Das ist die Methode, mit der der virtuelle Arm des Kreml arbeitet.
In Russland geht die Opposition davon aus, dass die prorussischen Blogger Teil eines organisierten Apparats sind. Das Moskauer "Zentrum für Journalismus in Extremsituationen" veröffentlichte bereits 2003 einen Bericht, in der sie die These vertrat, dass die kremltreuen Stimmen im Internet offenbar oftmals vom Geheimdienst gesteuert und regelrechte "Brigaden" am Werk seien.
Die drei Autoren der Studie "Das virtuelle Auge des großen Bruders" untersuchte Indizien wie Semantik, Verlauf und technische Details der Einträge. Ihr Fazit: Die Wortwahl und Stilistik der einzelnen Einträge stimmen weitgehend überein, zudem sei das Strickmuster der Kommentare meist ähnlich.
Die Verurteilung von jeder Kritik als Werk des "Feindes", eine militarisierte, oft obszöne Sprache, die persönliche Diffamierung von Widersachern, die Anwendung von Propagandamethoden wie das sofortige Ablenken von wirklich heiklen Themen sowie Chauvinismus und eine sehr spezifische Gedankenwelt zeigten, dass die Verfasser in allen Foren identische Methoden der Beeinflussung nutzen. Der KGB, die UdSSR und Putin werden, so die Autoren, um jeden Preis verteidigt. Die "ideologische Brigade" sei rund um die Uhr am Werk, auch liberale Einträge in den Nachtstunden würden sofort erwidert.
- taz.de