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Electro-Klassiker Tangerine Dream: Richtig gut, dieses Kraut

Claude GassianWir bitten um etwas mehr Respekt: 107 Alben hat die Berliner Band Tangerine Dream seit den siebziger Jahren aufgenommen. Ein neues CD-Set mit alten Klassikern bietet die Chance, die Meister der ausufernden Klänge wiederzuentdecken.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/0...844108,00.html
  1. #10

    goldene 60/70er

    Alpha centauri und Zeit waren meiner ersten Alben überhaupt, die auf einem der ersten "Hifi"-Stereo-Plattenspieler von Dual liefen. Täglich mehrmals. Die damalige Explosion an Kreativität und Stilformen, die bis heute gültig sind ist unglaublich. Das war sicher in hohem Maße ein Ausdruck von friedlicher Rebellion. Es ging durchaus auch gegen bestimmte Dinge, bzw. darum über sie hinaus zu gelangen. Nicht nur im Rock und Funk sondern auch bei psychedelischen Klängen. Kulturell und gesellschaftlich fühlt sich heute alles eher grau und mies an. Der Mainstream hat es aber geschafft alles aufzusaugen und für das Establishment verwertbar zu machen. Erst wenn es genug Menschen gibt, auch junge natürlich, die wieder richtig die Schnauze voll haben, kann es wieder vorwärts gehen. So lange wälzen uns halt weiter in diesem schwarz-gelben Sumpf.
  2. #11

    Musikgeschichte

    "und mit dem "Krautrock" eine Musikrichtung schufen, die gelegentlich als einziger nennenswerter deutscher Beitrag zur Musikgeschichte gesehen wird"
    Lieber Herr Dallach, Sie meinen doch sicher nur die Popmusik der letzten 60 Jahre. Sollte aber ernst gemeint sein, was Sie da schreiben, dann sind Sie nicht ernst zu nehmen, denn es gibt kein anderes Volk, das mehr zur Musikgeschichte beigetragen hat als das unsrige. Ist halt nur etwas länger her.
    TD ist im Übrigen auch in meiner Plattensammlung prominent vertreten, wie auch Bach, Mozart, Beethoven et c.
  3. #12

    Live, bibbernd und in Farbe

    Danke auch von mir für die Würdigung der allerersten Band, die ich überhaupt im Leben "seriös" hörte. Ja genau, ich habe mich nicht mit Dardrock oder Pop musikalisch sozialisieren lassen, sondern mit den elektronischen Klängen von Stratosfear, Phaedra, Atem und Zeit.

    Für die Werke der 1980er konnte ich mich danach eher weniger begeistern. Ob es an den damals neuen, digitalen Synths und ebensolchen Aufnahmen lag oder daran, dass die aus dem Nichts aufgetauchten neuen Künstler (John Foxx, frühere Werke von Gary Numan, erste Sachen von Human League, Cabaret Voltaire…) klanglich ganz ordentlich die Musikkiste durchgeschüttelt haben und die "Alten" plötzlich nichts ähnlich Innovatives zu bieten hatten? Vermutlich gibt es noch weitere Ursachen.

    Dennoch konnte ich es nicht lassen, im Dezember 1983 nach Wroclaw / Breslau zum Konzert von TD zu fahren. Eigentlich wollte ich zum Konzert in Danzig, dieses wäre aber am 13. Dezember fällig gewesen und die Kommunisten die angekündigte und ausverkaufte Veranstaltung kurzerhand verboten, da ihnen das junge historische Datum (drei Jahre zuvor wurde am 13.12. das Kriegsrecht in Polen verhängt) doch zu heiß war, um da noch große Menschenversammlungen zuzulassen ;)

    In Breslau, in der damals traurig heruntergekommenen Jahrhunderthalle, herrschte die Temperatur von minus 13 grad Celsius. In der Halle drin, wohlgemerkt. Immerhin: draußen war es bis minus 27° C. Ein außerordentlich starker Winter.

    Unter diesen Umständen wollte sich eine Stimmung im Konzert nicht wirklich entwickeln, und letzten Endes lief es auf das Abspulen von Sequenzen hinaus. Die Beschallung war nur eines: viel zu laut. Die kalte Luft wollte keine warmen Klänge transportieren, alle bibberten einfach nur… sofern ich mich gut erinnere, gab es kaum bis keine Zugaben. Das soll in anderen Städten anders gewesen sein.

