Erbguttest: Forscher entziffern Embryo-Genom aus Blut und Speichel der Eltern

dapdDiese Erkenntnis könnte die Medizin verändern - und die Gesellschaft: Erstmals haben Forschern das Genom eines Embryos aus dem Blut der Mutter und dem Speichel des Vaters entschlüsselt, ohne Eingriffe in den Mutterleib. Tests auf Erbkrankheiten werden radikal vereinfacht. Doch das Verfahren wirft ethische Fragen auf.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...837330,00.html
  1. #60

    Im Gegentum

    Zitat von 12_Apostel Beitrag anzeigen
    "Wissenschaft ist die einzige Methode, die bei der Beantwortung von Fragen etwas beitragen kann." Was sonst?
    Die Wissenschaft hilft hier überhaupt nicht bei der Beantwortung von Fragen.

    1. Die Gendiagnostik gibt eine statistische Aussage, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Gendefekt auftreten könnte. Das sagt überhaupt nichts über das tatsächliche Auftreten aus.

    2. Die Ärzte sind im eigenen Interesse (Schadensersatzforderungen) angehalten, immer das schlechteste Ergebnis zu prognostizieren. Das trifft dann auch Föten, die gesund zu Welt gekommen wären.

    3. Entsprechend 2. können die Ärzte keine objektive Beratung geben. Die werdenden Eltern werden mit der Entscheidung völlig alleingelassen und sind im allgemeinen - da sie die Tragweite der Konsequenzen im Allgemeinen nicht einschätzen können - damit überfordert.

    4. Entsprechend 3. wird bei ungünstiger Diagnose die Schwangerschaft zusätzlich belastet, mit entsprechenden Folgen bis hin zur Abstoßung des Fötus aufgrund zu hohem Stress.

    5. Wer glaubt, eine Abtreibung macht Frau mal so nebenbei, und das hat keine weiteren Folgen, soll sich bitte mal mit Frauen unterhalten, die das mitgemacht haben.

    BTST. Die Uniklinik Jena macht gern Fruchtwasseruntersuchungen, zum einen weil die immer auf der Suche nach willigen Versuchskaninchen sind, zum anderen weil sie dafür gut Geld bekommen. In dem Zusammenhang habe ich Punkt 2-4 erlebt, einschließlich entsprechender Panikmache durch Ausmalen der schlimmen Folgen, die mit der Untersuchung verhindert werden könnten. Und ich kenne auch den Fall, dass bei einem Kind bis hin zum Down-Syndrom alles Mögliche prognostiziert wurde, das Kind ist völlig gesund.

    Nein, die Wissenschaft hilft den werdenden Eltern in den seltensten Fällen weiter, weil sie die moralischen und ethischen Fragen notgedrungen unbeantwortet läßt.
  2. #61

    eine weitere wichtige Konsequenz?

    Wer von den beiden Erzeugern sucht sich einen anderen Zeugungspartner umd die wahrscheinlichkeit der wiederholung auszuschließen
  3. #62

    Ich denke die Entscheidung für oder gegen ein Kind wird dann von den praktisch durch die Krankenkassen getroffen werden, die einfach Kindern /Menschen mit Gendefekten keinen Versicherungsschutz mehr bieten werden. Oder nur einen der unbezahlbar sein wird.
    Zudem wird ein Arbeitgeber, der das genetische Profil eines Bewerbers mit Sicherheit zu lesen bekommt, jemanden mit einer Neigung zu irgendwelchen Krankheiten oder nicht reichender Intelligenz niemals einstellen.
  4. #63

    Pandora

    Erbguttests um schwere Krankheiten auszuklammern sind gut, klar. Aber wo zieht man die Grenze? Ist es so klar das ein genetischer "Fehler" die Menschheit nicht in irgendeiner Weise weiterentwickeln kann? Die Vorstellung des geplanten Menschen, des Menschen nach Wunsch, ist für mich gleichbedeutend mit dem Ende der Menschheit.
  5. #64

    Zitat von marcuspüschel Beitrag anzeigen
    In dem Film gibt es "normale" Menschen, und solche mit optimierten Genen. Und natürlich - wie sollte es bei den hysterischen Bedenkenträgern sonst sein - werden bei bestimmten Jobs nur Leute mit veredelten Genen zugelassen. Ganz schrecklich!
    Ich wäre ganz froh, wenn ich keine Brille tragen müsste, von anderen Kleinigkeiten mal abgesehen. Von daher halte ich nicht nur diesen Artikel für eine gute Nachricht, sondern würde auch unbedingt das Tunen des Erbgutes befürworten. Wenn schon Genmanipulation, dann nur beim Menschen, und nicht bei Pflanzen oder Tieren. Letztere haben wir nämlich nicht unter Kontrolle. Das einzige was der Mensch in dem Sinne kontrollieren kann, ist er selbst.
    Immer diese Falschaussagen... Die Wissenschaft kann weder heute noch im Film GATTACA die Gene verändern. Sie kann nur aus einer Menge von befruchteten Eizellen die aussuchen, die das "beste" genetische Material trägt. Sie wären damit also nicht ohne Brille, sondern nicht existent, weil sie nicht perfekt genug wären. Stattdessen wäre ein anderes Kind geboern worden.
  6. #65

    Zitat von TimmThaler Beitrag anzeigen
    Nein, die Wissenschaft hilft den werdenden Eltern in den seltensten Fällen weiter, weil sie die moralischen und ethischen Fragen notgedrungen unbeantwortet läßt.
    Da mache ich mir keine Sorgen. In Deutschland finden sich mit Sicherheit jede Menge Leute, die sich berufen fühlen solche Fragen für andere zu regeln.

