Einreiseverbot wegen Gedicht: Wie Grass Israels Rechte bedient hat

DPAGrass hat Israels Regierung eine Steilvorlage geliefert - um von den wirklich wichtigen Debatten abzulenken, meint der Historiker Moshe Zimmermann. Das Einreiseverbot für den Dichter ist absurd. Die Auseinandersetzung muss im Feuilleton stattfinden. Nicht in der Politik.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...826354,00.html
  1. #1

    Grass Gedicht

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Grass hat Israels Regierung eine Steilvorlage geliefert - um von den wirklich wichtigen Debatten abzulenken, meint der Historiker <i>Moshe Zimmermann</i>. Das Einreiseverbot für den Dichter ist absurd. Die Auseinandersetzung muss im Feuilleton stattfinden. Nicht in der Politik.

    Grass hat in erster Linie wohl für die Deutschen geschrieben und nicht für die israelische Regierung und das nicht um von wichtigen Debatten abzulenken, sondern um wichtige Debatten überhaupt ersteinmal anzustoßen, die ja sonst in den Medien tabu sind.
    Bisher werden Grass kluge Worte allerdings ignoriert (im Gegensatz zu seiner Person), aber früher oder später gehören Themen wie das Verschenken von Waffensystemen an Israel und der vorauseilende Gehorsam deutscher Politiker und der deutschen Presse gegenüber der stark rechtsgerichteten israelischen Regierung unbedingt diskutiert. Wir werden doch hoffentlich nicht schon wieder, solchen rechtsgerichteten Figuren wie Liebermann u.a., blindlings in einen blutigen Krieg folgen.
  2. #2

    Einreiseverbot wegen Gedicht: Wie Grass Israels Rechte bedient hat

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Grass hat Israels Regierung eine Steilvorlage geliefert - um von den wirklich wichtigen Debatten abzulenken, meint der Historiker <i>Moshe Zimmermann</i>. Das Einreiseverbot für den Dichter ist absurd. Die Auseinandersetzung muss im Feuilleton stattfinden. Nicht in der Politik.

    Einreiseverbot wegen Gedicht: Wie Grass Israels Rechte bedient hat - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Es ist mehr als ärgerlich, dass der Historiker Zimmermann, den ich bisher sehr geschätzt habe, sich nun der allzu platten Thesen bedient. Bis hin zu seiner Behauptung, dass Grass seine Vergangenheit bei der SS aufarbeiten müsse. Zimmermann bedient sich einfach des Main - Streams. Ob Grass der Rechten in Israel eine Steilvorlage geliefert hat, muss bezweifelt werden. Eher wird die Entscheidung über das Einreiseverbot Israel eher schaden, zeigt sie doch, wie man mit unliebsamen Kritiken umzugehen gewillt ist. Fejhlt nur noch, dass man in Israel den Deutschen Botschafter einbestellt, weil die Bundesregierung Grass nicht massregelt. Das Westerwelle der Sache einen Bärendienst erwiesen hat, ist wohl eher Nebensache.
  3. #3

    Es ist immer das Gleiche

    wenn jemand Israel kritisiert ist er sofort ein Antisemit. Danach kommen dann die Abwiegler die sagen, Israel zu kritisieren ist erlaubt. Bei der nächsten Kritik an Israel geht das Ganze dann von vorne los. Drum merke: Kritik an Israel ist nur theoretisch erlaubt.
  4. #4

    >Und Grass benutzt Bilder und Mythen, die antisemitisch angehaucht sind. Die Art und Weise, wie er Israel pauschalisiert, erinnert an die Art und Weise wie Juden pauschalisiert wurden und werden. Zu seinem Gedicht "Was gesagt werden muss" hätte auch sehr gut die Überschrift gepasst: "Israel ist unser Unglück".<(Zitat)

    Es wäre naiv zu glauben, der Antisemitismus in den Köpfen dieser Generation Grass sei mit dem Ende des 3. Reiches erloschen. Ob Grass ein Antisemit ist will ich nicht beurteilen, weil es mir nicht zusteht und weil das, was Antisemitismus ausmacht umstritten und nicht klar definiert ist.

    Sicher ist, daß diese Generation, wenn sie in der entsprechenden Umgebung aufgewachsen ist, den Antisemitismus mit der Muttermilch aufgesogen hat und so etwas wird man nicht mehr los. Ebenso, wie eine Jahrtausende alte, (überwiegend christliche) Tradition, die Juden an den Pranger zu stellen, zu verleumden, zu beschimpfen, zu verfolgen, zu entrechten und gar vernichten zu wollen - was unseren Eltern und Großeltern ja beinahe gelungen ist -, an niemandem spurlos vorbeigegangen sein kann, der in diesem unserem Kulturkreis aufgewachsen ist. An den Nichtjuden ebenso wenig wie an den Juden. Dieses Erbe kann man mit dem Verstand erkennen, es analysieren, ablehnen, aber wirklich los werden nicht so schnell. Der Bauch reagiert sehr, sehr viel langsamer als der Kopf.

