Den Kindle-Machern fehlt die Phantasie. Alle sprechen vom digitalen Buch, kaum jemand von Textformen, die als Download funktionieren könnten: Kurzgeschichten, literarische Reportagen, Romanreihen. Das Kindle könnte die Tyrannei der langen Texte beenden - ein Relikt der Buchdruck-Zeit.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...606593,00.html
Tyrannei der langen Texte?
Bisher habe ich unter dieser Tyrannei nicht gelitten, da muss mir was entgangen sein.
Kann natürlich sein, das jetzt für die Infoelite mit chronischem Aufmerksamkeitsdefizit, zusätzlich zum Schnipsel-Journalismus auch eine Schnipsel-Literatur entsteht. Kaum gelesen schon vergessen.
sollte man so lange SPON Artikel, aus dem das Forum ist, bitte auch auf die 4 bis 5 Zeilen Aufmacherinfo reduzieren.
Das passt dann auf eine Seite einer e-paper und mehr brauchts dann halt nicht. Die Welt ist ja eh kurzlebig und was interessiert mich dann noch eine Hintergrundinfo. Soll sich die der Leser doch gefälligst selbst zusammengoogeln.
Spart halt den Redakteur in der Zeitung ein, ... uuuppps, meinten Sie etwa bisher nicht sich selbst.
Na dann sorry, sie haben sich gerade selbst wegreationalisiert.
Wieso? Amerikanern ist es bereits sehr einfach möglich, ihre elektronischen Bücher selbst bei Amazon zu verkaufen - ohne Umweg über Verlage. In Deutschland wird das wohl bald auch möglich sein.Ob das als Produkt funktioniert, weiß niemand. Und das wird auch nie jemand erfahren, solange Verlage online ausschließlich in buchhandelskompatiblen Textformen denken.
Für elektronische Bücher braucht man als Author keinen ganzen Verlag mehr - höchstens einen freischaffenden Lektor. Klar, man muß dann Werbung in eigener Sache machen, um sein elektronisches Buch an den Kunden zu bringen. Aber auch das geht in den Zeiten des Internets einfacher...
Ob ein Gerät wie das Kindle "die Tyrannei der langen Texte beenden" wird - die ich im übrigen nicht als solche empfinde - weiß ich nicht. Was ich aber ganz sicher weiß, ist, dass ich mir kein Lesegerät kaufen werde, das sämtliche Lesegewohnheiten detailliert protokolliert und irgendwo extern, noch dazu auf Servern in den USA, speichert. Was ich lese, wie ich es lese, wie schnell ich lese, welche Randnotizen ich eventuell mache oder was ich mir unterstreiche - alles wird per Mobilfunkanbindung zu amazon gesendet. Natürlich, damit ich es bequem haben soll und auf meinen 3 anderen Kindles auch alles parat habe und mit Kindle Nr. 3 da weiterlesen kann, wo ich mit Kindle Nr. 1 gestern aufgehört habe... Besser kann man ja kaum noch flächendeckend die Lesegewohnheiten der Bürger überwachen. Und sollte mal ein Buch politisch in Ungnade fallen oder sollte ich aus Versehen mal das falsche Schlüsselwort unterstreichen oder sollte in 3 der Bücher, die ich in den nächsten 10 Jahren lesen werde, jeweils das Wort "Bombe" überdurchschnittlich häufig vorkommen, darf ich dann gewiss mit weitergehenden Maßnahmen rechnen... Schon jetzt kann ich in meinem amazon-Konto meine sämtlichen Käufe der letzten 10 Jahre auflisten lassen. Die kriege ich da auch nicht wieder weg.
Also, Kindle nein danke, da blättere ich lieber Seiten aus Papier um und packe bei Umzügen weiterhin meine Buchkartons...
Nein, so wird das nichts. Warum soll man sich für 300 Euro einen eBook-Reader kaufen, wenn es fürs gleiche Geld Geräte mit viel mehr Funktionen gibt (-> Netbooks)? Und wie rentiert sich diese Investition? Sind eBooks dann entsprechend preiswerter, weil ja massiv an Distributionskosten gespart wird?
Und was Apples iPod betrifft: Hier wird doch immer wieder maßlos übertrieben. Geschätzte 99% der Musik auf den iPods ist eben nicht bei iTunes gekauft. Das Geschäftsmodell mit maßlos überhöhten Preisen funktioniert auch hier eher nur mäßig.
Wenn das Kindle zum Renner werden soll, dann muß entweder daß Gerät massiv subventioniert werden, oder aber der Lesestoff muß im Vergleich zur gedruckten Version deutlich preiswerter sein.
Eine weitere Option wären weitere Funkionalitäten wie etwa mobiler Internetzugang, die Möglichkeit eigene Texte per Computer einzuspielen und überhaupt das öffnen der Plattform für freie Software.
Ein nur eBook-Reader (oder auch: eText-Reader) zu überhöhten Preisen verkauft sich nicht.
Zeitungen, Zeitungen, Zeitungen!
Natürlich ist ein Medium mit Downloadfähigkeiten für DRM-geschüzte Texte ideal für den Online-Vertrieb von Zeitungen und (bei der Bildqualität nur eingeschränkt) Magazinen. Im übrigen ist natürlich voluminöse Fachliteratur (ich denke da an Gesetzeskommentage mit 2600 Seiten) äußerst geeignet... Da ist noch viel drin.
Mal ehrlich, wer möchte das genussvolle Umblättern eines Buches eintauschen gegen diesen flimmernden Plastikschrott, der mal funktioniert, mal nicht.
Wer möchte die Schwere eines Reliktes aus der "Buchdruckzeit" gegen die immer gleiche Leichtigkeit der Moderne?
Kein Bücherregal mehr, nur noch Downloads, die mal funktionieren, mal nicht?
Na herzlichen Glückwunsch! Hauptsache, es ist technisch machbar.
Jede Wette, ich bin nicht der einzige, dem das Horrorvorstellungen verursacht.
Buch lesen braucht Zeit, Ruhe, Abstand und nicht die gehetzte Schnelllebigkeit, wo ich das Leseapparätchen morgens auf dem Weg mal schnell aus der Tasche zerre und nebenbei mal ein paar Zeilen ueberfliege.
(Sage ich als Webdesigner. Ich sitze ca. 8 h am Tag vor dem Bildschirm.)
Kann sein, dass sich das Ding sogar durchsetzt. Ein Zeichen für kulturelle Fortentwicklung ist es meiner Meinung nach nicht.
...Twitter statt Blogs. Das Medium kürzt sich selbst und gibt einer Tranchierung damit Recht.
Frank Werner