Ich finde es zwar bezeichnend, wer da so alles Mitglied war, viel schlimmer finde ich aber Hetzer, die sich heute das Gewand des Moralapostels überstülpen, in Wahrheit aber das gleiche Gedankengut predigen, nur dieses Mal auf die Moslems bezogen.
Am großen NSDAP-Outing hat er keine Freude: Der Dramatiker Rolf Hochhut verteidigt seine Altersgenossen Walser, Lenz und Hildebrandt. Das Loblied könnte ein Schwanengesang sein: Die intellektuelle Generation 60 plus tritt ab - aber keineswegs still und heimlich.
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...495041,00.html
Ich finde es zwar bezeichnend, wer da so alles Mitglied war, viel schlimmer finde ich aber Hetzer, die sich heute das Gewand des Moralapostels überstülpen, in Wahrheit aber das gleiche Gedankengut predigen, nur dieses Mal auf die Moslems bezogen.
Endlich mal wieder ein Artikel, der in seiner Wahrhaftigkeit das politische Gewissen berührt.
Ich selbst bin Jahrgang 1955 und habe in den frühen 60er und 70er Jahren die Verlogenheit dieser Gesellschaft erlebt und wie die Nazis demokratisch wurden. In den 80ern gewöhnte ich mich daran, in den 90er wunderte ich mich über nichts mehr. Jetzt im neuen Jahrtausend werde ich wieder aufmerksamer.
Es ist, als würde man Moraltheologen vorhalten, dass sie als Ministranten onaniert und später nie darüber geredet haben.
Ja, es ist wirklich einfach, anderer Leute Vergangenheit zu bewältigen. Vielleicht sollten sich diese Bewältiger besser einmal um unsere faschistische Zukunft kümmern.
Es macht Spaß und kostet wenig, anderer Leute Vergangenheit zu bewältigen.
Damit hat Broder alles gesagt. Und schön beschrieben. Auch wenn er wie immer ein wenig übertreibt ;-)
Es ist wohl eher eine gewaltige "Verharmlosung" Sätze wie.. mit der Tätigkeit der Nazis gleichzustellen.Es ist, als würde man Moraltheologen vorhalten, dass sie als Ministranten onaniert und später nie darüber geredet haben.
Aber, ist es nicht Tradition das man die Fehler von Gestern nur zu schnell unter den Teppisch kehrt? Sind nicht ganz schnell in Deutschland die Beamten die unter den Nazis dienten wieder in Amt und Würden gekommen?
Beziehen nicht die Stasi-Agenten heute offiziell Rente? -
Sollte nicht die Aufarbeitung der Stasidokumente und der IM's jetzt schon beendet werden?Zitat von Humanistische Union/Die nationalsozialistische Vergangenheit des Bundeskriminalamtes und die Folgen bis in die Gegenwart
Deutschland hat einen extremen Drang dazu, nicht nur Fehler in seiner Geschichte gleich in gigantischem Ausmaß zu machen, sondern danach gleich wieder die selben Leute, an die selben Führenden Stellen zu setzen - und das dann für ein halbes Jahrhundert unter dem Tisch verschwinden zu lassen.
Ich denke nicht es liegt an der nächsten Generation das es so lange dauert, sondern schlicht und einfach daran das das Verstecken des Unheils was man angerichtet hat, und die Personen die daran beteiligt waren ziemlich gründlich oft waren.
Diese Seilschaften des sich gegenseitig deckens fliegen eben erst auf, wenn einige sterben, und damit oft genug Hinweise auftauchen oder wichtig werden die die anderen belasten.
Und es klingt auch kaum überzeugend nach einem halben Jahrhundert dann die "bösen" anderen reduzieren auf.
Es mag Leute gegeben haben die durch Zufall, oder durch reinen Gesellschaftlichen Druck die Nazis unterstützt haben, aber offensichtlich war H. Hochmut sich zeit seines Lebens dessen bewußt das er nicht reines Opfer war, sondern ihm hier ein solcher Vorwurf jederzeit zu machen wäre."Man hat uns satt, wir waren zu lange da!", sagte er, schimpfte auf die "jungen Leute, die heute in den Akten wühlen" und die Generation, "die ein so fabelhaft reines weil niemals benutztes Gewissen hat".
Wer auf dem "Gewissen" der anderen besteht, der sollte ein reines haben. Und vieleicht sollte man dann ein wenig kleinlauter sich äussern über das Gewissen anderer.
Da hilft es auch nicht, die nächste Generation die mal für dieses, mal für jenes gekämpft hat, und sicherlich auch einiges übersehen hat verantwortlich zu machen.
Das wirklich schlimme ist, das leider der Protest gerade in Deutschland keine Kultur hat. So wird wieder aktuell hin und her diskutiert, inwieweit man das GG verbiegen soll - das gerade aus den Erfahrungen des 3 Reichs entstanden war, und ein Bollwerk gegen den Missbrauch der Staatmacht darstellen sollte.
Würden die Menschen in Deutschland früher genau zuhört haben, was ihnen da als Moral, als Notwendigkeiten, als Sicherheitsbedürfnis oder sonstigen Wirtschaftlichen Notständen vorgesetzt wurde von der Politik, und entschieden dagegen angegangen sein, dann hätte dann wäre die Geschichte D. anders wohl verlaufen.
Vielleicht sollte man immer aktuell in der Zeit wo man lebt dagegen vorgehen, was schiefläuft, wo die Macht in die Falschen Hände gerät, wo man falschen Versprechungen vertraut und wo man die Freiheit gegen Sicherheit eintauscht, dann braucht man sich auch 50 Jahre danach nicht zu schämen, muss sich nicht 50 Jahre mit einem schlechten Gewissen durch die Zeit schlagen.
