Forum


 

Dopingverdacht: Tour-Sieger Contador positiv auf Steroide getestet

Jetzt steht auch der spanische Radprofi Alberto Contador unter Dopingverdacht: Der Sieger der Tour de France 2010 wurde bei einer Urinprobe positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet und suspendiert. Contador macht "verunreinigte Nahrungsmittel" für das Ergebnis verantwortlich.

http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,720389,00.html
  1. #60

    Individualethik vs. Institutionenethik

    Zur Beantwortung der Schuldfrage in der Kontroverse um Doping im Radsport ist es meines Erachtens äusserst kurzsichtig, sich vordergründig auf die Protagonisten, also die Sportler, zu konzentrieren, und ihnen den schwarzen Peter zuzuschieben (Individualethik).
    Gemäß des Modells des Homo Oeconomicus versucht ein professioneller Radsportler ganz einfach, seinen Nutzen zu maximieren. Alles andere wäre mit Rücksicht auf die immensen Investitionen, die ein Radsportler getätigt hat, um beispielsweise im grossen Tour de France-Zirkus mitzuwirken, schlichtweg irrational. Auf die Orientierung an hohen Moralvorstellung seitens der Radfahrer, welche lediglich in Selbstschädigung münden würde, darf daher nicht zuviel Hoffnung gesetzt werden. Nicht zu selten sehen sich die Profis mit der entscheidenden Frage auseindergesetzt: "(Mehr) Doping oder Karriereende?".
    Vielmehr müsste die Lösung des Problems in einer Änderung der den Profisport bestimmenden Rahmenbedingungen gesucht werden (Instutionenethik). Beispielsweise durch härtere Sanktionierung von Dopingsündern.
    Leider greift auch dieser Lösungsansatz zu kurz, da sich das Modell des homo oeconomicus auch auf die Radsportverbände sowie die Tour-Organisation übertragen lässt, welche in Konkurrenz zu anderen Sportverbänden und großen Sportveranstaltungen stehen, und daher ebenfalls versuchen, ihren Nutzen zu maximieren. Letzteres lässt sich durch gesteigerte Attraktivität ihrer Sportart erreichen. Wenn Contador nun im Affenzahn die Alpen hochrast, dann ist das eben medienwirksam und daher gut für die Tour und die Attraktivität des Radsports.
    Wer hat also Schuld? Der internationale Sportsgerichtshof, der nicht eingreift? Der Fernsehzuschauer, der nicht abschaltet, (und der daher offensichtlich Doping gar nicht so schlimm findet, und für den das Problem daher auch gar nicht existiert)?
    Keine Ahnung.
  2. #61

    Selber gesucht

    Zitat von n.holgerson Beitrag anzeigen
    Man kann es ihnen immer und immer wieder vorhalten und sie werden es wohl nie verstehen. Doping bringt im Spitzensport eine Leistungssteigerung von 1-3 Prozent.
    So. Jetzt habe ich selber mal gesucht. Gleich die ersten beiden geklickten Links sprechen von signifikanten EPO-Effekten ab 10% aufwärts (die englische Quelle spricht sogar von 54%, aber das ist sicher zu viel und auch eine Frage, wie die Statistik angewandt wird).
    http://www.cycling4fans.de/index.php?id=311
    http://www.sportsscientists.com/2007...mance-who.html

    Ich bin nicht so der Riesenexperte, verfolge die Diskussion nur relativ interessiert. Das Beispiel des Schweizer Radprofis spricht auch für meine aktuelle Wahrnehmung: EPO hat alles verändert.
    - es bringt richtig viel
    - kontrolliert eingenommen gibt es bislang wohl keine bzw. nur wenige Schäden am Körper (schon gar nicht im Vergleich mit Schäden wie kaputten Knochen etc. mit denen jeder Profisportler sowieso zum Ende seiner Karriere hin rechnen muss)
    - es ist schwer nachweisbar
    - jeder hat es, jeder nimmt es, die Qualität ist gut, Lieferwege sind gut

    Tja. Nun erklären Sie mal, warum das bspw. für Fussballer keine Option sein soll? Es ist definitiv davon auszugehen, dass ein Team zum Ende der regulären Spielzeit hin und vor allem in der Verlängerung noch schneller und besser rennen können wird.
  3. #62

    zahlenbeispiel....

