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Drohneneinsätze: "Sie nennen es Kriegsporno"

"Als wärst Du ein Feuerwehrmann, und es brennt jeden Tag." Drohnenflieger seien einem Stress ausgesetzt, der ganz anders als an der Front sei, erklärt der US-Politologe Singer im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Die gesamte Erlebniswelt des Krieges werde durch die neuen todbringenden Waffen verändert.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...681007,00.html
  1. #1

    Stress

    "Wir stellen bei den Drohneneinheiten höhere Werte von Gefechtsstress fest als bei manchen Einheiten in Afghanistan."

    "Manche Einheiten", damit sind Schreibtischsoldaten, oder solche die sich im Lager um den Nachschub kümmern oder Luftwaffensoldaten, die Flugzeuge aufmunitionieren oder Sekretäre von Stabsoffizieren, bzw Stabsoffiziere selbst.
    Die haben Jobs mit Null Risiko und Null Feindkontakt.
    Bei der Bundeswehr nannte man die "Gezi-Schlampen", dass die kein posttraumatisches Stresssyndrom bekommen verwundert mich nicht.

    Dass jetzt Drohneneinheiten mehr Gefechtsstress haben also "manche Einheiten" ist eine tolle Aussage, mit einer Infanteriekompanie kann man das noch lange nicht vergleichen.
  2. #2

    Revolution

    Ja, auf jeden Fall ist das eine dramatische Veränderung des Krieges und wie wir ihn sehen.
    Die Drohnen sind aber nur ein kleiner Schritt, wie es weiter geht haben ja schon diverse Autoren vorgezeichnet.
    Die Technik wird in den nächsten Jahren immer kleiner und kleiner werden und man kann sicher davon ausgehen das es bald taugliche Aufklärer ( bewaffnet ? ) in der Größe von Krähen, Ratten oder gar Käfern geben wird.
    Das ist faktisch das Ende der Armeen wie wir sie kennen und ich bin mir sicher es wird da massiven Widerstand geben.
    Das bedeutet nämlich, dass all die schönen patriotischen Aufmärsche, Paraden, Flagenaufzüge und auch Beerdigungen einfach verschwinden werden.
    Was zählt die Tapferkeit des Soldaten noch, wenn er von einer Drohne in der Größe einer Honigbiene zu Strecke gebracht wird ?
    Wo soll es da noch " Helden" geben ?
  3. #3

    Revolution

    Ja, auf jeden Fall ist das eine dramatische Veränderung des Krieges und wie wir ihn sehen.
    Die Drohnen sind aber nur ein kleiner Schritt, wie es weiter geht haben ja schon diverse Autoren vorgezeichnet.
    Die Technik wird in den nächsten Jahren immer kleiner und kleiner werden und man kann sicher davon ausgehen das es bald taugliche Aufklärer ( bewaffnet ? ) in der Größe von Krähen, Ratten oder gar Käfern geben wird.
    Das ist faktisch das Ende der Armeen wie wir sie kennen und ich bin mir sicher es wird da massiven Widerstand geben.
    Das bedeutet nämlich, dass all die schönen patriotischen Aufmärsche, Paraden, Flagenaufzüge und auch Beerdigungen einfach verschwinden werden.
    Was zählt die Tapferkeit des Soldaten noch, wenn er von einer Drohne in der Größe einer Honigbiene zu Strecke gebracht wird ?
    Wo soll es da noch " Helden" geben ?
  4. #4

