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Eltern gegen das Turbo-Abi: Lasst meinem Kind mehr Zeit

dapdWann ist die Zeit reif für die Reifeprüfung? Beliebt war das Turbo-Abitur nie, jetzt zeigt eine neue Umfrage: Die meisten Eltern würden ihr Kind lieber neun als acht Jahre aufs Gymnasium schicken. Eine große Mehrheit fordert zudem, die Grundschulzeit zu verlängern.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...854096,00.html
  1. #1

    Anspruchsdenken

    Das kommt schlicht heraus, wenn zu viele Eltern ihr Kind aufs Gymnasium schicken wollen, obwohl ihre Kinder nicht dazu geeignet ist.

    Hinzu kommt beim G8 noch der Kardinalsfehler, dass die Lehrpläne nicht entrümpelt wurden. Warum funktioniert das G8 in Ostdeutschland nahezu reibungslos, während es die zitierten Probleme nur im Westen gibt.

    Ich wäre froh gewesen, wenn ich früher hätte studieren können, und auch früher mein eigenes Geld hätte verdienen können. Ein früheres Abitur hätte mir mehr Zeit für die Dinge gegeben, die ich für sinnvoll erachte, statt mich mit Fächern herumzuschlagen, die weder nützlich oder interessant sind bzw. im Fall des Sportunterrichts sogar schädlich waren. Ausserdem hätte ein früherer Berufseinstieg auch frühere Unabhängigkeit von den Eltern bedeutet. Was ist daran eigentlich so schlimm oder haben wir inzwischen so viele überfürsorgliche Eltern, die ihre Kinder selbst mit Mitte 20 nicht loslassen können?

    Ausserdem, wer früher Abitur macht, hat durchaus auch ein Jahr zusätzlich für Aktivitäten wie Weltreisen, Praktika oder ein freiwilliges soziales Jahr (ich selbst musste damals noch zur Bundeswehr).
  2. #2

    eigentlich ist ...

    ... das G8 eine gute Idee. Aber wie so häufig mit unserer Schulbürokratie wurde gut gedacht und schlecht gemacht.
    1. Die Lehrpläne sind weder vernünftig überarbeitet, noch entrümpelt worden.
    2. Die Schulen sind nicht richtig auf Ganztagesunterrricht eingerichtet
    3. Es wurde viel zu schnell druchgezogen

    Und zu 1 noch konkret: Verzicht auf Religion (wenn überhaupt dann Ethik), Kunst oder Musik alternativ nur für die, die Interesse haben, dito Sport und Verzicht auf Geschichte im bisherigen Sinne
    Stattdessen wesentlich mehr Sozialkunde, Zeitgeschichte und Naturwissenschaften, sowie Platz für AGs
  3. #3

    Bei dem Unterrichtsausfall?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wann ist die Zeit reif für die Reifeprüfung? Beliebt war das Turbo-Abitur nie, jetzt zeigt eine neue Umfrage: Die meisten Eltern würden ihr Kind lieber neun als acht Jahre aufs Gymnasium schicken. Eine große Mehrheit fordert zudem, die Grundschulzeit zu verlängern.

    G8: Eltern lehnen Turbo-Abitur ab - SPIEGEL ONLINE
    Meine 2 Kinder mit Abi wären gerne nur 8 Jahre auf`s Gymnasium gegangen statt 9. Wie sie mir berichteten, waren sie effektiv nur 8 Jahre im Unterricht. Das zusätzliche Jahr war Unterrichtsausfall durch ständig kranke Lehrer.
    In den 60er und 70er Jahren haben viele Jahrgänge wegen der Kurzschuljahre mit 18 ihr Abi gemacht.
    Da gab es allerdings Unterrichtsausfall nur in extremen Ausnahmefällen.