    Zitat von n.holgerson Beitrag anzeigen
    Man kann es ihnen immer und immer wieder vorhalten und sie werden es wohl nie verstehen. Doping bringt im Spitzensport eine Leistungssteigerung von 1-3 Prozent.

    Da erklären sie mal, wie sie zu der .......
    nachtrag:
    sehr interessanter link zum thema, um ihnen mal aufzuzeigen, mit welcher vehemens sie hier unwahrheiten verbreiten:
    http://www.derwesten.de/sport/Mit-EP...id2104805.html
    Zusammenfassung:
    Extremsportler macht Selbstversuch, zweimal mit dem Rad nach Alpe d'Huez hoch.

    Beim ersten Mal, beste äußere Bedingungen, 21 Grad, ungedopt: Er braucht 70 Minuten.

    Beim zweiten Mal, nach 14 Tagen EPO Kuren, Hämoglobinwert um 5 Punkte (von 48 auf 53) gestiegen = 10,5 % Steigerung, mieseste äußere Bedingungen (naß, 3 Grad): er braucht 66 Minuten.

    In Prozent: 5,8%.

    Wenn Sie mit oder ohne Doping 4 Minuten auf Alpe d'Huez rausfahren können, dann sind das im Radsport Welten.
  4. #63

    Bewährte Produkte im Mittelpunk!

    Bei der diesjährigen internationalen Leistungsshow der Pharmaindustrie in Frankreich, standen wieder die bewährten Produkte im Mittelpunkt. Nach mehreren Jahren voller Produktpräsentationen, wurde in diesem wirtschaftlichem Krisenjahr - die Leistungsfähigkeit und die Weitsicht der Unternehmen belohnt. "Unsere bewährten und durchwegs bekannten Produkte, haben sich als stabile und sichere Basis zur Gewinnabsicherung wieder einmal bewiesen." so der Sprecher des französischen Pharmalobyverbandes ASO. Im kommenden Jahr, so der Sprecher nochmals, gehe er aber wieder von neuen Produkten aus. "In den Forschungsabeitungen werden derzeit sehr erfolgsversprechende Tests durchgeführt." so der Sprecher der Teamleiter. "2011 hoffe man die Leistungsfähigkeit wieder in Minuten und nicht mehr in Sekunden darlegen zu können." so noch einer der bekannteren Schleifenfahrer.
  5. #64

    Wer bestreitet es denn noch???

    Zitat von n.holgerson Beitrag anzeigen
    Man kann es ihnen immer und immer wieder vorhalten und sie werden es wohl nie verstehen. Doping bringt im Spitzensport eine Leistungssteigerung von 1-3 Prozent.

    Da erklären sie mal, wie sie zu der Aussage "rennen wie Karnickel" kommen?!? Sie würden mit dem bloßen Auge doch bei einem Sprint über 60 Meter überhaupt keinen Unterschied merken.
    Aber was steckt denn wirklich mal wieder hinter ihrer Aussage? Immer wenn es um Doping und Radsport geht, versuchen sie "krankhaft" vom Thema abzulenken. Sie versuchen ständig andere Sportarten ins Spiel zu bringen. Und nun geht es schon wieder los....
    Aber krankhaft vom Thema ablenken, darum gehts doch nicht!
    Es geht um Relation!!! Das Contador gedopt ist, dass verwundert doch nicht!!! Im Radsport wird gedopt, ja!!! Bis zum Abwinken! Ja! Aber im Profisport allgemein wird gedopt bis zum abwinken! Mich würde nur mal interessieren, was für einen Sport diese Menschen hier verfolgen, die sich darüber auslassen, wie blöd man sein muss, sowas wie Radsport noch anzuschauen und dass sie von den öffentlichen Fernsehanstalten ihr Geld zurückhaben wollen?!?!?! Und genau darum geht es hier im Forum! Um die einen, die ignorant und naiv nur auf dem Radsport rumhacken und die andere, denen längst klar ist, dass im Radsport gedopt wird, denen aber auch klar ist, dass dies nun mal der Realität im Profisport im allgemeinen entspricht! Beweise und Anhaltspunkte dafür gibt es doch mehr als genug!!!
  6. #65

    .

