Wenn Provokation zur Pflicht wird, wird sie langweilig.
Nazis*und Kannibalismus:*Bei einer Aufführung von Elfriede Jelineks Massaker-Stück*"Rechnitz (Der Würgeengel)" in Düsseldorf platzte Zuschauern der Kragen. Sie verließen schimpfend den Saal - ein älterer Herr bespuckte gar die Abendspielleiterin. Der Regisseur sieht's trotzdem gelassen.
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...722648,00.html
Wenn Provokation zur Pflicht wird, wird sie langweilig.
War das dritte Reich dies etwa nicht?
Wie hätten es die Herrschaften denn gerne?
Die Erschießungen zum Nachtisch als lustige Komödie?
Wer sich mit der Thematik nicht auseinandersetzten will, soll ins Schwarzwaldmädel gehen.
Ich finde Jelinek eh blöde und total überbewertet.
Aber das ist meine persönliche Meinung. Dann sollen die
Leute statt ins Theater in Schneewittchen gehen.
Schön, dass es dem Regisseur gelungen ist, Menschen
aufzurütteln.
Ansonsten: Geh mich wek mit Jelinek!
[QUOTE=sysop;6420321]Nazis*und Kannibalismus:*Bei einer Aufführung von Elfriede Jelineks Massaker-Stück*"Rechnitz (Der Würgeengel)" in Düsseldorf platzte Zuschauern der Kragen. Sie verließen schimpfend den Saal - ein älterer Herr bespuckte gar die Abendspielleiterin. Der Regisseur sieht's trotzdem gelassen.
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...722648,00.html[/QUOTE
wuerden sie nicht geschrieben oder aufgefuehrt, vermisst kein Mensch, es sei denn er ist abartig veranlagt. Zur Vergangenheitsbewaeltigung taugen sie auch nicht. Die ist abgeschlossen. Aber es ist auch ein Geschaeft. Frau Jelinek schreibt ja nicht umsonst. Und vielleicht kann man mit morbiden Inhalten noch etwas mehr verdienen.
...haben wir offensichtlich VIEL zu viel.
Wenn irgendwelche Regisseure glauben, Stücke gnadenlos am Besucher bzw. Kunden vorbei verhuntzen zu können, sollten sie das auf Rechnung des Theaters tun und nicht auf Steuerzahlerkosten.
Die Kunst ist frei - aber dafür dass hier Leute am guten Geschmack und am Markt vorbeiproduzieren will ich keine Steuern zahlen.
Es ist erschütternd wie schwer es ist, selbst in größeren Städten in ein nicht allzu modern (d.h. massiv geändert), nicht depri, nicht 3tes Reich Stück zu gehen.
Nun, zunächst ist das Ganze eine Frage des guten oder eher schlechten Geschmacks. Das kommt bei der Produktion und Rezeption von Kunst immer wieder vor, obwohl man gerade einer Nobelpreisträgerin etwas mehr Stilsicherheit zutrauen darf (falls die morbiden Ideen tatsächlich auf sie zurückgehen). Aber sei's drum.
Anders verhält es sich mit der Methode des Psychologisierens: Die Öfen der Vernichtungslager waren noch gar nicht ganz kalt, da begann die Mythenbildung, solche barbarischen Verbrechen seien nur mit schwersten Geisteskrankheiten der Befehlsgeber und Vollstrecker zu erklären. Meines Wissens hat bereits Hannah Ahrendt ("Die Banalität des Bösen") damit aufgeräumt; auch in der Literatur gibt es namhafte Vertreter, die mit dieser Dämonisierung gründlich aufgeräumt haben (z.B. Robert Merle, Heinar Kipphardt). Aber offensichtlich ist das kein Grund, diesen abgestandenen, kalten Kaffee immer von neuem anzubieten. Kein Wunder, wenn dann Zuschauer beginnen, auszuspucken.:-(((
... dass diverse user eine meinung zu dem stück, der inszenierung und zu kunst allgemein haben, obwohl sie vermutlich das stück nicht gelesen haben und die inszenierung nicht gesehen haben... der spiegel schweigt sich zur "kannibalismusszene" ja auch nur aus. hauptsache ein skandal wird transportiert, aber worum es genau geht, erfährt man nicht... das ist BILD-journalismus...
