Duales Studium: Studenten auf zwei Gleisen

DPA"Lern erst was Richtiges, bevor du studierst" - wer diesen Satz beherzigt, könnte auch ein duales Studium machen. An vielen Einrichtungen bekommt man da beides: Eine abgeschlossene Lehre und einen Hochschulabschluss. Allerdings müssen die Absolventen ein strammes Pensum bewältigen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...849228,00.html
  1. #1

    Da stimmt was nicht.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Lern erst was Richtiges, bevor du studierst" - wer diesen Satz beherzigt, könnte auch ein duales Studium machen. An vielen Einrichtungen bekommt man da beides: Eine abgeschlossene Lehre und einen Hochschulabschluss. Allerdings müssen die Absolventen ein strammes Pensum bewältigen.

    Duales Studium: Berufspraxis mit Hochschulabschluss - SPIEGEL ONLINE
    1. 20 Tage Urlaub bei Siemens, selbst die Praktikanten haben 30 Tage Urlaub bei Siemens.
    2. Und bei den Bezügen sind auch die Nettobezüge genannt worden.
  2. #2

    Nicht immer win-win

    Sicher, wer finanziell keine Freiheiten hat oder sonstige Bedenken, ist beim dualen Studium auf jeden Fall gut aufgehoben. Aber es hat auch Nachteile für den Absolventen. Es ist deutlich zugeschnitten auf den Arbeitgeber. Also unter Umständen noch schmalspuriger als ein normales (eh schon schmalspuriges) Bachelor-Studium. Der Absolvent hat ein Problem, sollte er nach dem Studium nicht oder nur für einen kurzen Zeitraum übernommen werden. Das kann ja auch Gründe haben, welche nicht beim Absolventen liegen - aber das dürften Bewerbungsempfänger oft anders sehen. Und zu letzt - kaum einer der Absolventen dürfte im Anschluß die Zustimmung des Arbeitgebers für einen Master-Studiengang bekommen. Er muß also beim AG antreten. Der Master-Abschluß ist nicht möglich, nur mit erheblichen Aufwand berufsbegleitend oder man muß nach der Mindestlaufzeit des Arbeitsvertrages kündigen, um dann zu studieren. Letzteres mag in den USA normal sein, in Deutschland aber wohl kaum anzutreffen und anzuraten.
  3. #3

    Also ich kann den Vorteil der zwei Abschluesse nicht unbedingt erkennen

    Das einzige was ich sehe ist das die Studenten bzw Ingenieure besser Arbeitszeiten zb fuer die Konstruktion (oder Produktionsfluss) einschaetzen koennen. Das wuerde ein erweitertes Praktikum auch schon bringen. Ich kann mir nicht vorstellen das man dann aber nachher mit dem Gesellenbrief auf Jobsuche geht, oder fuer zwei Abschluesse bezahlt wird. Im Gegenteil ich finde es nachteilig das die sonst so breiten und vielfältigen Ingenieursstudien so sehr auf einen Arbeitsgeber zugeschnitten werden.
  4. #4

    Auch ich war Dualer Student, allerdings in einem etwas anderen Modell (ohne Ausbildung). Ich kann absolut nicht bestätigen, dass man nach dem Studium, sollte man keine oder nur eine befristete Übernahme bekommen, Probleme am Arbeitsmarkt hat. Ganz im Gegenteil. Die Absolventen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg werden nahezu umworben. Da sind Einsiegsgehälter von 45k-50k für einen Bachlor keine Seltenheit.
    Meistens jedoch werden von den Ausbildungsunternehmen die Studenten nahtlos in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. Ich weiß beispilesweise in einem Jahrgang von ~100 Studenten lediglich von 10, dass sie nicht übernommen wurden wobei ca. 5 ein anschließendes Master Studium an einer Universität angetreten haben (und das ohne Probleme) und somit gar nicht übernommen werden wollten.
  5. #5

    ...

    Zitat von spon-facebook-256400001 Beitrag anzeigen
    Das einzige was ich sehe ist das die Studenten bzw Ingenieure besser Arbeitszeiten zb fuer die Konstruktion (oder Produktionsfluss) einschaetzen koennen. Das wuerde ein erweitertes Praktikum auch schon bringen. Ich kann mir nicht vorstellen das man dann aber nachher mit dem Gesellenbrief auf Jobsuche geht, oder fuer zwei Abschluesse bezahlt wird. Im Gegenteil ich finde es nachteilig das die sonst so breiten und vielfältigen Ingenieursstudien so sehr auf einen Arbeitsgeber zugeschnitten werden.
    Naja - ein Student, der sich durch einen dualen Studiengang gebissen hat, punktet auch nicht mit dem Gesellenbrief, sondern schlichtweg damit, dass er eben im Gegensatz zu regulären Absolventen schon praktische Erfahrungen gesammelt hat.
    Damit hat er aber einen gewaltigen Vorsprung gegenüber jemandem, der frisch aus dem Hörsaal kommt, sich für Gottes Geschenk an die Menschheit hält und alles besser weiß.... aber ein tatsächliche Arbeitsumfeld VIELLEICHT mal drei Monate in nem Praktikum vom Rande mit angesehen hat.
    Darüber hinaus hat er bereits unter Beweis gestellt, dass er belastbar ist und Durchhaltewillen hat.
    Wir haben bislang wirklich NUR gute Erfahrungen mit unseren Studenten aus dualen Studiengängen gemacht und ausnahmslos alle übernommen. (was man von anderen Studenten jetzt nicht unbedingt sagen kann - und das auch vollkommen unabhängig davon, ob diese jetzt nen Bachelor, Master oder Diplom gemacht haben)

