TMNStacheldraht, Wachtürme und Schilder, die zur "Vernichtung von Grenzverletzern" auffordern: In Marienborn, Hötensleben und Helmstedt wird die deutsch-deutsche Vergangenheit lebendig. Gedenkstätten erinnern an Republikflucht und den Alltag am Todesstreifen.
http://www.spiegel.de/reise/deutschl...-a-879601.html
Und wieder ein Bericht über die schreckliche DDR. Diese einseitige Berichterstattung nervt inzwischen gewaltig. Es wird Zeit, das die Geschichte objektiv betrachtet wird.
Ach ja, wie war es denn objektiv, ganz konkret beim Thema Mauer und Grenzanlagen? Alles hamlos, alles rechtens, ganz normal?
So ziemlich jeder hier im Westen hat so seine Erlebnisse an der Grenze. So an der Hessisch-Thüringischen Grenze in Herleshausen z.B.
Pässe abgeben, eine Art von Parcours durchlaufen, Fragen über Fragen beantworten, Durchsuchungen über sich ergehen lassen, irgendwann am Ende nach 1h oder auch 2h seinen Pass wieder bekommen. Alles unter starker Bewachung, strengen Blicken und rotzunfreundlichen Grenzern. Das Filzen des Autos, die Angst, das was platziert wird, die Pässe nicht wieder herausgegeben werden, die Angst vor dem Festgehalten werden, irgendwelche Spionagevorwürfe...
Ich habe nach meinem Umzug in den Westen hier mit vielen Leuten gesprochen, um die andere Seite zu hören. Da könnte ich ein Buch von schreiben.
Die Einreise in ein sog. 3.Welt-Land kann nicht schlimmer ablaufen.
Wie also soll die DDR objektiv betrachtet werden, keine allgemeine Systemtheorie, nein ganz konkret hier beim Thema Grenze, Mauer & Tod?
Ich diente 1973 im Greanzausbildungsregiment 40 in Oranienburg als Funktruppführer. Während der "Weltfestspiele der Jugend" 1973 in Berlin standen wir Hinterlandssicherung an der Mauer. In unserem Abschnitt gab es ein Neubaugebiet und von einer Bushaltestelle einen Trampelpfad in das Neubaugebiet, der zwischen den Warnschildern Grenzgebiet und dem Hinterlandszaun entlang führte. Das war eigentlich schon verbotenes Gebiet, wurde aber von den Anwohnern gern begangen. Normalerweise passierte nichts weil so weit hinten keine Grenzer waren. Während der Weltfestspiele waren aber wir dort. Eines Tages kam auf diesem Weg ein alter Mann entlang. Der ging am Stock und hatte an der Leine ein Hündchen dabei, so im Format eines Yorkies. Da er kurz davor war, Sperrgebiet zu betreten, sagte ich meinem Posten, er soll hingehen und dem Mann sagen, dass er umkehren möchte und den anderen längeren Weg nehmen soll. Die zwei unterhielten sich noch kurz und der Mann machte kehrt. In diesem Augenblick fuhr der Jeep (P3) mit unserem Zugführer Oberleutnant Kretzschmar vor. Der sprang raus und kam auf mich zugetobt wie ein Kampfstier. Dem kam Rauch aus den Ohren, so wütend war er. Ich war mir keiner Schuld bewußt. Aber er hat mich zusammengstaucht weil ich den Mann zurückgeschickt habe. Ich hätte warten müssen bis er im Grenzgebiet war und ihn dann wegen Grenzverletzung festnehmen müssen.
Das hätte uns Punkte im Wettbewerb eingebracht.
Nicht Grenzverletzung verhindern sondern Punkte kassieren. Die haben Menschen erschossen weil es Punkte im Wettbewerb gab. Ja, natürlich, der "Klassenfeind" lauerte überall (wurde zumindest täglich hergebetet), aber Punkte im Wettbewerb waren das wirklich erstrebenswerte Ziel. Mann, was für ein verkommenes System.
"Hier wird die Unmenschlichkeit der ehemaligen innerdeutschen Grenze auf bedrückende Weise nachvollziehbar", sagt die Museumsleiterin. Aber da habe ich Zweifel. Es war schon ein sehr sehr fieses Gefühl, über diese lange Grenze zu fahren, während die Pässe auf einem Förderband vom ersten zum zweiten Grenzposten lief über ca. 100 m. Wie diese Grenzer einen anblickten. Und es war erschreckend, die armen Schweine zu sehen, deren Autos sie auseinandergebaut hatten, weil sie verdächtig waren oder einen Mercedes fuhren.
Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Da hätte Kafka gut drüber schreiben können.
Aber gut, dass man mit dem Museum wenigstens den Versuch macht, die "Nachgeborenen" zu informieren.
Dafür hatte die Bundesrepublik ungefärbte reinrassige Nationalsozialisten in Politik und Wirtschaft belassen. Adenauer, Hans Globke, Lübke, Kurt Georg Kiesinger, Oberländer, Carl Carstens, Filbinger, Oberländer, Ernst von Weizsäcker ...
Im übrigen hatten wir als Jugendliche 1986 in Berlin West-Berliner Mädels kennengelernt. Liebe eines Sommers kann man sagen. Wir haben in der Nähe von Berlin an einem See gezeltet und uns dort mit den Mädels über die Ferien vergnügt. Obwohl sie mit ihren Visa-Berechtigungsscheinen bis 2.00 Uhr wieder am Grenzübergang sein mußten, gab es auch nie Ärger, wenn wir später kamen. Außer einem blöden Grinsen der Grenzer gab es auch für uns DDR-Jungs keine Probleme, wenn wir sie auf unseren Summis (S51) und ETZ150 bis zum Grenzübergang gefahren haben. Das war eine richtig schöne Zeit und von Schikanen haben auch die Mädels nie berichtet - sonst wären sie bestimmt nicht wieder gekommen. Eines von ihnen war sogar Tochter eines GI's und einer Westberlinerin. Aber schon ein halbes Jahr später schlief der Kontakt ein. So ist das eben in der Jugendzeit.