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Emmerich-Film "Anonymus": Das Spielbergle macht großes Skandaltheater

War Shakespeare nur ein Depp? Mit "Anonymus"*entflammt die Debatte um die Autorschaft seiner Werke neu. Spannender als der Streit darum ist jedoch der Krimi-Plot in Roland Emmerichs Mantel-und-Degen-Thriller - mit einer großartigen Vanessa Redgrave als Urmutter aller Queens.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,796470,00.html
  1. #30

    Zitat von ellereller Beitrag anzeigen
    könnte aber rein theoretisch auch damit zusammenhängen, dass sich Urheberrechte als vererbbare eigentumsähnliche Positionen erst gut hundert Jahre nach Shakespeares Tod entwickelt haben.
    Könnte aber rein praktisch damit zusammenhängen, dass der Shakespeare aus Stratford-upon-Avon bei der Verfassung seines Testaments kaum des Schreibens mächtig war - na ja, als bekannter Schriftsteller hat er wahrscheinlich eine Sekretärin gehabt, die Steno konnte.

    Fleurs
  2. #31

    Zitat von Glossolalia Beitrag anzeigen
    Schauen Sie sich die Diskussion an (können sie in vielen Publikationen zum Thema seit den 1920ern tun) und werfen sie dabei ein Auge auf die politischen Aussagen derjenigen, die eine Autorenschaft Shakespeares in Zweifel ziehen, dann werden Sie Ihre Ansicht meine Aussage sei 'lächerlicher Blödsinn' sehr schnell revidieren...
    Entschuldigen Sie die Korrektur - seit 1857 durch Delia Bacon, die deswegen auch in England (wo sonst?) die Diagnose einer psychischen Erkrankung erhielt - was unsere Mitforisten uns, Emmerich, Kreiler und allen anderen Zweiflern auch gerne zukommen lassen würden. Der Vorteil wäre, dass sich die Psychiatrien mit unvoreingenommenen literarisch Interessierten füllen würden.

    Wer Kurt Kreiler´s Buch ("Der Mann, der Shakespeare erfand", bei Insel), auf dem Emmerichs Film basiert, liest, das mehr historisches Wissen um die Zeit, kombiniert mit akribischer Nachforschung, beinhaltet, als alle "lächerlicher Blödsinn" und "antidemokratisch" postenden Übelkrähen hier jemals in Ihren Köpfen sortiert bekommen werden, wird, wenn er des Nachdenkens mächtig ist, ernsthaft ins Grübeln ob der Autorenschaft eines mittelmäßigen Schauspielers mit ungelenker Handschrift (schon klar, er hatte bereits als unbekannter Schauspieler eine Sekretärin, die Steno konnte) , dafür aber später erfolgreichen Geschäftsmanns und Theaterdirektors, kommen.

    Positiv zu sehen ist, dass hier deutsche Gymnasiasten ("lächerlicher Blödsinn") und deutsche Linke ("antidemokratisch") auf einer gemeinsamen Schiene zusammen kommen.

    Allerdings sollten sich diese Heroinen und Heroen der gymnasialen Geisteskultur Gedanken darüber machen, warum ausgerechnet bei Shakespeare schon lange Zweifel an der Autorenschaft des aus Stratford-upon-Avon Kommenden auftraten - selbst über Walther von der Vogelweide, der in bei weitem früheren und undokumentierteren Zeiten lebte und schrieb, wird derartiges kaum angenommen. Dass immer wieder Francis Bacon, Sir Walter Raleigh, Edmund Spenser oder Christopher Marlowe, ja sogar der Laudator des angeblichen Autoren, Ben Jonson als mögliche "Shakespeares" genannt wurden, who cares. Und nun auch noch Edward deVere, 17. Earl of Oxford, ein undemokratischer höfischer Lüstling von Elisabeth I. - der spinnt doch, der Emmerich!

    Unbedeutende Geister wie Mark Twain, Henry James, Sigmund Freud, Charles Chaplin und Georg Cantor erlaubten sich ebenfalls Zweifel an der Autorenschaft dessen aus Stratford, was ja den undemokratischen Blödsinn nur bestätigt - waren Freud oder Chaplin etwa habilitierte Literaturwissenschaftler?

    Wenn sich dann noch ein Emmerich, dieser lächerliche Hollywood-Regisseur profaner, dummer und nur daher erfolgreicher Filme, die natürlich der Welt deutscher Kulturbeflissener so fern sind, dass sie sich diese höchstens - so wie sie ihren McDonalds heimlich zu Hause essen und empört abstreiten, jemals einen solchen Verrat an der Esskultur begangen zu haben - ebenso heimlich auf ausgeliehener DVD reinziehen, erlaubt, eine der Säulen ihrer Literatur in Frage zu stellen, verwundert es nicht, dass es zum Aufstand der Zwerge kommt.

    Meine Damen und Herren Stratfordianer (huch, was ist das denn, fragen sich jetzt die Meisten der empört Postenden), Sie sind nicht die Elite der sich mit dem Shakespearischen (bleiben wir doch bei dem Begriff - aber nicht bei dem Autor) Werk Beschäftigenden, sondern die denk-unwillige Nachhut.

    Fleurs


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