    Wieso denken sie eigentlich, dass der Studiengang dann "nur auf einen Arbeitgeber zugeschnitten" wäre?
    Der Studiengang wird davon doch gar nicht beeinflusst - der findet immer noch an der Hochschule statt. Der praktische Teil ist halt natürlich bei dem Arbeitgeber... was aber kaum ein Problem darstellt. Wer sonst ein Praktikum bei BMW macht, lernt auch nur spezifisch BMW dort kennen. Jeder, der ne reguläre Ausbildung macht, macht diese bei einem ausbildenden Unternehmen... und wenn man sich nach ein paar Jahren Arbeitszeit irgendwo anders bewerben will - oh Wunder... hat man den Arbeitgeber und die Tätigkeiten der letzten Jahre als Refernz.
    Was jetzt daran negativ sein soll, kann ich nicht nachvollziehen.

    Oder greift das Argument ihrer Meinung nach auch gegen eine Ausbildung bei Siemens? Weil dann wurde man ja hinther speziell auf die Belange des Unternehmens ausgebildet?
  6. #6

    gegen Überschriften

    Leider kann ich die Lobgesänge auf das Duale Studium überhaupt nicht nach vollziehen. Im Gegenteil: Mich machts meistens Sauer:
    Ich kenne sehr viele Studenten aus unterschiedlichen DH. Wenn die beschreiben, was die schwierigen Aufgaben in ihrem Studium sind und sie auch offen zugeben, wie viel mehr freie Zeit sie haben -sorry aber dann macht mich das nur sauer. Ich mache derzeit den Master of Science an einer kleinen FH und hatte mein GANZES Studium über NULL Zeit (ich darf behaupten, dass das nicht an mangelndem Intellekt oder Zeitmanagement liegt) und Aufgaben, die von der Komplexität her die der mir berichteten um ein vielfaches überschreiten.
    Semesterferien als solches gibt es an normalen FH's und Unis, die ich kenne eigentlich auch nicht mehr: Daher heißt es ja auch offiziell Vorlesungs freie Zeit. Das gleiche fachliche Pensum wie ein "normaler" Student ist also schlichtweg nicht möglich. Die berufliche Praxis holt sich derjenige dann in seinem Praxissemester und die Thesis wird vielerorts ja auch im Unternehmen geschrieben

    Es mag auch sein, dass die Art eher für die praktisch orientierten ist aber ich bin solch ein Typ: Habe vorher eine Ausbildung gemacht und dann muss man halt durch den "Theoretischen" Part durch.
  7. #7

    Den jungen Menschen sollte man aber noch gleich den Tipp geben, darauf zu achten, dass der Studiengang akkreditiert ist. Falls man nachher (aus welchen Gründen auch immer) nicht von der Firma übernommen wird, nützt einem ein nicht-akkreditierter Studienabschluss wenig bis nichts.
  8. #8

    Viele Pro und Contras

    Bisher habe ich hier immer nur mitgelesen, aber jetzt musste ich mich doch mal anmelden, um mitzureden.
    Ein duales Studium ist unglaublich begehrt zur Zeit, dass zeigen ja die im Artikel erwähnten Statistiken. Aber ich glaube, dass das auch aus einer Unwissenheit der jungen Menschen heraus resultiert. Für viele ist das Argument, beim Studieren Geld zu verdienen (so wird es ja oft dargestellt) ganz entscheidend, um dieses Studium aufzunehmen. Und vor allem für junge Menschen, die keine Eltern mit genügend finanziellen Reserveren zur Studienfinanzierung haben, ist dieses Modell ja auch eine super Möglichkeit, nur "nur" eine Ausbildung zu machen, sondern auch einen akademischen Abschluss zu erreichen, der den Sprung in höhere Karriereebenen ermöglicht. Das wird auch in einer Studie der Uni Halle beschrieben:

    Es ist anzunehmen, dass die zusätzliche ‚hybride‘ Strukturvariante Berufsakademie eine Perspektive zwischen Universität und Lehre bietet und so Arbeiterkinder von einem Universitätsstudium ablenkt, gleichzeitig aber eine akademische Alternative zur dualen Ausbildung darstellt und damit die Möglichkeit eines sozialen Aufstiegs gegenüber dem Herkunftsmilieu bietet.
    (Quelle: http://www.hof.uni-halle.de/journal/texte/10_1/Budde.pdf)