    Wie pervers

    Man muss sich das vor Augen halten: Man sieht aus relativ geringer Entfernung zu, wie andere sterben. Und bitte denken Sie bloß nicht, das Sterben in Afghanistan so aussieht wie im Film: Sauberes kleines Loch in Brust oder Kopf, etwas Filmblut. Die Drohnenpiloten müssen zusehen wie Sprenggranaten Soldaten zerfetzen, wie Garben aus Maschinengewehren Soldaten regelrecht in der Mitte zerteilen wie eine Säge und vor allem - welche Wirkung die eigenen Waffen haben.
    Ein Kampfpilot in seiner Blechdose fliegt das Ziel an, visiert, feuert oder wirft seine Bombenlast ab und macht sich dann schleunigst vom Acker, um nicht selbst Opfer seiner eigenen Waffen zu werden und vor allem auch, um feindlicher Gegenwehr zu entgehen. Der Drohnenpilot dagegen sieht das Ziel, feuert seine Waffe aus sicherem Abstand darauf ab und verfolgt "die Wirkung im Ziel". Nicht gerade einfach, vor allem wenn man am Monitor sieht, wie aus dem gerade mit Laser markierten Kleinlaster in den afghanischen Bergen neben einem gesuchten Terroristen auch drei kleine Kinder aussteigen, deren Überreste man dann bei der Wirkungsaufklärung begutachtet. Das sind keine Videospiele, das ist real. Und kein Videospiel kann erfassen, welch schreckliche Verstümmelungen Waffen hinterlassen können. Wäre es so, käme das Spiel sofort auf den Index und wäre verboten (und würde wegen des Ekels nicht gespielt werden)

    Es ist die Banalität, die die Menschen kaputtmacht. Unter Stress geht man anders damit um. Wenn die eigene Patroullie oder der eigene Erkundungsflug unter Feuer gerät, pumpt das Adrenalin durch den Körper, man ist angespannt. Ganz anders die Drohnenkrieger: Sie gehen zur Arbeit, nüchtern steuern sie die Flugzeuge, haben Kontakt zu den Zielanweisern vor Ort, die selbst höchster Gefahr ausgesetzt sind und klinken dann ihre tödliche Last aus - und abends gehen sie nach Hause. Meine Güte, wie pervers.
  5. #5

    1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Als wärst Du ein Feuerwehrmann, und es brennt jeden Tag." Drohnenflieger seien einem Stress ausgesetzt, der ganz anders als an der Front sei, erklärt der US-Politologe Singer im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Die gesamte Erlebniswelt des Krieges werde durch die neuen todbringenden Waffen verändert.

    http://www.spiegel.de/politik/auslan...681007,00.html
    Ein beeindruckendes Interview.
  6. #6

    Nun gut,....

    die Drohnen sind also pervers. Aber sind frühere bzw. historische Waffengattungen (wie Bomber) humaner gewesen ?

    Bei den neuen asymetrischen Kriegen waren beispielsweise vorerst Taliban oder Al-Quaida im Vorteil, weil sie bei den eigenen Kämpfern und auch in der einheimischen Zivilbevölkerung (Selbstmordattentäter, wie pervers ist
    dass denn nun ?) viel mehr Todesopfer bewußt und absichtsvoll
    einkalkulierten als wie das die Nato tat und auch tun konnte.

    Die Drohnen sind nun eine Möglichkeit, diesen oben beschriebenen Nachteil auszugleichen.
  7. #7

    Pervers, in der Tat

    Auffällig ist auch die moralische Blindheit der Öffentlichkeit: Während der amerikanischen Regierung - zu Recht - die anhaltende Freiheitsberaubung von nicht verurteilten Menschen in Guatanamo und Baghram als schwerer Rechtsverstoß vorgeworfen wird, erzeugt die widerrechtliche Fernhinrichtung ohne Gerichtsverfahen - in der Regel unter kalkuliertem Mitsterben einer Vielzahl von unschuldigen Zivilisten - keinen öffentlichen Aufschrei.

    Empörend!
    Jeder, der das zu verantwortenhat, soll die Bilder der ferngetöteten Kinder bis ans Ende seiner Tage vor sich haben.
  8. #8

    Videospiel?

    Zitat von Frank Wagner Beitrag anzeigen
    Die Technik wird in den nächsten Jahren immer kleiner und kleiner werden und man kann sicher davon ausgehen das es bald taugliche Aufklärer ( bewaffnet ? ) in der Größe von Krähen, Ratten oder gar Käfern geben wird.
    Lieber eine Materialschlacht als eine Material- und "Humankapital"schlacht wie im zweiten Weltkrieg.

