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Ein Brite gesteht: Sorry, unsere Uni-Rankings waren Quatsch

Höchst selbstbewusst stellt das "Times"-Ranking seit sechs Jahren die besten Unis der Welt vor. Höchst selbstkritisch sagt jetzt der Macher der Liste, dass die bisherigen Rankings beinahe wertlos waren und zu wenige Hochschullehrer befragt wurden - aus Deutschland nicht einmal 200.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...699747,00.html
  1. #1

    Rankings unmöglich

    Die Rankings sind vollkommen unmöglich, weil die Strukturen in einzelnen Ländern zu verschieden sind.
    Beispiel Forschung: In Amerika findet der Großteil der öffentlich finanzierten Forschung an den Unis oder jedenfalls an assoziierten Instituten statt. In Deutschland habe wir über 500 öffentlich finanzierte Forschungsinstitute so wie die Institute der Max-Plank-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft oder die Ressortforschungsinstitute der Ministerien (Paul-Ehrlich, Robert Koch).
    Beispiel Lehre: Es gibt hier zB dieses berühmte Verhältnis Student pro Professor. Nur zählt in Amerika schon jemand als Professor (Assistant, Associate), der hier als PostDoc oder Laborleiter firmiert.
    Alles nicht vergleichbar.
  2. #2

    That's marketing baby....

    Zitat von trolls99 Beitrag anzeigen
    Die Rankings sind vollkommen unmöglich, weil die Strukturen in einzelnen Ländern zu verschieden sind.
    .....
    Alles nicht vergleichbar.
    Eine internationale Vergleichbarkeit würde einen enormen Aufwand an Personal (inkl. Kenntnis aller Landessprachen und Besonderheiten im Uni-/Hochschulbetrieb), Research und analytischer Expertise erfordern, dass es beinahe unbezahlbar wird. Wie will nan grosse und kleine Unis, Länder und Sprachgemeinschaften vergleichen ? Wie ist das mit den Unterschieden je Fachgebiet ? Und Publikations- und Zitierzahlen ? Wie will man da die Qualität messen ? Jedliche Schlussfolgerung oder Verallgemeinerung ist sehr gewagt und eingeschränkt in ihrer Aussage.

    Der eigentliche Skandal liegt doch auch woanders:

    Wie ist es möglich, dass irgendeine dahergelaufene Zeitung (sorry-aber bei dem bisher selbst erhobenen Anspruch ist auch eine Times ein nobody) eine Rennliste aufgrund von kaum hinterfragten Kriterien erstellt diese in den Medienmarkt drückt und - welch grandiose Lobbyarbeit und Marketingleistung der permanenten Gewinnerunis - alle möglichen Interessenten weltweit - vom Studenten über den Professor bis zum Arbeitgeber - dies für das Allerheilgste halten und offenbar auch noch als Entscheidungsgrundlage nutzen ???

    Wie ist es möglich, dass es so lange dauert bis bei allen darin verzerrt bewerteten und benachteiligten Unis bzw. ganzen Ländern mal die Idee aufkommt, dass das vor allem enorme ideelle und wirtschaftliche Nachteile bringt (Studenten, Wissenschaftler- und Ressourcenallokation) - ganz zu Schweigen von der offenbar keinesfalls gesicherten wissenschaftlichen und bildungstechnischen Hegemonie der bisherigen Sieger (die Rennliste macht's vielleicht gar erst möglich - self fulfilling prophecy) ?

    Und wieviel Zeit musste ins Land gehen bis dann überhaupt reagiert und was dagegen unternommen wird - und sei es nur eine eigene Studie.

    Und last not least - die Frage mus auch erlaubt sein - wie beeinflussbar oder schlichtweg voreingenommen sind massgebliche Teile unserer (Wissenschafts- und Meinungs-)Eliten, dass sie sich - gerade auch von anglosächsischen Entwicklungen und "Vorbildern" so einwickeln lassen --

    -- oder sind wir einfach nur zu dämlich - sorry - um unsere eigenen nationalen oder europäischen Interessen mit angemessenem Nachdruck zu vertreten und uns auch zu vermarkten ??
  3. #3

    -Re

    Zitat von trolls99 Beitrag anzeigen
    Beispiel Forschung: In Amerika findet der Großteil der öffentlich finanzierten Forschung an den Unis oder jedenfalls an assoziierten Instituten statt. In Deutschland habe wir über 500 öffentlich finanzierte Forschungsinstitute so wie die Institute der Max-Plank-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft oder die Ressortforschungsinstitute der Ministerien (Paul-Ehrlich, Robert Koch).
    Das ist der Grund, warum die deutschen Unis so schlecht sind... Die MPIs haben viel Geld, keine/kaum Lehrverpflichtung und einen guten Ruf...
    Um Spitzenunis in D zu bekommen: einfach die MPIs mit den Unis fusionieren, und ausserdem die Unis an einzelnen Standorten fusionieren: FU, TU und FH unter ein Dach, und schon ist die Gesamtanzahl der Publikationen pro Uni doch relativ hoch...
    Aber so ein MPI nebenan ist praktisch, in der Bibliothek kann man sich die Paper vom Rechner auf den USB-Stick kopieren... Die haben ja schon ein paar Abos mehr als unsere Staatsuniverstitätsbibliothek...

