nimmt man die offiziellen israelitischen Reaktionen so wichtig? Sie waren doch so zu erwarten, auch wenn sie kein Jota an Grass' Feststellungen veränderten. Die Leute sind doch unverbesserlich und zu Selbstkritik nicht fähig.
DPAGrass hat Israels Regierung eine Steilvorlage geliefert - um von den wirklich wichtigen Debatten abzulenken, meint der Historiker Moshe Zimmermann. Das Einreiseverbot für den Dichter ist absurd. Die Auseinandersetzung muss im Feuilleton stattfinden. Nicht in der Politik.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...826354,00.html
nimmt man die offiziellen israelitischen Reaktionen so wichtig? Sie waren doch so zu erwarten, auch wenn sie kein Jota an Grass' Feststellungen veränderten. Die Leute sind doch unverbesserlich und zu Selbstkritik nicht fähig.
Dass Grass die Rechte Israels bedient ist nun wirklich grober Unsinn.
Erst wenn Menschen anfangen, ihre Nasen aus den Geschichtsbüchern heraus zu ziehen und sich der Gegenwart zuwenden, werden solche absurden Überschriften der Vergangenheit angehören, ebenso, wie deratige Artikel.
Es ist ein Segen für die Menscheit, dass es immer wieder Mutige gibt, die sich bereit erklären, den ganzen Mist über sich auskippen zu lassen, der anscheinend unweigerlich zu Tage tritt, wenn ungeschribene Gesetze übertreten und starre Tabus gebrochen werden.
Ohne solche Menschen wird es nie eine ehrliche Diskussion geben.
Ich erkenne in Grass Gedicht folgende Antisemitische Muster:
1) Die Veröffentlichung direkt vor dem Passah-Fest, einem der höchsten jüdischen Feste.
2) Die pauschale "Kritik" an Israel, nicht an einer bestimmten Politik. (dem einzigen Staat der Juden)
3) Die Bezeichnung von Israel als störend. (den Weltfrieden nämlich) (Die Juden sind unser Unglück)
4) Den Vorwurf, Israel wolle das iranische Volk auslöschen. (Blutlegende)
Ich erkenne an den Reaktionen in den Foren antisemitische Muster:
1) Israel ist selbst schuld am Antisemitismus. (Die Juden sind selbst schuld)
2) Der Vorwurf die Juden kontrollierten die Presse und deren Reaktion. (Jüdische Weltverschwörung)
Außerdem gibt es an dem Gedicht noch viel sachlich Falsches, das diskutiert werden müsste, wie zum Beispiel die Verkehrung von Ursache und Wirkung im Iran-Israel Konflikt.
Nein - nicht jede Kritik an Israel ist antisemitisch. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass Grass so wie er sich äußert ein Antisemit ist. Und da erübrigt sich jede weitere Diskussion.
In anderen Worten: Er hat sich selbst disqualifiziert an einer kultivierten Debatte teilzunehmen. Und nein, Antisemiten gehören nichts ins Feuilleton.
Ich habe immer wieder den Eindruck, dass all jene, die die israelische Politik deutlich kritisieren sehr unter Druck stehen, ob nun Juden oder Nicht-Juden, da verschafft es dann immer wieder Erleichterung der Gruppendynamik Tribut zu zollen und mitunter mit den Wölfen zu heulen. Ich schätze Herrn Zimmermann auch sehr - aber wenn dieser tödliche Kreislauf, der im Nahen-Osten die Verhältnisse diktiert durchbrochen werden sollte, zum Wohle aller, dann fängt es damit an, dass diese eingleisige Gruppendynamik durchbrochen wird, welche jeden unter massiven Rechtfertigungsdruck setzt, der nicht einfach ohne wenn und aber alles gut heißen will, was die israelische Regierung so anstellt und das. obwohl die rechtliche Lage eine klare Sprache spricht.
Ich denke Grass hat da ein starkes Zeichen gesetzt und sicher war er sich bewusst, dass das ungemütlich werden könnte. Der Antisemitismus war eine tödliche Gefahr vor Juden - vor 70 Jahren. Heute ist das nicht so. Es gibt andere Minderheiten, die tatsächlich bedroht sind (z.Bsp. die Palästinenser).