    Einige, nicht wenige der Tätergeneration und ihrer Kinder, haben sich selbst in eine Art Philosemitismus geflüchtet, um mit der Schuld, die sie, wenn nicht für sich, dann für ihre Eltern und Großeltern empfinden, fertig zu werden. Andere in die Haltung „Jetzt-erst-recht“ und haben nach Gründen gesucht, die eine antisemitische Denkweise rechtfertigen („etwas muß doch dran sein“). Aber ich behaupte, daß keiner von dieser und unserer Generation in Deutschland und Österreich (ich bin Jahrgang 47) in der Lage ist, das Wort Jude oder Israel auch nur zu denken, ohne daß in den Tiefen des Bewusstseins, auf der Gefühlsebene, sich ‚etwas’ meldet, das auf eine besondere, gesonderte, abgesonderte Bedeutung des Jude-Seins hinweist. Objektiv und unbelastet ist das, was sich da meldet und mitschwingt ganz bestimmt nicht.

    Hätte Grass sich mit seiner, unserer Vergangenheit rechtzeitig und ehrlich auseinander gesetzt, dann hätte er die Falle erkennen müssen, in der seine Generation steckt. Gerade als Schriftsteller, als Künstler hätte er nicht nur erkennen, sondern auch erfühlen müssen, was er sich mit den Worten, die er gewählt hat und so, wie er sie formuliert hat anrichtet und entlarvt. Er hätte eigentlich wissen müssen, daß ausgerechnet er besser geschwiegen hätte.

    Zur Meinungsfreiheit gehört auch die Freiheit zu entscheiden, etwas nicht zu sagen, nicht so wie er es getan hat. Und wenn jemand wie er schon nicht schweigen kann und es ihm, wie er sagt, um den Weltfrieden geht, warum hat er nicht mahnende Worte an alle an diesem Beteiligten Konflikt gerichtet? Ich fürchte, es ging und geht ihm wohl mehr um seinen eigenen Seelenfrieden. Ein Trauerspiel.
  5. #5

    wie denn?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Grass hat Israels Regierung eine Steilvorlage geliefert - um von den wirklich wichtigen Debatten abzulenken, meint der Historiker <i>Moshe Zimmermann</i>. Das Einreiseverbot für den Dichter ist absurd. Die Auseinandersetzung muss im Feuilleton stattfinden. Nicht in der Politik.

    Einreiseverbot wegen Gedicht: Wie Grass Israels Rechte bedient hat - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Lieber Herr Zimmermann,
    wenn das also eine "Vorlage für die Rechten" ist, wie bitteschön "darf" denn Kritik an israelischer Politik (und mehr war das nicht) dann aussehen?

    Ist es nicht die Politik Israels, an der es ist, endlich zu lernen, dass es nicht nur Feinde hat? Und dass auch Freunde und Wohlmeinende sehr wohl Anlass zur Kritik haben könnten?

    Die Veröffentlichung des Gedichts hat zunächst einmal gar nichts befördert. Es ist vielmehr die völlig unsachliche Reaktion darauf, die geeignet ist, neuen Antisemitismus an den Stammtischen zu befördern. Und daran ist keineswegs Herr Grass schuld.
  6. #6

    Die spinnen, die Israelis

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Grass hat Israels Regierung eine Steilvorlage geliefert - um von den wirklich wichtigen Debatten abzulenken, meint der Historiker <i>Moshe Zimmermann</i>. Das Einreiseverbot für den Dichter ist absurd. Die Auseinandersetzung muss im Feuilleton stattfinden. Nicht in der Politik.

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    Mehr kann man dazu wirklich nicht sagen...
  7. #7

    Was sind die wichtigen Fragen ?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Grass hat Israels Regierung eine Steilvorlage geliefert - um von den wirklich wichtigen Debatten abzulenken, meint der Historiker <i>Moshe Zimmermann</i>.
    Einreiseverbot wegen Gedicht: Wie Grass Israels Rechte bedient hat - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Krieg und Frieden sind für mich wichtige Fragen. Wenn ein israelischer Historiker das anders sieht, ist das für mich völlig unverständlich. Das ist ein untauglicher Versuch, den verbrecherischen Charakter völkerrechtswidrigen Einsatzes von militärischer Gewalt gegen einen anderen Staat herunterzuspielen. Israel ist dazu fähig. Es hat in den letzten Jahren schon mehrmals Anlagen in anderen Staaten bombardiert. Lassen wir es nicht erneut zu ! Wenn sie es wieder tun, werden alle sagen, das Grass doch recht hatte. Wie kann man dieses Verbrechen verhindern ? Vielleicht durch Demonstrationen vor allen israelischen Botschaften.
  8. #8

    „Dem Frieden einen Bärendienst erwiesen“ …?

    Wenn damit GG mit seinem "Gedicht" gemeint ist, dann kann man das auch anderes sehen.
  9. #9

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wie Grass Israels Rechte bedient hat
    Viel schlimmer ist das er unsere Rechte bedient hat!

    Er hat unseren Rechten eine primitive und wie ich finde verlogene Steilvorlage geliefert um Israel und den Westen anzugreifen. Es ght in dem proiranischen Gedicht ja nicht nur um Israel sondern auch um den Westen.
    Besonders abstossend wird das ganze übrigens, wenn man weiß was das Wort Iran bedeutet.