    Oder lag es einfach an dem Geist der Jahrhunderthalle? Zwar ist das Gebäude herrlich expressionistisch, war aber seinerzeit dem "GröFaZ" nicht "entartet" genug, und so hielt der Diktator dort einige seiner Reden. Irgendwie bleibt so ein Mist in den Wänden hängen…
  4. #13

    Smoke on the Niederreihn

    Bin damals mit meiner Freundin zu einem Open Air Konzert
    gefahren. Tangerine Dream spielte und alle waren Brüder u.
    Schwestern im Träumen und Kiffen. Abends im Zelt kam man
    zusammen und jeder brauchte Batterien. Schließlich ging es
    ja noch weiter mit Grobschnitt.
  5. #14

    Zitat von endbenutzer Beitrag anzeigen
    "Kraftwerk" kann man ganz sicher NICHT zum Krautrock zählen!
    Kommt sehr darauf an, welche Schaffensphase von Kraftwerk wir betrachten.
  6. #15

    Zitat von Christian Hawellek Beitrag anzeigen
    Die ganz frühen Werke erscheinen mir persönlich etwas unausgereift und nicht immer zu Ende gedacht (eine Aussage, die die 3 in der zweiten Hälfte der 70er Jahre wohl ähnlich getroffen hätten)
    Kein Wunder - betraten die TD doch ein ziemliches Neuland. Auch wenn sie es nicht ganz alleine taten. Das war, man verzeihe mir den Ausdruck, ganz offensichtlich Schaffen neuer Werte.

    Wobei das - nicht sonderlich elektronische, dafür alles andere als meditative - Debütalbum "Electronic Meditation" in der Tat eine Art improvisiertes Tohuwabohu darstellt. Hauptsächlich verzerrte Gitarre und tonnenweise Drums/Percussion (getrommelt wird von einem gewissen Klaus Schulze), - das alles wirklich ganz schön laut. Nur zu empfehlen, wenn man auf diese Art "Psychedelic Rock" wirklich steht.
  7. #16

    Na ja

    Zitat von endbenutzer Beitrag anzeigen
    "Kraftwerk" kann man ganz sicher NICHT zum Krautrock zählen!
    Ob man es sollte oder nicht und warum sind gute Fragen. Tatsache ist aber, dass Kraftwerk weltweit zum Krautrock gerechnet wird.
  8. #17

    Zitat von frechd@chs Beitrag anzeigen
    Als Kind der 80er möchte ich noch hinzufügen dass sie für den Titelsong von "Streethawk" zuständig waren, eine nicht all zu erfolgreiche TV-Serie (stark angelehnt an Knight Rider und Airwolf). Hat mich als Kind trotzdem begeistert und der Titelsong ist auch heute noch schön anzuhören.
    Nicht nur das, die Titelmusik zu Knight Rider stammt auch von Tangerine Dream.
  9. #18

    gute alte Synthesizer

    Die besondere Kunst von TD kann man vor allem bei den Live-Einspielungen erleben. Die alten Analogsynthesizer liessen das Abspeichern eines einmal gefundenen Klangs nicht zu, man konnte diesen Klang nur ungefähr wiederfinden, wenn man sich die Stellungen sämtlicher Drehregler etc. auf einer Art Schablone notierte. Die Geräte waren somit ausschließlich für den Studioeinsatz konzipiert, ein Live-Einsatz erfordete ein Höchstmaß an Konzentration und absoluter Beherrschung der Hardware. Erfreulicherweise erleben diese Geräte eine Renaissance da ihre digitalen Nachfolger einen dermaßen "fetten" Sound nicht realisieren können und sind gerade bei jüngeren Musikern, die die "gute, alte Zeit" nicht aktiv miterlebt haben, wieder sehr gefragt. Wie ein anderer Forist bereits anmerkte sind Originale von Moog, ARP oder Oberheim heute extrem rar und teuer aber es gibt einige neuere Firmen, die sich auf den Bau von Analogsynthesizern spezialisiert haben.
  10. #19

    Zitat von Christian Hawellek Beitrag anzeigen
    Zunächst: ohne Zweifel sind die Tangerine Dream Alben der 70er eine Musik, die es danach nie wieder gegeben hat und eigentlich auch nicht mehr geben kann, weil die dazu notwendigen Instrumente so rar und teuer geworden sind, dass es kaum möglich ist, allein das Bühnenquipment von damals aufzutreiben
    Es gibt so einige Gruppen und Musiker die durchaus mit alten Instrumenten die typische Berliner Schule einspielen. Allen vorran sei hier die brittische Gruppe "Redshift" um den Musiker Mark Shreeve genannt. Shreeve, der in den 80ern u.A. Popsongs für Samanta Fox schrieb gibt mit seinen Bandmitgliedern (u.A. Ian Boddy, auch bekannt durch sein Labe "DIN") ein- bis zweimal im Jahr ein Konzert, von denen einige schon auf CD erschienen sind. Vergleichbar am ehesten mit TDs "Rubycon" bringen die Musiker aber auch eigene Konzepte mit ein und, genau wie bei TD, ist von Album zu Album eine Entwicklung zu verfolgen. Das macht es spannend.
    Erwähnenswert ist auch FSP (Free System Project) die mit einem ganz ähnlichen Konzept aufwarten und überwiegend auf ihren Konzerten komplett improvisieren - ganz wie TD in den frühen 70ern. Hier gibt es schon einen umfangreichen CD-Backkatalog.
    Wer dem typtischen TD-Sound der frühen 80er mehr abgewinnen kann, dem sei das Album "Ave" des türkischen multiinstrumentalisten "Can Atilla" wärmstens ans Herz gelegt. Als homage an TD gedacht, bewegt sich Can Atilla so nah am original, dass man meint der Edgar hat unveröffentlichtes Material im Keller gefunden. Sehr Frech und sehr, sehr gut!


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