zu fühlen ist ... Das wäre FANTASTISCH !!!
Für alle Beteiligten!
Wie viele gut ausgebildete Frauen in Deutschland würden sehr gerne noch mit 40+ Kinder bekommen, hätten nach der ersten Karrierephase Zeit, Geld, Liebe satt dafür, aber der Arzt rät ab wegen diffuser Risiken. Wegen der hohen %Rate von Down etc. Und wegen der bislang fehlenden zumutbaren Möglichkeiten (Reagenzglasgedöns, Fruchtwasseruntersuchung, Spätabtreibung etc ist mE nicht zumutbar) diesen Risiken zu begegnen. Dann bleiben die Frauen entweder ganz kinderlos oder gehen nicht mehr "in die zweite Runde".
Meine Prognose: Gäbe es diese Frühtests in den ersten 6 Wochen, gäbe es mehr Kinder in Deutschland. Gesunde Kinder, glückliche Eltern.
Genug "Restrisiko" und die Spannung auf den individuellen Genmix - der übrigens auch nicht fix im Outcome UND nicht allein Entwicklungsleitend ist, gibt ja auch noch die (soziale) Umwelt - bleibt schon noch übrig. DAMIT machen wir die Evolution sicher nicht kaputt ! :-) - #79 07.06.2012 09:10 von
Selektion
Wenn es den meisten Menschen angeraten erscheint, ihrem Nachwuchs das genetisches Roulette so weit wie möglich zu ersparen, warum wäre es dann verwerflich, wenn neben Aspekten der erblichen Gesundheit auch weitere Wünsche in die "Auswahl" (um einmal das böse Wort "Selektion" zu vermeiden) mit einzubeziehen?
Das ist nicht neu, wie sich leicht an der Vielzahl erbgesunder abgetriebener Embryonen erkennen lässt, nur wäre das neue Verfahren deutlich humaner, denn es besteht kein Risiko für das Ungeborene ud eine Abtreibung könnte wesentlich früher vorgenommen werden.
Was ist an einer Selektion verwerflich?
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