    Zitat von trolls99 Beitrag anzeigen
    Beispiel Lehre: Es gibt hier zB dieses berühmte Verhältnis Student pro Professor. Nur zählt in Amerika schon jemand als Professor (Assistant, Associate), der hier als PostDoc oder Laborleiter firmiert.
    Ne, die PostDocs dort und hier sind meistens ähnlich angestellt. Jedenfalls bei denen, die ich kenne. Auch wenn viele PostDocs jetzt hierzulande die klassischen C1-Stellen ersetzen.

    Bisher aber waren viele der Rankings (u.a. das chinesische) doch recht zutreffend, bzw. man konnte aus den Daten schon was rauslesen. V.a. wenn man sie mit externen zusätzlichen Daten zusammenführt: wie oft wird z.B. eine bestimmte Universtität bei SPON zitiert?

    Das ultimative Ranking ist natürlich nur das Ranking, bei dem die 10 besten Journals (höchste IF) einer Disziplin ausgewertet werden...

    Rankings, bei denen Professoren direkt befragt werden, sind aber in der Tat wertlos.
  4. #4

    re

    Zitat von Gerixxx Beitrag anzeigen
    Wie will nan grosse und kleine Unis, Länder und Sprachgemeinschaften vergleichen ? Wie ist das mit den Unterschieden je Fachgebiet ?
    In den naturwissenschaftlichen Fachgebieten und der Medizin ist es relativ "einfach":
    Rankings bei "DummeFragen"-Dienstleistungs gGmbH:
    Beispielrechnung:
    FB Uni 1:
    10 Profs mit 27 Publikationen pro Jahr mit einem IF von durchschnittlich 8,7

    FB Uni 2:

    83 Profs mit 283 Publikationen pro Jahr mit einem IF von durchschnittlich 2,8

    Ranking 1:

    ExzellenzRankingPunkte= Summe(Publikationen)*(Impactfactor der einzelnen Publikation)/Summe(Professoren)

    Uni 1: 234,9 Punkte
    Uni 2: 9,55 Punkte

    Ranking 2:

    Gesamtanzahl Publikationen:

    Uni 2: 283
    Uni 1: 27

    Ranking 3:

    GlobalImpact-Ranking: Summe(Publikationen)*(durchschnittlicher IF)

    Uni 2: 792,4
    Uni 1: 234,9


    Wie man sieht, kann man im Prinzip die Rankingberechnung so betreiben, dass man die Uni, die oben sein soll, auch nach oben bekommt. Und das waren jetzt nur einige wenige Parameter, und ich hab noch nicht mal die Standardabweichung bzw. den Standardfehler (der ist ja kleiner und macht sich bei Publikationsabbildungen besser...:-) mit einbezogen... *grins*
  5. #5

    Rettet die Uni Lübeck!

    Leicht OT, aber passt schon: die Uni Lübeck ist sehr gut, die Mediziner sind spitze, und jetzt werden sie platt gemacht!

    http://www.luebeck-kaempft.de/
  6. #6

    Sorry, unsere Uni-Rankings waren Quatsch

    Interessanter Artikel. Nicht unerwartet. Schoen waere es, wenn SPON auch mal so was aehnliches ueber die Rating Agenturen (Moody etc.), gut recherchiert, genau bis ins moeglicherweise langweilige Detail, publizieren wuerde - auch warum man sich immer noch wie selbstverstanedlich auf deren "findings" bezieht, ganz so als waere nie was schiefgegangen. Da besteht ein gewisser Erklaerungsnotstand.
    Natuerlich ist die Materie schwierig und es waren nun mal die "erkorenen" Besten. Da ist es muehsam, dazu ebenbuertige Alternativen zu finden, ausser man wuerde solche neu erfinden, was auch nicht so mir nichts dir nichts geht. Auch nicht einfacher ist es, aus einem Saulus eine Paulus zu machen. So etwas bedarf einer Gehirnwaesche und das daraus Resultierende ist moeglicherweise ebenso unglaubwuerding.


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