Mit der ewigen Rückwertsgewandheit der Debatte erweist man jedenfalls den völkerrechtswidrigen Annexionsansinnen der Israelis einen wertvollen Dienst. Darüber sollte man sich im Klaren sein.
Eine solche Debatte kann nach all dem kaum friedlich und freundlich verlaufen - dafür ist das alles viel zu weit gediehen.
Sehen Sie? Und genau diese einseitige Betrachtung ist es, die man Grass und seiner hörigen Gefolgschaft ankreiden muss. Die Dinge werden losgelöst aus dem Kontext betrachtet, als gäbe es keine weiteren Ursachen, außer die böse Natur des Ju... Israeliten.
Ich könnte Ihnen gleich 100 solcher Fragen zur Hamas (ich differenzeire wenigstens noch) und der iranischen Führung stellen. Und dann? Wieso neigt der Mensch nur dazu, sich immer konsequent auf eine Seite zu schlagen und die Realität dabei komplett auszublenden? Ich verstehe das weder bei Ihnen, noch bei der israelischen oder iransichen Führung, noch bei Grass und seinem ekelhaften Gedicht.
Grass hat Israels Rechte bedient?
Eher die Israelis mit ihrer überzogenen, alle Vorurteile bestätigenden Reaktion die deutschen Ultras.
Ich habe auch sofort an "Die Juden sind unser Unglück" gedacht, als ich das Gedicht von Grass gelesen habe. Erstaunlich, dass diese Stereotype weder dem 85-jährigen Grass noch vielen anderen Foristen aufgefallen ist. Viele scheinen das auch gar nicht zu verstehen. Wenn allerdings Kritik an der deutschen Politik geäußert wird mit dem Sterotyp von Herrenmenschen und Massenmördern, schreien die gleichen Leute wegen dieser falschen Provokation auf. Bringen würde eine solche Kritik gar nichts, auch wenn der Kern der Kritik möglicherweise aufrichtig ist.
Auffällig ist, dass die atomare Bewaffnung des Irans in Deutschland keine große Aufregung verursacht. Die Freunde des Irans beschwören seine Friedlichkeit und versuchen den extremen Antisemitismus einer nach innen extrem repressiven Theokratie zu beschwichtigen. Eine Bedrohung scheint hierzulande - ganz im Gegensatz zu Israel - nicht wahrgenommen. Worin sich wohl alle einig sind, ist die Auffassung, dass Deutschland das Problem auf gar keinen Fall militärisch lösen kann - auch nicht im Natoverbund. Größte Sorge, und das drückt Grass ja eben auch aus, ist eine Verstrickung in einen eskalierenden Konflikt aus Staatsraison.
Was ich allerdings bei Grass merkwürdig finde, ist der Duktus, dass er aus dem Faschismus gelernt hätte, die Gesellschaft vor gefährlichen Entwicklungen zu warnen. Und er warnt vor dem israelischen Kampf gegen die iranische Atombombe. Nun, ich kann nicht abschätzen, was es bedeutet, wenn die iranische Theokratie die Atombombe hat. Das mag zunächst lediglich ein Assessoir für den diplomatischen Pavianfelsen sein. Doch auf längere Sicht macht diese Bedrohung Europa unsicher. Warum warnt Grass nicht davor? Weil er als Pazifist dieser Entwicklung hilflos gegenübersteht?
Das Interesse von Europa und Israel ist, den iranischen Atomwaffenbesitz zu verhindern. Wenn eine internationale Kontrolle der israelischen Atomwaffen ein Mittel sein sollte, dieses Ziel zu erreichen, dann hat der Vorschlag von Grass durchaus Berechtigung.
Ebenfalls wie Grass bin ich kritisch hinsichtlich Waffenlieferungen nach Israel. Die Staatsraison des Existenzrechts ist keine ausreichende Begründung für Waffenhandel. Vor allem dann nicht, wenn eine repressiv-autoritäre Politik unterstützt wird, die einen Teil des politischen Gegeners ins Ausland treibt, und repressiv-autoritäre Kräfte gestärkt werden. Wir Deutschen kennen die Abstimmung mit den Füßen. Gibt es eigentlich Statistiken der israelischen Auswanderung nach politischer Überzeugung? Ich wette, diese würde die israelische Regierung delegitimieren. Aber wo gänzlich autoritär kontrolliert, da auch Totalitarismus, oder?