EnBW-Deal: Mappus nahm offenbar Verfassungsbruch in Kauf

DPADer undurchsichtige EnBW-Deal bringt Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus erneut in die Bredouille. Der frühere Rechtsberater des Landes Baden-Württemberg hat dem Politiker in entscheidenden Punkten widersprochen - der habe die Verfassungsprobleme bewusst in Kauf genommen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...828758,00.html
  1. #30

    Zitat von rainer_daeschler Beitrag anzeigen
    Allerdings befanden sich bereits zur Zeit des Aktienkaufs die Kurse der drei großen Börsen notierten Energieversorger in einem leichten, aber kontinuierlichen Sinkflug. Die Unternehmen waren nach wie vor profitabel, doch die Aussichten für die Zukunft auf Gewinnsteigerung auf Grund sich anbahnender veränderter Rahmenbedingungen schlecht. Der Kauf der Aktien war auch ohne Fukushima und die Reaktionen darauf nicht der große wirtschaftliche Wurf, als den er vor der Landtagswahl dem Bürger in Baden-Württemberg verkauft werden sollte.
    Richtig!

    Und zum Zeitpunkt des EnBW-Deals war deren Aktie schon unter 36,-€ angekommen, ohne dass es einen absehbaren Grund für eine Trendumkehr gegeben hätte.

    http://shchart.finanzen.net/cst/Fina..._dp_threeyears
  2. #31

    UA an der Nase herumgeführt

    Zitat von Flari Beitrag anzeigen
    Und zum Zeitpunkt des EnBW-Deals war deren Aktie schon unter 36,-€ angekommen, ohne dass es einen absehbaren Grund für eine Trendumkehr gegeben hätte.
    Mappus verkaufte im Untersuchungsausschuss den lange anhaltenden Kurs um die 41,50€ nach dem Aktienkauf als Beweis, wie richtig er mit dem Geschäft lag. Der entstand allerdings durch den Kaufpreis (40 €), dem Ausgleich der Dividende 2010 (1,50€), die im April 2011 nach der Hauptversammlung zur Auszahlung kam und dem laut Aktiengesetz zu machenden Übernahmeangebot an die anderen Aktionäre. Damit war der Handel der Aktie faktisch ausgesetzt und der Kurs orientierte sich nicht mehr am Markt, sondern daran, was das Land BW anderen Aktionären für die Aktie zahlen musste. Keiner im Untersuchungsausschuss griff das auf. Frechheit siegt eben.
  3. #32

    ...

    Zitat von rainer_daeschler Beitrag anzeigen
    Keiner im Untersuchungsausschuss griff das auf. Frechheit siegt eben.
    Da wundere ich mich auch. Offensichtlich sind die Abgeordenten nur fähig, vorbereitete frage zu stellen.

    Z.B. die Behauptung von Mappus, dass der Aktienkurs (=Kaufpreis) in die Höhe geschossen wäre, falls der geplante Deal vorab bekannt geworden wäre.
    Ist doch nicht gerade das Optionsgeschäft (=vorvertragliche Festlegung des Kaufpreises unabhängig des späteren Börsenkurses) nicht das Kerngeschäft von Investmenbanken? Wenn Notheis diesen Weg nicht kennt, sollte sein Arbeitgeber ihn umgehend feuern.
  4. #33

    Märchenstunde für die Abgeordneten

    Zitat von RealSatiriker Beitrag anzeigen
    Z.B. die Behauptung von Mappus, dass der Aktienkurs (=Kaufpreis) in die Höhe geschossen wäre, falls der geplante Deal vorab bekannt geworden wäre.
    Ist doch nicht gerade das Optionsgeschäft (=vorvertragliche Festlegung des Kaufpreises unabhängig des späteren Börsenkurses) nicht das Kerngeschäft von Investmenbanken? Wenn Notheis diesen Weg nicht kennt, sollte sein Arbeitgeber ihn umgehend feuern.
    Darüber, dass Notheis diesen Weg kennt, da würde ich mir keine Sorgen machen. Diese Erklärung ist auch eher für die in Wirtschaftsfragen unbedarften Abgeordneten gedacht. In den Fraktionen tummeln sich zwar die "Wirtschaftspolitiker", doch die betrachten sich bereits als solche, wenn sie die Nähe der Wirtschaft suchen.

    Ein Aktienhandel wäre, anders als im Außenbörsenhandel, gar nicht durchführbar gewesen. Die 10% Streubesitz verminderten sich auch noch um die Aktienpakete einzelner Kommunen, die sich nicht der OEW angeschlossen hatten. Die Aktien erst mal auf den Markt zu werfen (Kurs sinkt) und das Land kauft sie wieder zusammen (Kurs steigt), wäre für beide Seiten eine unberechenbares Abenteuer geworden. Auch die Nachricht eine Direktverkaufs hätte für Streubesitzer nur kurze Erwartungen auf Kurssteigerung wecken können. Der einzige Aktionär, der sich dafür hätte interessieren können, um seine Mehrheit auszubauen, das war die OEW. Doch deren Einvernehmen musste Mappus sowieso erst einmal einholen, da er ohne deren Verzicht auf ihr Vorkaufsrecht den Aktienkauf gar nicht hätte durchführen können. Ohne Schulterschluss der beide zukünftigen Großaktionäre war der Weg also verbaut.

    Kein anderer Aktionär, oder Investor von außen, hätte mit Aktienkäufen aus dem Steubesitz einen maßgeblichen Einfluss bei der EnBW gewinnen können. Neben "der Russe kommt" war dies das zweite Märchen, was den Abgeordneten einen Dringlichkeitsbedarf auf dem Niveau "Gefahr in Verzug" vorgaukeln sollte.