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Eklat bei Jelinek-Aufführung: Regisseur rechtfertigt Kannibalen-Szene

Nazis*und Kannibalismus:*Bei einer Aufführung von Elfriede Jelineks Massaker-Stück*"Rechnitz (Der Würgeengel)" in Düsseldorf platzte Zuschauern der Kragen. Sie verließen schimpfend den Saal - ein älterer Herr bespuckte gar die Abendspielleiterin. Der Regisseur sieht's trotzdem gelassen.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...722648,00.html
  1. #10

    markt

    Zitat von Ares Skye Beitrag anzeigen
    ...haben wir offensichtlich VIEL zu viel.

    Wenn irgendwelche Regisseure glauben, Stücke gnadenlos am Besucher bzw. Kunden vorbei verhuntzen zu können, sollten sie das auf Rechnung des Theaters tun und nicht auf Steuerzahlerkosten.

    Die Kunst ist frei - aber dafür dass hier Leute am guten Geschmack und am Markt vorbeiproduzieren will ich keine Steuern zahlen.

    Es ist erschütternd wie schwer es ist, selbst in größeren Städten in ein nicht allzu modern (d.h. massiv geändert), nicht depri, nicht 3tes Reich Stück zu gehen.
    Habe auf das "unsere Steuergelder"-Argument gewartet.

    Die Kunst ist also frei, soll aber doch bitte für den "Markt" und "den Kunden" produzieren?
    Gott sei dank gibt es in diesem Land noch Lebensbereiche, die NOCH nicht in dieser unerträglichen BWLer-Logik durchökonomisiert sind.
    Reicht euch nicht das Privatfernsehen? Da wird brav nach Quote das produziert, was der Zuschauer sehen will.
  2. #11

    Woyzek

    Zitat von tadamtadam Beitrag anzeigen
    ... dass diverse user eine meinung zu dem stück, der inszenierung und zu kunst allgemein haben, obwohl sie vermutlich das stück nicht gelesen haben und die inszenierung nicht gesehen haben... der spiegel schweigt sich zur "kannibalismusszene" ja auch nur aus. hauptsache ein skandal wird transportiert, aber worum es genau geht, erfährt man nicht... das ist BILD-journalismus...

    ich bin auch kein freund von depri-theater und regisseuren, die mit mitte 60 ihre pubertät noch nicht überstanden haben, eine meinung über diese inszenierung möchte ich mir dann aber doch nicht erlauben, zu bilden.

    zur theater- oder kunstförderung generell:
    die kunstförderung ist NICHT da, um dem volk nach dem maul zu inszenieren, sondern unabhängige kunst zu machen. im gegensatz zu den öffentlich rechtlichen fernsehanstalten kommen zum glück viele theaterhäuser dieser aufgabe nach.

    wer kunst will, die nicht wehtut, muss sich die DVDs zu peter steiners theaterstadl besorgen und nicht wissentlich in einstück von jelinek gehen.
    Peter Steiners DVD kann auch weh tun, aber auch überkandiedelte
    Intellektuellen - Konzept - Kunst kann Weh auslösen.
    Gutes Theater bedient das Publikum im Endeffekt menschlich.
    Der grösste Schocker aller Zeiten, sind immer noch die Killerwege.
    Selbstverständlich kann man sich vorstellen, dass bei der organisierten Kriminellenvereinigung der Nazis, dieser Hassmaschine,
    per Gesetz das Töten verordnend, ja wie denn, von der Knarre bis
    zur Gaskammer, Kanibalismus wäre für die unteren Kader
    zum Einsatz gekommen, Lampenschirme aus Menschenhaut wurde
    bereits produziert.
    Es ist und war Kalkühl, zwecks Macht ansichreissen, Weniger über alles.
  3. #12

    die Reaktionen

    Also mich beruhigt die Reaktion dieser Zuschauer zutiefst.Wenn eine derartige Zurschaustellung von Gewalt einen so tiefen Ekel auszulösen im Stande ist, gleichgültig, ob dass nun der Ekel vor der eigenen Gewaltätigkeit ist oder nicht, dann gibt mir das wieder ein Stück vertauen in die Menschen hier zurück. Ich sehe da schlicht eine provozierte Ehrlickeit, über die man sich auch freuen kann.
  4. #13

    Zitat von avollmer Beitrag anzeigen
    Kunst, die dem Massengeschmack und dem Markt entspricht, bedarf KEINER Förderung, die verdient ihr Geld selbst. Das sieht man an den Tournee-Theatern, an den Musical-Palästen und an Konzertveranstaltern wie dem .....
    Das hätten Sie gerne, was? Subtil die empörten Zuschauer als verkappte Kannibalen zu bezeichnen um damit eine Rechtfertigung für Jelineks eigene perverse Gedankenwelt als Weckruf zu basteln. Man kann durchaus empört sein, ohne eine geistige Nähe zu der Ursache der Empörung zu empfinden. Oder würden Sie den beiden berufsempörten Frauen Künast und C. Roth (oder nehmen Sie irgendwelche anderen häufig empörten Menschen) ebenfalls eine heimliche Nähe zu den Themen unterstellen, derentwegen sie ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen? Für mich stellen sich solche Aufführungen als berechnete, aufmerksamkeitsheischende Provokation dar. Und im Falle der eigentlichen Urheberin, Frau Jelinek, vermute ich schlicht eine abnorme Freude daran, Andere zu schockieren.
  5. #14