    Zitat von obacht! Beitrag anzeigen
    Doping bringt im Fußball (Handball, Eishockey ect.) aber nicht so arg viel, weil andere Faktoren wichtiger sind (taktisches Verständnis, Kreativität, ect.) als beim Radfahren oder in der Leichtathletik.

    Was nützt es einen Fußballer, wenn er ein paar zehnten schneller die 100m läuft, er aber nix mit dem Ball anfangen kann?
    Ich schlage einen Versuch vor: Machen Sie einen IQ-Test vor und nach einer sagen wir 60-minütigen Ausdauerbelastung. So, und dann nehmen sie eines der bekannten Dopingmittel über einen sinnvollen Zeitraum und dasselbe Prozedere nochmal. Sie werden sehen, dass ihre Hirnleistung in diesem Zusammenhang stark zugenommen hat.

    Will sagen: Ein Spieler kann noch so kreativ oder whatever sein, wenn sein ganzes Blut in den übersäuerten Beinen sitzt bringt ihm das herzlich wenig. Und eben dieser Effekt wird durch künstliche Stimulanzien hinausgezögert, im Idealfall bis nach Spielende einschliesslich Verlängerung und Elfmeterschiessen.
  7. #66

    .

    Zitat von l.augenstein Beitrag anzeigen
    Warum also jetzt erst?
    Kleines Abschiedsgeschenk vom Texaner ?
  8. #67

    Freigeben

    Man sollte mal darüber nachdenken, ein paar Sportarten frei zu geben.
    Ähnlich wie in den Königsklassen des Motorsports. Alles an Doping erlauben. Die Diskussionen hören auf und wir erleben endlich, was wirklich machbar ist.

    Sicherlich wird es Verluste geben, aber die Sportler sind ja alles große Jungs und Mädels, denen man wohl zutrauen kann, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.
    Wer das nicht will, sollte diese Sportarten meiden.
  9. #68

    Konzentration auf TdF

    Eines der Gründe für die Zunahme des Dopings während der TdF ist die Konzentration im Radsport auf dieses Ereignis.

    Während in den 60-Jahren ein großer Radsportler versuchte ALLE Rennen der Saison zu gewinnen, begann ab den 80-Jahren die TdF zum einzig wichtigen Rennen zu werden. Auch unterstützt von den Medien, die sich lieber auf Großereignisse stürzen. Während also in der Frühzeit ein Radsportler auch "gut" sein konnte, wenn er regelmäßig bestimmte Klassiker gewann, ist in der Neuzeit ein guter Radsportler nur noch an einen TdF-Sieg auszumachen. Gutes Beispiel L. Amstrong. Was hat dieser Herr gewonnen ausser die Tdf? Kann niemand beantworten ohne nachzuschlagen.
    Genau diese Konzentration auf ein Ereignis im Jahr macht die Sportler stärker anfällig für Doping. Es genügt für ein Sportler nicht mehr, dass er vorher andere Rennen gewonnen hat. Es zählt nur noch die TdF.
    Was macht einer, der sich gerade z.B. verletzungsbedingt in einer Schwächephase befindet? Früher hätte er gesagt, ok dann konzentriere ich mich auf die WM oder die Herbstklassiker. Heute greift er zu unerlaubten Mitteln.
  10. #69

    :-)

    Zitat von gehlhajo Beitrag anzeigen
    Kleines Abschiedsgeschenk vom Texaner ?
    :-) Sehr interessanter Gedanke!
    Aber wahrscheinlich wird Lance froh sein, wenn er selbst einigermaßen unbeschadet aus seinem Schlamassel rauskommt.


TOP



TOP