gelebt, gabs Karl der Grossen, ist die Erde eine Scheibe, gibts den Mann im Mond!?
War Shakespeare nur ein Depp? Mit "Anonymus"*entflammt die Debatte um die Autorschaft seiner Werke neu. Spannender als der Streit darum ist jedoch der Krimi-Plot in Roland Emmerichs Mantel-und-Degen-Thriller - mit einer großartigen Vanessa Redgrave als Urmutter aller Queens.
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,796470,00.html
gelebt, gabs Karl der Grossen, ist die Erde eine Scheibe, gibts den Mann im Mond!?
Es ist vor allem peinlich, daß Emmerich die vor allem in den 1920ern aufgekommene These von einer angeblich zweifelhaften Autorenschaft Shakespeares aufgreift und daraus nun einen Film macht.
Der Kern des Zweifelns an der Autorenschaft der Shakespeare Werke war und ist immer schon der antidemokratische Reflex gewesen: Es ging dabei nie darum, daß ernsthafte Zweifel bestünden, denn die gab und gibt es nicht, sondern es ging darum, daß sich das kulturelle Establishment nicht mit der Vorstellung abfinden konnte, daß ein Aufsteiger aus der Provinz, der nicht zu Oberschicht gehörte, Großbritanniens bedeutendster Dichter und Dramatiker war und deshalb wurde Zweifel streute wo keine waren.
Kurzum: die Behauptung Shakespeare sei nicht der Autor war nie eine ernstzunehmender Zweifel an der Autorenschaft, sondern war eine politische Aussage für die ständische Gesellschaft und gegen die Demokratie.
Dass William Shakespeare von Joanne K. Rowling beeinflusst wurde, hat doch schon der Doktor bewiesen...
Das ist nicht peinlicher, als radioaktiv mutierte Superechsen oder spontan beschleunigter Kontinentaldrift durch Veränderung der Eigenschaften des Sonnenwindes bzw. der Neutrinostrahlung (interessanterweise wurde die Überlichtgeschwindigkeit nicht vorhergesagt..).
Ich frage mich nur, wo bei diesem Film das Potenzial der Zerstörung amerikanischer Großstädte ist.
Seit wann wird einem Regisseur verübelt, sich mit einem aufgeladenen Thema auseinanderzusetzen? Das ist geradezu seine Pflicht. Die Aufregung um Emmerich ist reichlich albern. Wenn man sich Literatur nur autorenzentriert nähert und Säulenheilige wie Shakespeare als unantastbare Überfiguren begreift, ist viel verschenkt und nichts gewonnen.
Soll Emmerich doch spekulieren - die Werke bleiben die gleichen, sie zu lieben oder abzulehnen braucht es keines biografischen Hintergrundwissens wie bei vielen anderen.
Die Behauptung, die tatsächliche Autorenschaft Shakespeares in Frage zu stellen sei antidemokratisch, ist - mit Verlaub - lächerlicher Blödsinn.
Emmerich ist ein großartiger Regisseur, perfektes Popcorn-Kino ist eine komplizierte Sache. Wer ihn dafür verachtet und ihm seriöse Filme deshalb nicht gönnt, hat von der Unschärfe zwischen Kunst und Handwerk nicht allzu viel verstanden.
Ich habe im papiernen SPIEGEL einen schöneren Text über den Film gelesen als es dieser etwas unentschlossene und schwachbrüstige Artikel ist. Lars-Olav Beier spiegelt darin die Aufregung in den USA und UK wieder (natürlich: der britische Guardian verwies auf die NS-Vergangenheit der Babelsberger Filmstudios). Und er schließt völlig richtig mit den Worten:
Es ist doch alles nur ein Film.
Viel schlimmer noch: Emmerich hat bereits bewiesen, dass er es mit der historischen Genauigkeit nicht so ganz ernst nimmt. Er hat z.B. einen Film über 2012!! gedreht, obwohl viele Menschen wissen, dass dieses Jahr noch gar nicht angefangen hat. Oder nehmen wir Independence Day: Einige Menschen auf der Erde wissen ganz genau, dass die massiven Zerstörungen der von Emmerich behaupteten Angriffe auf die Erde gar nicht stattgefunden haben. Und jetzt Shakespeare.
Emmerich ist ein Scharlatan! [sarkasmus off]
;-) sie wissen aber schon, wie sich ein Film wie "Anonymus" auf die populäre Sichtweise auf Shakespeare vermutlich auswirken wird. Von daher sind Vergleiche mit den anderen Filmen des Herren zwar nett, aber haben wenig mit der zu erwartenden Anonymus Rezeption zu tun...
...es ist nicht wichtig, aber es ärgert mich zutiefst, daß dieser antidemokratische Schmarrn von Herrn Emmerich ausgegraben wird.