    Daran hat es hier nie gemangelt.
  7. #66

    Das ist nicht mehr nötig:

    Zitat von baudrillard Beitrag anzeigen
    ... werden Schwangerschaften wegen falscher Augenfarbe abgebrochen...
    jedenfalls wenn es um blaue Augen geht: vor einigen Wochen stand im Spiegel, dass es mittels Laser möglich ist, die dunklen Melanozyten im Auge alle zu "verbrutzeln" - so werden braunäugige zu blauäugigen Menschen. Allerdings irreversibel.
  8. #67

    Da ergeben sich einige Probleme:

    Zitat von ballaststoffel Beitrag anzeigen
    solche Analysen VOR einer Schwangerschaft mal möglich sind, dann erst werden diese Untersuchungen einen Sinn ergeben.
    50% kommen von Mama, 50% von Papa, und dabei jeweils 23 der 46 Chromosomen, die ein Mensch hat, dazu noch ein Austausch zwischen den Chromosomen beim Crossing over - man sieht ja schon bei zweieiigen Zwillingen, wie unterschiedlich sich Kinder sein können. Ein wilder Mix von Mamas und Papas genetischen Merkmalen.

    Natürlich kann man die Genome der Eltern komplett sequenzieren (kostet in 1-2 Jahren auch nicht mehr soviel wie bisher, dann wohl 1000-3000 Euro pro Person - und lässt sich dann in 3 Stunden bewerkstelligen), aber was dann IM Kind landet, ist statistischer Zufall. Ausserdem kommt es auch während der Geschlechtszellenbildung und danach noch zu Mutationen und anderen Problemen, siehe Down-Syndrom.

    Nein, ich denke, der im Artikel aufgezeigte Weg ist der sinnvollste.
  9. #68

    Ethisches Dilemma

    Zitat von atech Beitrag anzeigen
    ein großer Fortschritt!
    [...]
    Eine Fruchtwasseruntersuchung war bisher erst nach der 16. Schwangerschaftswoche möglich.
    Wenn die neue Methode die Früherkennung genetischer Defekte schon viel früher erlaubt - möglicherweise innerhalb der ersten 12 Wochen, innerhalb derer ein Abbruch in Deutschland straffrei ist, dann wäre das ein Segen für die betroffenen Schwangeren!

    Und das <ethische Problem> wird dadurch auch kleiner: ein Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten 12 Wochen ist sozial akzeptiert. Das Umfeld der Schwangeren, die sich für einen Abbruch entscheidet, muss nicht einmal mehr mitbekommen, dass die Frau jemals schwanger war.
    Ich wage mich jetz mal ins ethisch-moralische Minenfeld.
    Eine derartige Untersuchung ist ggf. nicht nur ein Segen für die werden Eltern, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein gesundes Kind, es ist auch ein Segen für die Gesellschaft und die Menschheit insgesamt.
    Das menschliche Genom geht doch, überspitzt ausgedrückt, zur Zeit langsam aber sicher vor die Hunde. Eine der darwinschen Evolutionslehre entsprechende natürliche Selektion ist in den (entwickelten Länder) durch moderne Medizin nicht mehr gegeben. Erbgutfehler setzen sich fort und potenzieren sich. Erblich bedingte Krankheiten nehmen zu und müssen mit hohem Aufwand (personell und finanziell) von der Gesellschaft behandelt und getragen werden.
    Irgendwann wird sich die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft diesbezüglich erschöpfen. Gesundheitsleistungen werden immer teurer oder immer weiter zusammen gestrichen.
    Da ist doch eine medizinische Technologie, die schwere Gendefekte frühzeitig entdecken kann, ohne Gefahr für Mutter und Kind mal was positives. Die Entscheidung, ein Kind mit schweren Gedefekten auszutragen oder möglichweise noch innerhalb der ersten 12 Wochen die Schwangerschaft zu beenden, müssen natürlich nach wie vor die betroffenen Eltern treffen.
  10. #69

    Re

    Zitat von lug&trug Beitrag anzeigen
    Die ist sogar komplizierter, weil man wie beschrieben zusätzlich zur eigentlichen (technischen) Analyse auch noch statistische Verfahren anwenden muss, um aus den Fragmenten (im Blut der Schwangeren) und dem Genom des Vaters (aus dessen Speichel) das Genom des Embryos zu erhalten.
    Mittlerweile gewinnen Biologen Informationen über die in einem Gebiet vorkommenden Tiere, indem sie Vampirfledermäusen Blut aus ihrem Magen entnehmen... Ausserdem: Beim Sequenzieren geht der Trend eh dahin, sehr viele kurze Genschnipsel parallel zu analysieren, d.h. es schadet nicht, wenn nur Fragmente vorliegen. Und die Rechnerleistung und die Algorithmen für die Zusammensetzung der Informationen sind auch nicht mehr limitierend. Von dieser Seite sehe ich daher eher weniger Probleme.