    Ich war jedenfalls froh nach der Ausbildung mit 21 in einem gut bezahlten Beruf starten zu können.
  4. #4

    Die Aufteilung nach der vierten Klasse ist der größte Blödsinn, den sich je jemand ausgedacht hat. In dem Alter kann aus einem Kind noch alles mögliche werden, je nachdem, wie es sich entwickelt. Dennoch wird vor der wichtigesten Veränderung im Leben - der Pubertät - sortiert und über das ganze Leben entschieden. Der Weg von der Hauptschule oder auch nur der Realschule zurück zum Abitur ist aufwändig und langwierig. Was wäre so schlimm daran, die Kinder bis zur achten oder neunten Klasse gemeinsam zu unterrichten. Zu DDR - Zeiten hat das bestens funktioniert, da gab es das Abitur Quasi als "Weiterbildung" im Wortsinne nach der Oberschule. Und auch in den skandinavischen Ländern scheint es wunderbar zu funktionieren. Aber dann müßte man ja vielleicht mal die eigentlichen Probleme des Schulsystems angehen: unfähige Lehrer, haarsträubende Ausfallzahlen, viel zu große Klassen, daraus folgende mangelnde Disziplin und Lernatmosphäre, reines Faktenlernen, schlechte Didaktik, der Zeit hoffnungslos hinterherhängende Technik, miese Gebäude, keine vernünftige Versorgung während des Schultages, viel zu wenig Sport- ,Kunst- und Musikunterricht, teures und didaktisch schlechtes Lehrmaterial. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.
  5. #5

    Teilweise einverstanden

    Zitat von zephyroz Beitrag anzeigen
    ... das G8 eine gute Idee. Aber wie so häufig mit unserer Schulbürokratie wurde gut gedacht und schlecht gemacht.
    1. Die Lehrpläne sind weder vernünftig überarbeitet, noch entrümpelt worden.
    2. Die Schulen sind nicht richtig auf Ganztagesunterrricht eingerichtet
    3. Es wurde viel zu schnell druchgezogen

    Und zu 1 noch konkret: Verzicht auf Religion (wenn überhaupt dann Ethik), Kunst oder Musik alternativ nur für die, die Interesse haben, dito Sport und Verzicht auf Geschichte im bisherigen Sinne
    Stattdessen wesentlich mehr Sozialkunde, Zeitgeschichte und Naturwissenschaften, sowie Platz für AGs
    Bis zum Ende von Punkt 3. kann ich Ihren Beitrag so unterschreiben. Bei Ihrer Konkretisierung zu Punkt 1. wird mir allerdings etwas übel. O.K., Religion sollte nur noch in einer Form unterrichtet werden, bei der Wissen über die verschiedenen Religionen unterrichtet wird, ohne das irgendeine Religion im Mittelpunkt steht (ich bin Atheist, aber das Wissen in Bezug auf die verschiedenen Religionsgemeinschaften gehört einfach zur Allgemeinbildung).

    Entrümpeln der Lehrpläne kann aber nicht heißen, Fächer wie Geschichte komplett abzuschaffen. Aber warum muss nahezu jeder Abiturient im Englisch-Unterricht Macbeth im Originaltext lesen?

    Ich musste das (ist lange her) in der 10. Klasse und in der Oberstufe im Leistungskurs gleich nochmal. Wie ich aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis höre, müssen die armen Abiturienten von heute immer noch.

    Das ist nur ein Beispiel für das Fach Englisch, derartiges Gerümpel (nur in Bezug auf den Lehrplan an Schulen) findet man aber auch in den anderen Fächern zuhauf.
  6. #6

    komisch

    dass laut Spiegel Artikeln regelmäßig die überwältigende Mehrheit der Eltern und der armen Kinder gegen das G8 und für das G9 (am liebsten G10 oder G11) sind. Die Kommentare der Leser sagen dann regelmäßig: Super G8, geh fort mit G9.

    Unsere 2 Kinder in Baden-Württemberg, G8 - Experimental (also vorab eingeführt), haben das jedenfalls ganz prima und ohne jegliches Problem absolviert und studieren inzwischen erfolgreich.
    Ich selbst hätte mich über ein (inhaltsleeres) Jahr weniger damals sehr gefreut und habe den Lahmladen nur durchgehalten, weil es halt ums Abi ging.
  7. #7

    optional

    Die 11. Klasse war schon in den 80ern nutzlos. Ich bin fuer Elitenschulen. Sportfoerderung gibt es ja auch, warum also nicht auch fuer Kinder mit mehr Koepfchen.
  8. #8

    Zitat von Diskutierender Beitrag anzeigen
    Das kommt schlicht heraus, wenn zu viele Eltern ihr Kind aufs Gymnasium schicken wollen, obwohl ihre Kinder nicht dazu geeignet ist.