    Und es gibt da noch so einen Punkt: Was viele Studieninteressenten zwar lesen, aber nicht ganz so ernst nehmen, ist auch der schon oft genannten Stressfaktor. Ich gebe ja zu, auch wenn ich hier bei SPON lesen würde, dass ein duales Studium echt viel Arbeit ist, würde es mich nicht allzu sehr beschäftigen, weil ich dann denken würde "Ach ja, das schaffe ich schon. Bin ja schließlich gut im Lernen.". Aber was dann im Endeffekt herauskommt, hat man sich vorher wahrscheinlich nicht so vorgestellt. Ich habe u.a. für den Studienführer www.Wegweiser-Duales-Studium.de Interviews mit dualen Studenten geführt. Die meisten würden zwar wieder ein duales Studium aufnehmen, aber man merkt schon, wie sehr die stressigen Lernphasen geschlaucht haben.

    Nichtsdestotrotz zeigt ja auch die Statistik, dass eine Übernahme nach solch einem Studium höchst wahrscheinlich ist. In Zeiten von Dauerpraktikanten und befristeten Stellen zu Minigehältern ist das ja sicherlich auch keine schlechte Perspektive. Wie Plasmabruzzler aber auch schon gesagt hat, sollte man unbedingt auf den Abschluss achten. Es gibt immer noch Berufsakademien, die ein "Diplom-Studium" anbieten, z.B. mit dem Abschluss "Diplom-Betriebswirt (BA)". Was sich für Laien wie ein normaler akademischer Diplom-Abschluss anhört, ist halt "nur" ein Berufsakademie-Abschluss und berechtigt z.B. nicht zum weiterführenden Masterstudium. Da könnte man böse auf die Nase fallen. Also immer auf die Akkreditierung (z.B. von FIBAA oder ACQUIN) achten und einen in Deutschland zugelassenen Bachelor absolvieren.
  9. #9

    Kann es sein...

    Zitat von no idea Beitrag anzeigen
    Leider kann ich die Lobgesänge auf das Duale Studium überhaupt nicht nach vollziehen. Im Gegenteil: Mich machts meistens Sauer:
    Ich kenne sehr viele Studenten aus unterschiedlichen DH. Wenn die beschreiben, was die schwierigen Aufgaben in ihrem Studium sind und sie auch offen zugeben, wie viel mehr freie Zeit sie haben -sorry aber dann macht mich das nur sauer. Ich mache derzeit den Master of Science an einer kleinen FH und hatte mein GANZES Studium über NULL Zeit (ich darf behaupten, dass das nicht an mangelndem Intellekt oder Zeitmanagement liegt) und Aufgaben, die von der Komplexität her die der mir berichteten um ein vielfaches überschreiten.
    Semesterferien als solches gibt es an normalen FH's und Unis, die ich kenne eigentlich auch nicht mehr: Daher heißt es ja auch offiziell Vorlesungs freie Zeit. Das gleiche fachliche Pensum wie ein "normaler" Student ist also schlichtweg nicht möglich. Die berufliche Praxis holt sich derjenige dann in seinem Praxissemester und die Thesis wird vielerorts ja auch im Unternehmen geschrieben

    Es mag auch sein, dass die Art eher für die praktisch orientierten ist aber ich bin solch ein Typ: Habe vorher eine Ausbildung gemacht und dann muss man halt durch den "Theoretischen" Part durch.
    ...dass hier eine Verwechslung mit Berufsakademien vorliegt?

    Ich habe ein duales Studium durchlaufen (Maschbau/Diplom plus IM) und wir waren während des Studiums völlig normal in den FH-Betrieb integriert.

    In den vorlesungsfreien Zeiten wurde erst der begleitende Schlosser gebaut (plus 2. Semester = zusätzliches Praxissemester) und dann die Studienarbeiten erledigt... freie Zeit war fast nicht.

    Den Urlaub hat man mindestens teilweise zurückgegeben... mit 6 Wochen frei wäre es nicht zu machen gewesen, 2-3 konnte man aber loseisen. Mit etwas Reinhauen ging es ganz gut.

    Die Aufteilung war 9 Semester gesamt mit 3 Semestern Praxis. In Summe also 6 Monate mehr (die man sonst als Vorpraktikum hätte nachweisen müssen, also im Saldo 0) als "normal".

    Wer mochte, konnte im Anschluss `ne Diss oder auch ein Auslandsjahr machen... sonst konnte man regulär in der Firma einsteigen.
    4 Jahre war die vereinbarte Mindestbeschäftigung.

    Die Kontakte zu passenden Abteilungen wurden teilweise bereits im Studium geknüpft. Dadurch erfolgte ein recht glatter Einstieg.

    Studienarbeiten etc. konnten problemlos auch mit firmenfremden Themen an der FH gemacht werden.