Hochhut hat recht, wenn er diesen Sensationsjournalisten seine Meinung geigt. Da ist Hocus-Focus nicht besser als Stern oder Bunte, denen ja andere Promi-Objekte inzwischen gerichtsmäßig entzogen wurden. (Herr Diekmann von der Bildzeitung sagt wenigstens ganz offen, dass er hauptsächlich Kampagnenjournalismus betreibt.) Immerhin hat Herr Broder in seinem Artikel zum Schluss noch die Kurve gekriegt und die Prioritäten wieder einigermaßen zurechtgerückt.
Dass es aber leider heute in Deutschland mit achtbaren Schriftstellern jüngerer Generationen so bescheiden bestellt ist, mag auch an dem verbreiteten Desinteresse an seriöser Literatur überhaupt liegen.
Sonderweg?
Herr Hochhuth hat insofern Recht, als sicherlich sehr viele, gerade der jungen Neuzugänge zur NSDAP nichts von irgendwelchen Vernichtungslagern wussten.
Aber: Der Geist, die Idee, das Rassistische Gedankenkonstrukt, aus der heraus Konzentrationslager eine logische Konsequenz sind, diese kannten sie sehr wohl und diese bejahten sie wenigstens soweit, als dass sie, auch wenn sie "eingetreten wurden", als zumindest in dieser Hinsicht von denen, die die Entscheidung über die Mitgliedschaft oblag, als unbedenklich oder linientreu eingestuft wurden.
Die Karteikarten sind ein Stück Geschichte - sie dienen auch dazu die Vorgänge und Mechanismen wärend dieser Zeit zu rekonstruieren.
Herr Hochhuth hat Recht, wenn er sat, dass es nach dem Krieg niemanden interessiert hat, ob jem. bei der NSDAP in den hinteren Reihen dabei war, solange dieser nicht aktiv an Kriegs- oder Menschenrechtsverbrechen beteiligt war bzw. dazu siknifikant beitrug.
Das Problem ist ein Problem unserer heutigen Zeit - eine Generation, die ein paar Vertreter hat - wie z. B. Walrfaf, Hildebrandt usw... die sich zu oft als "Gewissen der Nation" aufspielten und wo sie können, immer noch aufspielen - anstatt wie viele einfach ruhig zu sein oder freundlich, höflich und leise sich bei vielen wichtigen Fragen zu beteiligen.
Nein, es geht um die, die wie Herr Hochhuth, der nur "Pimpf" war, sich masslos aufregen, völlig überzogen unhöflich ihre schlechte Kinderstube beweisen und dabei auftretena, sl ob ihr Standpunkt der einzig möglich richtige sei - Lweute wie Herr Hochhuth, die in diesen gespräch wie im Artikel verklinkt vor allem durch eines Glänzen:
Durch das sich in sich selbst sonnen - Gewissen? Hochhuth scheint vor allem ein Ge-Wissen von sich selbst zu haben - und da drinnen sich allzugerne zu sonnen.
Diese schreienden Pseudointellektuellen und moralischen Steinewerfer kann man mit solchen Enthüllungen wie den Karteikarten und der NSDAP-Mitgliedschaft ja überhaupt nur treffen - eben weil sie nach Aussen bewusst das Bild des lupenreinen Übermoralisten versuchen zu verkörpern.
Desjenigen, der schon immer im Widerstand gewesen wäre - nur es nie war. Von den vielen aufrechten, tapferen echten Widerständlern, die es aus dieser Generation ebenfalls gab, hört man nichts - denn weder Tapferkeit noch moralische Integrität ist für eine Karriere als pseudointellektuelle Gewissen der Nation föderlich.
Das wird lustig werden. Gerechtigkeit braucht eine Weile, um sich zu entfalten. Es macht Spaß und kostet wenig, anderer Leute Vergangenheit zu bewältigen. Aber irgendwann muss man sich dem eigenen Beitrag zur Geschichte stellen. Die Ankläger von heute werden die Angeklagten von morgen sein.
Ich bin nun wirklich kein Anhänger von Herrn Broder, aber hier trift er den Nagel auf den Kopf. Und übertreibt keineswegs.
Es gibt hierzulande längst eine Kultur des "reinen Gewissens", die vorzugsweise von 40-60-Jährigen betrieben wird und in der das scheinempört-erschrockene "Wie konnten Sie nur?" den Leitsatz darstellt.
Daß die Protagonisten dieser "Enthüllungs"-Kampagnen ihr ach so reines Gewissen ausschließlich der Gnade der späten Geburt verdanken und der Tatsache, in einem demokratischen Staat aufgewachsen sind, wird nur zu gern verdrängt.
TK
Schön geschrieben Herr Broder! Das Schlimme ist nur, wenn diese Generation abtritt, dann eigentlich nur in Form eines schwarzen Lochs, dass sämtliche Restbestände an Geist ins Nichts zu reißen droht. Denn das, was da an jüngeren Geistesgrößen in diesem Land herumläuft besitzt eher das Format eines Partikels.
Der moralische Imperativ, der hier eingefordert wird, ist nur ein Beweis für die eigene Armseligkeit.
Es gab mal eine Zeit, da habe ich wirklich geglaubt, dass die Kleingärtnermentalität in diesem Lande endlich überwunden wäre. Aber täglich werde ich eines Besseren belehrt...