    Hinzu kommt beim G8 noch der Kardinalsfehler, dass die Lehrpläne nicht entrümpelt wurden. Warum funktioniert das G8 in Ostdeutschland nahezu reibungslos, während es die zitierten Probleme nur im Westen gibt. ...
    Sie erwarten doch nicht ernsthaft, dass Ihnen jemand auf diese Frage eine ehrliche Antwort gibt?

    Ich habe auch ein "G8"-Abitur abgelegt, wenngleich das damals Normalität war und nicht die viel zitierte Ausnahme. Das Problem liegt meiner Beobachtung nach - wie von Ihnen präzise verortet - darin, dass viel zu viele Jugendliche das Abitur ablegen sollen, die oft nicht mal elementarste Anforderungen an einen höheren Schulabschluss erfüllen, nur damit die Abiturquote hoch ausfällt. Das induziert Stress in den betroffenen Familien und hat auch sonst so sehr sehr hässliche Auswüchse. Diese Quotenhatz ist letztlich kontraproduktiv, in Bremen, Bremerhaven und Hamburg gehen mittlerweile die Hälfte (!) aller Schüler zum Abitur, in Bayern hingegen etwa ein Fünftel (was meiner Ansicht nach die richtige Grössenordnung ist).

    Ein deutschlandweites Zentralabitur wäre da sicherlich hilfreich, ist aber vollkommen illusorisch, da die schulische Bildung ulkigerweise in der Kompetenz der deutschen Länder liegt. Und welcher Bildungsminister will sich da schon gern vorführen lassen ... ;-o
  9. #9

    Zitat von fagus Beitrag anzeigen
    Die Aufteilung nach der vierten Klasse ist der größte Blödsinn, den sich je jemand ausgedacht hat. In dem Alter kann aus einem Kind noch alles mögliche werden, je nachdem, wie es sich entwickelt. Dennoch wird vor der wichtigesten Veränderung im Leben - der Pubertät - sortiert und über das ganze Leben entschieden. Der Weg von der Hauptschule oder auch nur der Realschule zurück zum Abitur ist aufwändig und langwierig. Was wäre so schlimm daran, die Kinder bis zur achten oder neunten Klasse gemeinsam zu unterrichten. Zu DDR - Zeiten hat das bestens funktioniert, da gab es das Abitur Quasi als "Weiterbildung" im Wortsinne nach der Oberschule. Und auch in den skandinavischen Ländern scheint es wunderbar zu funktionieren. Aber dann müßte man ja vielleicht mal die eigentlichen Probleme des Schulsystems angehen: unfähige Lehrer, haarsträubende Ausfallzahlen, viel zu große Klassen, daraus folgende mangelnde Disziplin und Lernatmosphäre, reines Faktenlernen, schlechte Didaktik, der Zeit hoffnungslos hinterherhängende Technik, miese Gebäude, keine vernünftige Versorgung während des Schultages, viel zu wenig Sport- ,Kunst- und Musikunterricht, teures und didaktisch schlechtes Lehrmaterial. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.
    Vollkommen d'accord. Eine sechsjährige Primarschule wäre das Mindeste was man sofort tun könnte. Die 5. und 6. Klasse darf dann aber nicht zur Beute von irgendwelchen Eiapopeia-Grundschullehrerinnen werden, die ihr Heil lediglich darin sehen, die Kids mit irgendwelchen Powertasks in Textilem Werken einzudecken. Damit der Nachschub an Topflappen bei Mutti nicht einbricht.

    Mathematik, Physik, Chemie, Basics in Wirtschaftslehre, Web 2.0 for beginners, das sollten die Lerninhalte sein ...

    So kann's gehen.


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