    Zitat von Frank Wagner Beitrag anzeigen
    Das bedeutet nämlich, dass all die schönen patriotischen Aufmärsche, Paraden, Flagenaufzüge und auch Beerdigungen einfach verschwinden werden.
    Ich hoffe, das ist Ironie.

    Zitat von Frank Wagner Beitrag anzeigen
    Was zählt die Tapferkeit des Soldaten noch, wenn er von einer Drohne in der Größe einer Honigbiene zu Strecke gebracht wird ?
    Wo soll es da noch " Helden" geben ?
    Gegenfrage: Brauchen wir überhaupt "tapfere" Soldaten, bzw. wie Sie es nennen, Helden? Jemand, der Zivilisten und Militante gleichermaßen abknallt, ist für mich kein Held.

    Zitat von Stahlengel77 Beitrag anzeigen
    Man muss sich das vor Augen halten: Man sieht aus relativ geringer Entfernung zu, wie andere sterben.
    Man tötet sogar aus relativ geringer Entfernung ...

    Zitat von Stahlengel77 Beitrag anzeigen
    Das sind keine Videospiele, das ist real. Und kein Videospiel kann erfassen, welch schreckliche Verstümmelungen Waffen hinterlassen können. Wäre es so, käme das Spiel sofort auf den Index und wäre verboten (und würde wegen des Ekels nicht gespielt werden)
    Man merkt, Sie haben keine Ahnung.
    "Index" ist NICHT das selbe wie "verboten" - "auf dem Index" heißt nur "ab 18, nicht frei verkäuflich", aber auf Nachfrage und Vorzeigen des Personalausweises schon!
    Außerdem wird jedes Spiel gespielt; gerade die Spiele, die zwar von der Realität abweichen, aber in der Realität spielen.

    Zitat von Stahlengel77 Beitrag anzeigen
    Wenn die eigene Patroullie oder der eigene Erkundungsflug unter Feuer gerät, pumpt das Adrenalin durch den Körper, man ist angespannt. Ganz anders die Drohnenkrieger: Sie gehen zur Arbeit, nüchtern steuern sie die Flugzeuge, haben Kontakt zu den Zielanweisern vor Ort, die selbst höchster Gefahr ausgesetzt sind und klinken dann ihre tödliche Last aus - und abends gehen sie nach Hause. Meine Güte, wie pervers.
    Im Artikel steht, dass diese teilweise mehr Stress (und damit Adrenalin) haben als so mancher Infanterist - gerade, weil Sie nicht so eingreifen können wie es ein normaler Soldat tut.

    Achja. Wenn ein solcher Drohnenpilot sein Arbeitsgerät aus Unvernunft oder dank eines Fehlers zerstört, ist seine Karriere auf gut Deutsch gesagt "im Arsch". Wenn ein Bomberpilot das Gleiche tut, ist er selber dabei umgekommen und ihn interessiert's nicht mehr... ;-)
  9. #9

    Drohneneinsätze

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Als wärst Du ein Feuerwehrmann, und es brennt jeden Tag." Drohnenflieger seien einem Stress ausgesetzt, der ganz anders als an der Front sei, erklärt der US-Politologe Singer im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Die gesamte Erlebniswelt des Krieges werde durch die neuen todbringenden Waffen verändert.

    http://www.spiegel.de/politik/auslan...681007,00.html
    Das Interview zeigt noch einmal sehr deutlich, dass eine kriegerische Auseinandersetzung für niemanden auch nur den geringsten Nutzen bringen kann, im Gegenteil, es wird dem Gegener vermittelt, dass man selber indifferent ist. Welche Haltung erwartet man dann von einem Gespräch, das gerade jetzt mit aller Kraft gesucht werden müsste, ganz besonders auch aus rein menschlichen Gründen, nicht erst dann, wenn die Gegner ebenso agieren und dabei auf die Geisteshaltung verweisen, mit der sie bekämpft werden.








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