    Informieren geht über Brüskieren

    Vielleicht sollten gewisse Leute VORHER nachlesen, in welches Stück sie da gehen - bestimmt war der spuckende ältere Herr aber ein Abo-Inhaber und hatte zuvor erst den "zerbrochenen Krug" oder Ähnliches gesehen... ;-)
  6. #15

    Empörung und Diskurs

    Es ist erfrischend, dass Theater noch eine solche Empörung auslösen kann. Leider kann ich mir inhaltlich kein Urteil bilden, da ich der Vorstellung nicht beigewohnt habe. Allerdings weiß ich aus anderen Aufführungen, wie sehr mich die Darstellungen teilweise empört haben, dass ich sie als unerträglich geschmacklos empfand und einige Male kurz davor war, den Saal unter Protest zu verlassen. Jedesmal war ich emotional erschüttert ob der Frechheit, die auf der Bühne geboten wurde. Dieses Gefühl wich allerdings jedesmal alsbald der beruhigenden Gewissheit, dass nur so die Kunst- und Meinungsfreiheit ebenso gewahrt bleibt wie der öffentliche Diskurs.

    Es gibt indes keinen Grund, jemanden anzuspucken. Auch nicht, wenn man sich für einen besonders kultivierten und geschmackvollen Theatergast hält.
  7. #16

    Distanz gebrochen

    Zitat von unterländer Beitrag anzeigen
    Das hätten Sie gerne, was? Subtil die empörten Zuschauer als verkappte Kannibalen zu bezeichnen um damit eine Rechtfertigung für Jelineks eigene perverse Gedankenwelt als Weckruf zu basteln.
    Jelineks "perverse Gedankenwelt"? Ich bin kein Fan der Literatur von Jelinek und muss sie hier nicht verteidigen. Aber die perverse Welt ist die des Jahres ´45. Jelineks Deutung des Massakers, die Analogie zum Kanibalismus, ist zwar subjektiv - fernliegend ist sie nicht. Zudem ist es ein gelungener Kunstgriff, um die Distanz zu brechen, die wir in 60 Jahren Geschichtsaufarbeitung aufgebaut haben und die es uns zu leicht macht, uns über die bösen Unmenschen der 40er Jahre zu erheben.
  8. #17

    Die Grenzen nicht überschreiten

    Zitat von andydivine Beitrag anzeigen
    Jelineks "perverse Gedankenwelt"? Ich bin kein Fan der Literatur von Jelinek und muss sie hier nicht verteidigen. Aber die perverse Welt ist die des Jahres ´45. Jelineks Deutung des Massakers, die Analogie zum Kanibalismus, ist zwar subjektiv - fernliegend ist sie nicht.
    Sehr richtig. Man mag mit der Auslegung und Interpretation Jelineks nicht konform gehen. Und dass die Aufführung sicher Diskussionsstoff bieten würde, dürfte wohl vorher jedem klar gewesen sein. Wer trotzdem ins Theater geht, sollte so viel Respekt vor der Kunst- und Meinungsfreiheit besitzen, andere nicht anzuspucken - sei man auch noch so angeekelt von der Darstellung. Da gibt es sicher andere, bessere Wege, will man seiner Empörung Ausdruck verleihen. Auch ein Theater, das nach der Pause leer ist, hinterlässt Eindruck.
  9. #18

    lol

    Zitat von Ares Skye Beitrag anzeigen
    ...haben wir offensichtlich VIEL zu viel.

    Wenn irgendwelche Regisseure glauben, Stücke gnadenlos am Besucher bzw. Kunden vorbei verhuntzen zu können, sollten sie das auf Rechnung des Theaters tun und nicht auf Steuerzahlerkosten.

    Die Kunst ist frei - aber dafür dass hier Leute am guten Geschmack und am Markt vorbeiproduzieren will ich keine Steuern zahlen.

    Es ist erschütternd wie schwer es ist, selbst in größeren Städten in ein nicht allzu modern (d.h. massiv geändert), nicht depri, nicht 3tes Reich Stück zu gehen.
    kann man bloed finden, was jelinek und die duesseldorfer draus machen, aber "dass hier Leute am guten Geschmack und am Markt vorbeiproduzieren" ist ein laecherlicher einwand. weder sind der markt noch der geschmack ein kriterium fuer kunst, sie muss frei sein, sonst ist sie keine. wenn man sich ueber seine steuern sorgen macht, gibts wirklich andere dinge: IHR GELD wird fuer atomkraftwerke, militaer, megagehaelter der hoeheren beamten, den politikerpomt, die gez-abgaben fuer meist nicht mehr zu unterbietenden ARD-ZDF-unsinn usw usf verwendet...








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