Ist das Budget für den Artikel etwa bereits aufgebraucht?
Silvana WedemannEr nennt sich "Dr. Life" oder "Dr. Cocaine": Jenishbek Nazaraliev betreibt in Kirgisien eine Entzugsklinik für Drogenabhängige. Der Psychiater kämpft mit martialischen Methoden und umstrittener Koma-Therapie gegen die Sucht. Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben.
http://www.spiegel.de/panorama/gesel...836330,00.html
Ist das Budget für den Artikel etwa bereits aufgebraucht?
eine normale vollnarkose hat auch ohne den ganzen andern kram das potenzial das suchtgedächtnis zu löschen. will aber nich sagen dass das keinen sinn hat. außergewöhnliche probleme erfordern außergewöhnliche maßnahmen. kann mir vorstellen das der gute mann damit sehr erfolgreich ist.
Ich will die Methode nicht kritisieren, aber "...Medikamentencocktail. Die Ärzte verraten nur, dass auch Atropin darin enthalten ist. Hoch dosiert blockiert es einen Teil des vegetativen Nervensystems, den Parasympathikus. Die Entzugserscheinungen werden so eine Zeitlang unterdrückt. Die Prozedur katapultiert das Gehirn auf die niedrigste Bewusstseinsebene, die letzte Stufe vor dem Tod." haben nun Mal aber auch gar nichts mit Vollnarkose zu tun. Was glauben Sie den was in den OPs los wäre, wenn "Sie werfen die Köpfe zurück, strecken den Körper, zappeln mit den Beinen, traktieren das Bett mit ihren Füßen, verharren in Embryostellung; schnarchend und stöhnend, sabbernd und schweißgebadet." das die Beschreibung einer Vollnakose wäre.
es klingt schon martialisch.
aber was drogen mit menschen tun ist noch viel mörderischer. wahrscheinlich ist es der richtige weg.
das mit dem koma klingt irgendwie plausibel für mich - damit zieht man so einen strich, es bringt großen abstand.
ich habe selbst nie drogen genommen. aber ich denke es ist falsch wie wir hier damit umgehen: alle drogen außer alkohol kiriminalisieren und die leute die süchtig sind sich selbst überlassen.
was immer man zu den methoden in kirgisien hält: man muss es mit dem status quo bei uns vergleichen und der lebensperspektive der therapien und nicht-therapien hier.
aber wahrscheinlich wird man sich ein extrembeispiel rauspicken wo es nicht geklappt hat oder das leiden groß war und dabei gerne übersehen, wie groß das leiden hier jeden tag im status quo ist.
hmmm...Iboga ist billiger und wirksamer...nicht dass man da nicht durch die Hoelle geht...
... aber wann geht's weiter?
Leider werden auch hier falsche Hoffnungen geweckt. Jeder Abhängige weiß, dass seine Sucht - egal welche - nicht heilbar ist. Aber Süchtige haben gegenüber anderen chronisch Kranken einen großen Vorteil: Sie können ihre Krankheit stoppen (nicht heilen), indem sie dauerhaft auf das Suchtmittel verzichten. Das nennt man dann Abstinenz. In aller Regel bedarf das nach dem Entzug (Entgiftung) weiterer Schritte, über die Entwöhnung bis zur Selbsthilfe, und diese dann möglichst für den Rest des Lebens. Ich kenne als Betroffener und jahrelang in der Suchtselbsthilfe Tätiger keinen "geheilten" Alkoholiker. Die Gefahr eines Rückfalls besteht ein Leben lang, weil die Suchtstrukturen ein Leben lang im Suchtgedächtnis gespeichert sind und bei Reizung (erneute Stoffzufuhr) wieder anspringen. Dabei ist es unerheblich, wie lange man trocken oder clean war. Alle Versprechen, eine Abhängigkeit zu heilen, dienen nur einem Zweck: Aus der Not Betroffener Kapital zu schlagen. Auch die ab und zu durch die Presse geisternden Wundermittel (Baclofen) haben noch keinen duchschlagenden Erfolg zu verzeichnen, vermeintliche Erfolge bleiben stets auf Einzelne beschränkt.
Trozdem kann jeder Abhängige ein glückliches und zufriedenes Leben führen: wenn er es - mit Unterstützung - lernt, dauerhaft auf das Suchtmittel zu verzichten. Über die Schritte "ich kann nicht mehr - ich will nicht mehr - ich muss nicht mehr - ich brauche nicht mehr" finden etwa 20 - 30 Prozent derjenigen, die überhaupt Maßnahmen ergreifen, in ein abstinentes Leben.
Früher jedenfalls kamen die in Russland konsumierten Drogen aus Mittelasien, dazu gehört Kirgisien. Wo man das Zeugs anbaut, dort kann man in der Regel auch damit umgehen bzw. man kennt die Grenzen und weiß, was dagegen getan werden kann.
Die Patienten des kirgisischen Arztes - soweit sie der Artikel beschreibt - sind Russen. Diese haben ein historisches Alkoholproblem und wohl auch ein steigendes Drogenproblem. Dies ist überall bekannt. Noch sprechen fast alle in der ehemaligen Sowjetunion russisch. Warum soll also nicht ein Kirgise, der sich mit dieser Thematik auskennt und wohl Erfolg mit seiner Methode hat, in seiner Heimat eine Klinik aufbauen? Für die vielen betroffenen Russen ist dies allemal billiger als eine Behandlung im Westen.