ich bin auch kein freund von depri-theater und regisseuren, die mit mitte 60 ihre pubertät noch nicht überstanden haben, eine meinung über diese inszenierung möchte ich mir dann aber doch nicht erlauben, zu bilden.
zur theater- oder kunstförderung generell:
die kunstförderung ist NICHT da, um dem volk nach dem maul zu inszenieren, sondern unabhängige kunst zu machen. im gegensatz zu den öffentlich rechtlichen fernsehanstalten kommen zum glück viele theaterhäuser dieser aufgabe nach.
wer kunst will, die nicht wehtut, muss sich die DVDs zu peter steiners theaterstadl besorgen und nicht wissentlich in einstück von jelinek gehen.
Kunst, die dem Massengeschmack und dem Markt entspricht, bedarf KEINER Förderung, die verdient ihr Geld selbst. Das sieht man an den Tournee-Theatern, an den Musical-Palästen und an Konzertveranstaltern wie dem niederländischen Geiger mit seinem Bombastorchester.
Außerdem hätten Sie bei aufmerksamem Lesen festgestellt, dass die aktuelle Aufführung eben nicht verhunzt, verändert oder gekürzt ist, sondern dem Original der Autorin im Umfang und Inhalt entspricht.
Und so etwas wie einen guten Geschmack gibt es nicht, es gibt nur den jeweils eigenen, den jeder für sich und nur für sich hat. Geschmack ist nie gut oder schlecht, sondern höchstens dem eigenen mehr oder weniger oder eben gar nicht entsprechend. Deshalb aber jeden abweichenden Geschmack als schlecht zu diffamieren, löst das Risiko aus umgekehrt genauso abgetan zu werden.
Bei einem Stück, das von den Abgründen der Menschlichkeit handelt, guten Geschmack einzufordern ist nicht angebracht und zusätzlich bedenklich. Gerade bei Jelineks Stücken ist die Vergangenheit nur ein Versatzstück, das dazu dient die Aspekte des Menschseins darzustellen, auszuloten und uns nahe zu bringen. Die Reaktion der Zuschauer zeigt, dass dies gelungen ist. Es ist ihnen sogar so nahe gegangen, dass sie die Betroffenheit nicht mehr ausgehalten haben.
Ich will jetzt niemand, der aus der Aufführung geflüchtet ist oder erregt darauf reagierte, etwas unterstellen, aber die Betreffenden sollten sich fragen warum es ihnen so nah ging. War es Ekel? Wieso keine kühle Distanz des Betrachters? Es ist doch nur Theater, nimmt stirbt wirklich, kein Mensch wird gefressen. Wie René Magritte es ausdrückte, ceci n'est pas une pipe.
Oder war es gar das Gefühl die eigenen Abgründe gezeigt zu bekommen, die eigene dunkle Seite, den Spiegel vorgehalten zu bekommen? Diese dunkle Seite hat jeder in sich, es bedarf einer zivilisierten Sozialisation um sie zu bändigen und nicht real werden zu lassen. Wer ihre Existenz leugnet läuft Gefahr sie unmerklich real werden zu lassen. Da sind Theaterstücke wie dieses ein willkommener Weckruf, der von viel mehr Menschen gehört und gesehen werden sollte. Damit verhält es sich wie mit dem Klingeln eines Weckers, ist es zu melodiös, vertieft es den Schlaf, statt ihn zu brechen.
Schon morgen kann es juristisch als "offenkundig" gelten, dass es sich bei dem Stück um wiedergegebene historische Tatsachen handelt, dann dürfen Sie es nicht mehr leugnen oder vergleichen, geschweige den kritisieren. Denn: Was drauflegen geht immer.